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Der Jugendbund · 1927-04-07 · 7 (7.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
7 (7.4.1927)
Date
1927-04-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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bleibe«. Mr die einzelne Mitglieder vielleicht das lebhafteste Interesse haben. Wir sollten darum neben der erwähnten Art der Aasspracfae auch die völlig freie Frage aus jedem beliebigen Gebiet den Mitgliedern freistellen oder gar nahelegen. Wir sollten dazu anregen mit dem Hinweis, dal! uns nichts Menschliches und nichts Jüdisches fremd b!cibcn darf, und daB es beschämend für uns ist, achtlos und ohne Frage an Diagea verbeizugehea, die unseren Vätern wert oder gar heilig «raren. Wir sollten dartun, daB -es unsere Pflicht ist, um de« Sinn der Dinge zu fragen" und zu forschen, statt daß wir sie achsekeuckend verwerfen. Sa wird dann vielleicht am Kode eines jeden Vereinsabends eine Aacabl Fragea aus verschiedensten Gebieten aufgeworfen werde«. Daa scheint die Gefahr der Zersplitterung in sich zu tragen, aber es bat den nicht zu unterschätzenden Vorzug, daß das Interesse eines jeden einzelnen zu seinem Rechte komr.it, daB eia jeder einmal in d a s Gebiet eindringen kann, das seine m Herzen besonders nahe liegt, daQ ein jeder hin und wieder eine Anregung geben, aktiv in die Vereinsarbeit eingreifen kann.' Die andere Schwierigkeit liegt darin, daß auf Fragen aus so verschiedenes Gebieten nicht immer gleich die Antwort bereit sein wird, weil es hin und wieder in der Gruppe an einem Fachmann für die betreffende Materie fehlt. Aber es ist' kein Schaden, wenn die Beantwortung um eine Woche versctiobea and Inzwischen ein einschlägiges Werk oder ein Kenner — sei es in der befragt wird. Zuweil igenen oder in einer Nachbargemeinde in kann gerade eine solche schwierige Frage Anregung zu einem Referat geben, das dann gewiß, weil aus der Arbeit der Gruppe herausgewachsen,, auf voiles Interesse aller rechnen darf, Der Drang nach jüdischem Wissen beginnt eich in der jüdischen Jugend wieder stärker zu regen. Die neuentstandenca Lehrhädser, die Vereine, die Arbeitsgemeinschaften sind ein Beweis dafür. Als ein wichtiges Mittel zur Weckung und Steigerung dieses Wissenstriebes sollten wir m. E. die freie Frage betrachten und pflegen. Das Fragen werden auch die Schcucsteji und Schüchternsten bald lernen, wenn sie merken, daß ihre Frage ernst genommen und daß liebevoll auf sie eingegangen wird. Und mag auch einmal eine Frage kommen, wie siie der „Rosche" in der Haggada stellt, so Ut doch sicher, daß selbst solche Fragen immer tiefer in den Sinn jüdischen Wesen» ur.d jüdischer Frömmigkeit hineinführen, und daß aus Verstehen .endlich Wertschätzung und Liebe zu altem jüdischen Gedankengut erwachsen kann. Ich bin gewiß, daß ich einem großen Teil unserer Verbandsfreunde nichts Neues gesagt habe. Vielen anderen aber hoffa ich doch einen ihnen bisher unbekannten Weg zum Ziele unserer Arbeit gewiesen zu haben, einen Weg, der mir der natürlichste von allen und darum verheißungsvoll erscheint. Meine Verbandsvortragsreise L Von M. S t e i n h a Mit Erlaubnis des Verfassers entnehmen wir. die folgenden Ausführungen der Nr. 13 des Israelitischen Familienblattes, Hamburg. Die Schrift!. Eine etwa sechswöchige Vortragsreise brachte mich mit nahezu 30 jüdischen Gemeinden,; hauptsächlich im Westen Deutschlands, in Berührung. Es waren fast ausschließlich neutrale Jugendvercine, dem Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Site Düsseldorf, angehörig, in deren Mitte ich gesprochen habe, und es waren zumeist Themen über jüdisches Erziehungswesen, jüdische Schulfragen, sowie sonstige „Jüdische Gegenwartsfragen", über welche ich mich verbreitet habe. Es steht cur Zeit gut um die neutrale jüdische Jugendbewegung, das ist der Totaleindruck, den ich von der langen Fahrt gewonnen habe. Ein großer Teil der jüdischen Jugend ist von der alten Begeisterung für unser Judentum erfüllt and durchglüht, sucht Anleitung und Belehrung, um auf dem betretenen Wege weiterwandeln zu können und die noch abseitastehenden jugendlichen Menschen für gemeinsame Ziele zu gewinnen. Die Leitung des Verbandes liegt zur Zeit in besten Händea, bei Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf, als