Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 7 (7.4.1927)
- Date
- 1927-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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2. Erhöhung von Kraft und Selbstbewußtsein, also Gelüh] der Gleichberechtigung dem Arier gegenüber; 3. Disziplin und Kameradschaft, dadurch Ablenkung von den Schädigungen der GroOsladt. Die Ideologie der jüdischen Sportverbände Von unserem Standpunkt der Neutralität ausgehend, haben wir folgende jüdischen Sportverbände gebeten, uns eine kleine Arbeit über die Ideologie ihres Verbandes za senden: R. j. F.- Sportverband, Vintus und Makkabiwcllvcrband, deutscher Kreis. Makkabiwcltvcrband: Vintus: „Den für die Aprilnummcr Ihrer Vcrbandszcitschrifl erbetenen Artikel .können wir Ihnen, da es unserem Verbands- Vorsitzenden, Herrn Dr. Heimann, leider nic'M mö/licli war, den angesetzten Termin innezuhalten, nicht einsenden... Die aus finanziellen Gründen vor mehreren Monaten eingegangenen „Vintus-Blätter" werden voraussichtlich in Bälde wieder erscheinen. Wir müssen natürlich unser Material für diese Zeitung reserviert halten." Sport im R. j. F. Die Frage sportlicher Betätigung im R. i. F. wir lange Zeit Spiel widerstreitender Meinungen innerhalb des Bundes gewesen. Es ist aber in der Hauptversammlung des K. i F. im März 1920 zu einer restlosen und befriedigenden Klärung der ganzen Angelegenheit gekommen. Gegenstand des Streites war die ewige Frage, wo soll der Sport getrieben werden? Sind jüdische Sportvereine zu gründen, oder ist der Sportbetrieb auf paritätische Vereine hinzulenken? — Da sich die Frage je nach Lage des Ortes und der Verhältnisse verschieden beantworten läßt, hat man aich ani eine glückliche Formel geeinigt, die in der Resolution Elkeles ihren Ausdruck fand. Uiesc Resolution lautet: „Der R j. F. als neutrale Vereinigung treibt tift« weilgehende sportliche Propaganda zur Erfassung der jüdischen Jugend für die Sache der Leibesübung. Er sucht dieses Ziel dadurch zu erreichen, daß er überall, wo nicht die körperliche Ertüchtigung der gesamten jüdischen Jugend in paritätischen oder in jüdischen Sportvereinen gewährleistet ist, und die örtlichen Verhältnisse es gestalten, Sportgruppen errichtet, in wi-lchen die jüdische Jugend im Geiste des Frontbundet (Disziplin und innerjüdische Neutralität) zwecks Ertüchtigung herangezogen werden soll. Die Zusammenarbeit mit ,den jüdischen Jugendvtrcin. n soll mit allen Kräften gefördert werden." Die Resolution stellt fest, daß das Wesentliche der sportlichen Betätigung die Erfassung möglichst aller jüdischen Jugendlichen für die Saeke^ des Sportes rein muß. Nach dieser Resolution wird jetzt im ganzen R. j. F. die Sportfrage gehandhabt, und die Arbeit wickelt sich drsrenlsprechend glatt ab. Der R. j. F. steht treu zu dieser Rerolution. und die dem R. j. F. innewohnende Disziplin veranlaßt alle Ortsgruppen, ihr gleichfalls die Treue zu halten. Der R. j. F zählt'heute 40 Spcrtgruppen, die sich zum Te l in der Entwicklung befinden, zum Teil bereits sportlich reif sind. Einige Vereine haben sich dem R. j. F. angeschlossen oder ihre Aufnahme in den Sportgruppenkreis des R. j. F. beantragt. So z.B. die Jüdische Sportvereinigung Neustcitin, der Turnverein Vis, Glogau, der Turn- und Sportverein Bar-Kochba im R. j F., Kassel, der Jüdische Sportklub Stolp u. a. m. Der R. j. F. leistet auch diese Arbeit im Bewußtsein der Pflichterfüllung gegenüber dem gesamten Judentum und will, daß sich der Geist lebendigster Pflichterfüllung bis zum äußersten vererbe auf unsere blühende Jugend, die unses Stolz, unsere Hoffnung, unsere Zukunft ist. - Der Kanusport Ernst Jansen, Hamborn a. Rh. s Es soll tatsächlich noch Menschen geben, ja auch viele sonst so modern sein wollende jüdische Menschen, rar die der Begriff „Kanusport" ein undefinierbares Etwas ist. Man hört von: Leichtathletik, Rasensport, Schwimmen, Rudern und was weiß ich mehr. Nur ganz vereinzelt aber hört man da« Wort Kanusport. •I - 11 Woran mag das wohl liegen? Zunächst einmal Ist diese Sportart noch verhältnismäßig jung. Hauptsächlich aber wird das 'Gefabrenmoment dieses Sportzweiges maßlos