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Der Jugendbund · 1927-04-07 · 7 (7.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
7 (7.4.1927)
Date
1927-04-07
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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anerzogen wird, und man darf vor allen Dingen nicht vergessen, daß es noch leichter wieder schwindet. Reibereien und Disharmonien gibt es jederzeit beim Training, denn es lind ja imimer nur Menschen, die sich zu gemeinsamem Wirken , zusammengefunden haben. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist es, das unserer Jugend fehlt. Dieses fehlende Gefühl ist es, was der Jugend allzu rasch als Desinteresscmcnt vorgeworfen wird. Und doch, schauen wir tief hinein in das innerste Seelenleben der jungen Menschen, so sehen wir. daß es dennoch nicht fehlt, "daß es unbewußt im Innern v-crbcrgcn liegt und auf die Erlöser wartet, die es wecken werden. Hier müssen die Führer der Jugend an erster Stelle ihre! Arheit beginnen. Zu diesem Gemeinschaftsgefühl sagte ich an dieser Stelle vor einiger Zeit schon einmal folgendes: ,JJas Wichtigsie, was den Führer erst zum Führer stempelt, ist: Einfühlung in die Absichten der Partner und Zurücksetzung seiner, eigenen Ichs im .Dienste der Sache." Und deshalb m6ssen wir mit aller Kraft darauf hinarbeite«,- daS die Jugend zu der Erkenntnis kommt, daß die Mannschaft über den einzelnen gestellt werden muß, daß sich der einzelne einordnen muß in die Gemeinschaft, um durch sie zum Erfolg zu gelangen. cand. ing. Erich de Jonge, Hanbora a. Rh. Anfragen „Die Gefahren des Sports." Unter diesem?-Titel'wollten wir gern« eiaea jfklrachen Sportarzt zu Worte kommen lassen. Von eine« jüdischen Spezialsportarzt erhielten wir folgend« Aatwort: .....Auch wenn ich Zeit hätte, hätte ich Ihnen den verlangten Beitrag wahrscheinlich nicht geliefert, da ich prinzipieller Gegner sämtlicher konfessioneller oder politischer Sport- und Jugendbewegungen bin, and die«« daher auch in keiner Weise unterstütze. Es gibt haat«, wo dieia Die Geistigen und der Sport Von Heinz Kahn. ,' Als man mich aufforderte, zu dem unter diesem Titel in der „Neuen Rundschau" erschienenen Artikel von Frank T h i e ß ßjtellung zu nehmen, erklärte ich meine Bereitwilligkeit hicrzti um so eiliger, als mir damit Ge'egenheit gegeben war, zu einem Problem zu sprechen, das mich seit langem beschäftigt und das gerade in unseren Blättern anzurühren nächgerade Noitwendigkeit geworden ist. Um leicht sich ergebende Mißverständnisse auszuschließen, kann ich nicht umhin, zunächst firei mich persönlich betreffende Feststellungen zu treffen, die, an sich für die Allgemeinheit belanglos, doch bei der Lektüre des folgenden deshalb nicht vergessen werden dürfen, dajmit nicht der Verdacht persönlichen Ressentiments oder persönlicher Untauglichkeit eine im höchsten Maße unpopuläre Stellungnahme diskreditiere. Erstem): ich schätze Frank Thieß als Gestalter und virtuosen Schriftsteller außerordentlich hoch ein. Zweitens: Ich betreibe zwei Arten von Sport, Tennisspiel unn- Schilauf (oder, wenn man das Autofahren als Sport anzuerkennen willens ist, deren drei) mit großem Eifer. Nach diesen persönlichen Bemerkungen darf ich versuchen, ganz kurz den Gedankengang des Thießschen Aufsatzes wiederzugebe i. Er beginnt mit einer sehr allgemeinen Betrachtung der'seit dem Kriege sich vollziehenden Neuschichtung des deutschen Volkes, das sich nicht mehr „vertikal" in fest verzahnte Kl? ssen und Stände, sonderen nun „horizontal" in gleich Gesteinsadern unregelmäßig verlaufende, nicht/ zu rubrizierende, n^ch gemeinsamer Geistescinstellung sich sondernde Typen geteilt sei. Als Beispiele nennt Thieß die Typen des „Cityminnfes", des „GnostikcrsV, des „Völkischen" und des „Intelleklu'ellen". (Diesen letzten Typus dürfte Thieß auch mit" dem weniger belasteten Wort des Titels „Die Geistigen" gemeint h$ben.) Als solcher Typus wird dann auch der Sportsmann eingeführt. Nun hat Thieß selbst erkannt und betont, daß diese neue Klassifizierung nicht mit derselben Strenge wie die . vor dem Kriege gültigexKIasseneintei!ung und keine«- f-a!ls schematich angewandt werden dürfe, und es drängt sich denn auch sofort der Gedanke auf, daß der Typ des „Völkischen", dep Stahlhelmers, des Kleinka'iberschützen, so vielfach mit dem dtes ..Sportsmannes", des Fußballers und Speerwerfers zusammenfällt, daß man diese beiden Typen