Vorsitzender. Der ihm zür Seite stehende junge Referendar Herbert Fetseathai und der Geschäftsführer Fritz Schwarzschild, Wiesbaden, arbeiten unermüdlich für Verbreitung und Erstarkung des Verbandes, und der Erfolg krönt sichtlich ihr Bemühen. Ec ist gut für den Jugend verband und seine hohen Ziele, da'B sein Sitz nicht mehr in Berlin ist. Es sei die« keine Kritik, sondern nur eine Feststellung. Berlin ist leider zu sehr die Gemeinde der Parteikämpfe geworden, und ihre leitenden Kreise — es trifft die« für fast alle Organisationen zu, die dort ihren Sitz haben — stehen zu wenig in Fühlung mit dem jüdischen Leben draußen im Reiche; sie kennen das jüdische Gemeiadelebea im übrigen Deutschland nicht zur Genüge. Drüben im Weiten ist die jüdische Zersplitterung weniger fühlbar, ia dea meiden Gemeinden, wenn wir von den ganz großen, wie Kola und Frankfurt, absehen, ist sie überhaupt nicht vorhanden. So bot sich mir ein geradezu erhebendes Bild ia Essen. Ich sprach vor etwa 400 Zuhörern, darunter nach meiner ungefähren Schätzung 300 Jugendliche. Man sah dea jugendlichen Gesichtern das Gefühl der Zusammengehörigkeit, des einmütigen jüdischen Streben« und Wollen« an; es leuchtete geradezu au* den jugendlichen Augen und versetzte auch den Redner selbst in „Stimmung*'. Und ein Plauderstündchen hinterdrein mit den jungen Menschen, die voa selbst darum gebeten hatten, im engeren Kreise, gehört mit zu dea schönsten Erinnerungen dieser an freudigen Eindrücken and seelischer Erhebung so reichen Vortragsreite. Diese Eretracht der jüdischen Jugend Essens, dst) vorbildlich rd t, Magdeburg. für alle Gemeinden sein könnte, ist das Werk des jugendlichen Rabbiners Herrn Dr. Hahn, der es verstanden hat, die Jugend aller Richtungen um sich zu scharen ünd der sichtlich ihrer aller Vertrauen besitzt. Es ist eine schwere Versündigung an der jüdischen Jugend und der Zukunft des Judentums überhaupt, wenn andere Männer, die von Amts wegen berufen sind, die religiösen Führer in ihren Gemeinden zu sein, wenn namentlich ' Rabbiner in Einheitsgemeinden, ihre Stellung dazu mißbrauchen, die Saat der Zwietracht unter die jüdische Jugend zu säen und sie vor den Parteiwagen zu spannen. Es herrscht allgemein ein reges jüdisches Leben in den westdeutschen Gemeinden, in den kleinen wie den großen; in den kleinen, von denen so oft die Rede ist und um deretwillen so viele Notschreie in die Welt hinausgesandt werden, sieht es zumeist besser als in den großen. Freilich, in einem Punkte sind die Notschreie berechtigt: Es fehlt an Lehrers, es fehlt an einem würdigen Gottesdienst. Rührend geradezu war es für mich in einigen kleinen Gemeinden, wie die Jugend danach rang und strebte, sich von selbst 'weiterzubilden und jüdisch zu werden, aber es wird ihr dort, wo kein Lehrer amtiert, allzu schwer gemacht. Es fehlt die geistige, die religiöse Führung. Aber das alles ist lediglich eine Geldfrage. Denn es sind zur Zeit Lehrer zur Genüge vorhanden. Durch den vom Staate betriebenen „Abbau" sind eine Anzahl von Lehrkräften freigeworden, es stehen noch immer Lehrkräfte aus den verloren gegangenen Provinzen zur Verfügung, und es sind auch viele Lehrer, die während der Inflationszeit aus dem Amte geschieden sind, bereit, zum Berufe zurückzukehren. Dort, wo in den k einen Gemeinden noch ein modern ausgebildeter Lehrer sei le« Amtes waltet, herrscht noch rege« jüdische« Leben. Aber es ist die höchste Zeit, daß den andern kleinen Gemeinden \ geholfen wird. (Wie wäre es, wenn man auch den Sitz de« Landesverbandes nach einer westdeutschen Großgemeinde verlegen würde??) Und die Gotteshäuser, auch sie sind gar oft in unwürdigem Zustande. Seit vielen Jahren ist keine Reparatur an Ihnen vorgenommea worden, und nun fehlt es den Gemeinden wiederum -an Mitteln, die baufällig gewordenen Gebäude'; wieder würdig instandsetzen zu lassen. In rühriger Weise hat eine solche kleine Gemeinde, Dierdorf im Westerwald,' —> das „Familienblatt" berichtete jüngst darüber — ein Konzert veranstaltet, um hierdurch einen Teil der erforderlichen Mittel zu beschaffen. Die Anregung dazu ging von dem Vorsitzenden de« dortigen Jugendverein« au«, und die Arbeit, die eine solche Veranstaltung mit sich bringt, sie wurde von der Jugend geleistet -5-

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