Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1927-02-10 · 3 (10.2.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
3 (10.2.1927)
Date
1927-02-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492456-6352305-6352507--0332-4928520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

für die Tat aufbringe, da die Juden nicht davon abließe*, die rumänische Nation zu insultieren (d. h. Juden wagen es im Jahre 1926, sich dafür einzusetzen, au rumänischenrUniversitäten studieren zu können). Für diejenigen, die es noch nicht wissen —'Rumänien ist Mitglied des Völkerbundes. Tragikomödie. Fben sind die Nacl,richten von Judenverfolgungen, Judenmord und Numerus clausus in die Welt hinausgegangen, da erscheint Rumäniens tfilruscliauspielernde) Königin Marie in Amerika. Dort wohnen zahlreiche rumänische Juden. Was tun sie? Machen sie ein Bombenaücntat? Protestieren sie in der Presse, in der Ocflcntltchkcit gegen ein solches Regime, dessen Repräsentantin besagte Marie ist? Nein, dafür ist man zu erzogen, man könnte vielleicht meinen, daß sie es frei nach Nietzsche 'vorgezogen hätten, sich „ienes spitzbübische und heitere Laster zur Gesellschaft zu wählen, die Höflichkeit". Denn es geschah also, wie die Ita' berichtet: „Die Königin Marie von Rumänien besuchte heute in Chikago die neuerfcaule Synagoge der rumänischen Juden--1--. Die Königin hielt eine Ansprache an die Versammelten, in der sie erklärte, die Juden in Rumänien seien ein wichtiger und geschätzter Teil der rumänischen Bevölkerung." Drei (d—r—e—i) Frauen, die einen Protest wagten, wurden von der Polizei entfernt. Byzantinismus scheint selbst im freien Amerika zu Hause zu sein. Lesenswert ist ein Artikel über Rumänien in Nr. 55 der CV.-Zeitung von Dr. Paul Nathan. ' Der bayerische 'Partikularismus wirkt sich auch im jüdischen Leben aus. Der Verband der bayerischen Juden erwarb sich das zweifelhafte Verdienst, die Einheit des deutschen Judentums vorläufig zunichte gemacht zu haben, indem er nur einen Reichsverband der deutschen Juden für diskutabel erklärte, der als Gesamtverbaad aller Landesverbände (d. h. Rheinpfaiz, Hessen, Sachsen, Mecklenburg, Preußen, Bayern usw.) zustande käme. Das hieße mit anderen Wprten, die zum Teil nach einem "von demokratischen Gesichtspunkten aus unmöglichen Wahlsystem zustandegekommenen Landesverbände wählen ihre Delegierten, die dann den Reichsverband konstituieren würden. Wir hätten somit die Situation gehabt, daß nicht die Gesamtheit der deutschen Juden, condern Notabcln, Cliquen, die sich im Leben draußen Demokraten nennen, diesen Verband gebildet hätten. Es bleibt das Verdienst des preußischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden, daß er dieses undemokratische Monstrum einstimmig abgelehnt hat. Da die preußische Organisation die große Mehrheit der deutschen Juden umfaßt, "ist damit dieser Plan gescheitert. Es bleibt jetzt noch der allein mögliche Weg — Bildung eines Reichsverbande«, der sich aar den gewählten — nicht ernannten — Vertretern aller deutschen Juden, West- und Ostjuden, Männern und Frauen, die das wahlfähige Alter erreicht haben, zusammensetzt. Sich hierfür einzusetzen, wäre eine Aufgabe des Verbandes. Ich warte auf Taten in der Richtung. Am 15. Dezember 1926 wurde in Berlin ein „Pro Patästtna- Conritc" gegründet. Ihm gehören u. a. an Graf Bcrnstorlf, Botschafter a. D.t der preußische Kultusminister Professor Dr. Becker, Paul Löbe, Thomas Mann, Oberbürgermeister Dr. h. c. Adenauer (Köln), Prof. Dr. Sombart, Prof. Kahl, Vertreter der Reichs- und Staatsrcgicrung und eine große Reihe führender Persönlichkeiten aus allen Lagern. In seinem Programm erklärt das Komitee, „daß der Aufbau der im Palästinamandat vorgesehenen Heimstätte für das jüdische Volk als ein, Werk menschlicher Wohlfahrt und Leistung Anspruch auf die deutschen Sympathien und die tätige Anteilnahme der deutschen Juden hat . . ." Der Palästinagcdankc hat damit eine große Zahl nichtjüdischer Freunde für »ich gewonnen. Houston Stuart Chamberhin ist tot. Damit ist der ,vom Glauben an die Auserwähltheit des arischen Menschen durchglühte Engländer, de? Deutscher .wurde mit einer fanatischen Ueberbetoriung seines Deutschturas nach Art aller Konvertiten, von der Bühne abgetreten. In