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Der Jugendbund · 1927-04-07 · 7 (7.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
7 (7.4.1927)
Date
1927-04-07
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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ganze Bewegung in keiner Weite irgendwie antikonfessionell (antisemitisch) oder politisch eingestellt ist, keinen Grund mehr, jüdische derartige Vereine zu halten, es seien denn wieder politische Grinde (zionistisch oder dergleichen), auch diese unterstfitze ich nicht aur nicht, sondern bekämpfe sie," Jüdische Sportbewegung. Der Weltmeister Dr. Otto Peltzer schreibt uns auf unsere Frage Gber die Existenzberechtigung der jüdischen Sportbewegung: ,„ . . Ihre Frage möchte ich dahin beantworten, daß ich eine besondere Organisation der jüdischen Sportjugend aus national-jüdischen Gründen vollkommen für berechtigt halte. Im übrigen ist ja der Sport etwas über allem Trennenden Stehendes, nnd es braucht daher auch durch die besonderen jüdischen Sportvereine kein Gegensatz in unsere Sportbewegung hineinzukommen." Darf man am Sabbat Sport treiben? Diese Frage hatten wir zwölf Rabbinern, die tum größten Teil führend unsern Bünden vorstehen, vorgelegt. Wir vieröffentlichen nachstehend die sechs eingegangenen Antworte« Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. „Was die Frage: Dar! man am Sabbat Sport treiben?, anbetrifft, so ist diese Frage vom religiösen Standpunkt ans ohne weiteres zu verneinen. Am Sabbat ist jegliche körperliche Anstrengung verboten, abgesehen davon, daß sich gerade beim Sport Beschädigung und Zerreißen von Gegenständen nicht vermeiden läßt." Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden. „Von der religionsgesetzlichcn Seite aus betrachtet, die sicherlich bereits andere im Verband tätige Kollegen und Verbandsfreunde ausführlich erörtert haben, besteht m. E. kein Zweifel, daß am Sabbat Sport jedweder Art nicht griffliche Beziehung zu setzen das Recht hat, ist jener wilde Unsinn, den ich vorhin andeutete und den jeder kennt. Kein Wort gegen höchste Kultur des Körpers! Gewiß haben wir genug von jenem Spießermenschen, der dürr wie ein Skelett oder fett wie ein Mastschwein in Kontoren nnd Kanzleien, hinter Schaltern und Kathedern hockt. Aber wer glaubt, daß durch Fußball und Boxen, Radsport und Leichtathletik — dies sind die Arten des Sports, die die Massen interessieren und daher für eine allgemein« Betrachtung erheblich sind —, wer glaubt, daß sie den körperlichen Status des Volksganzen wesentlich gehoben haben? Und wer glaubt nicht, daß sie den geistigen Statu* des Volkes in unerhörter Weise verwüstet haben? Ich weiß es aus Dutzenden von Fällen in meiner nächsten Umgebung, daß der jurvjc Mensch, der, ohne die Massenpsychose der Rad-, Box- und Fußba'lkämpfe, sich bestimmt, wenn auch in bescheidenem Umkreis, geistigen Dingen zugewandt hätte, jetzt rettungslos gefangen ist in der Arena, wo die Gedanken unablässig um die Ziffern der Rekorde, Spielpunkte, Meisterschaften kreisen. Wie entsetzlich das Mißverhältnis zwischen Geist und Sport' im Bewußtsein der Zeitgenossenschaft ist, erfährt man jeglichen Tag, wenn man irgendeine beliebige Tageszeitung überfliegt. Der Sportteil wuchert und schwillt seit Jahren, und fast ist der Zeitpunkt zu errechnen, wo die lezte Notiz, die mit Dingen ge:stiger Natur zu tun hat, aus dem redaktionellen Teil verschwindet.; Vielleicht darf dann noch gegen entsprechende Bezahlung im Inseratenteil ein Kritiker das Werk eines Dichters anzeigen. Daß Rademacher für einen neuen Weltrekord trainiert, spielt in den Zeitungen und, da in 'dieser Hinsicht" die Zeitungen leider ein getreues Spiegelbild des Volksbewußt- •eins sind, im Leben der Nation eine ungleich größere Rolle, als daß Rilke starb oder daß der Laufjunge eines Buchladens wegen Hochverrats belangt wurde. Frank Thieß tut dem Kino bitter Unrecht, wenn er sagt, der Sport locke die Interessen „wie das Kino" vom Geistigen ab. Das Kino ist, wenn auch •ein Niveau im allgemeinen schlecht sein mag, an sich doch wenigstens tauglich als Mittel feine Beziehung der Masse zur Kunst und zum Geistigen zu schaffen. Der Sport-- Nun, es ist sinnlos, sich vor den Symptomen einer Krankheit zu ereifern, die die Menschheit, befa'len