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Der Jugendbund · 1927-05-05 · 9 (5.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (5.5.1927)
Date
1927-05-05
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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das mufl er verhüten. Denn in diesem Moment hat er ausgespielt, es bröckelt einer nach dem anderen ab und zuletzt hat sich die ganze Sache in Wohlgefallen aufgelöst. .Deshalb muß der Führer stets drnach trachten, sich das" Vertrauen der 'Jugend zu erhalten und zu vertiefen. Diese Heimstunden müssen in erster Linie dazu dienen, der Jugend das Jüdische in den Vordergrund zu stellen. Wir Gönner! noch so sehr die Augen zumachen, so müssen wir uns eingestehen, daß die jüdische Religion auf dem Wege ist zu verflachen, ja, daß sie mancherorts diesen Prozeß schon ziemlich weit hinter sich hat. Und einen großen, einen sehr großen Teil schuld daran haben die- Eltern. Es ist wohl zu entschuldigen, wern der im harten Wirtschaftskampf stehende Vater für seine Kinder keine Zeit mehr aufbringt, um sich mit ihnen belehrend zu beschäftigen; aber nicht zu entschuldigen ist es. wenn die Mutter vor lauter Ueberlegung der Modefragen, vor lauter Nachdenken: Bubikopf oder nicht, keine Zeit hat, sich der .Jugend anzunehmen. Später wundern sich die Eltern, wenn sie alt und mürbe geworden sjnd, wo die Liehe der Kinder hirgeraten ist. ü:e Schale i*t nicht die genügende Statu, der Jugend die Religion in der Weise zu erklaren, daß «ie das erforder! ehe Interesse dafür aufzubringen vermag. Iiier st es die Aufgabe des Führers, eine gewisse Lücke auszufüllen, and es liegfan der Person.-inwieweit sie hierzu in der Lage ist. Som;l ist es;-.tich eine Hauptaufgabe der jüdischen Jugendbewegung, auf'dem Gebiet der Religion eine Lücke, welche im Elterahaus sowohl als auch in der Schvle klafft, auszufüllen. Aber'man hüle sich davor, auf das religiös-politische Gebiet za geraten, liier Biau-Wciß, hier Katneraden! heißt es, anstatt: Hier deutsche jüdische Jugend. Gerade die Zersplitterung, die i'r'cr uns Juden herrschf, hilft unseren Feinden mit, uns zu bekämpfen. Wir können niemals zu einem Faktor v.-crJ!n. wenn w;r nicht einig sind. Einigkeit macht stark, das;iiit rieht r-r für das deutsche Volk, das gilt nicht nur .r(f«rdc."e Organisation, das gilt ia ganz besonderem Maße auch für uns'Juden. De.-halb müssen wir versuchen, in un- •. :cn Kreisen alle zu vereinigen, welche gewillt sind, in erster Linie jüdische Jugend zu sein und sich um Politik Gott weiß was scheren. vi-enn »ie äi:cr werden, werden sie sich d<~>ch räch ihren Erfahrungen und Erfolgen richten, unbeschadet der ■ Anschauungen, I die sie früher eingetrichtert erhalten haben. Deswegen woiltja v.ir un» von. vornherein damit gar nicht beschweren. [ . Zu einem Buche Vril'.en. die uns Widerspiegeln, r-"": ■ unter Seeienbild erschüttern, — ' r . SiOrme, die a»f Liederiliigeln über unsre Sehnsucht zittern. — Wünsche, die aus Dächern steigen, kommen «tund gehen schüchtern. — i gehen Opfcrjjaig ur.d schweifen — er Jer.iliehcnd, — er Jennücl.lern. V ' ■'" ■ ' : \ '■ ■ J. R a p h a e-1, Beckum. Jüd. Publizisten der Gegenwart Von Heinz Kahn. ■ ' J " I,L Maximilian llarden und Theodor Wolf f. •Als iim Jahre 1SS9 in Berlin die ..Freie Bühne" gegründet wurde, dieses damals ultrarr.odernc Theater, das dem dramatischen N.-.turalismus in Deutschland zuerst und nachdrücklichst zu szen ^chem Leben verholten hat, da waren es neben oder vielmehr vor anderen christlichen und jüdischen Interessenten zwei recht junge jüdische Theaterkritiker, von denen der Hauptantrieb zu dem neuen Unternehmen ausging: Maximilian Hardcn und Theodor Wollt. Wenngleich die beiden ohne Zweifel grundverschiedene Naturen und Künstler sind, so ist doch jene Zusammenarbeit für die gleiche Idee^n jungen Jahren nicht das einzige Moment, das die Betrachtung dicker Publizisten verbindet. Mancher Leser, der llarden und WolH als Theaterkritiker bezeichnet sieht, wird etwas erstaunt sein, da «r beide als solche doch wohl am wenigsten kennengelernt hat, nnd es ist in der Tat so, daß beide, ausgehend von der Behandlung ästhetischer Form, zur Gestaltung ganz anderer gekommen sind, wobei aber beide wiederum ihre litera- Es gibt noch viele kleinere Gebiete, die für uns in Frag« kommen, doch will ich vorläufig mit diesen Worten meine Auffassung über die Probleme kundgeben, die in erster Linia für uns in Frage kommen. Die Leiden der Juden , im ersten Kreuzzug: Speyer und Worms Aus dem ..Q-icllenVesebuch zur jüdischen Geschichte und Literatur", bearbeitet von Dr. J. Höxter, II!. Teil, Deutschland. Frankreich und Italien im Mittelalter, Ganz« leinenband 1,80 Mark, soeben erschienen bei J. Kaufmann, Verlag. Frankfurt a. M. (F.licser bar Natan. 