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Der Jugendbund · 1927-03-10 · 5 (10.3.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
5 (10.3.1927)
Date
1927-03-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Vorbildlich sind in ..... . auch die Freitag&bendreiern. Verbandsfreunde, nehmt euch ein Beispiel! Jeden Freitag ist große Revue — Tanzprobe. 18 Girls! Wer kennt einen erhebenderen Freitagabend? Wo bleibt das Verbandsgefühl? VIT. fm Saale, da war noch ein Plätzchen, Arbeit — da hast du gefehlt Du hättest so schön, mein Schätzchen, Von wahrem Vereinetum erzählt. Randbemerkungen .Man sollte meinen, daß, ebenso wie in rußerjüdischen Kreisen, auch im deutschen Judentum die Beobachtung und die Forderung der Jugend, die doch unsere Zukunft bedeutet, mit nllem Ernst und mit besonderer Sorgfalt ins Auge gefaßt würde. Zur Illustration dafür, wie leichtfertig man über diese ernste Frage hinweggeht, mögen folgende Feststellungen dienen: In Berlin ist ein „Jüdisches Jahrbuch für Berlin auf das Jahr 1926, ein Wegweiser durch die jüdischen Einrichtungen und Organisationen Berlins", erschienen, für das. verantwortlich zeichnen Dr. Jacobson, Leiter des Gesamtarchivs der deutschen Juden, Dr. Segall, bisher Geschäftsführer der Zentralwohl, fahrtssteüe der deutschen Juden, und Eugen Caspari, der bisherige Vorsitzende des letzteren Instituts. In diesem Buche befindet sich eine Darstellung der jüdisemn Jugendbewegung die bezeichnenderweise von einem VerfassVr herrührt, der sich nur mit den Anfangsbuchstaben S. K. bezeichnet, während alle anderen Artikel mit vollem Namen unterzeichnet sind. Der Verlag hat uns vor Drucklegung des Werkes einen Abzug dieses Artikel« eingesandt, worauf wir umgehend scharf gegen die nach unserer genauen Kenntnis unmögliche und den Tatsachen widersprechende Darstellung Einspruch erhoben und präzise Vorschläge für eine Richtigstellung machten. Trotzdem hat es der Verlag für richtig gehalten, die ursprüngliche Fassung beizubehalten und uns nicht einmal, trotz Anmahnung, eine Antwort auf unser Schreiben gegeben. Wir geben nachstehend nur kurz den Wortlaut der Einleitung wieder: „Die jüdische Jugend in Deutschland ist in ihrer Struktur und in ihrem Aufbau ein Spiegelbild des politischen und gesellschaftlichen Lebens der deutschen Juden. Die Jugend gruppiert sich um die großen weltanschaulichen Gruppen: (Wir linden eine liberale, eine orthodoxe und eine zionistische •Jugend vor und innerhalb dieser Jugend, die gesellschaftlichen Gruppierungen in akademische und nicht akademische Verbände. Es gibt allerdings einen Versuch, die Politisierung der Jugend zu überbrücken und sie in überparteilichen neutralen Verbänden zusammenzufassen. (Von uns gesperrt.) Der führende neutrale Verband ist der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, der, 190S gegründet, ein* große Rolle in der jüdischen Jugend spielte, "besonders in Westdeutschland (Sic. Die Redaktion), dann vorübergehend an Bedeutung verlor und jetzt wieder stärker in Erscheinung tritt. Es ist jedoch nicht zu % erkennen, daß die aktivsten und lebendigsten Kräfte in der jüdischen Jugend dazu drängen, zu den großen das Judentum bewegenden Fragen Stellung zu nehmen und für sich eine Entscheidung zu treffen." Eine so unglaubliche Verkennung unserer Organisationen-' und der vorliegenden Talsachen ist in keinem Falle zu entschuldigen, und wird dadurch noch schwerwiegender, daß der Verlag durch ein ausführliches Schreiben und .Unterlagen von uns über die Tatsachen orientiert war. Die jüdische Jugend muß mit aller Schärfe derartige Versuche zurückweisen. Wir werden es jedenfalls uns künftig nicht gefallen lassen, derartig bebandelt zu werden. S.K. „Können wir somit die einzelnen Probleme unseres Dasein« nicht an der Hand eines Programme« lösen, sondern nur eigentlich von Fall zu Fall vorsichtig tastend uns entscheiden, so entspricht das doch am ehesten der Lage des deutschen Judentums. Die Vorwegnahme einer Entscheidung gefährdet oder hindert den natürlichen Verlauf der Entwicklung. Wo alle« im Flusse ist, ist laute