hat und von der sie hoffentlich eines Tages wieder geheilt werden wird. Würde die Krankheit in dem Maße fortschreiten, wie sie es bis heute getan hat, so wäre die Katas'.rophe der Menschheit die Folge. D->ß jeder einzelne Sport treibt, ist vernünftig und gesund. Aber der Kultus, der mit körperlichen Höchstleistungen getrieben wird, ist unerträgliche Plage, zu der diese Wohltat geworden ist. Daß jemand seine Muskeln in der Gewalt hat, ist •o gut und so selbstverständlich, wie daß er saubere Fingernagel hat Die Geistigen hat das nur insoweit zu bekümmern, als jeder auf sich selbst zu achten hat. Wenn ein Geistiger hergeht und die Geistigen zum Sukkurse jenes Götzenkultus mobil machen will, so ist das nichts als eine Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Geist Mag ein Dichter, dem die barbarische Sportart behagt, boxen, mögen die anderen auf andere Weise ihren Körper bildenl Die Parole aber: „Dichter •ollen, boxen I" ist, wie sie gemeint ist, Weihrauch lür Baal. Ich kehre sie um, ich rufe die Sportverblendeten zum Geiste zurück und setze dem Wahn der Zeit das Losungswort entgegen: ( „Boxer sollen d i c h t e n I" Das Unglück im Winkel Profane P e sj s a c h hi« m c r k u n g Von J. Raphael, Beckum. Gerade in die Ecken muß man hineinleuchten. Das Frfihlingsfest, das mit seinen Sederabenden eine so herrliche Fülle stimmungsreicher Momente! in sich trägt, wird vorbereitet durch unnachsichtlich poesielose Wochen. Auch den traulichsten Winkeln nimmt das, was man mit dem robusten Wort Hausputz bezeichnet, alle Romantik. Was uns da entgegenstarrt, mutet uns wie dekolletierte Banalität an. Es ist jedesmal eine et'was unangenehme Sache, wenn man sich aulmachen muß, um hübsche Legenden xu zerstören. Das, was sich treu und bieder in den Ecken angesammelt hat, wird brummig und rebellisch, und man wird als Störenfried angesehen, der in die Beschaulichkeit eindringt und dort — ein ITefart im Porzellanladen wütet, ein Porzellan. Unser jüdisches Denken und Wollen ist sehr winklig geworden, und über den Winkeln geistert so etwas wie sauber- Von weitem möchte man das Idyll Doch man muß hinein'euchten, und ts dahinter — es «st chronisch geler Tageshelle mit positivem Judeso hört man zetern — wie Aber Beschaulichkeit ist 1 hafte, abgeklärte Stille, um sein Glück beneiden, man sieht: es steckt nichjt wordene Furcht, sich in Sein zu dokumentieren. In dieser Rcschaulichk >it hocken die Weisheitsapostel des keberger, die sich in ihrem wirklich krankhaften Ruhebedürfnis nicht „vordrängen", die aus ihrer ad absurdum geführten, für jeden Berufsspießer mustergültigen Interesselosigkeit eine Tugend machen. Mit dieser „Tugend" drängen sie sich vor. Aus ihren verträumten Ecken quillt eine Harmlosigkeit, die mehr als eine Gefahr ist. Von dorther flüstert's: — ihr müßt uns in Ruhe lassen! Ideale? Schöne Sachen, aber es darf nichts kosten! In puncto puneti hört selbst unsere Gemütlichkeit auf Es hat sich noch eine andere Art in den Winkeln eingenistet, und diese Art ist von .oben bis unten mit einer waschechten kleinstädtischen Grandiosität behängt: sie bevölkert die Schmollwinkel. Nirgends wird so hartnäckig geschmollt wie bei Auseinandersetzungen über jüdische Fragen — der Schmollwinkel wird hier zum Prinzip. Man staunt über die Riesenzahl der Ewig-Beleidigten, der Mißvergnügten — sie bildet eine regejrechle Gemeinschaft personifizierter Ärgernisse. Der im Schmollwinkel hat nie Unrecht- Er rührt keinen Finger und ist daher kritisch nur unendlich schwer zu erfassen. Jeder Schmoller hat die Pflicht, gegenüber der Welt, die „ihn" nicht begreift, seine heiligsten Güter zu wahren, wie ein Zerberus, ohne Erbarmen.; Aus den Winkeln grollt er heraus, grollt über dich, über mich, über sich. Wir bitten ihn andächtig um Verzeihung, singen ganze Tonleitern von Entschuldigungen, daß wir den Schmollwinkel nicht verstünden. Umsonst! Jeder gewöhnliche Zerberus würd« sich erweichen lassen. Machtvoller als Zeit nnd Ewigkeit ist der Schmollwinkel. . , Und man muß gerade in die Ecken und Winkel hineinleuchten! Von vielen Gefahren sind wir umringt, doch nichts ist schlimmer und hemmender für uns als die Klasse der, Duckmäuser, der Hyper-Harmlosca and der Schmoller. J

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