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Der Jugendbund · 1927-02-10 · 3 (10.2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
3 (10.2.1927)
Date
1927-02-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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sches Waisenhaus, wo er als Direktor bis 1891 wirkte. Dann mußte er aus Gesundheitsrücksichten Palästina verlassen und ließ sich in Brüssel 'nieder, wo er bis zu seinem Tode, 1897, als Schriftsteller eine geachtete Stellung einnahm. Sein reiches Leben, das ganz dem Dienste des Judentums gewidmet war, verdient es wohl, unsallen als Beispiel vor Augen gehalten zu werden. Jo'mnn Heinrich Pestalozzi Zur 100. Wiederkehr seines Sterbetages am 17. Februar. Uebcr die Bedeutung des Schöpfers der modernen Erziehungslchrc irgendein Wort zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Viele werden sich wundern, wenn sie daran erinnert werden, daU Pestalozzi schon 100 Jahre tot ist, denn das, was er geschaffen, wirkt noch heute so Icbcndjg nach, daß es wohl keinen gebildeten Menschen gibt, dem der Name Pestalozzi nicht etwas ganz Bestimmtes tagt. Statt einer besonderen Würdigung bringen wir in folgendem die Vorrede zu seinem Volksroman „Licnhard und Gertrud", in dem er seine Ideen über Erziehung in vorbildlicher Weise niedergelegt hat. Diese Vorrede ist besonders für uns Juden interessant, weil sie zeigt, daß Pestalozzi auch dem Judentum vieles verdankt und sich dessen bewußt bleibt. Vorrede. Diese Bogen sind die historische Grundlage eine's Versuches, dem Volke einige ihm wichtige Wahrheiten auf eine Art zu sagen, die ihm in den Kopf und ans Herz gehen sollte. Ich suchte sowohl das gegenwärtige Historische als. das folgende Belehrende auf die möglichst sorgfältige Nachahmung der Natur und auf die einfache Darlegung dessen, was allenthalben schon da ist, zu gründen. Ich habe mich in dem, was ich hier. erzähle, und was ich auf der Bahn eines tätigen Lebens meistens selbst gesehn und gehört habe, sogar gehütet, n i c h t einmal meine eigene Meinung hinzuzusetzen zu dem, was ich sah und hörte, daß das Volk s.elber empfindet, urteilt, glaubt, redt und versucht. Und nun wird es sich zeigen; — sind meine Erfahrungen wahr, und gebe ich sie, wie ich sie empfangen habe, und wie es mein Endzweck ist, so werden sie bei allen denen, welche die Sachen, die ich erzähle, selber täglich vor Augen sehn, Eingang finden. Sind sie aber unrichtig, sind sie bloß das Werk meiner Einbildungen und der Tand meiner eigenen Meinungen, so werden sie, wie andere Sonntagspredigten, am Montag verschwinden. Ich sage nichts weiter, sondern ich füge nur noch zwei Betrachtungen bei, welche meine Grundsätze über die Art eines weisen Volksunterrichts ins Licht zu setzen geschickt scheinen. Die erste ist aus einem Buche unsers seligen Luthers, dessen Feder in jeder Zeile Menschlichkeit, Volkskcnntnis und Volksunterricht atmet. Sie lautet also so: __ „Die Heilige Schrift meint es auch darum so gut mit uns, daß sie nicht bloß mit den großen Taten der heiligen Männer rumpelt, sondern uns. auch ihre kleinsten Worte an Tag gibt, und so den innern Grund ihres Herzens uns aufschließt." Die zweite ist aus einem jüdischen Rabbiner, und lautet nach einer lateinischen Ueberselziing also: „Es waren unter den Völkern der Heiden, die rin^s umher und um das Erbteil Abrahams wohnen, Männer voll Weisheit, die weit und breit auf der Erde ihresgleichen nicht hatten; diese .sprachen: Lasset uns zu den Königen und zu ihren Gewaltigen gehn, und sie lehren, die Völker auf Erden glücklich zu machen. Und die weisen Männer gingen hinaus, und lernten die Sprache des Hauses der Könige und ihrer Gewaltigen, und redeten mit den Königen und ihren Gewaltigen in ihrer Sprache. Und die Könige und die Gewaltigen lobten die weisen Männer, und gaben ihnen Gold und Seide und Weihrauch, taten aber gegen die Völker wie vorhin. Und die weisen Männer wurden von dem Golde und der Seide und dem Weihrauch .bjind, und sahen nicht mehr, daß die Könige und ihre