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Der Jugendbund · 1927-06-02 · 11 (2.6.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
11 (2.6.1927)
Date
1927-06-02
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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für den Anfang doch mancher Singgemeinschaft damit gedient »ein. Eine hübsche und reiche Auswahl bietet das „Liederbuch für gemischten Chor", das jetzt den Titel „Heimat und Vaterland" in der Neuauflage führt (Verlag E. Feuehtinger in Regensburg), Ungefähr 360 Seiten. Preis 2,30 Maxk. Am besten beginnt man mit bekannten Volksliedern, etwai „Sah ein Knab", die hier im vierstimmigen Satze (für gemischten Chor, also Sopran, Alt, Tenor und Baß) stehen. Der Bärenreiter-Verlag in Augsburg, Neuhofer Straße 2 (im folgenden abgekürzt: B. V. in A.) wurde bereits oben angeführt. Er beratet Anfänger sehr gerne. Ebenso der Verlag Georg Kalhneyer in WoWenbüttel (im folgenden abgekürzt: G. K. in W.), der dem Kreise um Fritz Jode nahesteht. Letz- —terer geht ähnliche Wege wie der Finkensteiner Bund, soviel mir bis jetzt scheint. Sein Kreis sind die sog. Musikantengilden. Auch dieser Verlag übersendet gerne Prospekte und Notenmaterial zur Auswahl, dessen schonende Behandlung und rechtzeitige Rücksendung vorausgesetzt wird. Bemerkt sei noch, daß in den mittelalterlichen Gesängen oft ein anderer und auch freierer Sprachgebrauch herrschte?U 'n der Gegenwart. Unpassend1 -erscheinende Texte lasse man lieber beiseite oder wandle sie entsprechend. Unter diesem Gesichtspunkte treffe man dann die Wahl der Lieder. Nöten für ein- und zweistimmiges Singen: W. Hensel, Der singende Quell, 64 Seiten, 1.50 Mark (B. V. in A.). (Für den Anfang daraus, etwa: „Und in ' dem Schnecgebir^e" und „Kein schöner Land".) .Finkensteiner Blätter" (Einzelhefte, die fortlaufend erscheinen), 20 Pfennig das Stück (B. V. in A.). .Lose Blätter", je nach Umfang 10 bis 25 Pfennig (G.K. in W.). Noten für drei- und vierstimmiges Singen: Vv alter Rein, Deutsche Lieder vergangener Jahrhunderte, Nr. 9, Heft 1, Preis 1,60 Mark (G. K. in W.). Musikalisch Hausgärtlein (verschiedene Hefte, Preis je 80 Pfg.). Z. B. Heft 3: Der Rosenstrauch (in meist dreistimmigem Satz); Heft 8: Drei Laub auf einer Linden (nur für Vorgeschrittene; daraus besonders nett das Lied: „Wol auf, gut Gseil"). (B.V. in A.) Ein hübsches kleines Heft ist auch: „Wer sich die Musik erkiest" (B.' V. in A.) (Eine Auslese für den Anfang, 30 Seiten, 30 Pfennig.) Liederbücher: Fritz Jöde. Der Musikant (ein Liederbuch in Einzelheften zu 1 Mark). (B. V. in A.) W. Hensel, Wach auf (festliche Weisen, meist vierstimmig), 4.S0 Mark. (B.V. in A.) W. Hensel, Das aufrecht Fähnlein. Liederbuch für Studenten und Volk (meist dreistimmig, für Männerstimmen). 8 Mk. (B. V. in A.) NX. Hensel, Der Prager Spielmann, Alte und neue Weisen, zu singen und auf allerlei Instrumenten zu spielen, 1,50 Mark. (B. V. in A.l ' ' . In Vorbereitung: Fritz Jöde, Das Lehrbuch des Musikanten. (G.K. in W.) Zeitschriften: „Die Singgemeinde" (3. Jahrgang), halbj. 3 Mark. (B.V. in A.) „Musik im Anfang". (G.K. in W.) (Ein Ratgeber für Singgruppen.) Jedes Heft 60 Pfg., im Jahresbezug 50 Pfg. Probenummern kostenlos. Für weitere reichhaltige Literatur bieten die Kataloge der beiden Verlage Auswahl. Ueber Notenmaterial zur Pflege religiöser jüdischer Musik wird nächstens berichtet. Die größeren Werke von Sulzer, Naumburg, Lewandowski müßten erst durch kleinere Ausgaben1 für unsere Kreise erschlossen werden. Von neueren Komponisten kämen wohl vor allem die Werke von Prof. Kürschner, München, in Frage. Für weitere Literaturhinweise, soweit es sich um für uns Geeignetes handelt, wäre ich sehr dankbar. Vielleicht stellen die- Synagogenchöre den Singgemeinschaften einstweilen leihweise Noten zur Verfügung. Es wäre nun gut, wenn benachbarte Ortsgruppen für eine spätere Singtreffahrt sich auf bestimmtes Notenmaterial einigen könnten, damit man auch verschiedene Stücke in größej rem Chore singen kann. Aber lieber einfache Werke als zu schwere. Ich möchte nun jeder Ortsgruppe nahelegen, eine Singgemeinschaft oder wenigstens eine Singgruppe zur