Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1927-06-02 · 11 (2.6.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
11 (2.6.1927)
Date
1927-06-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492456-6352305-6352513--0399-4928583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

anderen fiberdauert, sie wird jeden Angriff, jede Feindschaft fiberdauern, denn sie weiß, was Leben ist, solange ihr Problem in ihr ist, solange sie geistig kämpft mit dem Problem der Einheit, indem sie Einheit zu schaffen sucht, jeder an seinem Platze . . . bis zu dem Tage, wo der Ewige erkannt und gelebt ist als der Eine und , sein Name dann der Eine. — Die schier unübersehbare Menge, die sich aus Gebildeten aller Konfessionen zusammensetzte, war dem hohen* Gedankenflug des Redners in lautloser Stille gefolgt, jetzt, nachdem er geendet, brach sie in langen, begeisterten Beifall aus, der sich " f wiederholte, als der Versammlungsleiter nach kurzer Paus« feststellte, daß sich niemand zur Diskussion gemeldet habe und mit warmen Dankesworten an den Redner die erhebend» Versammlung schloß. Noch ein Wort, das in der Verlogenheit und Vcrbogenheit unserer Zeit nicht ungesprochen bleiben soll: Das Einfache ist vielleicht schwer, sehr schwer sogar, aber es ist immet schön. Das hat die Art der Ausführungen des Herrn D. Baeck gelehrt, neben den Gei^tesschätzcn, die er an diesem Abend verschenkte. Das^SToIlen wir ihm besonder» danken,,, Siegfried Bacharach. ■ Vom neuen Singen Von Dr. Arthur Reichenberjj Nachfolgende Ausführungen empfehlen wir unseren Freunden nachdrücklichst zu besonderer Beachtung. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung. Die Schriftleitung. Bildet Singgemeinschaitcnf — Die Singgemeinschaft - Woche in Rothenburg o. d. Tauber vom 16. bis 22. August 1927. I. Was ist «ine Singgemeinschaft-? Singgemeinschaft ist eine Gruppe, die im Singeh Gemeinschaft erleben will. Nicht nur die Musik, vor allem das Seelische (das Religiöse im reinsten Sinne) bildet das Wesentliche eines solchen Chores. Solch ein Singen unterscheidet sich somit wesentlich von dem, was wir sonst unter Chorgesang verstehen. Es wird hier nicht für andere, für Zuhörende, geprobt und gesungen — meist ohne dwß sich die Singenden untereinander eins fühlen —, es gilt nichft'h-gcndwie Beifall zu ernten: die Singgemeinschall i s\it vielmehr ein in sich geschlossener, wenngleich Isteiä erweiterungsfähiger, Kreis, der die Musik uin ihrer selbst willen, d. h. nur aus Freude an ihr, ohne irgendwelche äußerliche Nebenabsicht /flegen will. Und gerade dabei und dadurch wird das Cemeinschaftserlebnis nm stärksten und reinsten. In dem Ai:gepb!ick aber, wo sich eine solche . Singgemeinschaft oder deren Leiter darauf einstellen will, zu zeigen, was sie kann und Beifall zu haschen sucht, leidet sie Schaden. Wohl aber mag es berechtigt sein, um andere für solche Art des Singens zu gewinnen oder durch ihr maßgebendes Urteil sich weiter zu. bilden, sie als Zuhörer odT Mitwirkende (bei Instrumentalmusik, die ebenfalls in diesem Kreise gepflegt wird) teilnehmen zu lassen. Das Vorbild zu solchen Singgemeinschaften bot sich mir durch eine merkwürdige Verkettung von Umständen in den (protestantischen) „Singgemeinschaften"; es sind dies Gruppen der Jugendsingbewegung, die dem sogenannten Finkensteiner Bunde Zubehören. Dessen Begründer ist Dr. Walter Hensel (jetzt in Dortmund). Durch das liebenswürdige Entgegenkommen von Herrn Studienrat Wilhelm Hoplmiller (München) durfte ich mich, auf meinen besonderen Wunsch, mit jener Art des Singens ver'.raut machen. Er gründete und leitete seit etlichen Jahrin in einem schwäbischen Dorfe (Riedheim bei Leipheim a. d. Donau), während er dort als Geistlicher wirkte, eine,; wie ich mich überzeugen konnte, in musikalischer und menschlicher Hinsicht prächtige Singgemeinde. Noch heute, so oft es ihm seine Zeit erlaubt, nimmt er sich derselben an. Die Singabende und Treffsingen (ähnlich wie un- .sere Trcffahrten), an denen ich teilnahm, waren mir stefrs e;ne Teine Freude. (Herrn Julius Ott in Augsburg, dem Leiter der Augsburger 5ing£emeinde, sowie Herrn Verleger Karl Votier.e in Augsburg! [Bärenreil cr-Verlag] habe ich ebenfalls für ihr liebenswürdiges Entgegenkommen zu danken.) Da' wurde es mir klar, daß dies eine Bewegung ist, die, w e n|n auch in entsprechend