und rasch« Stellungnahme oft nur ein politisches Mittel. Das lehnen wir ab. Unsere Schwäch« wird damit zur Stärke (im Original gesperrt): wir spiegeln in an« dl« Hoffnungen and Möglichkeiten der heutigen deutschen Judenheit wider, und die Verantwortung, die od« daran« erwächst, empfinden wir als ^ebenso starken Halt, wie irgendein Ziel der Zukunft uns bieten könnte." Wir haben in unserer Ideologie die Forderung aufgestellt! Neutralität des Bundes, nicht aber Neutralität des Menschen. Daß wir gerade aus Kreisen der jüdischen Jugend bewegung immer wieder deshalb bespöttelt wurden und werden, wissen wir. Deshalb ist es interessant, obig« programmatischen Ausführungen zu lesen und dabei festzustellen, wie hier, weit über unsere Neutralitätsauliassung hinausgehend, jedwede parteimäßige Bindung und Anschauung bei jungen Menschen abgelehnt wird. Man muß diese1 Aeußerung deshalb festhalten, weil sie Gedankengänge aus dem Kreise des Kameraden- Bundes wiedergibt, dessen berufener Vertreter sie in der Jugendbeilage der „Frankfurter Zeitung" vorträgt und damit das Wesen deutschjüdischer Jugend kennzeichnen will. Ho. Bemerkungen zu den Randbemerkungen der letzten Nummer. In Nr. 3 Ihrer Blätter bringen Sie unter „Randbemerkungen" Ausführungen,4 die auf Grund objektiv unrichtig wiedergegebener Einzelheiten meiner Besprechung „Von der nationaljüdischen Jugend" in der Jugendbeilage der CV.-Zeitung vom 24. Dezember 1926 mich beschuldigen, „Tendenzen zu unterschieben, die den Tatsachen ins Gesicht schlagen". Zunächst werden die Feststellungen der Entwurzelungstendenz zionistischer Jugenderziehung und des geringen natürlichen Nachwuchses des Zionismus dadurch zu bezweifeln gesucht, daß „man darüber, je nachdem man eingestellt sei, verschiedene Ansicht haben könne". Diese Feststellungen — nicht Ansichten — wurden getroffen von dem gewiß nicht meiner Einstellung verdächtigen Herrn Dr. Kanowitz, an dessen u. a. Ausführungen auf dem 21. Delegiertentag der zionistische« Vereinigung für Deutschland sich der volle Inhalt meiner Besprechung bis zu der als solche gekennzeichneten Zusammenfassung nahezu wörtlich anschließt. Wozu also Dinge als unglaubwürdig darzustellen suchen, die von zionistischer Seit« nie bestritten wurden? In der Zusammenfassung findet sich nun der zitierte Satz: „Er (der Zionismus) sucht dies auszugleichen, indem er di« jüdische Jugend Deutschlands in Vereinen und Bünden zu sammeln sucht, die sich neutral bezeichnen oder dem Sport zu dienen vorgeben. In diesen Vereinen schafft er eine Atmosphäre, die planmäßig die Jugend aus ihrer deutschen Heimat entwurzeln soll." Diese Vereine und Bünde sind zuvor namentlich genannt: Kadimah und Bar-Kochba. Ich habe „in meiner Naivität" allerdings in diesem Zusammenhang nicht an die in Ihrem Verband organisierten Vereine gedacht, weil ich bisher der Ueberzeugun-g war, daß dies« neutral sind und sich nicht nur neutral bezeichnen, weil mir nicht bekannt war, daß der Zionismus die jüdische'Jugend Deutschlands in den Ihrem Verband angeschlossenen Vereinen zu sammeln und nach seinen Tendenzen zu beeinflussen sucht. In meinen Ausführungen findet sich nicht der geringste Anhaltspunkt, wonach ein objektiver Leser, wonach die Schriftleitung der CV.-Zeitung auf den Gedanken kommen kann, Ihren Verband mit den namentlich erwähnten und in der zitierten Stelle gekennzeichneten zu tdealifizieren. Sie aber fühlen sich betroffen, so betroffen, daß Sie au! Grund nicht zu belegender Voraussetzungen den CV. vor Ihren Lesern bezichtigen, Ihrer Arbeit bitter Unrecht getan zu haben und von ihm verlangen, den fatix pas zu berichtigen, und daß Sie einen Menschen, der „sich übrigens der CV>Arbeit ständig widmet", bei Ihren Lesern diskreditieren, „er unterschieb« Tendenzen, die den Tatsachen ins Gesicht schlagen". Im Interesse der Reinheit innerjüdischer Auseinandersetzungen, die ich an dieser Stelle zu vermissen nicht erwartet hätte, darf ich Sie wohl meinerseits bitten, diesen „faux pa» zu korrigieren". Erwin Baer, Frankfurt a. M.

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