seiner Bayreuther Villa, dicht neben der Richard Wagners, lebte er, den die einen für einen Propheten und großen Künder neuer Dinge hielten, der leidenschaftlich verehrt wurde, während die anderen in ihm einen großen Phantasten sahen. Seine „Grundlagen", in denen er die Ariertheorie wissenschaftlich begründen wollte, war ein einziges Glaubensbekenntnis, jedoch keine - wissenschaftliche Leistung.! - ] ■ Noch immer gibt es jüdische Gemeinden, vor allem im Ruhrgebiet, die mit allen Mitteln die aus dem Osten stammenden Juden — Besuche bei Ministern, Regierungspräsidenten — vom Wahlrecht zu den jüdischen Gemeindevertretungen ausschließen wollen. Notabein, zum Teil noch nach Vorkriegswahlrecht gewählte Gemeindevorstände, erklügeln die interessantesten Wahlbcstimmungen, einzig und allein „in Wahrung des Interesses (Verzeihung) Belange) der alteingesessenen deutschen Juden". Haben wir nicht davon schon mal Bekenntnisse zur jüdischen Einheit gehört? Ist nicht unser Verband der Bannerträger dieser Einheitsidee? Doch man hört keine Aeußerung unserer Führer. Merkt es euch aber gut, ihr Gemeindevertreter, wir dulden es nicht, wenn Juden ihrer Herkunft wegen zu Gemeindeamt gliedern zweiter Klasse, aber mit dem erstklassigen Recht auf Steuerzahlung, gemacht werden. Wir nehmen es mit unserer Einheitsidee bitter ernst. Oder gibt es auch Leute unter uns, für die sie nur ein literarisches Bekenntnis ist? . Haben Sie schon die Forsyte Saga gelesen? Von dem Engländer . . . wie heißt er doch? Ich glaube . . . Galsworthy (sprich: „Galsworti"). Ganz unter uns gesagt: ich hasse diesen Forsyte-Typ. Er muß aus den jüdischen Gemeindestuben heraus, aus den Vereinen und wo wir ihn treffen, da muß er bekämpft werden. Randbemerkungen „Nathan der Weise", Leasings erhabener Lobgesang der Menschlichkeit und Güte, wurde uns in Chemnitz vor einiger Zeit von Ludwig Wüllner, dem Altmeister klassischer Bühnenkunst, wieder einmal nahegebracht. Aus lieblicher, menschlich so wohltuender Umrahmung hob sich nachhaltig und eindrucksvoll jene zeitlos-zukunftsträchtige Parabel von den drei Ringen zu seelischer Kraft empor. Humanität . . .. Menschenliebe . . .! Die. bayerische Filmprüfstelle glaubte den Film „Nathan der Weise" wegen Gefahr der Aulreizung verbieten zu müssen. Ein Jude stände im Vordergrunde des Interesses, und hieraus könnten Störungen der öffentlichen Ordnung mit erregten Auseinandersetzungen und vielleicht gar Tätlichkeiten entstehen, sagte ein Sachverständiger. (Die Oberprüfstelle verhütete, wie man hört, die Kulturblamag« eines solchen Verbots.) Wie seltsam! Wenn Press« und Flugblatt, Verleumdung und Hetzred« Juden willkürlich in den Vordergrund des Interesses zerren und damit Störungen der Ordnung und Schlimmeres nicht nur nicht im geringsten fürchten, sondern bewußt herbeiführen, dann ist der Schutzeifer der „Sachverständigen" durchaus nicht immer so groß; Staatsanwälte lehnen ab: der Fall läge nicht im Bereich „öffentlicher Belange", ein Schmu tz- und SchuadgeaeU wird bedauernd erklären: für Politik nicht zuständig — und man wird lustig weiter stören, erregt auseinandersetzen und taten. , . Lieber Gotthold Ephraim (die Namen klingen so herzlich warm und stammverwandt), deines Hohenliedes der Toleranz eingedenk wollen wir gutwillig annehmen, das Filmamt sei eben moralischer als die anderen und habe, in Hochachtung vor deinem Geiste, deinen weisen Juden wirklich von einem Weniger weisen Pöbel schützen wollen, der vielleicht darauf wartet«, ihn zu verbrennen , . . und in der Hätz' gleich noch andere mit ihm. ... Du aber sollst weiter sanft und friedlich ruhen. Und wenn du zufällig, gutmütig und weise lächelnd, zur Erde herabblickst, um zu schauen, ob die Menschenkinder in ihrem rätselvollen Wandel dir schon ein Stück nähergekommen sind, dann wirst du wahrnehmen, daß dir dein Name als Klassiker auch aber diese so-wenig „klassischen" Zeiten verbleibt. Freilich, dein erster Titel, ständest du heute auf, wäret Judengenossef *- J. W. „Christen um Kriegerverein?" In dem Januar-Nachrichtenblatt des (auf christlich-religiösem Boden stehenden) Internationalen Versöhnungsbande« schreibt Pfarrer Dr. Hans Hartman« mutige Sita« über daa

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.