Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 7 (7.4.1927)
- Date
- 1927-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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erlaubt ist. Diese Entscheidung ist für unseren Verband maßgebend, da in den Bünden unseres Verbandes nichts getan werden darf, was auch nur irgendwie .gegen das Religumsgesetz verstößt. Aber auch darüber hinaus möchte ich zum Ausdruck bringen, da!i das Wesen des Sabbats darin besteht, daß wir jüdischen Menschen, die wir sonst in der schweren Arbeit des Alltags verstrickt sind, an diesem Tage zur sittlichen Erhebung, zur Freiheit des Gemüts' uns sammeln können. Ein T a.ß soll uns heilig sein in jeder Woche. Dm ist das Entscheidende für uns. Und auch von hier aus gesehen, scheint mir der Sport an diesem Tage die Würde d^s Sabbats zu stören und zu beeinträchtigen." . > ttbbiner Dr. Schönberger, Aachen, „Wer ernsthaft Sport treibt (und Sport treiben wird i rem er nur eine fortgesetzte, ernsthafte und angespannte körperliche Selbstertüchiigung genannt werden), weiß, daß '.der Sport bei aller Freude, die er im. Ausübenden erweckt, doch zugleich eine durchaus anstrengende und mühselige Arbeit ist. Mit dieser Feststellung ist obige Frage bereits beantwortet, denn das Gebot der Sabbathciligung verlangt Uuhe von der Arbeit und fordert also auch Einstellung der sportlichen Betätigung am Sabbat. Abgesehen davon ist die Weihe des Sabbats zugleich dann am tiefsten erfaßt, wenn der Sabbat die erhöhte Beschäftigung mit der Lehre <!s* Judentum; zeitigt, und uns dahin führt, unseren Geist und unser Gemüt durchglühen zu lassen von dem Flammenhauche göttlicher Wahrheilen. In dieser wahren Erfassung Jtr Sabbsiid&e liegt für den jungen jüdischen Menschen uirum der schönste Ausgleich und das trefflichste Gegengewicht zu einer UcVi'erschätzung der Aufgaben des Sports, wie sie heutzutage vielfach l'latz greift. Treibet Sport in der Woche mit ernsthafter Hingabe und heiligt den Sabbat durch die Vertilgung Eures jüdischen Bewußtsein;, dann wird die Harmonie Eures Wesens Euer Gewinn sein." ezirksrabbiner Dr. Be'ermann. Heilbronn. : „Man dar: am Sabbat nicht Sport treiben, iJ weil dieser Tag lediglich .der seelischen Ergebung dienen soll, 2. weil im Sport das Werktätige und Alltägliche (ubda de chol) unwillkürlich sich vordrangt, Xj weil die Ccfa'ir besteht, daß durch sabbatliche Sportveranstaltungen t!ie gottesdienstlichen Einrichtungen noch mehr verntcl-.läs werden und die Gelegenheit zum Studium der G< Ucslehre nicht genügend wahrgenommen I wird." »bbiner Dr. Kalt tu , 'Görlitz. „Wenn C.t Frage gestellt wird: Darf man am Sabbat Sport treiben?, so scucinW die Meinung vorausge etzt. daß CS; im Gebiet der Religion etwas gibt, was vom subjektiven Urteil unabhängig i-.t. In der Tat sind aus dem Kampf der Gjeistcr und Jahrhunderte Grundauffassungen hervorgewjacksen, die mn, sofern man sich wartend den Dingen i.hhert. als das K e o :i t e bezeichnen muß, und wofür der mit d^r ^ieincip.seha?t f«it Verbundene eine unmittelbare Emplinduog )fat. K n gr >ßer Wirrwarr in Religionssachen entgeht heute dadurch, daß eine Ansicht, die Stellungnahme eines cinzeluen, mit einem Bescheid oder 'einer Entscheidung, in welcher der unverrückbare Sinn der religiösen Einheit der, Jahrhunderte zum Ausdruck kommt, gleichgesetzt wird. Herr X. sagt zu mir: „Ich .halte' zwar nichts mehr, aber ich stehe nicht an, mich einen .guten' Juden zu Kennen." Was berechtigt Herrn X. dazu, so zu Bprechcn'* Was einen guten Juden ausmacht, ist aus den Quellcnbücher.i der Religion zu ersehen. Mag Herr X. sein Leben neben sie «.teilen, neben die von ihnen verkündeten Werte, die alle Zeiten als das Rechte ansahen, und sich dann noch mit einem Selbstlob ehren, wenn er den Mal dazu hat. Es kann ihm jedoch nicht gestattet sein, sc ne Privalansicht als die normale, erstrebenswerte und „gutr" Art der Einrichtung des religiösen Lebens zu bezeichnen. Ob es am Sabbat erlaubt sei, Sport zu treiben, darüber mag es viele Ansichten geben. Kein Streit kann darüber Bestehen, da..' der Grundcharakter des Sabbats Ruhe. Entspannung, Gelöstheit