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Der Jugendbund · 1927-03-10 · 5 (10.3.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
5 (10.3.1927)
Date
1927-03-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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»o geehrt, habe er ihn abgefunden und könne ihn doch hängen lassen; aber Frau und Freunde sind überzeugt, es werde noch Schlimmeres' kommen. Voll böser Ahnung eilt Haman zum Mahle, das seinen Untergang herbeiführen sollte. Denn als der erzürnte König noch durch Harbona erfährt, Haman habe einen Galgen errichtet für Mordechai, befiehlt er, Haman daran zu hängen. Woher wußte das Harbona? Nun, als er kam, um Haman zum Mahle zu rufen, hörte er vor dem Hause die laute Unterhaltung und lauschte. So trug auch er zum Sturze Hamans bei, und das hat auch ihm den Dank der Juden eingetragen. Die moderne Purimgeschidite Im Kurfürslendamm-Westen irgendeiner der europäischen Hauptstädte, dem warmen Unterschlupf so vieler herumabenteuernder Antisemiteriche., Villa, Vorgarten, Gartenhaus. Am Kundfunk sitzt S. Exzellenz von und zu Haman und hört. Bogenzahlen. Börsenzahlen ... Er wird nervös. Es ist zum Nervöswerden. Aber: Aha! Endlich! S. Exzellenz merkt auf. Ahasveros spricht. Hm. Nicht übel. „. . . so wird mein Kanzler Haman beauftragt, jenes Volk möglichst gründlich ausrotten zu lassen." Nebengeräusche. Haman steht auf. Drückt den unvermeidlichen Klingelknopf. Und der Diener tritt ein. S. Exzellenz möchte abreisen nach — — Bukarest. Und Bukares! lic£t in Rumänien. Draußen brummt schon das Auto. Wenige Stunden Fahrt, und er ist in Sicherheit. Denn man kann nie wissen . . . Ein Ahasveros kann schwankend werden. Dann ist er, Haman, wenigstens gerettet. In Bukarest gibt es für S. Exzellenz keinen Galgen. Beim Wotan und bei allen ähnlichen Göttern! Was war jener persische Haman für ein unvorsichtiger Esel, daß er nicht beizeiten nach Rumänien abgedampft war! Kein Mordechai bitte ihm dort ein Härchen krümmen können ... .1 Die Exzellenz des zwanzigsten Jahrhunderts ist berechnender ... J. Raphael. Neueste Tataren-Nachrichten aus dem Verbandsleben Die New Yorker „Purim-Scbmonzette" erfährt über Jerusalem aus Cbikago, daß der berühmte Philantrop Moische W. Ichtig dem Jugendverband eine jährliche Subvention von 100 000 Dollar gestiftet hat, die zur freien Verfügung der Verbandsleitung bereits unterwegs sind. Aus diesem freudigen Anlaß veranstaltet der Jugendverband am 10. April 1927, abends, in Düsseldorf eine große Feier, zu d"er hiermit alle Verbandsfreunde und -freurvdinnen nebst ihren Angehörigen bis ins dritte Glied auf- und abwärts feierlichst eingeladen werden. Außerordentliche Genüsse durch das Programm, aus dem wir bereits auf Grund bester Informationen Einzelheiten zu verraten in der angenehmen Lag« sind, stehen den Teilnehmern an diesem großen Tage bevor; In aller Frühe, nachmittags 4 Uhr: Feierliches Wecken durch den Verbandsposaunenchor, unter Führung des Verbandsgeneraloberposa"unisten Fritz, der Einzigartige. Der Festakt selbst beginnt abends 8 Uhr. Die Eröffnung bildet ein Prolog „Ich und der Verband", vorgetragen von "Herbert, » dem Schönen, verfaßt von dem „Gassen"-dichter Siegfried Acharach. — Es folgt ein Fltitensolo „Zarte Töne" a-moll, vorgetragen und komponiert von Gustav, dem Ethischen. — Die nächste Glanznummer bildet ein xzent.riktanz des bekannten Groiesktanzpaares. Sulainith und Heinz (aus Elberfeld). — Als nächster bringt Aribert, der Ketzer, selbstverfaßte j e d i c h t e. (Ausführliche Aufklärung über Form, Sinn und ' Inhalt derselben gibt die Garderobenfrau.) — Im Mittelpunkt der Feier steht der :est Vortrag des berühmten Heinrich Boeßmann aus Gerr.n:tz, Jugendbewegungs&zegefreiter des Landsturms ohne geistige Waffe, über das Thema: „Die Jugendbewegung, der Nagel zu meinem Sarg