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Der Jugendbund · 1927-05-05 · 9 (5.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (5.5.1927)
Date
1927-05-05
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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liegt in dem Genuß der körperlichen Blüte ein Isthetisches Moment; es liegt ferner darin ein Macht- und Krafterlebnis, das aus quellender Gesundheit stammt. Aber im Tanzen, im Wandern, im Schwimmen klingt doch schon stark Seelisches an. Die Bewährung der körperlichen Kraft, der Kultus, den die Jugendbewegung mit der ,,Körperseele" treibt, mag wohl manchen ungesunden erotischen Zug enthalten, aber «in echt ethisches, vielleicht auch religiöses Motiv steckt auch darin. Im Bewußtsein seiner Kraft, seiner körperlichen Leistungsfähigkeit, wächst dem Menschen der Geist der Achtung vor sich selbst und vor anderen, der Geist der Achtung vor dem Recht und der Würde der Persönlichkeit. So hat die Sportbewegung ausgeprägte Individualitäten hervorgebracht, die sich iip Gemeinschaftserlebnis finden und binden. Man blickt daher mit Vorliebe auf das alte Hellas zurück, wo die Jugend zwar ihre Wettspiele und Debaltierklubs für sich hatte, aber doch dem großen Volksleben eingegliedert war und an den nationalen Festspielen durch gymnastische und musische Wettkämpfe teilnahm. England hat schon in seiner Renaissancecpoche -diesen - soziologischen Stil aufgenommen. Bei uns drängt jetzt alles darauf, ein solches Jugendolympia auszubilden und mit ihm auch die Klassengegensätze zu überbrücken. Darin besonders liegt die hohe ethische Bedeutung der Sportbewegung, daß sie opferfreudiges Gemeinschaftsbewußfsein und soziales Empfinden weckt und vertieft und neue Kraft der friedlichen Herrschaft des Geistes xulührt, in deren Hintergrund die Völkerversöhnung und der W.i'kerfrieden leuchten. Die Sportbewegung wird der Menschheit zum Segen gereichen, wenn über ihr leuchtet das prophetische Erziehungsideal: „Nicht durch Körperkraft, nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr." (Aus der Gelsenkirchener Hakoah-Monatsschrift, 2. Jahrgang, Nr. 3.) Das Schicksal eines Juden Von Max B r o d. Wir bringen hier einen Auszug aus dem im Axel-Juncker-Verlag, Berlin, erschienenen Werke, das wir unseren Verbandsfreunden stark empfehlen. Eisigs besaßen - auch einen Fußball. Dieses an Körperinhalt so geringfügige Ding bewirkte, daß für Arnold eine neue Aera und Leidenschaft anbrach, ein Fußballjahr .... Schon vorher hatte er das Spiel geliebt, das als „roh und gesundheitsschädlich" von der Schule aus und von den Eltern verboten war. Man wies gern auf Unglücksfälle hin, man las den Kindern aus der Zeitung vor, daß der oder jener hoffnungsvolle junge Mann durch einen unglücklichen Fall oder gar infolge eines Tritts beim Fußballspiel unheilbaren Schaden genommen hatte. Indes verklärten solche Nachrichten in den Augen Arnolds den gefährlichen Sport, munterten ihn-Tnur auf, und obwohl man ihm strafweise das kleine Taschengeld entzog, wußte er sich doch immer wieder einen Ball zu verschaffen und eilte dann mit Gleichgesinnten in den Stadtpark, um sich für zwei, drei Stunden am „Kicken" und „Rempeln" gütlich zu tun. Im Stadtpark drohte freilich eine neue Gefahr, denn dort war auf allen Wegen das Fußballspiel ebenfalls verboten, und wenn die Buben mit glühenden Wangen im besten Laufen waren, erschien manchmal der Parkwächter mit Tschako und Säbel, ein alter Mann, ergriff wortlos den rollenden Ball, den Puls des Spieles, den man mit so viel Schwierigkeiten einem Mäderl abgeschwatzt oder irgendwie gestohlen hatte, und steckte ihn, den teuren Boll, in die Tasche, worauf er wortlos hinter den Gebüschen wieder verschwand; denn mit den unverbesserlichen Sportfreunden zu zanken oder ihnen die Vorschriften einzuschärfen, hatte er längst wegen Aussichtslosigkeit aufgegeben... Man wählte daher, um vor seinen räuberischen Ueberfällen sicher zu sein, gern die Abendstunden, in denen' er seine Rundgänge nicht mehr so eifrig einhielt und die auch alles verhüllten hinter Nebeln über den Wiesen und langen Schatten. Dann tauchte die Gesellschaft vorsichtig auf, ganz nach Art verfolgter Gottesdienste im Anfang einer Religion wurden abgelegene Plätzchen ausgesucht, Vorposten aufgestellt, ängstlich wurde das Heiligtum, der Ball, hervorgeholt, doch erst, wenn alles sicher schien. Dieser Ball , . . o, mit welchen bejammernswerten Surrogaten mußten sich die Enthusiasten manchmal begnügen. Einmal war es ein leichter roter Gasballon, der zu hoch sprang und der die ganze wohlgeübte Fußtechnik der Mannschaft störte, einmal ein großer, ganz weicher, mit kindischen Bildern, dann