Gewaltigen unweise und töricht handeln an allem Volke, das auf Erden lebt. Aber ein Mann aus unserm Volke beschält die Weisen der Heiden, gab dem Bettler am Weg seine Hand, führtc_jias Kind des Dieben und den Sünder und den Verbannten in eine Hütte, grüßte die Zöllner und die Kriegsknechte und die Samariter wie seine Brüder, die aus seinem Stamme sind. Und sein Tun und seine Armut und sein Ausharren in seiner Liebe gegen alle Menschen gewannen ihm das Herz des Volkes, daß es auf ihn traute als auf seinen Vater. Und als der Mann aus Israel sah, daß alles Volk auf ihn traute als auf seinen Vater, lehrte er das Volk, worin sein wahres Wohl bestehe; und das Volk hörte seine Stimme, und die Fürsten hörten die Stimme des Volkes." Das ist die Stelle des Rabbiners, zu der ich kein einziges Wort hinzusetze. Und jetzt, che ihr aus meiner Stille geht, liebe Blätterl an die Orte, wo die Winde blasen, und die Stürme brausen, an die Orte, wo kein Friede ist — nur noch dies Wort, liebe Blätterl (möge es euch vor bösen Stürmen bewahren!) Ich habe keinen Teil an allem Streit der Menschen über ihre Meinungen; aber das, was sie fromm und brav und treu und bieder machen, was Liebe Gottes und Liebe des Nächsten in ihr Herz, und was Glück und'Segen in ihr Haus bringen kann, das, meine ich, sei, außer allem Streit, uns allen und für uns alle in unsere Herzen gelegt. Aus andern Lagern Bierville Da hat irgendwo im letzten August ein Kongreß stattgefunden: es gibt gar viele Kongresse, viele im August, viele irgendwo und anders. Es war ein internationaler Kongreß: es gibt unzählige internationale Zusammenkünfte. Es war auch ein demokratischer Kongreß: es gibt aber auch viele, vielleicht zu viele — demokratische Tagungen. . Die große und kleine Presse, insbesondere die deutsche und französische, hat Berichte über Berichte gedruckt, hat dazu und dagegen Stellung genommen, hat mit segnender Liebe gesegnet und hat mit fluchendem Haß geflucht: denn es war ein pazifistischer Kongreß. International, demokratisch, pazifistisch! Das alles war der Kongreß, der im August 1926 zu Bierville in der Ile-de-France, im Herzen Frankreichs, tagte. Aber all' das, es gäbe uns kaum zwingende Veranlassung, uns mit dieser Tagung in diesen Blättern zu beschäftigen. Da wir es trotzdem tun, es tun in einer Zeitschrift jüdischer Jugend, muß es in einem unzweifelhaften Zusammenhang stehen mit unserem Jungsein und mit unserem Judesein, Und welches ist dieser Zusammenhang? Es ist nicht einmal der Umstand, wie manche meinen klauten, daß schon im Wesen jeder Demokratie, im Wesen jeden Pazifismus' sich spezifisch Jugendliches verberge. Das mag sein; man kann es bejahen und man kann es verneinen. Aber es hieße eine solche Theorie die „Jugend" doch, sehr verweiten und verwässern. Hier ist es aber etwas ".öderes und etwas mehr. In Bierville nämlich treffen sich auf dem sechsten internationalen demokratischen Friedenskongreß 6000 Menschen aus 40 Staaten, Pazifisten-Demokraten aus den meisten Ländern der Welt,, aus den meisten Völkern, fast allen Religionen. Und sie behandeln in Diskussionen, Kommissionen und Massenversammlungen das eine Thema: „Der Frieden durch die Jugend". Das verdiente sicherlich unser Interesse und unsere Teilnahme. Daß sich aber mit diesem Kongreß ein „Internationaler Freundschaftsmonat der Jugend" verbindet, daß sich einige tausend junge Menschen in wochenlangem Nahescin näherkommen, das zwingt uns als Junge nicht nur unsere Teilnahme ab, sondern drängt uns sogar zum Teil« haben an diesem Ereignis, Vor mir liegt in einem gewichtigen Buch*) der Bericht, den deutsche Kongressisten, Teilnehmern und Nichtteilnehrrterri übergeben. Wenn du diese 250 Seiten durchliest, wenn dir die zahlreichen künstlerischen Lichtbilder Freude machen, dann durchläuft dich ein warmes Gefühl: Du erkennst als richtig, was einer der Führer der deutschen Jugend auf dem Kongreß *) „Die Tage von Biefville", ein Bericht, verlag, W Ulzburg, 1926. JIL Werkbund.

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