Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 7 (7.4.1927)
- Date
- 1927-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nistejs für Kultur, des nichtjüdischen Justizmannes oder Politikers, ob sie auch alles hübsch sauber und nett bei uns finden, oder ob wir irgendwo] ein Steirchen aus dem Mosaik unseres Wesens entfernen müßten, um in das allgemeine Niveau zu passen. Das wirkt oft niederdrückend. Wohl wissen wir, daß Judentum nicht das Letzte ist, so wie das Land Kanaan in der Geschichte nur eine Etappe auf dem Wege jüdischen Werdens war. Wohl ist uns beirußt, daß wir mitten in der Welt stehen und stehen sollen, ünd den Blicken aller ausgesetzt sind. Aber was jüdisrh ist. was das Beste in uns zu tun uns gebietet, das kann am besten nur aus jüdischem Geiste entschieden werden. Denn kein Mensch kann eine andere als seine eingewurzelte Lebenssphäre ganz und bis zum letzten verstehen. Das aber bedeutet niihts weniger, als daß wir uns etwa der Geisteswelt um uns \ erschließen, ihre Güter nicht in vollen Zügen üns einverleibe i sollten. Im Gegenteil, es wird gerade unsern Kampf wesentl ch erleichtern, wenn wir erkennen, daß Meister unserer deut chen Gcisteskultur, wie etwa Goethe, Lessing, Kant, ihr ein (repräge gegeben haben, das viel Wesensverwandtes mit den >cstin Gedanken der Großen in Isvael hat. Zwei Kulturen i ind> U»tdie fn uns sich organisch verbinden sollen. Das EchtcFGutc ganz aufzunehmen, was Talmi ist. sondieren! Das [cht vom Wesen des neuen, deutsch- * jüdischen Menschen. Wir alle, die wir bewußt im Judentum stehen, ganz gleich, in welchem Lajjcr. w< llen uns mit dem ehrlichen Willen der Jugend die Hände rei<hen und zu verstehen suchen. Denn wir alle, die wir irgendwo den Schwerpunkt unseres Judeseins gefunden zu haben glauben, sind bereit, etwas zum Bau des Stiftszelts beizutragen, das die heiligen Symbole in sich bergen soll. Wir wollen c i n die das Beste wollen suchen. Dieser einer Phalanx gegenüber wird dann nur die1 geschwächte Linie Was sagt Es ist Scder-Abem der Armee der Lauen und Gleichgültigen Seder :isches — schon AI erdinfis: Eltern haben „mit {utem und mit b das Kltnd sein Mah n ohne 'Frage e Front bilden -aller ehrlichen Jasager, und auf mannigfachen Wegen danach stehen. Dort müssen wir gleichsam Gelange«« mache«, und mancher, der uns den Rücken kehrte, weil ihn der Wt»t des Parteigezänks anwiderte, wird von neuem freudig ia die Reihen der Kämpler eintreten. Pessach! Freiheit, Frühling! Laßt ans dieses Fest so recht im .Geiste, der Jugend feiern. Suchet es aa »erstehen nicht nur in den Mauern der Gotteshäuser, wo ans-die Erinnerung an große Vergangenheit leuchtet, sondern gehet auch hinaus aus den Mauern der Städte, um des Frühling iu begrüßen und seine Gegenwartskraft in euch «iaström«c zu lassen. Auch hier findet ihr euer Pessach. Bringt Zeuge« dieaas Frühlings auf den Scdertisch, schmücket* damit Gott«*h.«ti« and Familicnbeim. Geschichte allein und ohne Verbinden! mit gegenwärtiger Lebenskraft und Daseinsfreud« ist wi« dar tote Geist Aegyptens, der uns anweht, wenn wir im Musiusi d«r Altertümer vor den gut konservierten, aber morschem Mumien der Pharaonen stehen. Form ohne Leben ist wi« di« gepreßte Blume im Herbarium oder der aufgespießte Falter, dt« haide einmal in vitaler Lust die Kraft der Sona« f»ah«a. r«tzt aber nur farbige Totenmasken sind. Die zeitlosen, ewigen Inhalte mit Gegenwart n»d Laben erfüllen, .ihnen schöne und echte Form geben, das ist di« herrliche Aufgabe der Jugend l'm Judentum. Das Wesentliche erkennen und zu ihm sich durcharbeiten, durch di« Wö«te den Weg finden, der ins gelobte Land eines von an« als wahr und echt erkannten jüdischen Lebens in innerer Freiheit und Wahrhaftigkeit führt. So nur wird' das deutsche Judentum zur Ganzheit und Geschlossenheit s«ia«s Wesen« kommen. Dazu brauchen wir alle bejahenden lebendigen Kräfte. Denn, so singt der Psalmist, ..nicht di« Toten loben Gott, und nicht die in die Grube sinken. Der L« bände, der Lebende, er preiset Dich wie ich heut«. Dar Vater tut den Kindern Deine Treue kund!" uns das „Mah nischtannoh4 für unsere Arbeit Von Gustav