Pflege des gemischten Chores ins Leben zu rufen. Ihr werdet bestimmt bald große Freude daran haben. Und viele, dl« bisher gUruB. ten, nicht singen zu können — man ist meist musikalisch eingeschüchtert, wenn man diel glaubt —, werden bald zu ttirCr eigenen Ueberraschung mittun können, sobald ihnen der Chol Mut gibt. Nehmt also zunächst alle, auch di« angeblich N i c h t s i n g e n d e n , in eure Sing* gemeinschaft auf. II. Was ist eine Singgemeinschaftswoche? Seit 1923 finden jährlich verschiedene sogenannte Singwochen innerhalb des Finkensteiner Bundes statt; die erste war 1920 in Finkenstein.3) Gleichgesinnte Menschen verbringen gemeinschaftlich etwa eine Woche ihrer Freizeit zur Schulung im Gemeinschaftssingen und zur Pflege edler Instrumentalmusik. Leiter und Mitglieder von Singgemeinden, und zwar aus allen Ständen, bilden sich dort aus und weiter. Durch entsprechende Tageseinteilung ist dafür gesorgt, daß keine Eintönigkeit aufkommen kann. Dafür bürgt schon der Reiz eine* solchen auf Selbstzucht aufgebauten Gemeinschaftslebens. Als Tageseinteilung etwa: Wecken durch Morgengesang, Morgenfeier, rhythmische Gymnastik, gemeinsames Frühstück, theoretische und praktische Schulung im Gemeinschaftssingen, Beantwortung von Anfragen und freie Aussprache, gemeinsamer Mittagstischj Mittagsruhe, Vorträge verschiedener Art, theoretische und praktische Schulung, Freizeit, Abendstunde (mit Instrumentalvorträgen und geselligem Beisammensein, natürlich ohne moderne Tänze oder moderne Tanzmusik; dem will man ja entfliehen!), Abendfeier, zeitige Nachtruhe. Es ist dies eine Zeit der Sammlung und des inneren Aufbaues, keine Zerstreuung und kein seichtes Amüsement, wo hingegen echter Frohsinn stets zu seinem Rechte kommen kann. , " :■., Nach eingehender Aussprache und Korrespondenz mit den einschlägigen Persönlichkeiten kam ich aus freien Stücken zu der UeberzeuSung, daß eine Teilnahme jüdischer Kreise an den Singwochen des Finkensteiner Bundes nicht als das Gegebene erscheint. Eine vollkommene Harmonie mit sämtlichen Teilnehmern, was ja Voraussetzung eines richtigen Gelingens einer solchen Singwoche ist, könnte möglicherweise schon daran scheitern, daß einzelne nichtjüdische Teilnehmer an der Anwesenheit jüdischer Teilnehmer Anstoß nähmen, wenngleich den leitenden Persönlichkeiten, soweit ich sie kennen lernte, ebenso wie den jungen Menschen, die mir in den Singgemeinden begegneten, wie ich glaube, jede ausgesprochene anti,üdische Voreingenommenheit fehlt. Letzteres bringt schon die Pflege reiner Musik mit sich, die doch meist den Mensehen auf höhere Warte erhebt. Da nun, wie mir nahegelegt wurde, der Ausdruck „Singwoche" nur für die Veranstaltungen des Finkensteiner Bundes Verwendung finden soll, so wollen wir die Singwochen, die in unseren Kreisen stattfinden, „Singgemeinschaftswocben" nennen. III. Die Singgemeinschaftswoche in Rothenburg o. d. Tauber vom 16. bis 2 2. August 192 7. So wurde es mir klar, daß in unserem Kreise eine eigene Singgemeinschaftswoche veranstaltet werden muß, wenn diese Art des Singens in breite Kreise hineingetragen werden soll. Denn alle schriftliche Anleitung ist hier stets nur ein Notbehelf. Die Vereinzelung des modernen Menschen, der ständige Ansturm seichter und hohlster Musik lassen ein gesundes Gegengewicht erwünscht erscheinen, das in der gemeinschaftlichen Pflege edler Musik (nicht mit sog. klassischer Musik ohne weiteres gleichzusetzen) liegt, aber solcher, die einen jeden anspricht, nicht nur den eigentlichen Musikkenner. Das Mittelalter war die Blütezeit des polyphonen Singens, wo den einzelnen Stimmen viel größere Selbständigkeit zukam als heute im modernen Chor, wo es meist nur eine Hauptstimme gibt, während die anderen Stimmen fast nur der Harmoniebildung dienen. Die Schätze, die aus jener Zeit begraben liegen, wieder zu heben, aber auch das gute Lied der neueren Zeit (wenn möglich auch das religiöse Lied) in gemeinschaftlichem Singen zu pflegen, ist vornehmste Aufgabe solcher ') Vgl. Hans Klein, Die Finkensteiner Singwoche, 87 Seiten, kartoniert 1,20 Mark. Bärenreiter-Verlag in Augsburg.

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