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Der Jugendbund · 1927-05-05 · 9 (5.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (5.5.1927)
Date
1927-05-05
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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sind, vielfach ihren Frieden gemacht haben, mag man als den Gar;,1 c:ner natürlichen Entwicklung hinnehmen. Aber daß der Nachwuchs der jüngeren Generation' das Stadium des Slurn-.es und Dranges fast auszulassen scheint. ist recht bedenklich. Man Gndct hier vielfach eine Gcistesabgcwandtheit, einen Materialismus und Mechanismus, der schon im allgemeinen Leben erschreckend wirkt, aber für das jüdische Leben geradezu den Tod bedeutet. Maschinenfanatismus und Muskelkullur, — in diesen beiden W>rtcn erschöpft sich das Bemühen eines großen Teiles auch M.'ischen Jugend. Nichts "soll gegen die Hinneigung zur n:U und zum Sport gesagt werden. Aber wenn man gar nicht crnstliaft an der technischen Ausbildung arbeilet, sondern seinen Ehrgeiz darein setzf, in spielerischer Weise stundenlang über die verschiedensten Autotypen zu sprechen,, ohne :: jer dilletantische Anfänge hinauszukommen, — und wenn man für die sportliche Ausbildung des eigenen Körpers Wenig ^cr ßar nichts tut, aber sich an Rekordzificrn und den N T..t.ii von Box», und Fußballmeistern berauscht, — dann ist man von einer neuen und besseren Kultur sehr weit entfernt. Eine solche Vergötterung der plumpen Materie, der Masse und der Zahl führt dann schließlich zu einer Geringschätzung aller geistigen und sittlichen Werte" und damit zuletzt zu sittlicher Verwahrlosung. Gerade die besseren Elemente der jüdischen Jugend sollten die Augen nicht davor verschließen, daß sehr viele ihrer Altersgenossen, der männlichen und leider auch der weiblichen, in einem oberflächlichen Amüsement ihr Genüge finden. Da also die jüdische Jugend unserer Zeit zu wenig wahre Kritik und zu wenig wahre Gläubigkeit besitzt, so kennt sie auch wenig von den Konflikten, die sich aus dem Zusammcnprall dieser beiden Kräfte ergeben. Es fehlt ihr die schöpfe« rischc Unausgeglichenheit. Eine Zufriedenheit und Selbst* Zufriedenheit hat sich eingebürgert, über die sich niemand fetjucn kann, der die Jugend wahrhaft liebt. Denn eine Stille ohne'vorangcgangenen Kampf, eine Zufriedenheit, die nicht selbst errungen ist, ist keine erfreuliche Erscheinung. Wir stehen wieder da, wo wir Jahre vor dem Kriege standen, das wollen wir uns in den Jugendvereinen nur ehrlich eingestehen. Krieg und Inflation mit all ihren zersetzenden Begleiterscheinungen haben gerade in der jüdischen Jugend schwere Verheerungen arfrerichtet. Und der Aufschwung der Geister nach dem Kriege, das neue Lebensgefühl, das uns die Jugendbewegung vermittelt hat, und das trotz ihres Niederganges ihr bleibender Gewinn sein wird, hat jene Schäden nur teilweise ausgeglichen. Jetzt müssen die Jugendvercine den Weg fortsetzen, den sie vor dem Kriege erfolgreich begonnen hatten, den Weg intensiver Bildungsarbeit. Rabbiner Dr. Hahn, Essen, hat auf der Düsseldorfer Tagung vortreffliche Worte zum Bildungsproblcm im Jugendverein gesagt. Jeder Jugendvercin ist verpflichtet, seine Vorschläge auf das Ernsthafteste und Gewissenhafteste zu prüfen und sich bewußt zu werden, daß der Wert eines jeden Vereins nur an dem Maße seiner Bildungs- und Erziehungsarbeit gemessen werden kann. Die deutsche Judenheit hat sich in den letzten Jahrzehnten zahlenmäßig in erschreckender Weise vermindert. In geistiger Hinsicht ist für die nächsten Jahrzehnte wieder eine Epoche des Zerfalls zu befürchten. Es ist nötig, diesen Dingen mit größtem Ernst ins Auge zu sehen. Die besten Elemente der jüdischen Jugend müssen sich zusammenschließen und sich auf ihre Jugendlichkeit besinnen. Im lau achschow emoßaj? Wenn nicht jetzt, wann dann? Sephirah Von Rabbiner Dr. Alfred Lery, Bonn. y fs duften die Wiesen, fd mit (rohem Gesaus. Du hast doch Sephirah, und wein' dich dort aus!' jund wein'!" Gibt es einen jhende Frühlingspracht, das |der Morris Rosenfeldschen und Seufzer