Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (5.5.1927)
- Date
- 1927-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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lassen. Er glaubt noch in WabrneR an das reale Vorhandensein des Bösen und Guten in der Welt. Er glaubt noch an das überirdische Wunder, mit dessen Hilfe der Mensch sein Herz läutern kann. Er sieht das Böse so lebendig und gegenwärtig, daß es ihm zu dem Bösen, zum leibhaftigen Satan wird, den zu überwinden das ganze Sinnen und Trachten (eines Lebens wird. Wie er sich selbst von ihm durch gewaltsame Kasteiung und schreckliche SelbstgciCelung zu befreien sucht, so will er auch anderen Menschen helfen, Sieger über das Böse, über den Bösen in der Welt zu werden. Die Tragik seines Lebens ist nur, daO ihm auf diese Weise der letzte Sieg doch versagt bleibt. Der Hall gegen das Bös« ist nicht gleichbedeutend rmt dem, Guten. Nicht aus Güte wendet er sich an Germaine, sondern aus Haß gegen den Satan, in dessen Klauen er sie sieht; und nicht aus Mitgefühl will er den klagenden Eltern ihr gestorbenes Kind wiedergeben, sondern den Satan, der ihn aus den halbgeschlossenen Augen des Kinde» angrinst, will er damit zum entscheidenden Kampf herausfordern. Weil er wohl den großen Haß gegen das Widergöltliche^ber noch nicht die letzte Liebe zu Gott und den Menschen in seinem Herzen trägt, muß d.v ,-r berühmte Heilige am Ende doch der besiegte Sieger bleiben. Her Eranzose Georg Bcrnanos stellt sich mit diesem Buch in die Reihe der bedeutendsten religiösen Schriftsteller unserer Zeit. Hier spricht einer, dem Religion nicht nur eine Fabel und ein Märchen, sondern glutvolles Selbsterleben geworden ist. Seine inneren Gesichte sind von hinreißender Kraft, sein Einfühlungsvermögen in das Empfinden des Heiligen von überzeugender Lebensnähe. Wenn auch manches an seiner katholischen Gedankenwelt auf den Juden befremdend wirkt, so muß doch der Versuch dieses Buches, Religion wieder ernst zu nehmen, auch von uns aufs freudigste hegriißt werden. Nicht mir die Kollegen des Abbfi Donissan, nicht nur der skeptische Schriftsteller, der vom Dichter zum Schluß dem Heiligen gegenßbergcstcl't wird, sondern auch viele moderne Leser werden sich zunächst dagegen wehren, diesen „Heiligen" ernst zu nchme,n. So weit sind wir von wahrer Religion entfernt, daß die Iloter der Religion sie oft am meisten verraten. Wer ihr wieder näherkommen will, greife zu dresem Roman. Büdieestnau Carl Cohen, kurzgefaßte hebräische Grammatik. (Verlag M. A. Wahrmar.n, Frankfurt a. M. 27.) In unserer hebräischen Grammatiklitcratur macht sich bereits seit geraumer Zeit das Fehlen einer kurzen und doch wissenschaftlich zuverlässigen Grammatik, die den Schüler in kurzer Zeit mit den Grundjagen der hebräischen Grammatik vertraut macht bemerkbar. Die Grammatiken, die uns bis heute vorlagen, waren entweder umfangreiche, für den Nichtphilologen kaum zu beruhende Fachwerke, oder Werke, die ■ in hebräischer Sprache a& 1t sind und daher für den deutschen Schüler nicht in Frag nmen. Daneben existieren noch eine Reihe von ausgesprochenen Schulgrammatiken, die aber durch ihre längst überholte Methode auch kaum noch zu benutzen sind. In der Grammatik ivon Garl Cohen liegt uns «in Werk Tor, das, von ganz modernen Gesichtspunkten geschrieben, in kurzer, fesselnder und doch nie strengste Wissenschaftlichkeit vernachlässigender Weise eine erste Einführung in die hebräische Grammatik gibt. Selbstverständlich kann das Werkchen keinen Ersatz für große philologische Werke bieten, seine Aufgabe kann nur sein, dem Schüler die Grundlagen zu'verschaffen. Zum tieferen Eindringen in die schwierigen Probleme der hebräischen Grammatik sind schon umfangreichere Werk« notwendig, einige von ihnen empfiehlt der Verfasser übrigens selbst in seiner Einleitung. Auch rein äußerlich macht das Buch Freude, durch klaren übersichtlichen Druck, was ja besonders bei hebräischen Unterrichtswerken so notwendig und doch nur selten erreicht _wir<L Das Cohcnsche Buch ist jedenfalls dazu angetan, ein wirkliches Volksbuch zu werden und sich in kürzester Zeit einzuführen. Wir sind gewiß, daß es