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Der Jugendbund · 1927-05-05 · 9 (5.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (5.5.1927)
Date
1927-05-05
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Denkt an die Fördererliste des Verbandes! sowohl, als drei Tage hintereinander folgend, Nacht und Tag, und schrien zum Ewigen auf in ihrer Not ... In jenem Jahre fiel das Passahfest auf Donnerstag und der Neumondstag Ijar auf Freitag und Sabbat. Am Sabbat, dem 8. Ijar, überfielen die Feinde die Gemeinde Speyer und erschlugen zehn heilige Personen. Diese waren die ersten, die ihren Schöpfer heiligten, und sie Uten es am heiligen Sabbattage, da sie sich nicht taufen lassen wollten. Darunter befand sich auch eine fromme Frau, die sich zur Heiligung des göttlichen Namens selbst schlachtete. Sie war die erste von denen, die sich selbst schlachtete oder schlachten ließen. Die übrigen wurden, ohne Taufe, von dem Bischof gerettet. — Am 23. Tag« im Ijar überfielen die Wölfe der Wüste die Gemeinde Worms. Die Gemeinde teilte sich in zwei Gruppen; einige blieben in ihren Häusern, andere hielten sich in den Gemächern des Bischofs auf. Da erhoben sich die Feinde und Dränger gegen die Juden, die in ihren Häusern waren, überfielen sie und brachten sie um, Männer, Frauen und Kinder, Jünglinge und Greise; sie rissen die Häuser nieder, stürzten die Treppen um, machten Beute und plünderten. Sie nahmen die heilige Thora, traten sie in den Straßenkot, zerrissen und zerfetzten sie, schändeten sie und trieben Spott und Scherz mit ihr. Nach 7 Tagen, am Neumondstage des Siwan, *m Tage, an dem Israel zum Sinai gekommen war, um die Thora zu empfangen, wurden auch diejenigen, die sich im bischöflichen Palaste be- '4aadcn, aufgeschreckt. Die Feinde verfuhren mit ihnen, wie sie mit den früheren verfahren hatten, mißhandelten sie und übergaben sie dem Schwerte. Diese, durch das von ihren Brüdern gegebene Beispiel gestärkt, heiligten noch mehr den Namen ihres Schöpfers, sie legten nämlich Hand an sich. Alle nahmen ungeteilten Herzens das himmlische Verhängnis an, und indem sie ihre Seele ihrem Schöpfer übergaben, riefen sie: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gutt, der Ewige ist einzig!" Die Feinde zogen sie nackt aus und schleiften und warfen sie umher, und am Neuraondstage blieben wenige am Leben. An achthundert betrug die Zahl der an jenen beiden Tagen um der Heiligung des göttlichen Namens willen Umgekommenen; sie wurden alle zu Grabe gebracht . - . . Usefartem löchern . . . „und ihr sollt für euch zählen . . ." Von Rabbiner Dr. Neuhau», ^jyiülUeim-Ruhr. Die Tage zwischen Pessach und Schowuaus zählen wir; an jedem Abend einen Tag mehr, bis wir am fünfzigsten (Pentekosta Pfingsten!) das Fest der Gesetzgebung feiern. Wie merkwürdig! Gerade im Judentum zählen wir doch gewohnlich nicht; wir wissen ja aus der Geschichte, daß Seuchen ausbrachen, als man zählte; wir wissen, daß wir zum Minjan die erforderliche Zahl der „Zehnleute" nicht zählen sollen. In der Tat, so ist es, Menschen sollen wir nicht zählen, Menschen sollen wir nach' ihrer Tüchtigkeit, nicht nach ihrer „Menge" beurteilen. Tage aber dürfen und sollen wir zählen. Denn unsere Tage sind g e z ä Irl t, schnell vergehen sie, darum sollen wir — schon in der Jugend — die Zeit nützen. Schnell gehen die „sieben Wochen", die sieben Jahrzehnte des Lebens vorüber, und „Azeres" (Schowuaus wird Azeres genannt),-der Schluß ist da. Darum sollen wir bedenken, daß von Tag zu Tag unsere Kraft erlahmt; usefartem löchern, daher denke an dich, an deine Zukunft, an die Ewigkeit. Limnaus jomenu ken hauda, wenowi lewaw chochnro. Wer weise ist, zählt die Tage seines Lebens und erkennt dadurch seinen Wert. Er wird säen in der Jugend und ernten im Alter. Israel war am Pessach „körperlich" befreit; es blieb dabei nicht stehen; es war nicht zufrieden. Es zählte, um Schowuaus zu feiern, um geistig zu wachsen ■— durch die Thora. Zähren auch wir die Tage, nützen wir sie für die Ewigkeit, um durch unsere Lehre zu wachsen, um