ein kleiner billiger weißer Gummiball, der jeden Moment ins BuschwerkJief und kaum mehr aufzufinden war, ein anderes Mal hatte der Ball schon Luft verloren, das heißt, er bekam an einer Seite eine kleine rätselhafte Einsenkung- — und mochte man ihn nun streicheln und drücken, -wie man wollte, mochte man mit aller Vorsicht die Vertiefung langsam in weicher Hand aufzurunden suchen, immer zeigte sich die tückische Grube an einer anderen Stelle, immer, wieder genau so tief wie vor- I her, eher noch tiefer. War einmal ein Ball so weit, so war er unrettbar verloren. Man erkannte das an seinem hohlen scheppernden Ton beim Laufen, man konstatierte es mit einem wahren Todesschreck in den Gliedern. Denn nun war das richtige Vergnügen vorbei. Trotzdem hörte man nicht auf zu spielen, wenn auch der Ball nur schlecht sprang und von der geraden Bahn abwich. Einige Künstler behaupteten sogar ganz stolz, sie spielten nicht ungern mit so einem zerknicken Balle, denn sie könnten seine „Fälsche" berechnen. Indes vergrößerte sich unaufhaltsam mit jedem Stoß der Fehler, schließlich hatte sich die Senkung über die halbe Fläche schlapp ausgebreitet. Doch nicht einmal das war ein Hindernis. Man schob nun den Ball zusammen, machte eine hohle Halbkugel aus ihm, einen Klumpen und diesen Ueberrest stieß man eifrig,- trug ihn mehr auf der Fußspitze, als man ihn warf, verzichtete auf jede Elastizität, auf den Fernkampf, so daß das Spiel endlich in Nahkampf, d. h. in eine Prügelei ausartete . . . Primitiv wie der Ball war auch, das Goal eingerichtet, zwischen zwei Bäumen, die man durch eine mit dem Stiefelabsatz gezogene Linie im Sand verband. Fehlten die Bäume, so legte man KleiJer in zwei Bündeln auf die Erde und bestimmte die Linie zwischen iHnen als Goal, wobei dann allerdings die Streitfrage entstand ob es als Goal zu betrachten sei, wenn der Ball über die Kleidcrbündel fliege oder sie streife. Mäh nannte das „Stange", denn die Röcke verlraten ja die Goalstangen, und belästigte nun die älteren Spieler, sogar die Sportzeitungen mit diesem Problem. Und nun gar, wenn es immer dunkler wurde, wer konnte noch entscheiden, ob ein Schuß richtig getroffen hatte oder nichtl Man spielte einfach in die Nacht hinein, er-f stickend, keuchend, man bewegte sich, es galt auszugleichen oder den Sieg zu entscheiden, in höchster Spannung ind Anstrengung — und dabei mußte man. sich zurückhalten, durfte nicht schrein, nicht anfeuern und jauchzen, alles mul'te lautlos vor sich gehn, sonst hätte man sich dem Wächter verraten. Erst bei völliger FinsternisJhörtc man auf. Die Feinde und Freunde hinkten nach Hause7 hungrig, durstig, zert schunden — das aber fühlten sie nicht1 — nein, für Arnold, wie für alle, lag ein süßer Zusammenhang zwischen ihrer Äbgcschlagcnheit, dem Schweiß, den Schuhtritten, die sie an ihren Waden schmerzten, an den Schienbeinen, längs derer vielleicht ein gegnerischer Schuhabsatz herabgeglitten war oder sich eingehackt hatte, daß ihnen die Sehnen brummten, zwischen all dem und dem süßen Fliederduft des Parkes, dem nächtlichen Blühn und einem leisen, eben entschlafenden Vogclgezwitschcr — o, ein Zusammenhang,^ in dem diese Knaben stärker als jemals ihre Jugend und die heldenmütige- Kraft des Blutes und eine weitende Freude spürten bis an das schwarze Himmelsgewölbe hinauf. Sie marschierten die Gassen hinein, sie fürchteten sich nicht vor de% Eltern, nicht vor der morgigen Schularbeit, sie summten ein Lied. —-So. weit stand die Sache, als Arnold mit Eisigs näher bekannt wurde. Dann erhielt er plötzlich, nach all den dilettantischen Versuchen, Anteil an einem Fußball, einem "wirklichen englischen Fußball, der seine hohe Verehrungswürdigkeit schon dadurch bekundete, daß er wie ein belebtes Wesen eine „Seele" besaß. Nun überstieg die Fußballbcgeis'erung alle Grenzen. Täglich nach der Schule zogen die fünf Eisigs mit Arnold auf die Wiesen, drei gegen dr*.i teilten sie sich dort, und los ging'sr. Nicht genug damit, man übte auch in der kurzen Zeit zwischen Vormittags- und Nachmittagsunt—rieht, und da war der große Hof im Eisigschcn Haus der geeignetste Platz dazu, dieser Hof mit seinen Kisten, Händkarren, Holzschuppen, alten Bäumen, Kcllcrtüren, dieser Hof in glühender Mittagssonne. Nichts konnte die Passionierten abhalten, nicht, daß der Hof gepflastert war und daher jedes Hinstürzen hart spüren ließ, auch nicht,- daß der Ball einmal bei einem Hochkick ein Fenster im ersten Stock zerschmetterte, MMM zu großen Mißhelligkeiten zwischen Papa Eisig und seitfenij Mieter führte. Ls wurde nur einfach ausgemacht, von yjgA U - » j^MtfgflL. l.-i ii iniii - .■■um —:

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