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Der Jugendbund · 1927-06-02 · 11 (2.6.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
11 (2.6.1927)
Date
1927-06-02
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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uege, wobei Ernst und Frohsinn in bunten Reihen stehen mögen.3) Mit' dem Stadtrat von Rothenburg o. d. Tauber wurden nun durch mich Verbandlungen gepflogen, die durch das große Entgegenkommen dieser Behörde zu folgendem Ergebnis geführt haben: Der Stadtrat Rothenburgs o. d. Tauber stellt für di« geplante Singgemeinschaftswoche vom 16. bis 22. August 19Z7 den städtischen Musiksaal kostenlos zur Verfügung. Er ist ferner gerne bereit, falls nach entsprechender Anmeldung .Wert darauf gelegt wird, in je einem Schulgebäude, für Jungens und Mädels getrennt, Schulsäle als Schlafräume zu überlassen (mit Matratzen und Decken). Das ist doch immerhin ein Zeichen, wie sehr die Stadt Rothenburg den Wert einer solchen Veranstaltung zu schätzen weiß. Aber auch preiswerte Privatquartiere (schon von 1 Mark aufwärts) könnten bei rechtzeitiger Vorausbestellung durch den Fremdenverkehrsverein in Rothenburg o. d. Tauber besorgt werden.') Rothenburg o. d. Tauber ist wirklich die Perle unter den deutschen Städten, die ihr mittelalterliches Bild noch gewahrt haben. Auch, die Geschichte der deutschen Judenheit ist mit diesem Städtchen aufs engste verwoben. Die schöne Waldumgebung bietet reichliche Erholung, und wir wollen, soviel es geht, im Freien sein. Nun muß natürlich möglichst bald feststehen, mit wie vielen Teilnehmern gerechnet werden kann, auf welche Art von Quartier sie Wert legen, welche Wünsche sie betr. Verpflegung (die rituell sein würde) hegen usw. (Der Samstag wäre natürlich besonderer Ruhe- und Erholungstag.) Zu diesem Zweck ersuche ich alle — es können auch Leute sein, die nicht in unserem Verbände und nicht mehr in unserer Altersstufe sind, sofern sie sich nur, nach obigen Ausführungen, dem Rahmen einer solchen Woche einfügen und sie fn unserem Sinne mitleben wollen — teilzunehmen. Wer in Rothenburg oder anderswo") an der Veranstaltung einer Singgemeinschaftswoche teilnehmen möchte, der beantworte baldmöglichst die Anmeldefragen: 1. Vor- und Zuname. 2. Beruf und Alter. 3. Genaue Adresse (Wohnort, Straße, Land). 4. Können Sie voraussichtlich an der Rothenburger Woche teilnehmen? 5. Wünschen Sie Einzel- oder Schulquartier? 6. (Falls Einzelquartier.) Ungefähre Preislage. ') Alle, die an der Rothenburger Singgemeinschaftswoche 1927 nicht teilnehmen können, sowie solche, die sich einer ganz besonders guten Schulung unterziehen möchten, die aber nicht den Charakter einer Singwoche trägt, seien auf den 14. Nürnberger Fortbildungskursus für Schulgesang, hingewiesen. Er ist bestimmt interkonfessionell und ist hauptsächlich für Volksschullehrer und -lehrerinnen, Gesanglehrkräfte an höheren Schulen, Geistliche, Kantoren, Musiklehrer, Organisten und Führer von Jugend- und Wandervogelverbändcn gedacht. Dauer: vom 15. bis 21. Juli 1927 in Nürnberg. Kursusgebühr 30 Mark. Kursusleiter: Studienrat Joseph Schuberth, Nürnberg, Hainstraße 20. Privatquartier vermittelt auf Wunsch Herr Hauptlehrer Rummel, Nürnberg, Dilherstraße 1. *) Je zwei Prospekte des Fremdenverkehrsvereins, die 'gratis zur Verfügung gestellt wurden, gehen, soweit die Zahl ausreicht, den Leitern der Ortsgruppen zu. Interessenten wollen sich an letztere wenden. 5) Vielleicht vermittelt dann der Verband noch weitere „Singgemeinschaf tswochen". 7. Welches Musikinstrument könnten Sie zur Rothenburger Woche mitbringen? Spielen Sie als Anfänger oder schon besser? Spielen Sie auf dem Klavier auch schwerere Musik? 8. Wären Sie auf Wunsch bereit, auf der Rothenburger Woche einen kleinen Vortrag zu halten, der'irgendwie einschlägig ist, z. B. über Musikgeschichte, Stimmpflege, musikalische Erziehung, Geschichte Rothenburgs, Geschichte der Juden in Rothenburg, Religionsphilosophie, jedoch möglichst allgemeinverständlich? Der Vortrag braucht nicht unbedingt auswendig gehalten zu werden. Oder wären Sie bereit, Unterweisung in rhythmischer Gymnastik zu erteilen? Beanspruchen Sie für solche Leistungen eine Vergütung, und welche? 