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Der Jugendbund · 1927-04-07 · 7 (7.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
7 (7.4.1927)
Date
1927-04-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Di« Jugendarbeit, s e ist ja zumeist das Resultat einer "t«eigneten Führung, urd es war mir olt eine freudige Genugtuung, in solchen 1 leinen Gemeinden zu sehen, wie an die Stelle des fehlenden Lehrers junge Leute der älteren Jahrgänge beiderlei Geschlechts getreten sind und die Jugend tu belcHren suchen. A$cr liir die Dauer handelt es sich dabei doch um unhalthajre Zustände: es muO auch für die kleinste Gemeinde ein Lehrer angestellt werden, zur Not ein ßczirkswanderlehrcf. Manche frohe Stund^ babe ich nach den öffentlichen Vorträgen mit der^Jugendj verbracht, Sic faßte Vertrauen und schilderte mir dann aich ihre Nöte. Wenn ich in einem I Vereine über die Zunahme der Mischehen gesprochen hatte, die dem Bestand der deutschen Judenheit ernsthaft gefährde, dann klagten fiir die jungen Leute, namentlich in den großen. Gemeinden, darüber, daß ihr.cn die Häuser der üdischen Familien zumeist verschlossen r.cien. daß es ihnen in den Großgenicinden — gar zu sehr schwer lalle, in jüdischen Kreisen zu verkehren. Und wenn ich das Thcrra „Hcr'.i':- jmschichtung" erörtert hatte, mußte ich aus dem Munde der ungen Leute hören, wie schwer es ihnen werde, Stellungen tu erhalten. Junge Leute beiderlei Geschlechter schilderten mir, daß es heute in einzelnen Großstädten jüdische Geschäfte gebe, die jüdisches Personal überhaupt nicht, oder höchsten* nach den Grundsätzen des Numerus clausus anstelle. Di« Klagenwaren mir nicht neu. Ich habe schon früher von jüdischen Inhabern großer Firmen erzählen hören, die es energisch rügen, wenn christliche Geschäftsinhaber die Anstellung eines Juden ablehnen, die 'aber in der Praxis genau dasselbe tun! Und es soll vielfach solche Juden geben, die im Gemcindclebcn. in den Logen und sonst an leitender Stelle stehen, die sich in dieser Minsicht in keiner Weise von einem chr!<.i'.:chcn Antisemiten unterscheiden. Möge man in unseren Kreisen ein wachsames Auge auf solche Schädlinge habenl Jedoch nicht mit solch trüber Schilderung möchte ich meine Rei ceindrücke schließen. Etwa 10000 Mitglieder zählt di r (dische neutrale .Iitgendvcrband zur Zeit. Die hebräische Sprech'e kennt für' zehntausend ein besonderes Wort: R'wowo (<jt echisch: Myriade) und dieses Wort R wowo, es wird olt in imsereia Schrifttum angewandt, wenn es sich um Wünsche des Segens für un*ere Gcireir.schaft handelt. R'wowausvon Mitgliedern, von ernststrebenden Jünglingen und Jungfrauen, w .r, .che ich diesem unserem neutralen Jugendverbande. Er a'.ieir. ist berufen, die Renaisspnce, <tie sich neuerdings vielfach im Leben der deutschen Juden bekundet, zur Blüte und Reife zu bringen! Randbemerkungen Purlm .ist der Karnetal des Judentums. Deshalb brachten wir in der letzten Ausgabe Scherzhaftes und Ernsthaftes unter 4er Ueberschnft „Ernst und Scherz zu Purim". Es ist n> noch einmal festzustellen, daß auch der kleine Aufsatz . Als Gast im Jugendverein in . . ." als eincPurimsatirc aufzufassen st, um so mehr, da, wie sich nachträglich herausgestellt h-.t, er in der; Stadt, auf die er leicht bezogen werden konnte, der lachlichen Grundlage entbehrt. Ob überall? Ein bißchen Kitzeln ist manchmal ganz gut. „Improvisiere, soviel du willst, aber bereife dich gut darin! vor!" Diese auf Seite 13 des „Jugendbondes" vom 10. .Mirz tngeführte „wahrhaft klassische Bemerkung von Siegfried Bacharach" hat den Fehler, daß sie nicht von mir stammet, sondern nur von mir wiederholt worden ist. Ich muß der Wahrheit die Ehre geben, auch auf die Gefahr hin. daß dadurch mein Glorien-chcin in den Staub rollt. Nun wird es wohl interessant sein, zu erfahren, von wem »ie denn in Wirklichkeit stammt. Das kann ich nicht sagen. — Vor fünf Jahren erwähnte ich gelegentlich eines Zusammensein.; mit C'ora Berliner dieser gegenüber das köetliche Büchlein \.