Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (2.6.1927)
- Date
- 1927-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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«oll und muß das Streben nach jüdischem Wissen in jeder Weise gefördert werden. Sie sollen der Jugend das geben, was ihr der Religionsunterricht in seinen zwei Stunden nicht geben konnte: eine Vertiefung in die Geschichte unseres Stammes. Sie sollen aber auch in ihren Heimabenden und Festesfeiern den fern vom Elternhause lebenden Mädeln und Jungen das Elternhaus mit seinem Zeremoniell ersetzen und denen, die von jüdischem Wesen und jüdischer Art zu Hause nichts kennen gelernt haben, das Judentum näherbringen, damit die nachfolgende Generation ihren Kindern nicht nur Religion lehren, sondern auch — und das ist äußerst wichtig — vorleben kann. Hier wäre das gegebene Betätigungsfeld für unsere geistigen Führer, für Rabbiner und Lehrer. Ich habe sehr 'oft gefunden, daß diese aus falscher Neutralität sich dieser Aufgaben «ehr oit entziehen. Aber auch die Gemeinde all solche muH hier helfend eingreifen, soll doch aus der Jugend einmal die Gemeindevertretung hervorgehen, und damit komme ich zu der zweiten, der pekuniären Not. Wir sollen unsere Jugend nicht nur mit den Gemeindeinstitutionen vertraut machen, sondern sie in den Stand setzen, daß sie die ihr vorgezeichneten Aufgaben voll und ganz erfüllen kann. So wie Reich, Staat und Kommune für Jugcndwohlfahrt und Jugendpflege gewisse Summen in ihren Etat einstellen, so sollte jede jüdische Gemeinde an ihre heranwachsende Jugend denken und bei der Aufstellung ihres Jahresbudgets einige hundert Mark für diese Zweige auswerfen und sich stets das Wort vor jungen halten: „Wer die Jugend für sich hat, dem gehört die Zukunft". Von den paar Pfennigen, die unsere Jugendliches als Beiträge aufbringen, kann unmöglich die Arbeit geleistet werden, die ein vernünftiger und vorausschauender Führer sich zur Aufgabe machen muß. Hier müssen außer der Gemeinde auch die Organisation tätig eingreifen, die auf demselben neutralen Boden stehen wie unser Verband der indischen Jugecdvereine Deutschlands. Aber nicht nur in den einzelnen Ortsgruppen muß so gearbeitet werden. Wir müssen vielmehr dafür sorgen, daß diese miteinander in nähere Beziehung treten, und die jetzige Jahreszeit bietet hierzu vielfach Gelegenheit. Jetzt im Sommer sollen die Vereine der verschiedenen Bezirke Wandertreffen veranstalten, damit die Mitglieder der verschiedenen Ortsgruppen sich untereinander kennenlernen und so einander näher gebracht werden. Diese Fühlungnahme darf dann im Winterhalbjahr nicht wieder erlahmen, sondern muß durch regen Gedankenaustausch vertieft werden. Der Verbandsvorstand hat alle diese Probleme frühzeitig erkannt und die „Kommission für Laadarbeit" ins LebSn gerufen, die sich heute erstmalig mit folgendem Aufruf an die Oeffentlichkeit wendet: Landarbeit Die Arbeit mit und an der jüdischen Jugend auf dem Lande wird ion uns als so wesentlich anerkannt, daß wir ihr jetzt auch in unserer Zeitschrift einen besonderen, ständigen Platz widtrerr. wollen. Die Landjugend selbst soll sich hier aussprechen über das, was sie wünscht, tut, will und unterläßt, so daß ein gutes Beispiel auch von andern befolgt und aus einer schlechten Erfahrung vr;n andern gelernt werden kann. Und die,Jugend in der Stadt, der Landarbeit bereits zur Aulgabe geworden ist, soll hier d'e Punkte finden, wo sie den Hebel einsetzen muß, wenn es ihr ernst i:t zu helfen, und auch sie soll hier davon erzählen, w;s sie für die Jvgerd auf dem Lande tun will und bereits getan hat, damit die übrigen,'die Flauen, sich auch ein Beispiel daran nehmen können. Auf der letzten Tagung der verschiedensten Landesverbände stand die Landarbeit im. Mittelpunkt der Aussprachen. Freunde, die in dieser Aussprache zu dieser wichtigen Frage etwas beizutragen hatten, werden ihre Anregungen auch dem ganzen Verbände wohl gerne zugänglich