angepaßter Form, in unseren Kreisen eine Zukunit hat. Eine direkte Zusammenarbeit mit dem Finkensteiner Bunde, dessen mehr christlicher Charakter mir erst allmählich klar wurde, dürfte, trotz dem gleichen Endziele, nicht fal möglich «ein, so sehr ich auch diese Menschen und ihr Sinken lieb gewann; denn das Konfessionelle wirkt bei dir Pflege der alten kirchlichen Mnsik, der in jenen Kreisen doch ein breiterer Raum zukommt, als trennendes Moment. Das kam mir besonders bei den Gesängen, die für die Oster/eit eingeübt wurden, deutlich zum Bewußtsein, wenngleich ich in dieser Beziehung bestimmt auf einem sehr weiten Standpunkt stehe. e r , Ichenhausen (Bayer. Schwaben). Damit erübrigen sich all die anderen Frafien, etwa, ob wir in jenen Kreisen erwünscht oder nur geduldet wären. In letzterem Fall würde schon die Selbstachtung eine Teilnahme verbieten. Ueberhaupt: je korrekter und weniger auidringlich wir andersgläubigen Kreisen gegenüber sind, desto eher erringen wir uns Gleichachtung. Und nur aus dieser erwächst wahre Gleichberechtigung. Wer sich über die Art dieses Singens unterrichten wi'l, den möchte ich auf ein kleines, aber inhaltrciches Büchlein hinweisen: Olga Hensel, Vom Erleben des Gesanges (eir.e Hilfe zur Stimmbildung).1) Wo es möglich ist, einen gemischten Chor in solch ei.ier Singgemeinschaft zu gründen (also mit Jun*cns und Mädels, eventuell unter Mitheranziehung geeigneter Erwachsener, dies aber nur bei einmütiger Zustimmung der übrigen), da möchte ich dies ganz besonders befürworten. Aber auch für ein-, zwei- und dreistimmige Besetzung gibt es sehr schöne Musikliteratur. (S. unten.) Die Wahl der Liederhefte und -bücher ist sehr »wesentlich. Man pflege auch das ein- und zweistimmige Singen, das in unserer Zeit häufig etwas stiefmütterlich behandelt wird. Ks wären mancherlei Fragen hier zu erörtern, die aber heule nur gestreift werden können. Nur soviel für den Anfang. Wöchentlich ein bis zwei Singabende (etwa je l'/i bis 2 Stunden), bei schrnem Wetter im Freien. Rauchen während des Sihgens ist unbedingt zu unterlassen. (Wer dieses Opfer nicht bringen kann, ist' noch nicht reit für eine Gemeinschaft.) Auch nicht im rauchigen Lokal singen. Keine Uebermüdung durch ailzulanges und zu starkes Singen herbeiführen. Pausen einschalten. Nicht die Stärke, sondern die Vollkommenheit, Schmiegsamkeit und Beweglichkeit des Tones entscheidet. Eine Singgemeinschaft singt um so schlechter, je mehr man einzelne Singende heraushört. Sia singt um so besser, je mehr -alle im Ganzen aufgehen und je abgerundeter und ausgeglichener das Ganze klingt. Stätktfabstufiingen und Zeitmaße beachten, zwar in rücksichtsvoller, aber nicht in sklavischer Weise. Keinen Taktstock verwenden. Frei mit den Händen dirigieren. Zum Beginn dos Singcnj» sogenannte Summübungen (auf den Laut ro), bei denen ein Mitklingen der oberen Kopfparjie spürbar werden muß. M?.n summe die Töne von Dreiklängen und Melodien. D_iei gibt Lockerung, Weichheit und allmählich Fülle des Tones. Auch in der Körperhaltung alles Kiampfhaile und Gezwungene lösen. Alles soll leicht und locker sein, dann wird auch alles Gepreßte beim Gesang verschwinden. Sehr wichtig ist es, daß der Leiter stets geduldig, guter Laune und wohlwollend bleibt. Nur so wird er ein natürliches, ungezwungenes, weiche» Singen erreichen, das nur möglich ist, wenn jeder gerne und freudig dabei ist. Etwas theoretischen Unterricht, wenn irgendwie möglich, aber niemals ermüdend. Eingehende Schulung in den Grundlagen (Erziehung zur Tor.trefisichcri'.eit) bringt rasch vorwärts. Wenn ich nunmehr MusiklHeratur angebe, so erhebt diese Auszählung keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit. (Ich führe vielmehr nur auf, was mir bisher bekannt wurde, und bin für weitere Hinweise stets dankbar.) Aber immerhin mag ') Erschienen im Bär«nrei'er-Vcr'ag in Augsburg, 55 Seiten, karto-iert 1,50 Mar'-. 2. Au'lage. Dieser Verlag gibt hauptsächlich Werke für den Finkenstjirer Bund heraus, von denen vieles für uns brauchbar ist. Et versendet auf Wunsch gerne Prospekte und AuswaMser.dungen. Bei deren Bestellungen iA es vielleicht zweckmäßig, darauf hinzuweisen, daß es sich" um jüdische S'ngfccmeinschaften bandle, damit der Verlag das Material entsprechend zusammenstellen kann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.