emporzusteigen auf den Stufen jüdischen Wissens und jüdischen Schaffens. mehr, daß die polemischen Mittel, die Harden zu seinem Kampf gebrauchte und durch die er schließlich, wirklieb den Stürz des Fürsten Eulenburg und seiner Freunde erreichte, im Sinne einer höheren publizistischen Moral durchaus verwerflich waren. Er nahm das erotische Privatleben der von ihm Bekämpften zum Ausgangspunkt seiner Polemik und vernichtete so nicht nur das politische, sondern auch das private Leben des Fürsten Eulenburg, des Grafen Moltke und anderer vollständig. Alles in allem war es ein Kampf, dessen Durchführung in der Monarchie ohne Zweifel persönlichen Mut bewies, dessen Ziel vielleicht erstrebenswert, vielleicht das Gegenteil war, dessen Waffen aber nicht zu den sauberen Waffen literarischer Kämpfer gehörten. Fast in demselben Maße wie Hardens polemische Stoffe erregte sein Stil in der Oeffentlichkeit der Vorkriegszeit Aufsehen. Er wurde als Muster deutscher Prosa weit gerühmt, ein literarischer Ruhm, dessen Entstehung uns jetzt fast unverständlich »ist Hardens Stil war das würdige Gegenstück zu jener Architektur, die man als wilhelminisch bezeichnet und die mit ihren Greueln das Bild der meisten deutschen Großstädte, an der Spitze Berlins, so schauderhaft verunziert bat. Protzerei im Ausmaß .und im Baustoff ist beider prinzipielles Merkmal. Hardens Aufsätze sind überladen mit den Kinkerlitzchen einer Wissenschaft, die mit ihren Stoffen auch nicht im entferntesten Zusammenhang stehen und von der auch der gläubigste Leser nicht annehmen kann, daß der Autor sie ohne Benutzung eines Konversationslexikons zur Einverleibung in seine Aufsätze parat hatte. Seltsame, aus der Eitelkeit des Anders-sein-wollens geborene Floskeln, eine aus allen Fugen gerenkte Syntax, eine mit kalter Logik konstruierte, aber von jedem Sprachgefühl verlassene Grammatik und eine schrullenhaft willkürliche Orthographie kennzeichnen Hardens Sprache. Es bleibt zu .sagen, daß Harden stets eine , eigene und ehrliche politische Ueberzeugung behalten hat, die er mit großer Tapferkeit verfocht und für die er vor einigen Jahren als schon bejahrter Mann die Mißhandlungen eines antisemitischen Rowdys erdulden mußte. Liest man nach einem Hardensetten Aufsatz einen politischen Leitartikel von Theodor Wolff, der ebenfalls längst Politiker geworden -ist und dem Berliner Tageblatt, einer der am meisten gelesenen deutschen Tageszeitungen, als Chefredakteur vorsteht, so ist es, als käme man aus dem Makart-Salon eines Parvenüs und beträte nun die liebte Halle im Hause eines , kultivierten Patriziers. Edle Klarheit in Grundriß und Aufbau und eine durchaus nicht kärgliche Schönheit, eine alles andere als dürftige Einfachheit des Stils zeichnen diese Kunstwerke politischer Publizistik aus, denen man, und wahrlich nicht zu ihrem Schaden, die rein literarische Herkunft ihres Verfassers aufs deutlichste anmerkt. Man darf Theodor Wolff, ganz gleich, wie man politisch zu ihm steht, wohl ohne Lebertreibung als den Meister des politischen Leitartikels in deutscher Sprache bezeichnen. Was Theodor Wolffs Gesinnung anseht, so mag man ruhig seine Haltung in vielen prinzipiellen \rnd nebensächlicheren Dingen des öffentlichen Lebens tief bedauern, — auch ihm muß man Ehrlichkeit und Tapferkeit bis ins letzte freudig attestieren und hoch anrechnen.' Dabei aber muß man bemerken, daß seine politischen Angriffe immer aufs ritterlichste geführt waren und daß er seinerseits ehrliche Angriffe stets in nobelster Haltung pariert. Nie darf ihm vergessen werden, daß er während des Krieges, sehr im Gegensatz zu der Uebung anderer Demokratenblätter, unablässig für die Verständigung der ^Völker eingetreten ist, auch da, wo es seiner Zeitung offensichtlich Schaden brachte! Maximilian Harden und Theodor Wolff, beide sind sie im Kampf ergraute Repräsentanten einer älteren Generation, denen wir Jungen Ehrerbietung und Dankbarkeit zollen dürfen, auch wenn wir im einzelnen nicht mit ihnen einverstanden sind.

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