und Tränen, rbei". den Juden „tröstet „Es leuchten die Berge, Frisch weht der Lenzwi Was schert's dich, Judej Du sitz in der Kammer r~ fEs blühen die Felder — du'i größeren Kontrast, draußen die blj lachende Leben, und beim Jud< Dichtung „nur Klagen und Schmer] so zieht der wonnige Sommer kein Sommer und tröstet kein Ms Gewiß, die Sephirah, «, d. hJ die sieben Trauerwochen (wischen Pessach und Schowuafs, sind für uns eine ernste Zeit, sie rufen die Erinnerung Aach sowohl an die Judenmetzeieien der Kreuzfahrer als alch an das Sterben der „zwölftausend ' jüdischer JugcndliAer, die unter der Führung Akibas und Bar-KochbasJgegen die unerschöpflichen Legionendes Römischen Reiche»kämpften und unterlagen. Wohl werden im Gotteshaus die „Jlemorbüchcr" verlesen, in denen die -Namen der Märtyrer u/d der „Heiligen", d. h. sich Jiinopfernden Gemeinden verzeyhnet sind, die Chroniken werden aufgeschlagen, die elegisch Erzählen: „Hie will ich anheben zu sagen,' wie das Verderbenlüber die Gemeinden kam, die sich um den Namen des Ewigen erschlagen ließen, und wie sie inniglich an dem Ewigen, dem Gott ihrer Väter, hingen und ihn, den Einzigen, bis an ihren letzten Hauch bekannten.'' (Edom, Berichte S. 7.) Aber sind wirklich „Bußpsa'.men und Klage- und Sterbelieder des Juden vertraute Musik? — — — Der gellende, bebende, stöhnende Schofar das jüdische Instrument"? Trifft- Rosenfeld in das Zentrum der jüdischen Seele mit seiner Trostlosigkeit, seinem Pessimismus: „Ich wollt", meine Leier, du sollest heut' lachen. Umsonst! — Das Lachen gelingt dir schlecht! Ei freilich! Wir haben ja jetzt Sephirah, und dann — wie lacht denn ein Jude, sprecht!" Nein, die Sephirah wird unterbrochen von Lagb'omer, dem Tage, wo das Sterben unter den jugendlichen Kämpfern aufhörte und ein großer Sieg errungen wurde, noch heule klingt die Freude im „Schülerfeste" nach, das im Osten die jüdische Schuljugend jubelnd am Lagb'omer begeht, die Sephirah wird beendet vom Schowuausfest, dem Fest der Thora, die Israel dem Träger der göttlichen Lehre den Charakter der Unzerstörbarkeit verlieh, „ein Baum des Lebens ist sie denen, die an ihr festhalten"---, die Israel leichler als Adler, stärker als Löwen werden ließ. Kein Volk darf es wagen, so sich in seine Leiden und Nöte zu versenken wie Israel, denn kein Volk kennt wie Israel den Weg „aus der Knechtschalt zur Freiheit, aus Trauer zur Freude, aus Nacht zum Licht", Aus andern Lagern Amerika-Jugend*) Von Ernst Holzer, Frankfurt a. M. Die Zahl der Bücher über Amerika ist Legion. Wer immer das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten" besuchte, es schaute mit den Augen des Wissenschaftlers, des Politikers, des Wirtschaftlers, fühlte seine Mission, den zurückgebliebenen Dorfgenossen im teuren Vaterland ein Langes und Breites von jenem Amerika zu erzählen. Amerika wurde im dritien .Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts entdeckt ... '•) Diese Betrachtungen gründen sich auf zwei soeben erschienest, äußerst unterrichtende und .lesenswerte Büctfer: Brokmann, Demokratie und Erziehung in Amerika, S. Fischer, Berlin; ielesch, Jugend im Lande der Jugend, Gebrüder Enoch, amburg. , Woher kam das? In dem langen Kriegsdezennium, in dem Europa mit Giftgasen und Tanks sich selbst zerriß, bildete sich Amerika zum modernsten, vorwärtsstrebenden Lande der Welt. Wo sich Geld sammelt, entsteht Bedürfnis, wird Zivilisation, wächst Kultur. So zeigt das goldüberströmende, reiche Amerika uns Bilder radikaler Reformen auf allen Gebieten menschlichen Wirkens und Zusammenlebens. Wie nun es auf die „Jugendfrage" reagiert, wird hier zu betrachten sein. Wenn man versucht, es-auf einen Nenner zu bringen, könnte man ungefähr sagen: Alle Jugendarbeit hat nur e i n Ziel: Er« Ziehung: und zwei Mittel (Formen): Schule, wo Objekte erzogen werden, und Jugendorganisation, wo sich Subjekte selbst erziehen. i In relativ geringein Maße haben sich bekanntlich die deutschen Eltera Kit def* Problematik de« jugendlichen Mensches

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