Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1927-06-02 · 11 (2.6.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
11 (2.6.1927)
Date
1927-06-02
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492456-6352305-6352513--0405-4928589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

kocht* *b, die andere unterhielt «loh, wieder andere lauschten den Klaviersplel »Ines Sorauer Mädels und die ältere Generation vergnügte «ich beim ganz gemütlichen Skat Zwischendurch fand «in« gemeinsame Sitzung aller Vorstände statt, in der über Gaugründung bzw. Nichtgründung gesprochen wurde. Um den Etnaelgruppen unnötige Kosten zu ersparen, beschloß man, von einer Gaugründung Abstand zu nehmen, und es bleibt wie früher dabei, daß Herr Jastrow' als Vertreter der Lauaüzbfinde die Ortsgruppen Sorau, Kottbus, Sagan und Forst beim Verband« vertritt. Am Nachmittag bekamen wir Besuch einer Sorauer 'Familie und so blieb man bei Unterbaltungsspielen bis gegen 4 Uhr zusammen, um dann in di« Stadt tu ziehen, wo wir gegen K6 Uhr eintrafen. an «ein« Taufe dachte. — Er schaute sich um. Scheu, zagend griff er cum Talles und warf ihn sich um. Wie hatte er sich damals darüber gefreut. Was hatte ihm sein Vater zur Barmizwoh gesagt? „Werde ein ordentlicher- Mensch und 'ein guter Jude." Wieder klang es ihm ins Ohr, Kol Nidre. Er (ah sich wieder als Knabe mit seinem Vater im Tempel, hörte da« andächtige Beten — Kol Nidre —, und war so stolz gewesen, ein Jude zu sein. Und nun? Heiße Scham überkam ihn, hastig riß er den Talles, den er noch immer umhatte, herunter. Er war doch jetzt ein Christ und hieß Krone. Er schloß die -Sachen ein und kämpfte trotzig gegen das wehe Gefühl. Er hatte das Weinen des Kol Nidre verstanden, denn es war ja sein Volk, es war der Sang seines Blutes, des Christen Hermann Krone. Spanisches Von Verbandsfreund Jakob Jacobs, Frankfurt, zur Zeit Valencia. L Wenn man nachmittags 5 Uhr am Quay d'Orsay Paris verläßt, die Nacht fahrend durchschläft und kurz nach Tagesanbruch durch Zoll- und Paßrevision geweckt wird (der erste Gedanke: schon wieder!), befindet man sich in Cerbere, jenem herrlichen Kap am Mittelländischen Meer, der letzten französischen Station auf der Reise in jenes, neben den Balkanstaaten, wohl uneuropäischste europäische Land: Spanien! — II. Der Name hat etwas Geheimnisvolles: die Kuh und die Dörfer' sind sogar sprichwörtlich geworden. Port Bon: Es ist nicht einfach, in das Reich Primo de Rivieras einzureisen; hauptsächlich werden die Pässe geprüft, und nachdem man seine 10 Peseten Zuschlag bezahlt hat, damit man den sog. Luxuszug benutzen darf (der 40 Prozent schlechter ist als der französische Expreß), kann man mit einer Stunde Verspätung Weiterreisen nach III.- Barcelona, und ist „enttäuscht", eine vollkommen „europäische" Stadt, mit allen ihren guten und schlechten Seiten, zu finden. IV. Barcelona, Valencia! Wenn man diese Namen hört oder liest: man ist da geneigt, an die (beiden) Schlager zu denken, die insbesondere die letztere berühmt gemacht haben, als an die aufstrebenden Großstädte an Spaniens Ostküste. Valencia, Spaniens Garten, Blumen und Orangen, ein Paradies der Früchte und (man sagt) der Frauen. — Eine spanische Stadt. — Halen und Seebad und natürlich V. Stierzirkus, dieses sonderbarste und brutalste Volksschauspiel, das ich kenne. — Als kürzlich eine italienische Operntournee hier spielte, und als die Vorstellung anstatt MIO Uhr mit der spanischen Unpünktlichkeit nach 10 Ubr anzufangen «ich anschickte, machte ein Spanier seinem Warteärger Luft und sagte: Nichts fängt pünktlich an, außer den Toreros (Stierkämpfer) und dem Fußball, und er hat recht! Elsenbahn, Bureau, Theater, Konzert! alles hat Zeit! aber auf die Minute schwingt der Präsident der Arena sein Taschentuch, die