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Der Jugendbund · 1927-03-10 · 5 (10.3.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
5 (10.3.1927)
Date
1927-03-10
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Aber nicht aar den Gott, auch den Weisen des Spinoza hat Goethe zu (einem Eigentum gemacht. Weite ist der, welcher erkannt hat, daß alle Leidenschaften uns unfrei und zu Knechten der Außenwelt machen, daß die Leidenschaften nur besiegt werden können durch die intellcktuale Liebe zu Gott und den Menschen. Diese ruhige Liebe, welche ein Teil der unendlichen Liebe ist, mit der Gott sich selbst anschauend liebt, hebt den Menschen hinaus über Leidenschaften und Leider.: Entschlafen sind nun wilde Triebe Mit jedem ungestümen Tun; Es reget sich die Menschenliebe, Die Liebe Gottes regt sich nun. Die Liebe, die dem holländischen Denker selbst so lang« versagt blieb, ist ihm nun nachträglich reichlich zugeflossen. An seinem 250. Todestage am 21. Februar d. J. war die gesamte europäische Kulturwelt zu einer Feier in Den Haag versammelt. Man sieht in dem großen Juden den Bahnbrecher der neuen Zeit, den Schöpfer des modernen Staatsgedankens, den Prediger der Tolcranzidec und den Verkünder der Religion der Humanität und Liebe. Zum Tode von Georg Brandes Von Rabbiner D r. Unvergessen wird mir stets die Stunde sein, da ich einmal Georg Brandes sprechen hörte. Ein Strom von Leidenschaft, die Glut eines tiefen, mit allen Gaben einer Persönlichkeit ausgestatteten Mannes riß mich mit fort. Wenn nicht das weiße Haar, die durchfurchten Züge Jen Greis gekürtdet hätten, man hätte von jugendlichem Feuergeist sprechen können. Lodernde Leidenschaft,-tiefes Nachschafien sind diesem seltenen Manne bis ins hohe Alter — er ist, kaum 85 Jahre alt, dahingegangen!— zu eigen gewesen. Philosophie und noch mehr Literatur waren seine Domäne, an seinem Grabe betrauert die europäische Geistcswelt einen ihrer Größten. Seine Werke gehören der Weltliteratur an, wie er keine Grenzen für literarisches Wirken kannte. Vielleicht ist das aus seiner jüdischen Abstammung zu erklären, die er nicht los werden konnte, wenn Klein, Düsseldorf. er auch wenig Zusammenhang mit dem Judentum Kalte. In seinen Erinnerungen bekennt er: „Würde ich nicht immer wieder an meine jüdische Abstammung erinnert, so könnte ich sie vergessen." Und doch hat er sie nie geleugnet und sich innerlich sicher mit seinem Judentum beschäftigt. Das Hiob- Problcm hat ertief ergriffen in seiner Schrift „Hiob", in der er sich gegen die philosophische Ausdeutung des LegenJcnbegriffcs wendet, er schrieb über „Kohclcth" und das ,,Hohelied"; die „Chsisluslcgcnde", sein letztes größeres Werk zeugt schließlich davon, wie ihn die letzthin im Judentum wurzelnden Probleme bewegten. — Jüdisch ist vor allen Dingen sein Drang, der sein ganzes Schaffen beherrschte, ,,«Iic Menschen zu bessern und zu belehren", sein unermüdliches, unerschrockenes Eintreten für alle Unterdrückten, sein Eifer Warum gibt es Mensehen? Aas einer Schulstunde. Von Ernst Mayer. Aus: ..Jüdische Zeitung für Ostdeutschland", Nr. 7. Dieses immerhin interessante Thema war kürzlich Gegenstand einer noch interessanteren Debatte in der 7. (unteren) Klasse der jüdischen Volksschule. Bei einer Cbamischoh-osor- Betrachtting stellte plötzlich ein Junge obige Frage, und da sie mir zur eingehenden Behandlung wichtig genug schien, stellte ich sie mit Einverständnis der Kinder bis „nach der Pause" zurück. Nun stellte sich Walter auf den Stuhl vor die Klasse und leitete selbst den Unterricht, während ich das nachstehende Stenogramm aulnahm. Walter: Ja, also warum sind die Menschen auf der Weh? Käthe: Sonst wäre ja gar keine Welt da. ' Walter: Es brauchte ja auch keine da zu