sich viele dankbare Freunde erwerben wird. ■ # * Daniel Greiner: «Neue Bilderbibel". (Verlag Felsberg, Jugenheim a. d. Bergstraße.) Der Verfasser, ein ehemaliger Theologe, hat sich, wie selten ein Nichtjude, in die judische Bibel vertieft. Mit starker Gestaltungskraft weiß er die Erzählungen der Bibel dem Auge deutlich zu machen. Bis jetzt sind erschienen Bilder zur Schöpfungsgeschichte und zu den Erzvätern. Wir glauben, daß diese Bilderbibel besonders geeignet ist, unserer' Jugend die Bibel nahezubringen. S. K. Walter Ratbenau, Neue Briefe. Dresden 1927. Carl-Reißntr- 'Verlag. Der soeben erschienene Nachtrag zur zweibändigen"ku^^aCiT' von Rathenaus Briefen enthält im wesentlichen Briefe an die Familie. Wenn also die früheren Bände vielleicht bedeutsamer waren, weil sie den Mann in seiner Reifezeit darstellen so ist der schmale Nachtragsband für die Beurteilung des Werdens seiner Persönlichkeit, der Jugendzeit, unerläßlich. Es liegt in seinem Briefstil viel Eigenes, und mancher Wesenszug wird erst aus der leicht niedergeschriebenen Briefzeile offenbar. Solange die Lebensgeschichte dieses an Gestalten und Gestaltung reichen Lebens noch nicht geschrieben ist, werden nur die „Briefe" Einblick in die Gedankenwerkstatt Walter Rathenaus gestatten. ■ Ho. „Die jüdische Frau", überparteiliche Zeitschrift für Unterhaltung und Wissen; Verlag und Redaktion Frau Regina Isaacsohn, Berlin NO 18, Elbinger Straße 16. Die gut ausgestattete Monatsschrift erscheint im dritten Jahrgang und verdiente, in weiteren Kreisen bekannt ru werden. Sie bringt in vornehmer, einfacher und doch auch dem geistig Höherstehenden genügender Form gute Aufsätze aus dem. jüdischen Leben, insbesondere natürlich Fragen, die die jüdische Frau und Mutter angehen. Für unsere Kleinen ist eine vielversprechende Beilage „Das jüdische Kind" geschaffen, die wir unseren Junggruppen zur Lektüre empfehlen. Randbemerkungen Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat für Zwecke der Jugendpflege wiederum 15 000,— Mark für das Etalslahr 1927 28 bewilligt. Er hat diese Summe dem Rcichsausschuß der jüdischen Jugendverbände zur Verfügung gestellt und ihm aufgegeben, diesen Betrag „nur zur unmittelbaren Verwendung für zentrale Aufgaben des Reichsausschusses bzw. der Landesausschüsse in Preußen zu benutzen. (Z. B. zur Gründung und Ausbau von Jugend- und Abendheimen, Schaffung von Erholungsheimen, Errichtung von Lesestuben und jüdischen Jugendbibliotheken oder dergl.) Wenn wir diesen Beschluß kritisieren, so ist dies nicht etwa Kritik an dem Reichsausschuß, in welchem wir mitzuarbeiten uns schon kraft unserer Mitgliedschaft für verpflichtet erachten. Die Kritik richtet sich auschließlich dagegen, daß hier für Jugendarbeit bestimmte Gelder für Aufgaben verwandt werden, welche den jüdischen Wohlfahrtsverbänden obliegen. Glaubt jemand im Ernst, daß mit den 15 000,— Mark, die dem Reichsausschuß zur Verfügung stehen, auch nur ein* der Aufgaben, für die sie bestimmt sind, verwirklicht werden kann? Vor uns liegt eine Angebotsliste des Reichsausschusses —s der deutschen Jugendverbände: 30 Objekte, Villen, Gutshöfe, kleine Pensionen und Hotels. Der geringste Kaufpreis für ein Haus mit einem Fassungsvermögen von 25 Personen betragt 23 000,— Mark. Und die Unterhaltung? Und inwiefern werden durch solche Einrichtungen die zentralen Aufgaben der jüdischen Jugend'gcfördert? Ganz Deutschland ist mit einem Netz von Jugendherbergen überzogen; wozu jüdische Herbergen? Die Schaffung von Tagesheimen für die jüdische Jugend ist gewiß eine äußerst wichtige Aufgabe, aber auf diesem Wege nicht zu fördern. Die Errichtung von Hermen ist Sache der Jugend derjenigen Gemeinde, für die sie bestimmt sind, und der Unterstützung derjenigen Kreise, für deren Kinder sie bestimmt sind. Zentrale Aufgaben der jüdischen Jugend in Deutschland sind im Augenblick nur durch die einzelnen Verbände zn lösen, Erziehungsarbeit und noch einmal Erziehungsarbeit. Der Reichsausschuß möge sich auf seinen ursprünglichen Au'gabenkreis beschränken; innerhalb desselben, aber auch nur hall dieses Kreises, wird er an uns treue Mitarbeiter f l^-^ _____*»-.. ...£*^MM