<n Friedrich Naumann: „Die Kumt der Rede" (1914 bei Georg Reimer in Berlin er<chicncri. dann vom Verlag der ..Hilfe" ühemommen und meines Wistens seit Jahren ver-' griffen). Cora Berliner sagte: „Ein vorzügliches Büchlein; am besten hat mir der Ausspruch gefallen: .Improvisiere, soviel du willst, eher bereite dich gut darauf vcr.'" Und von Stund' an hat s.eh das Woit in meinem Hirnkasten festgenistet, um dann bei cr«tcr Gelegenheit, und das war die Plingsttagung in Düsseldorf, in die Welt zu flattern. Jet:', kommt das Tollste. Aul die Bemerkung im letzten ' ...Inger tibund" hin habe ich „Die Kunst der Rede" nochmals Wort für V. ort gelesen, aber „die wahrhaft klassische Bemerkung' nicht darin gefunden. Stammt das Wort nun von Friedrich Naumann? In welcher seiner Schrillen steht es? Oder von wem stammt es ron5:t? Schade um meinen Glorienschein!!! Aber das Wort hat jetzt — Cora Berlinerl * Siegfried Bacharach. Jugendbewegung und alkoholfreie Jugenderziehung Von Maria Lachni Von jar manchem ist schon versucht worden, das Wesen der Jugendbewegung in einem knappen Satz zu erklären. Man ipürt dabei mitunter, daß die Worte dem Wesen recht nahe kommen, j aber' restlos I-innen sie es nicht wiedergeben. .1 itgcndbewegung muß erlebt, nicht erklärt werden. Ich will nicht einen neuen Versuch zu den alten lügen, sondern Ruf ein gemeinsames Merkmal aller Bünde der Jugendbewegung hinweisen. Auf der Suche nach schöneren, edleren Lebensformen kam die neue Jugend zur Abkehr von Rausch und Rauch. Auch nur eines ihrer Feste mit Tabaksqualin und F.icrdunst sich auszumalen, ist undenkbar. Trotzdem treten dieeinzelnen Richtungen der Jugenfibewegung nicht auffal!end__hervor durch Uchernähme fest urrrissener Arbeiten in der aikoholgegr.crischen Bewegung. Die alkoholfreie Lebensführung wird einlach praktisch geübt. Es ist weiter aber auch eine Tatsache, daß gerade ans den Reihen der Jugendbewegung immer mehr Persönlichkeiten hervorgehen, die, wie auf anderen Gebieten der I.cbetserneucrung. so auch bei der Alkoholbekämpfung tatkräftig! miteingreifen. Anknüpfend an diese Gesamt-Einctellung der Jugendbewegung zur Alk' hollrage, halte ich es für angebracht, auf ein Tätigkeitsfeld hinzuweisen, das besonders Erziehern nahe liegt. Es gab eine Zeit in- Deutschland, in der die Alkoholgcgr.er verschiedenster Richtungen in sehr loser gegenseitiger Fühlungnahme nebeneinander arbeiteten. Es kam die Zeit, t t . Berlin-Dahlem. da dieser Zustand überwunden wurde und sich alle zusammenscMo'-scn in der Deutschen Reichshauptstellc gegen den Alkobolismos. Es beginnt nunmehr eine Zeit, da die Reichshauptstelle gegen den Alkoholismus besondere Fachdezernate einbaut zur Bearbeitung von Aulgaben, deren Notwendigkeit von allen anerkannt ist und die der Inangriffnahme harren. Für die alkoholfreie Jugenderziehung ist ein solches Dezernat eingerichtet worden. Es ist dies nicht zu verwundern, daß gerade mit diesem der Anfang gemacht wurde, denn die alkoholfreie Jugenderziehung ist vielleicht das wichtigste und aussichtsreichste Gebiet der Alkoholbekämpfung, getreu dem Grundsatz: ..Vorbeugen ist leichter als Heilen!" Um das Ziel, die alkoholfreie Lebensführung der Jugend zu erreichen, werden folgende Wege beschritten: 1. Gewinnung der Jugend selbst. a) Wandcr-Nüchternheitsunterricht für den UebergMig, b) Lehrplamnäßiger Nücbternheitsuntcrricht, c) Ausstellung, d) Gewöhnung an alkoholfreie Lebensweise (Jugendpflege, Jugendbewegung, Goldenes Buch, Jugendherbergen, Jugcndleste). 2. Gewinnung der Lehrerschaft für diese Aufgabe, . a) Wissenschaftlich-praktische Lehrgänge für Lehrkräfte, b) Besonder« Ausbildung der Wanderlehrkräftc, c) Ausbau des Schrifttums und der Lehrmittel. - 6 —

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