Toreros verbeugen »ich vor ihm, die Türen werden geöffnet, ein Stier stürzt berein (übrigens für meinen Geschmack der schönste Anblick, wie das Tier stob di« Arena umkreist) und nun — kann's losgeben. Offen gestanden, nach dem zweiten Stier bin ich weg- Hier angelangt, wurden wir, wie jedesmal, wenn wir In Sorau weilen, von Familie Glaß eingeladen, die restlichen Stunden bis zur Abfahrt zu verweilen. Jeder machte sich wieder einem Menschen ähnlich und, nachdem man dem Tanze gehuldigt hatte, stand gegen 7 Uhr der gedeckte Abendbrottisch vor uns. Alle ließen es sich gut schmecken und fühlten sich wie bei Mutter, als Herr Jastrow den Löffel an der Tasse erklingen ließ und den Dank aller Gäste zum Ausdruck brachte, indem er ein dreifaches Hoch auf Familie Glaß darbrachte. Darauf gab der Förster Wanderführer, Bernhard Koenigstein, der Hoffnung Ausdruck, daß das heutige Treffen dazu beitragen möge, das freundschaftliche Band zwischen 'den Lausitzbünden enger zu fassen, und gratulierte im Namen gegangen (es gab deren sechs), ich hatte genug; es hat mir genügt, um den Gedanken nicht loswerden zu können, wie diese Menschen, die dem, der am grausamsten das Tier zugrunde richtet, die Krone zusprechen, mit den Juden umgegangen sein müssen, und Heine fiel mir unwillkürlich ein: --ergötzen sich, am Gerüche _ von gebratenen Juden. VI. Manches hat man den Juden als Eigenart zugesprochen: die Unpünktlichkeit und auch „das Reden mit de Hand". Aber, Leser, komme nach Spanien, du wirst dich überzeugen, daß wir, was das Letzte anlangt, noch viel zu' lernen haben oder viel verlernt haben, seit unserem Leben unter Völkern mit gemäßigterem Temperament, das dem unseren nicht entspricht und dem wir uns doch anzupassen suchen. — Wer weiß? VII. Uebrigens: Inquisitionen. — Ich las eine kleine Abhandlung: „Historia de la Civilisacion Espanola", und auch (o Widerspruch!) die Inquisition ist in dieser Enzyklopädie Ser spanischen Zivilisation enthalten. — Man hätte sie besser weggelassen, sie ist kein Ruhmesblatt — aber Juden sind nicht erwähnt. Für sie sang kein Jehuda Halevy: „der das Licht der Welt erblickte zu Toledo in Kastilien", und kein Salomo Gabirol, wegen dessen unnatürlichen Tod Heine sagt: „An demselben Tage henkte man den Mohren zu Corduba", aber — VIII. Spinoza hat man wie überall auch^hier in der Presse gefeiert. Man hat nicht gesagt, daß Spinoza ein Jude war. Man hat nicht gesagt, daß Spinozas Familie zu denen gehörte, die als Opfer spanisch-portugiesischer Inquisition sich eine neue Heimat suchten. IX. Aber man darf es auch nicht sagen, denn es gibt solche gefährlichen Wahrheiten, di« man verschweigen muß, um so mehr, wenn man sich anschickt, altes Unrecht stillschweigend wieder gut zu machen. X. Das ist das Merkwürdige! Antisemitismus gibt es nicht (mancher wird sagen, weil es keine Juden gibt); kein amtliches Formular fragt nach der Religion, und unbelästigt kann auch der Jude hier seiner Arbeit und seinen Idealen nachgehen. Merkwürdig mutet es dann an, wenn im „Berliner Tageblatt" dieser Tage eine Anzeige zu finden ist, in der ein „liberaler Jude auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege" seine Gattin zu erküren wünscht, die alle Vorzüge des Körpers und des Geistes besitzen muß, aber — es darf kein jüdischer Typ sein. Valencias Frauen sind vielberühmt und gerühmt ob ihrer Schönheit; sie ähneln sehr dem jüdischen Typ, und es gibt sehr viele Spanier, die di« Schönheit darauf zurück'"'•. < n, daß jüdisches und arabische* Blut in ihren Adern fließt. Der Heiratslustige ist kein Spanier (und es gehört vielleicht nicht hierher), aber — leider — ein jücTischer Typ! — und einem Spanier käme ein« solch« Annonce, nun, sagen wir, spanisch vorl ""31

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.