1C% in Mainz. Dichter und Gcsct-zcslehrc?t berichtete über die sclbstdurchlcbten Leiden in der Schrift, die man Gcscrot Tatnu ( 856) genannt hat): Es war im Jahre 4S56 nach Erschaffung der Welt (10%),.., da trafen uns viele und schwere Leiden, die in diesem Reiche, seitdem es gegründet wurde, bis jetzt noch nicht vorgekommen waren . . . Denn Cs erhoben sich freche Menschen, fremdländisches Vol'i. eine griramigp, ungestüme Schar von Franzosen und Deutschen aus allen Ecken und Enden, die sich vorgenommen hatten, nach der heiligen Stadt (Jerusalem) zu ziehen, um dort das Grab ihres Heilandes aufzusuchen, die Ismacliten von dort auszutreiben, und sich d:s Landes zu bemächtigen. Sie hefteten als ihr Erkennungszeichen ein Kreuz an ihre Kleider, sowohl Mann wie Frau, alle, die sich bereitfanden, dorthin zu ziehen, so daß sie zahlreicher als die Heuschrecken waren, Männer, Frauen und Kinder, und über sie isftTas V/ort gesagt: „Keinen Konig haben die Heuschrecken." Als sie nun auf ihrem Zuge durch die Städte kamen, in denen Juden wohnten, sprachen sie in ihrem Herren: ..Sehet, wir ziehen dahin, das heilige Grab aufzusuchen und R-.che an den Ismacliten ZU üben; und hier sind die Juden, ciic ihn umgebracht und gekreuzigt haben ohne Crur.d. Lasset zuerst an. ihnen uns Rache nehmen und sie austii -cn, so daß sie licin Volk mc^r bilden, daß der Name Israel nicht mehr erwähnt werde; oder sie sollen unseresglcichcn werden und zu unserem Glauben .rieh bekennen. Als die Gemeinden solches hörten, da überfiel sie An^rl und Zittern und Wehe, und sie griffen zu der Handlungsweise/ihrer Väter, nämlich: zum Gebete, zur Wohltätigkeit und zur Buße; sie setzten Fasten ein. einzelne % rische Herkunft insofern nicht verleugneten, als siein ihren politischen Publikationen die Ausdrucksform in einer Wei«e pflegten, die man bis dahin im allgemeinen nur bei kur.stbetrachlendcn oder -gestaltenden literarischen Schöp'ungen gewohnt war. Maximilian HarJen be^ab sich bald, wohl nicht zuletzt infoije einer gewissen Gönnerschaft, die ihm kein Geringerer als ii-is.tr.arck ar.gadeihen ließ, ins Gebiet der hnhen Politik. Jahre und Jahrzehnte lang führte er in sciqer Zeitschrift ..Die Zukunft" einen erbitterten Kampf gegen den büsg?rlic'-<cn Liberalismus und insbesondere dessen Presse. Man kann fast sagen, daß er ii-rr.cr und überall den Standpunkt verfochten hat. der den breiten und'durch die groBen Tageszeitungen verbreiteten Anschauungen genau entgegengesetzt war. Siine zahlreichen großen, berechtigtes Aufsehen erregenden Aufsätze sind aus jenem Geist geschrieben, der stets verneint, aber das Gute will und darum auch manches Gute geschafft hat. So war Hardcn einer der Wenigen, der tätige Jahre vor dem Kriege schon die Natur Wilhelms II. erkan.-.t hat; eine Erkenntnis, .die vielleicht auch aus der Empörung über die Behandlung resultierte, die Wilhelm dem von Hardcn überaus verehrten Bismerck hatte zuteil werden lassen, eine gleichwohl aufs beste fundierte Erkenntnis. Die politisch bedeutsamste Aktion Härders war sein Kampf gegen die Eulcnburg-Clique, ein Ring von ästhelisierer.dcn, dekadenten und zum großen Teil perversen Männern, die Wilhelm II., nach Hardens Ucberzeugung zu dessen und des Deutschen Reiches Verhängnis, umgaben und deren Einfluß das Emporkommen ihnen nicht genehmer Staatsmänner lange Zeit hindurch zu verhindern wußte. Noch heute ist der Streit der Meinungen darüber durchaus nicht entschieden, ob tatsächlich die Herrschaft dieses Kreises für Deutschland ein Unglück war oder ob nicht vielmehr gerade diese Männer, wenn sie auch 1914 noch die Regierung in der Hand gehabt hätten, den Weltkrieg verhindert hätten. Darüber aber gibt es heute wohl keine Meinungsverschiedenheit — 8 —

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