überschätzt. Ich selbst denke zuweilen; wenn ich einen Laien auf dem Gebiete des Wassersportes über dieses Gefahrenmoment sprechen höre, an die Beschwörungsversuche meiner Mutter, die mir immer wieder vorhielt: "jDas Wasser, hat keine Balken." Und jetzt? Nachdem sie ae,n günstigen Einfluß auf Körper und Geist bemerkt hat, zwingt sie mich sozusagen in das. Boot, das heißt, wenn ich nicht schon aus eigenem Antrieb Icspaddelii würde. Es ist merkwürdig, für das Rudern und Schwimmen ist das Wasser ja auch nicht mit Balken versehen, und dennoch erfreuen sith diese Sporiartcn einer außerordentlichen Beteiligung. Unter Gefahren versteht de» Laie die Gefahren, die die Wellen verursachen sollen. Ja, sollen! Das würde zutreffen,/,wenn das Kanu oder Kajak IBcolslyp), obwohl sie die kleinsten schwimmenden Fahrzeuge sind, dank ihrer Größe und der durch diese bedingte Handlichkeit, nicht die beste Möglichkeit geben würden, die Wellen g\it un:I sicher zu nehmen. Und wenn auch einmal eine Welle nicht beachtet wird, so besteht für das Paddelboot neck immer nicht die Gefahr, daß es umschlägt. Die ganze' Gefahr~besldht dann darin, daß das Boot eine Weile hin- und hergiwoAfi wird, und das ganze Unheil, "das der hohe Wellengang angerichtet hat, besteht aus einigen kleinen „Spritzern", die die Fahrer abbekommen haben. Doch wer einmal gepaddelt hat, und das \\ cllenschaukeln kennen gelernt hat, der sucht gerade solche „Geiahrenpunkte". — Eines muß allerdings beachtet werden:' Schwimmen muß bei jedem Wasrci Sportler *vorausgesetrt werden. Ein Wassersportvercin wird einen Nichtschwimmer «'.s kktiven Sporttreibenden niemals aufnehmen. Ynas bietet uns min der Kanusport? Vorweg sei d*r Hcnr.sporl genommen. Den sportlichen Wert eia*r Welllahrt, sei es Kurz- oder Langstreckenfahrt, hier auseinanderzusetzen, erübrigt sich: denn es ist gleich, auf welcl ein Gebiete des Sports alt und jung ihre Kralle messen. Der Wert bleibt gleich. Einer viel größeren Beliebtheit ais der Rcnnsrperl aber erlreut sich beim Paddler der Wandersport. Gibt t» etwa» Herrlicheres, als sich Sonntags in sein Bo.olchen zu setzen un.l sich in der freien Natur von den Muhen e'es Alltages zu erholen? Sobald es die Zeit erlaubt, wird die I'.uuc zugesc!ilor.*ci\ das Bot t klar gemacht, und es geht hinaus. Hinaus aus der Mühle de: Großstadt. Hiraus aus Qualm und Schmutz. Hin zu Licht und Luft. Und kommen erst die Ferien, dann gibt -xs nich*s Erbe lsamercs, nichts was bessere Entlastung ven d*r harten Fron der Arbeit und vollere Befreiung von allen Sorgen und Kürrmernissen des täglichen Lebens bringt, als eine \. asserlchrt. Für keinen ist das Paddeln zu schwierig, «ei es Mädel oder Bursch, auch das Alter spielt keine Holle. Man tährt hinaus; und ist man des Paddclns müde geworden, so läßt man sich treibe:., und reizt auch das Treibcnlasscn nicht mehr, dann wird ein Segel aufgelegen, und die Fahrt kann lustig Weitergehen. Schließlich lefckt auch das Drum und* Dran des Paddclns, soweit man gruprenwandert; Zeltlager, Kampieuer, Spiel und Wetlkampf machen unseren Sport besonders reizvoll. Wir lernen die Schönheiten der Natur immer wieder von neuem schätzen. Denn, nicht nur die Flußläole, die großen Seen durchschneidet unser Fahrzeug, gerade durch die kleinsten Flüßchen und "vVildwasser, die man mit dem Kanu durchwandern kann, wird es uns ermöglicht, die reizvollsten und verstecktesten Winkel' unjeres- Vaterlandes kennen zu lernen. W enn ich zuletzt über den gesundheitlichen und erzieherischen Nutzen des Kanusports schreiben will, so weiß und fühlt jeder, datl die Bewegung in frischer, staubficier Luft, die uns gerade das Wasser gewährleistet, immer wohltut. Hinaus aus Tanzdiele. Kino, Kaücchau»! Das ist es, was ich unserer Jugend zurufen möchte. Seid nicht nur .Genußmenschen, treibt Sport! Versucht es einmal mit dem Kanusport, ihr werdet ihn bestimmt lieb gewinnen und ihm bis in euer Alter treu bleiben. Aphorismen „Nicht ein Körper, nicht eine^ Seele, die man erzieht, sondern ein Mensch; aus dem »süssen wir keine zwei machen." (Montaigne.) „Haltung ist für den Körper, was gesunder Menschenverstand für den Geist ist." (de la Rochefoucauld.)