als im Grunde identisch lieber gemeinsam unter der Bezeichnung des „Körpermenschen" rubrizieren möchte; denn, wie weit auch die politische Einstellung des Roten Frontkämpferbundes von der des Olympia-Sportklub-Mitgliedes differieren» mag, die geistige ist gewiß die gleiche, nämlich die un^eistrge. Im folgenden fafft Thieß psychologisches Motiv und soziologische Tendenz des Sports in seinem heuligen Ausmaß und seiner heujtigcn Form dahin, daß er entstanden sei als Ventil für die durch das Fehlen von Volksheer und Kolonien überschüssig gewordene I Volkskraft, er sei also kein modischer Amerikanismus, als I welcher er manchmal verschrien werde, und seine immanentte Zweckrichtung sei der soziale Ausgleich. Fr sei der Ausdruck der Demokratie, der „Wettkampf freier Menschen unter ergengesetzter Disziplin"; unter der Monarchie, unter dem Militarisus sei er in seiner heutigen Form deshalb unmöglich gewesen, da er Mittel der Selbsterziehung, aber untauglich als Mittel militärischen Drills sei. Und von diesem Gedanken aus wendet sich Thieß gegen die Geistigen, die im Sport nichts sehen als die auf menschlicher Rekordsucht beruhende neue Form alter Manegenreiae. Von dieser negatvien Einstellung der Geistigen her droht nach Thieß die Krise des Sports. . Der Rest des Aufsatzes ist der Bemühung gewidmet, die Auffassung der Geistigen als Irrtum hinzustellen und darzutun, daß eben jene, in der Oeffentlichkeit sich zeigende Erscheinungsform des Sports im Grund« lediglich Profcssionalismus sei, wohingegen der wahre Sport als Ziel, im Geistigen verwurzelt den Leib zu bilden, also die hellenische Kalok'agathia hahe. Er schließt mit dem Appell aa die Geistigen, sich dem Sport zuzuwenden und ihn zu durchgeistigen. Der Gedankiengang des Artikels, den Frank Tbieß aus betont intellektueller Perspektive mit bekannter Virtuosität schrieb, ist in der Tat bestechend. Durchgeistigung des Sports, Kalok'agathia, körperliche Ertüchtigung der Inteflaktaellen — wer sollte diese Ziele nicht aufs innigste, wünschen, and wer könnte sich der schlagwortartigen Prägnanz der AaJforderung entziehen, die den Titel eines ebenfalls von Thiel, stammenden, früher im „Uhu" erschienenen Artikels bildet: „Dichter sollenboxen"? i Die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel. Worüber lacht sie? Zum sauber gezirkelten Langrund des Stadions rennt das Volk und wälzt sich im Staube der voruberfahrenden Automobile schwizend fort. Die keuchenden Lungea sind zerfressen vom Tabakrauch und Straßendreck. Dana stehen sie stundenlang sich die Beine in den Leib, weil Nurmi läuft, Rütt radelt, Hakoah fußballt, was weiß ich. Sportl Und in lauschig-grünen Parkwinkel bei seinem entzückende« Laadhäuschen boxt der Dichter. Der Rexjeft weint vom nächtlich schwarzen Himaasf. Worüber wein" er? Knäuslnde Massen strömen za data «sichtigen Bau des Sportpalastes. Die Ellenbogen, krumm vom endlosen Schreiberdienst des Tages, bahnen rücksichtslos dt« Weg zu einem guten Platz. Dann brüllen sie stundenlang aar Hetze der Kämpfer, fiebrige Röte steigt auf die Wangen, denn Diener boxt, Sandwina boxt, sechs Tage Rennen um die Wette, was weiß ich. Und in der luftigen 'Halle eines ramestdaa Tuakulums bearbeitet der Dichter den Punshing-Bal. „Das ist Professionalismus, Manegenreiz im a«o«a Sehlauch", sagt Frank Thieß, „ich aber nähere mich der Kalok'agathia." Immerhin, daß der Dichter boxt, ist nicht aur sei« gute« Recht, sondern, abgesehen von der Wahl dies«« Sportzweiges, ein schöner Zug von ihm. Aber bringt ar dadurch die Masse, die Gesellschaft, das Volk dem griechischen Ideal einer geistvollen Schönheit näher? Denn das ist das Problem, das Thieß offenbar'wohl gesehen, aber im Sporteifer stirmisch überrannt hat Er hat ein wenig die GrundbegriK«, «bar die er spricht, verwechselt, redet mit schöner Begeisterung aber die Harmonie von Geist und Körper, die er für seia Teü gewiS erreicht hat und die er berechtigterweis« all«« Geistigen empfiehlt, wo er doch nach dem selbstgesetztea Thema die soziologischen und volkspsychologischen Grundlage« einer Massenerscheinung, des „Sport s", behandeln sollt«. D i e Geistigen als Gesamtheit kann nur der Sport interessieren, soweit er ein Teil des öffentlichen Lebens ist, soweit ar das ganze Volk ergreift, soweit auch er Gesamterschcinaag ist. Und dieser Sport, den allein Thieß zu „den fiaistigen" ta he-

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