sein. Margot: Ja, das ist doch schon von Adam und Eva her. . . . Ruth: Die hajbcn Kinder bekommen und die Kinder wieder Kinder und die wieder — und so sind viele Menschen geworden. ' Abraham: Sonst müßte ja der liebe Gott allein sein. Walter: Ja, die Tiere könnten ja da sein, aber die Menschen — sind die .vielleicht , zur Zierde? . Emil: Da würden doch die Tiere verhungern. Walter: Dazu sind doch die Pflanzen da; die Tiere können doch keine Menschen essen . . . Die Affen sind doch wie Menschen, die könrfen ja die Bäume^p'legen. Oskar: Wir haben einen Affen zu Hause. Walter: Da kannst du aber schön spielen und Kunststücke mit ihm machen. Oskar: Es ist ja ein ausgestopfter. Walter: Ach so! Aber ein Affe kann die Bäume pflegen. Sally: Der. Affe ist ein menschliches Tier; man kann auch die Affen ausbilden. Walter: Und Telephon könnte auch da sein, die Affen könnten vielleicht telepboniercn. Ruth: Wer soll denn da da Telephon machen, wenn es kaputt ist. Fritz: Affen können auch Handwerker sein. Abraham: Ich hab' einmal einen Affen gesehen, der ist Rad jge'fahren. Walter: Ja. im Zirkus hab' ich auch einmal einen kleinen dressierten Affen gesehen. Mit lebhafter:! Interesse beschäftigten sich die Kleinen noch mit dem Affen, bis ich endlich sage: „Ja, aber . . . Sally: Ja, nun wollen wir wieder zurück zum Themal Walter: Ich gla:ibc, die Menschen sind nur dazu da zum Herumkcilcn, zum Einbrechen und Morden. (!) Saliy: Aber das will nicht der liebe Gott. Hilde: Aber der liebe Gott macht doch das den Menschen, daß sie das tun. Margot: Nein, sie sollen doch gut sein. Walter: Ich habe einmal meine Mutti darüber getraut, die hat gesagt, wir werden das noch lernen; aber wann lernen wir denn das?" Lehrer: Heute noch! Ich versuche nun, mit Hüte der K:ndcr natürlich, diese Frage genauer klarzulegen, indem ich bei Margots letzter Bemerkung anknüpfe: mit welcher Absicht damals Gott die Welt, die Tiere und die Menschen geschaffen, wie er sie dann wegen ihrer bösen Taten durch die Sündflut bestraft hat und komme durch selbstverständlich primitivste Darstellung zum Ergebnis, daß jeder Mensch im Leberr Kulturwcrtc schaffen soll, — „deshalb lernen wir ja" —, wobei,' uns insbesondere Erfinder auf technischem Gebiete (Radio!) beispielgebend sind. Das können wir aber nur, wenn wir fleißig arbeiten und gute Menschen werden. Und mit dem Vorsatz, immer nur auf den „Engel im Herzen" zu hören, gingen wir in die Pause. Die Lokomotive mit der Seele Ein Märchen. Der liebe Gott war wieder einmal schrecklich unzufrieden mit den Menschen. Er hatte aber auch wirklich Grund. Diese unfolgsamen Geschöpfe hatte er mit einer Seele ausgestattet, einer Seele, die dazu bestimmt war, ihre Träger zu guten und friedlichen Wesen zu machen. Aber nichts davon war in dem alltäglichen Leben zu merken. Da schimpfte jeder auf jeden, jeder war selbstsüchtig, keiner gönnte dem anderen etwas Gutes und nur gelegentlich bei einer passenden oder unpassenden Gelegenheit— meistens natürlich bei einer unpassenden — warfen sich die Menschen in die Brust, fühlten sich außerordentlich erhaben über alle anderen Geschöpfe der großen und herrlichen Natur, und sagten: „Ja, wir sind ja soviel besser, denn wir haben eine Seele." Der liebe Gott hatte diesem schändlichen Treiben mit großer Geduld zugesehen, fcnmer und immer wieder hatte er gehofft, daß eine Besserung einträte, aber nichts dergleichen konnte sein prüfendes Auge entdecken. Es wurde eher noch schlimmer, so daß eines Tages der Zorn bei ihm überkochte und er beschloß, etwas zu tun, was die Menschen aufmerken lassen sollte. Er beschloß, einem Gegenstand, der zumal noch von Menschenhänden geschaffen war «nd vor dem diese Wesen ob

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