machen. Beschlüsse der Verbände, organisatorische Maßnahmen der Vereine, Bericht« über Wege, Mittel und Ziele der Arbeit innerhalb der ländlichen Arbeitsgemeinschaften werden zusammen ein getreues Bild der Landarbeit abgeben müssen. Schilderungen über die Lage und das Leben der Juden auf dem Lande werden das Band lester knüpfen müssen zwischen" diesen und jenen, deren Eltern und Großeltern aus dem gleichen Milieu kamen und heute durch nichts mehr daran erinnert werden und werden wollen. Unsere -leider nur wenigen in unseren Reihen mitarbeitenden Lehrer auf dem Lande werden diesen Raum wohl gerne ausnützen, um mitzuhelfen an der Erhaltung jüdischer Gemeinden durch ihren Rat. Durch Tat werden dann die noch abseits Stehenden hoffentlich ihnen nachzueifern versuchen. Unser neutrale^ Verband ist die einzige Plattform, auf der eine Arbeit für und an der jüdischen Landarbeit möglich ist. w ir rufen alle, die guten Willens sind, daran mitzuarbeiten, daß auch die jüdischen Mensehen auf dem Lande ihres Judentums wieder froh und stolz werden, Zur Mitarbeit an der Ausgestaltung dieser Rubrik für Landarbeit auf. Verband der jüdischen JugendvercJce Deutschlands. Kommission für Landarbeit. I. A: Kurt Hirsch, Hamm a. d. Sieg Hessischer Landesverband Einer der 3 Bezirke des hessischen Landesverbands, der Bezirk Rhein, entfallet eine rege Landarbeft mit dem Ziel der Neugründung von Lan-lvcreirfcn. Mitte Mai hatte er mit der Gründung des Vereins Türfeld (Rheinhessen) den ersten tr'ol<. Die Gründung vollzog sich im Anschluß an ein Referat „Die jüdische Jugend und die Gegenwart" von 'Norbert Stietx.1, Mainz, der vom hessischen Landesverband mit dem Dezernat der Landarbeit betraut wurde. Die Anknüpfung einer Verbindung mit dem „Ausschuß für die Verbreitung jüdischer Volksbibliothek auf dem Lande" hatte hier auch bereits schon den Erfolg, daß eine Bibliothek in Türfeld eingerichtet werden konnte. Auch in Ingelheim steht das gleiche in Aussicht. — Mitteldeutscher Bezirksverbard In sehr bemerkenswerter Weise schreitet die Landarbeit des Gaues Lausitz unter Führung des Forster Jugendbundes vorwärts. Ein genauer Bericht darüber folgt demnächst. Westdeutscher Eezirksverband Innerhalb des Westdeutschen Bezirksverbandes besteht eine Reihe kleiner Landvereine, von denen 5 in der Bezirk"- gruppe Westerwald zusammengeschlossen sind. Diese Gruppe erstrebt durch einen engen Zusammenschluß und gemeinsame Veranstaltungen (Vorträge, Treffahrlcn, Feiern, Redner- und Bücheraustausch) das beabsichtigte Z»el der Vcrlcbcndigurv' jüdischen Leben zu erreichen. Eine Treffahrt am 15. Mai führte auf diese Weise 4) junge Menschen zusammen, währer d 14 Tage vorher über 69 sich zu einem Vortrage von Dr. Klei \ in' Hachenburg eingefunden hatten. Besondere Sorgfalt soll in diesem Sommer der Pflege des Sportes gewidmet werden, Wanderungen stehen zwar nach wie vor In dem Mittelpunkts des Sommer-Programms. Auch die Gruppe Kreuznach entfallet eine nachahmenswerte Landarbeit, über die noch demnächst ausführlich zu berichten ist. Wandern und Sport Bericht fibsr d?» Treifahrt der Lausilzbände SorairrKottbns und Forst (Lausilz) ia den'Soraucr Wa!& Der Tradition gemäß eröffneten wir unsere Sonniera.rbeit am Sonntag r-ach Pessach. So v/ar es cüe.-n-.al der 1. Mai, der uns in Gottes freie Natur das erstemal hinausführen sol'te. Obwohl es den ganzen April keinen Tag gab, an dem es nicht geregnet hätte, setzten wir auf Vorschlag des Vertreters der Lausilzbüsde eine Trcüakrt räch dam Sorauer Wald an Und siehe da, als wir uns am Sonnta' ■§mmmM hef sammelten, war mit dem Monat Mai das schün eingezogen, und. alle angemeldeten Wandcrbr -Schwestern stellten sich pünktlichrt ein. Als das Zügele eintraf, mit dem unsere Kc'.tbuscr Freunde kernten wellten, sahen wir uns das erstemal geläu einen Bucdcslreund Wieden wir, mit dem wir unsere antreten konnten._ijl ySttÜtLwhSr WüUt',, <e Wc'tei 'der und Kctibuter zahlreich seht. Nur Fahrt g*n ung gl.