e". (Nach dem Vortrag wird der bereits 10 Jahre in Benutzung befindliche, noch tadellos erhaltene Nagel herumgereicht.) Die Feststellung der „historischen Stunde" mit großer Orchesterbegleitung übernimmt in altbewährter Weis« Alfred, der Getreue. — Es folgt nunmehr ein Duett der Verbandskleriker Sebaldus und Kikiriki aus dem Oratorium „Hebräisch lernen unö) nicht verzweifeln". -U Den Beschluß des Abends bildet eine sensationelle Revue, in der sämtliche Vorstands- und Beiratsmitglie<ler tragende Hauptrollen übernehmen. (Vorstands- und Beiratsmitglieder haben nur tragende Hauptrollen.) Die Musik der Revue ist gestohlen, der Textverfasser ebenfalls unbekannt. — Während der Veranstaltung sammeln der Schatzmeister und seine zu diesem Zweck ihm angetraute Frau die fälligen Verbandsbeiträge ein. — Im Hintergrund organisiert Fritz, 'der Bonze (weil es vor 10 Jahren auch schon so war). — Ein großer F e s t b a 11 wird den Jubeliag beschließen. Der Festabend findet in dem das Gesoleidefizit repräsentierenden Planetarium statt. Dort können wir dann zum Schluß auch am besten wegen der 100 000-Dollarspende in den Mond gucken. Leider kann an dieser Festveranstaltung .des Jugendverbandes der Verbandsvorsitzende nicht teilnehmen. Er muß an diesem Tage in Hintertupfing, Kreis Oberbayern, den Gründungsvortrag für den neuen Jugend verein mit drei Mitgliedern unter 75. Jahren halten. — Es wird auch die Verbandsregierungsrätin aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen können. (Motto: Jedem jüdischen Verband seinen eigenen Regierungsrat!) Heil!1 Chasak!* Gut Purim! Ausführlicher Miß-Stimmungsbericht erfolgt in der nächsten Nummer des „Jugendbundes". Frisch. Als Gast Im Jugendverein in ... . Nach persönlichen Erfahrungen von Curt Friedmann, Düsseldorf. Da wir genau wissen, daß in manchen Vereinen nicht so gearbeitet wird, wie es geschehen sollte, veröffentlichen wir gerq die nachstehenden Ausführungen. Die Redaktion. I. Sagt mir, wie eure Generalversammlung ist, und ich sage euch, wie euer Verein ist. Ein mäßig gefüllter Saal, uninteressierte Leute, viel Gerede, dreistündige Dauer. Der Vorstand, der nicht genug tanzen ließ, legt sein Amt nieder; ihr hofft, einen neuen, gefügigeren Vorstand jetzt zu bekommen — ich hoffe es nicht. II. Da ist ein kleiner Junge (in eurem Sinne), der als einziger den Mut hatte, die Reden als das hinzustellen, was sie in Wirklichkeit waren, als Nonsens) Darob sich wieherndes Hohngelächter erhob. Brav, mein Kleiner, laß dich von solchen Leuten nicht unterkriegen. III. Da ist ein Zimmer mit vornehm gepolsterten Möbeln. Ein« tritt bei Todesstrafe verboten. Dort waltet der Vorstand seines ach so schwierigen Amtes. Wehe dem armen Vereinsmitglied, das sich unterfangen sollte, diesen geheiligten Raum zu betreten. Dort wird „gearbeitet". Da bekanntlich nach der Arbeil gut ruhen ist, setzt sich die Führerschaft nach den aufreibenden Sitzungen während der Vereinsabende an einen gesonderten Tisch zur Erholung. Wie käme sie auch dazu, sich unter den Plebs mischen. Immer Distanz halten, bitte! IV. Das tun aber nicht nur die Vorstandsmitglieder, o nein« Auch die Vcreinsmitglieder sind sehr vornehm und reserviert. Sozusagen nach der Höhe der Einkommensteuer geordnet. Der Osten will vom Westen nichts wissen, der Zionist nichts vom CVer. V. Es gibt in Deutschland eine jüdische Verbindung, die überall äußerst interessiert arbeitet (nur nicht jüdisch). So auch in..... Zu einem zionistischen Vortrag schickte einmal der CV. zwei Mitglieder dieses Tanzkränzchens in den Jugendverein, um in der Diskussion zu reden. Sie haben geredet, o ja, nur nicht in der Aussprache. (Dazu waren sie zwar geschickt, aber das schadet weiter nichts.) Mit netten Mädel«' unterhält man sich lieber, nicht wahr, ihr mutigen Helden?

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