Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (5.5.1927)
- Date
- 1927-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i » Der auf der letzten Landes\er+ardstagung fccrajejie Entwurf eines neuen Jugendgesetzes enthält verschiedene,*" d e Jugend besonders berührende Vorschriften. Eine davon ist die Karenzzeit, d. h. die Abhängigmachur.g desaktiven und passiven Wahlrechtes von einer gewissen Aufenthaltsdauer in einer Gemeinde. Wir wollen uns, nachdem die unterschiedliche Behandlung von Ausländern und Nichtausländern scheinbar endgültig verschwanden ist, nicht gegen eine Karenzzeit überhaupt »perren. Sie ist allgemein üblich und beruht auf der an sich richtigen Erwägung, daO man scWerst in der Gemeinde umgesehen haben muß, ehe man über ihre Geschicke mitbestimmen USrn." Insofern tendiert sie zu unserer Auffassung, daß das Wohl der Gesamtheit nicht unmittelbar vom Partei* Standpunkt her betrachtet werden kann. Scharf müssen wjr uns .aber im Interesse der Jugend dagegen wenden, wenn diese Karenzzeit über Gebühr lang festgesetzt wird.' Die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse bringen es mit sich, daß viele junge Juden oft den Ort ihrer Tätigkeit wechseln müssen. Sic würden also unter Umständen mehrere Jahre durch, und zwar 2ur Zeit ihrer aktivsten Tätigkeit in jüdischen Gemeinschaften, von jeder Anteilnahme an der Gemcindcleitung ausgeschlossen bleiben. Wie lautet doch die Forderung? Anteilnahme der Jugend •n Gemeindefragen. So ist der Weg jedenfalls verkehrt. Nach sechs Monaten oder früher muß die Wahlberechtigung gegeben werden. He. Ufa-Palast am Zoo: Der Weltkrieg — ein historischer Film •— Darstellung des gewaltigen Volkerringens — Originalmusik Marc Roland usw. usw. * Was erwartet man zu sehen? Eine' Bildfolge gewalligsten "tiloatttehens (trotz allem), dann aber: der unseligsten Ereignisse. Unaussprechliches Morden, übermenschliche Qualen, furchtbarste Verheerungen, Anstrengungen sonder Zahl. Hungernde Soldaten — prassende Vorgesetzte (in der Etappe), schlangenstehende Frauen um wenige Lebensmittel, ausgemergelte Kinder über' Schüsseln mit Wassersuppe und einigen- Steckrüben, Not sonder Ende, Volk in Qual —^nd Untergang. ■I Und was sieht man? Gewiß, einige Aufnahmen „authentischer Natur", doch immer nur, .was das „Volk" sehen darf. Und dann: kitschige Scnlimcnts, gestellte Episoden. Wilhelm den Zweiten, aber nicht seine'Flucht nach Holland; Ludendorft, aber ohne blaue Brille und nicht sein Drängen um Waffenstillstand; kämpfende Soldaten, doch nicht die ,,Hölle von Verdun ". und dann: gestellte Begeisterung, schön gespielt und — — gekonnt. Unwahrheit, Kitsch, Scntiment (und Langeweile!). Jugendliche haben Zutritt!! Im Zeichen Külz' (Keudclls), im Zeichen vorbereiteter Gesetze zürn „Schutz" der Jugend gegen den „Verderb durch das Kino". Jugendliche haben Zutritt!! Warum? Weil man glaubt, nein, wünscht, sie für den Krieg zu begeistern (denn man zeigt ihnen ja nicht die Wahrheit und ihre Schrecken). Weil man, trotz Locarno, trotz Thoi.y, immer noch glaubt, hofft, wünscht, Jugend mißbrauchen zu können, um Pläne, abenteuerliche Ideen, wahnsinnige Rcvancliegelüste zu verwirklichen. * Und ich sehe, wie Jugend die Filmpaläste füllt, verleitet durch politische Organisationen (Hugcnberg — Ufa'), Wehrverbände, Lehrer, Priester. Ja, Lehrer! Trotz aller Paragraphen der Reichsverfassung, die Jugend zu erziehen im Sinne der Völkerverständigung. Ja, Priester! Trntzdem geschrieben steht: „Liebet cur« Feinde, tut wohl denen, d'e euch hassen." Schrecken nicht Beispiele, wo Lehrer Jugend chauvinistisch \erhetzen! ' Hörten wir nicht Priester reden, Kriege zu feiern!! ' Jugend, Freunde, wacht auf! Seid stark, allen Verführungen und Verführern