Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (10.2.1927)
- Date
- 1927-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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f Zeiten bedroh-, aber sie konnlen es nicht überwältigen und verzehren. (Vers 2—4.) Der Prophet ruft in poetischem Ueberschwang die Himmelsgegenden an und fordert sie auf, Israel zurückzugeben. Israel, das, wie er hier schon andeutet, dieser Gottesliebe gar nicht wert ist. Sic sind ja blind — für die wunderbare Hand Gottes in ihrem Schicksal, and taub — für seine Lehren und Mahnungen. Auch an diesem Propheten erfüllt sich, was zum tragischen Beruf der Prophctie gehört, daß er tauben und gleichgültigen Ohren predigen muO. Aber auch wenn Israel Gott nicht begreift, so ist es doch Gottes Zeuge. Sei es auch nur durch seine Geschichte, die beweist, daß G"tt allmächtig und treu ist, sein Wort hält nnd rettet. Schon darum müssen sie, auch wenn sie dessen eigentlich anwürdig sind, jetzt erlöst werden. (Vers 9—13.) So legt denn der Heilige Israels Hand an Babel. Offenbar redet der Prophet als Zeitgenos'e der Eroberung durch Cyrus, doch noch vor der Erlaubnis zur Rückkehr. Auch dieser Heimzug nach Kanaan wird kommen. Gegen ihn wird der Zug einst aus Aegypten «in Nichts sein. (Vers 18.) Gott selbst bereitet Israel den Weg, den der Prophet ausschmückend wie ein Dichter schildert. Dann wfrd Israel Gottes Lob verkünden, dazu und nur dazu hat Gott es geschaffen. . (Vers 21.) Sein Bcnit ist ' nicht wie andere Völker durch Macht. Kanst und Wissenschaft die Menschheit zu fördern. Israels einzige Anfgabc ist die Religion. Nur darin ragt es über die andern hervor. Aber wie immer, wenn der Prophet einen neuen Ausdruck kraftvoller Begeisterung für die Berufung Israels gefunden hat, kommt ihm wieder zum Bewußtsein, wie sehr •ein Volk von diesem Ideal entfernt ist. Was ist dem Israel, wie es die Erfahrung heute und damals zeigt, »ein Gott? Nicht einmal Opfer bringen sie ihm (Vers 23), und werben s<> wenigstens äußerlich um seine Liebe, wie ein Bräutigam um «eine Braut, oder Bezeigen ihre Rene über ihren Abfall. Sie machen Gott nur Kammer durch ihre Sünden und Verfehlungen. Wie schon „ihr erster Vater" (Jakob?), nachdem sie sieb Israel nennen, durch Schnld und Irrtum hindurchging, freilich scJHießlich obsiegte und der Kämpfer Gotte« wurde. Deshalb sagt der Prophet (Vers 25) ist es nur um seinetwillen, daß Gott Israel erlöst. Er hat die größte Liebe, die keine Gegenliebe verlangt. Inniger kann man nicht Gottes Hinneigung zu Israel schildern. Nur ein Prophet, der ebenso innig und ohne Gegenlieb« seinem Volke zugetan war, konnte to sprechen. 4. Jesaja. Kapitel 45, Vers 1 bis 9, 11 bis 13, 17 bis 25. Auerbach Nr. 39. Gott hat Cyrus berufen und ihm Sieg gegeben. So sieht der' Prophet die Weltgeschichte. Völker und Könige. Hroberer und Sieger arbeiten für den Heilsplan Gottes, auch wenn sie nichts von ihm wissen. Denn wessen Werkzeuge sollten sie sonst sein, da ja doch alles ihm sein Dasein zu verdanken hat? Gottes Pläne sind für Deutero-Jcsaja xor allem xwei: das nahe Ziel ist Israels Erlösung (Vers 4) und das ferne die Gotteserkenntnis von der Sonne Aulgang bis zta ihrem Niedergang fVers 6). Israel bat wirklich von Cyrus die Erlaubnis bekommen, heimzukehren, die Verbreitung der Gottes, erkenntnis aber durch den Gang der Geschichte beginnt eben durch solche Propheten sich zu erfüllen, die als erste' einen Zusammenhang behauptet haben, zwischen dem Sittengesetz und dem Ergchen der Völker und auch dem Bereich der Geschichte sein sittliches Kausalgesetz gegeben haben. In Vers 7 kämpft der Prophet vielleicht gegen den Dualis, mus der persischen Religion an, die'statt der Einheit des Göttlichen die Macht der Finsternis und die Macht des Lichtes voneinander scheidet: Ormuzd und Ariman. Zum sittlichen Gotlesjjauben der Bibel gehört es, daß auch das Uebel in der Welt, das Unglück, das uns trifft, eise Schickung Gottes ist. Erst darin offenbart sich die erlösende Kraft des Glaubens ganz, daß sie — und nur sie — den Menschen dazu bringen kann, Gott für das Schlimme ebenso wie für das Gute zu danken. (Wie es