Spier, Haigerloch. Mitten; auf dem schimmernd gedeckten'Tisch steht die Sederschüssel mit ihrem eigenartigen Inhalt. Der C!ar2 der Jomtol-Lichter spiegelt sich im glänzen- Dic Familie sammelt sich um den Tisch; ijeder beginnt. A an trinkt vom Kidd;isch-Wein; man ißt Carpas", das mah in tränenbitteres Salzwasser getaucht hat, rrian zeigt das „Brut des Elends, das unsere Väter im Lande nun stellt das jüngste Kind am Tisch« -Mizr? im aßen". Und die F-age: ,,f>' ah nischtannoh' hallajloh hasseh arik'kol hallejlaus?" „Wariun 'unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?" La St das Kind gewähren, geht liebevoll auf seine Frage ein, ucd«s wird im Lauf; des Abends noch manches zu fragen vwsscu; es hat woril luch vorher — bei der Zurichtung des mancherlei zu fragen gewußt, die ihre eigene Ruhe über alles lieben, Das Mah nischtan dem kleinen G< ist schon lang das Fragen abgewöhnt — trem Wort". Da sagt denn heute abend schtannoh herunter, ohne Anteilnahme, r.teresse. Eine iweite Frage wird es gewiß nicht stellen. oh ist aber keineswegs als die einzige des Kindes bei] i Seder gedacht. Als unsere A'ten die Einrichtung des Seder schufen, da haben sie dieselbe mit allerhand Beiwerk uir.ge.beir., das den Zweck hat, die Neugier des Kindes wachzurufen, es zum Fragen anzuregen. Daß ein Kind — zu na] ein jüdisches Kind — achtlos und ohne Frage an auffallenden Dingen v jrübergehe, das schien ihnen ungewöhnlich und fast ausgeschlossen. Der ..Schönau jaudea "tisch'aul", „der, der nicht zu fragen weiß", galt ihnen durchaus als eine Ausnahme. Kindliche Wißbegier und kindliche Frage galten unseren Chacrwmira als etwas Naturgegebenes und sehr Beachtensnicht unterdrücken, sondern für^ihre er¬ Anspruch -nehmen und pflegen und förerfors:htes Wissen h fester haftet als alle jene Bildung. wertet, etwas, das sie ziehen'-ci-.cn Ziele in dern wollten. Denn s e wußten, daß selbsterfragtes und selbstindertmal tiefer dringt und hundertmal von außen angetragene und aufgezwun- Hcute haben Lehrer und Erzieher den Wert J«r Kinderfrage wieder erkannt, und in modernen Schulen spielt sie eine wichtige Rolle. Unsere Weisen haben diese» Einblick in die Gesetze des Geistes und in die Technik des Forschens schon vor zwei Jahrtausenden besessen, und si« haben eus dieser Erkenntnis ihre Folgerungen gezogen. Sie regten die Fraglust nicht nur für den Seder-Abend an. Sic pflegten sie auch bei ihren Lernveranstaltungen, und die Frag« des Jüngers an den Meister mag ebensosehr im Gebrauch gewesen sein, wie die des Rabbi an den Schüler Von Schülern, die. nicht wißbegierige Fragen stellten, hielt man nicht vieL .Wer sich zu fragen schämt, kann nichts lernen," sagt HitUl in den „Sprächen der Väter". Solche Wertschätzung der Frage hat Hl der jodischea Gemeinschaft lange Zeit Geltung gehabt und hat sie dort, wo lebendigstes Judentum pulsiert, auch heute noch. Da war's und ist's keine Seltenheit, daß der Schüler aa d«a Lehrer, das Gemeindemitglied an den Rabbi oder eine» „Lasadoa" herantritt mit einer „Kaschje". | Bei uns ist dieser Trieb, zu frage-, erlösche». Maa fürchtet ja, sich dadurch, daß man fragt, eine Blöße ru gebea. Und gar nach jüdischen Dingen fragen? Wie oft kommt es aoeh vor, da*, ein Gemeindemitglied den Rabbiner oder Lehrer oder auch einen erfahrenen jüdischen Privatmann am Aufklärung bittet über den Sinn einer Gebet- oder Bibelstelle, Iber den tieferen Gehalt einer Zeremonie oder die Bedcutaag «ines religiösen Gebots? Viel lieber hört man gelegentlich einmal einen Vortrag, eine Predigt. Aber da geht's meist an einem Ohr hinein und zum anderen hinaus. Wir sahen, wie wichtig dagegen die Frag« iat. aar tiefster Wert liegt darin, daß sie dem Fragenden de« Zugang Öffnet in ein Gebiet,, das ihn aufs stärkste interessiert, aatd daß sie auch dem Antwortenden den Weg weist z«c „lateessnasphare" des Fragestellers. Und das alles gilt nicht nur für die Schul«, «oadara ebensosehr auch für unsere Vereine. Das solltca wir beachten. Wir pflegen ja meist — im Anschluß an Referat oder Lektüre — die freie Aussprache und damit auch die Diskasaioaslrage. Dabei aber müssen notwendig viele Gebiete