9. Haben Sie betr. Verpflegung besondere Wünsche oder Vorschläge? Für diejenigen, die an der Rothenburger Woche nicht teilnehmen können, aber anderswo oder zu einer anderen Zeit an einer Singgemeinschaftswoche teilnehmen wollen, wären noch folgende Fragen zu beantworten: 10. Ist Ihnen die Zeit der Rothenburger Woche ungelegen? Welche andere Zeit käme für Sie in Frage? 11. Ist Ihnen die Entfernung zu weit? (Bei mindestens 30 Teilnehmern und über 50 Kilometer Strecke gewährt die Reichsbahn Fahrtermäßigung. Näheres am Bahnschalter.) 12. In welcher Gegend wäre Ihnen die Abhaltung einer Singwbche erwünscht? Schluß der Anmeldung: t, Juli 1927. Diese ist zu richten (unter Beifügung einer an Sie adressierten Rückpostkarte) an: Dr. Arthur Reichenberger, Ichenhausen bei Ulm, Obere Hauptstraße 22. Die Kosten der Rothenburger Singgemeinschaftswoche wollen wir, um möglichst vielen die Teilnahme zu ermöglichen, so niedrig wie möglich halten. Daher erwachsen für den Kursus selbst keinerlei Kosten meinerseits, höchstens einige Mark für das Notenmaterial, und selbst diese Ausgabe ist vielleicht nicht unbedingt für jeden nötig. Noten werden zum Selbstkostenpreis abgegeben. Die Singgemeinschaftswoche in Rothenburg ist ein Versuch. Dessen Miß- oder Gelingen soll uns nicht von der Erstrebung des Zieles abbringen, das uns vorschwebt. Wer will mit auf diesem Wege? Mit einer Stelle aus dem Büchlein von Hans Klein über die Finkensteiner Singwoche*) möchte ich schließen: „Daß sich heute eine solche Sündflut minderwertiger Musik täglich und stündlich über uns ergießt, das ist ein deutliches Kennzeichen unseres Zeitalters, das nichts Geistiges kennt, das nur dem groben materiellen Genießen zugewendet ist, es ist das Zeitalter, das den Krieg und den Zusammenbruch gezeitigt hat. Aber dieses Zeitalter neigt sich seinem Ende zu. Wer sähe nicht allerorten die verheißungsvollen Keime einer besseren Zukunft? Wir glauben an eine' Wiedergeburt unseres Volkes und sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß bei dieser Wiedergeburt der Musik eine Führerrolte zukommt. Denn die reine und hohe Musik, die wir pflegen wollen, die wird unsere Herzen wieder zu ewigen und ernsten Dingen stimmen, die wird uns wieder tiefer und reiner fühlen lehren und unseren Mut zu rechtem Tun entflammen." *) Erschienen im Bärenreiter-Verlag in Augsburg, 87 Seiten, 1,20 Mark, 1923 erschienen. i Lebensberuf und Berufsleben Die Auffassung, daß das Ziel jeder Jugendorganisation in erster Linie Erziehung ist, diese Auffassung ist allmählich zum Allgemeingut auch in den Kreisen unseres Verbandes geworden. Von der Erziehung gilt mit besonderer Betonung jenes bekannte Wort, das man vdü der Politik gesprochen hat — sie sei die Kunst des Möglreh_en^-, weil einmal Jede Erziehungstätigkeit mit den naturgegebenen Gesetzen und Imponderabilien zu rechnen hat, und weil zum anderen ihr« Aufgabe sich mehr auf das Mögliche, also das Wirkliche, als auf das sog. Idealistische, das Unwirkliche, zu richten hat Wenn wir nun versuchen, Ziel und Zweck Jeglicher Erehung auf «inen Generalnenner zu bringen, so können wir elleicht sagen: Erziehung will den Beruf, Beruf Ist in diesem Lammenhang natürlich nicht ah bloße Erwerbs^tigkeit, st auch als zeifTeSreibend* Beschäftigung zu ver - sondern es ist mehr als das; Beruf muß hier in seinem wörtlichsten Wortsinn aufgefaßt werden: Beruf ist Berufung, ist Aufgabe, Forderung, Mission. Wenn wir das Ethos des Berufes so verstanden und anerkannt haben, so ergibt sich für uns zunächst, daß jeder Mensch nur einen Beruf haben kann, einen Lebensberuf, und daß er im Beruf, in diesem Beruf die Erfüllung seines Menschtums, die Auswirkungsmöglichkeit der ihm eigentümlichen Kräfte finden muß. Und da wir die Zerrissenheit des heutigen Menschentypus kennen, so erklären wir sie mit Fug und Recht damit, daß der Kampf zwischen Leben und Beruf, zwischen Lebensberuf und Berufs« leben, dem Menschen seine Einheit geraubt hat. Denn ob wir In unserem engeren Gesichtskreise uns umschauen, oder ob wir den forschenden Blick auf die Gesamt* helsVTichteir— wer schauen überall dasselbe. Wir schauen ein«

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