zum Trotz. Denkt daran, daß wir leben wollen; denkt daran, daß unser Wirken eingestellt ist auf Verbrüderung der Menschheit und nicht auf Vernichtung! Denkt an die Entbehrungen, denkt an die Tränen all der Mütter, Eltern, Bräute, Schwestern, denkt ihrer Flüche! Und denkt daran, daß wir»-wjrJ/.en, die Menschheit zu bessern und nicht zu verhetzen, Scjnnbrzen zu lindern und nicht zu schaffen, zum Segen und nicht zum Fluche! ' Bo. Für unsere Jüngsten An unsere Junjj?ruppen Vorüber sind — welch ein Glück! — die sorgenvollen Tage und Wochen \ur der Versetzung.-die tausend Aengste sind zerstoben, und mit ihnen auch für*tiie nicisten unserer Jung- und Schülergruppen die Arbeitspausen, mit denen unsere Junggruppentätigkeit wohl immer notgedrungen vor Osterrr zti rechnen hat. Und vorüber sind nunmehr auch die Osterferien. Mit dem leise erwachenden Frühling 'soll jetzt unsere Arbeit einsetzen. Das große, wundervolle Rütteln, das durch geht, soll in unseren Gruppen ein ebenso regsames finden. Fort mit aller Drückebergerei .und allem Schreitet zur. Festigung und Stärkung eurer Re hen, die Lauen, ermutigt die Schwankenden, zeigt unerdaß der Idealismus in der Jugend noch imme^F — und die Natu Aufleben* Kleinmut ermun'.e müd heutzutage erst recht — am besten aufgehoben ist! Gemeinsame Stunden, sei es beim Wandern, sei es in Heimveranstaltungen, sollen in euch den Willen zum Aufbau und Ausbau einer echten Gemeinschaft groß werden lassen. Schreibt von euren Wünschen und Plänen, — wir werden stets mit aufrichtiger Sympathie zu eurer Arbeit stehen. Das Junggruppe'n-Dezernat. ' I. A : J. "R a p h a e 1. Aus den Junggruppen Bielefeld. Von Weihnachten bis Ostern hat sich die JG. mit dem Jüdischen Jugendbuch beschäftigt. Aus einer durchgeführten Vortragsserie seien folgende Themen erwähnt: „Freitagabend", „Sabbtrt", „Die Wallfahrtsfcstc". „Purim" und „Was soll uns unsere Schölc-gruppe geben". Am 19. März wurde eine einfache, jedoch schöne Purimfeier veranstaltet. Dr. Kronheim war als Gast anwesend. TVier. Unter d.er Leitung von Manfred Altmann hat sich j Ifpr eine JG. gebildet. . ' - 6 Stuttgart. Rabbiner Dr. Cohn beabsichtigt, dem Bcrthold- Auerbach-Vercin eine Schülergruppe anzuschließen. Bremen. Leben und Treiben in der Junge nsgruppe der jüdischen Jugendvereinigung. Vor etwa zwei Jahren übernahm ich die Führung der Knabertgruppc des jüdischen Jugendverbandes in Bremen. Ich hatte mir zum Ziele gesetzt, die Jungens zu einer Gemeinschalt im wahren Sinne des Wortes zusammenzuschließen. Ich glaube, es gelang mir. Einem Aufruf an die Knaben zu' einer Wanderfahrt wurde zum Teil Folge geleistet. Die nachfolgenden Fahrten wurden gut besucht und weiterhin hat sich die Gruppe zu einer der regsten in unserm Verein entwickelt. Dann kam der Winter. Wir trafen uns Sonntagsvormittags bei einem unserer Freunde, es wurde gelesen, gespielt und sonstige Unterhaltungen gepflegt, die junge Menschen im Alter von 12 bis 16 Jahren interessieren. Einer Aufforderung des RjF., meine ' Jürgens an einem Abend der Woche zum Turnen zu schicken, leisteten die Knaben, gern Folge, denn es war mein Streben, die Jungens körperlich und geistig zu ertüchtigen. Am 1. April niu^tc ich leider die Führung meiner Gruppe niederlegen, da ich Bremen verließ. Ich erwarte b e - s t i nrm t, daß dc'r Jugendbund Bremen es sich zur Pflicht macht, die Jungensgruppe in allen Teilen ihrer Bestrebu n-g enzu unterstützen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Bruno Jacobsen. Junegruppen Von Hugo Marx, Worms Auf der Reichsdelegiertentagung in Düsseldorf war es den Führern der Jugendgruppen der Jugendvereine wegen Mangel» an ■ >ider nicht möglich, die von Worms angeregte Besprechen , nach unserem Wunsche auszudehnen.