die Mischna in Berachot 9 verlangt.) Auch das Denken verlangt gebieterisch die Einheit Gottes, Das Rätsel des UebeU müssen wir in Kauf nehmen, zumal es auch als Rätsel sittlich fördert. Israel wird für immer geholfen. (Vers 13.) Das ist der Ausdruck dafür, daß das Heil in Gott zu suchen die einzige Rettung für den Menschen ist, die ihn aus allerNot desLebens und seiner Kämpfe dauernd befreien kann. Für die Bibel und das Judentum heißt aber „sein Heil in Gott suchen" n.cht sich von der Welt abkehren, sondern in ihr arbeiten. Diese ist nicht, wie das Christentum es ansieht, unabänderlich schlecht und „wert, daß sie zugrunde geht". Wie sollte sie Gott sonst geschaffen haben? „Nicht zur Einöde hat er sie geschaffen, zum Wohnsitze hat er sie gebildet" (Vers 14.) Der Mensch hat die Pflicht, diese göttliche Absicht, die in die Wel! hineingebildet ist, zu verwirklichen. Deshalb ist dieser Vers für das talmudische Judentum die klassische Belegstelle geworden für die Pflicht des Menschen zur Fort- Pflanzung seines Geschlechts. (Mizwas Priio Urewijo.) Für eine pessimistische Wcltansicht müßte es eigentlich ein Verbrechen sein, Kinder in die Welt zu setzen. Der Mensch darf nicht jammern, daß die Welt schlecht sei. aber auch nicht klagen, daß ihm ihr Sinn und die göttliche Wahrheit verborgen bleibe. ' (Vers 15.) Das Judentum ist Offenbarung, d. b. es ist nicht ein Mysterium für einen kleinen Kreis Auscrwähiter, sondern die jedem zugängliche Lehre von der Wahrheit und Gerechtigkeit. So Endet denn der Prophet zum Abschluß noch einmal wunderbare Worte für die Ausbreitung dieser Erkenntnis. „Wendet Euch zu mir, alle Enden der Erde, so wird Euch geholfen werden/' Einst werden alle sich der Wahrheit zuwenden, vor ihr das Knie beugen und bei ihr schwören. Sie werden sich ihrer früheren Torheit schämen. Den Glauben, daß es einst so kommt, bekennt das Judentum mit diesen Prophetenworten am Ende jedes Gottesdienstes im Olenu.. das auch der Höhepunkt unseres Gebetes am Ntujahrstage ist. Dieeer Hoffnung darf Israel sieh rühmen. (Vers 21.) Streifzüge durch die Gegenwart Von Hans Capell, Düren. Unbeachtet von vielen Juden spielt sich ein Stück jüdischer Gegenwartsgeschichte vor unseren Augen ab. MeisV ist sie düster, ab und zn erhellt durch einen Silberstreilen des Erfolgs am bewölkten politischen Himmel. Doch immer wieder erweist sich der schöpferische Genius der Juden in Werken bleibender Natur. , Den Pogromen der Nachkriegsjehrc in der Ukraine stehen wir schon etwas fern. Aber dunkle Erinnerungen tauchen auf, wenn man hurt, daß Schwarzbard. ein ukrainischer Jude, ta Paris auf dem Boulevard St. Michel den ukrainischen Hetman Pctlmra erschossen bat. Die Herrschaft djeses Mannes ist eines der schwärzesten Kapitel in der Geschichte der ntssischen linsbesondere der ukrainischen) Juden, in den Nachkriegsjabren zogen die raubenden und mordenden Banden des Hetmans durch die Ukraine — das Blut der Juden .war die Spur, die sie überall hinterließen. - Juden wurden abgeschlachtet, beraubt, verbrannt, Frauen und Mädchen geschändet, all' «W mußte Scaw*ribard ta nächster Näh« miterleben. Seme Familie war unter den Pogromopfern. Es grub sich tief in seine Seele ein. bis die seelische Spannung »ich in dem Schuß auf dem Pariser Boulevard entlud und den traf, der als der Urbeber dieses Jndenleids — wenn auch nur dadurch, daß er die Pogrome seiner Truppen duldete — angesehen wird. Wir können die Tat nicht billigen, wir begreifen aber den Aufschrei eines von entsetzlichen Erinnerungen jener Tage" ^gepeinigten Herzens. Rumänien, das klassische Land des Antisemitismus, meldete auch seinen fälligen Judenmord. Der Student David F a 11 i k . der es gewagt hatte, gegen den beispiellosen Terror an den rumänischen Universitäten zu protestieren, stand vor Gericht, weil er die rumänische Nation insultiert hätte. Die Richter waren noch gnädig. Aber am Ausgang des Gebäudes erwartet ihn der „Rächer der rumänischen Nation" und erschießt den jungen jüdischen Studenten. In der Kammer ^ibt hierauf ein rumänischer Minister die Erklärung ab, daS er den Zwischenfall zwar bedauere, aj>ec denaoea atwaa' Verständnis