ist, wobei Ruhe nicht gleichbedeutend ist mit Starre. Eine milde und gleichmäßige Betätigung der menschlichen Ena?iiadan£sorgaae( die zu einer feierlichen und zufriedenen Stimmung hinführen kann, liegt durchaus im Sinne der Sabbatidee. Der Sport ist seinem Wesen nach Bewegung und widerspricht demnach dem Grundprinzip der Ruhe, ebenso wie die Spannung und Einstellung auf eine bestimmte Tätigkeit der Idee eines entspannten und ■ejeichs'am spielerischen Genießens zuwiderläuft. Vollends unverträglich ist der Sport mit dem Sabbatfrieden, wenn er sich in Form von Wettkämpfen abspielt, wo die genannten Erscheinungen, vom Rekordfieber geheizt, in erhöhtem Maße bemerklich werden. Ich möchte darum die gestellte Frage verneinen." Landesrabbincr Dr. Wilhelm,- Braunschweig. „Ich möcbte nur kurz andeuten, daß ich auf Ihre Frage mit „Nein" anworten muß; Sport am Sabbat ist gegen den Geist des Halacha, mit den Sabbatbestimmungen der jüdischen Tradition mschurn schwuß unvereinbar. Sport am Sabbat ist aber vor allem mit der Idee des Sabbats selbst m. E. niemals in Einklang zu bringen. Wschoraru bnei jisroel es haschabos laaüaus es haschabos, die Kinder Israels sollen den Sabbat halten, den Sabbat machen. Durch Heiligung des Sabbats schafft der Jude erst den Sabbat, wird er zum Mitkämpfer Gottes. Ob dieser Gedanke mit Sport zu vereinigen ist, möchte ich anzweifeln." Die wasserscheuen Juden Ich bin seit zweieinhalb Jahren Mitglied der Schwimmsektinn des Sportklubs „Haltoah" in Wien und kann nur einiges aus meiner Erfahrung mitteilen, was das Märchen von der Wassel»chetl der Juden gründlich widerlegt: In Wien gibt es, außer einer Unzahl kleinerer Schwimmvereine, sechs große Schwimmvereinc, darunter unsere Sektion. Obwohl die ZnM der Juden nur etwa zehn Prozent der Gesamtbevölker'ing von Wien ausmacht, ist die „Hakoah", der Zahl der ausübenden Mitglieder nach, weitaus der größte Schwimm verein Wiens. Bei der großen Strommeisterschaft („Quer durch Wien") die alljährlich über eine neun Kilometer lange Strecke der Donau in Wien abgehalten wird, war die Reihenfolge des Einlauies eine derartige, daß bei den Schwimmerinnen drei Jüdinnen die ersten drei Plätze belegten, und zwar: Löwy (Hakoah), Bienenfeld (Hakoah) und Röders (Wiener Athletiksportkl ife), während bei den Herren der erste, dritte und fünfte Platz von Juden belegt wurde, nämlich: Guth (Hakoah), Redlich (Wiener Athletiksportklub), Weigler (Hakoah). Außerdem fand ein Propagandaschwimmen sämtlicher Wiener Vereine in der damals eiskalten Donau statt, bei welchem die ..I'ik.iah" mehr „wasserscheue" jüdische Schwimmer (etwa 18 ') an den Start brachte, als alle übrigen Vereine zusammen. Von den österreichischen Schwimmcisterschaftcn halten Hakoafraer im Jahre 1926 fast soviel erste Plätze, wie die Mitglieder aller anderen Klubs, und unsere Wasscrballmannjciiait hat ebenfalls die Meisterschaft errungen. Vielleicht wird die jüdischen Sportler folgendes interessieren: Bei uns schwimmt ein streng orthodoxer Jude, der sich dem Talmudstudium gewidmet hat. Dieser erzählte uns, dal es nach dem Talmud für die jüdischen Eltern eine Vorschrift sei, ihre Kinder schwimmen zu lehren — eine Gesinnung im .Mittelalter, zu der sich heute leider noch nicht alle jüdisches Eltern emporgeschwungen haben. Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, daß ich in den letzten Wochen beim Jüdischen Turn- und Sportklub „Bar- Koshba" in Leipzig und beim Sportklub „Hagibor" in Prag ge-.?hcri h*be. daß auch dort die Vereine auf dem besten Wege sind, den jüdischen Schwimmsport mit aller Kraft zu fördern und so für alle Zeiten eine der dümmsten Behauptungen aus der Welt zu schiffen: die von den wasserscheuen. Juden. Fritzi Löwy, Wien. Was bedeutet der Sport für den jungen jüdischen Menschen? Fritzi Löwy, die jugendliche Hakoahnerin, die, erst sechzehnjährig, mehrfache österreichische Meisterin ist, war die einzige, die uns die an die meisten jüdischen Meister und Meisterinnen gestellte Rundfrage beantwortete: Was bedeutet der Sport für den jungen jüdischen Menschen? 1. Körperliche Ertüchtigung, also Abstretfung aller Rest* aus der Ghettozeit;