Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (10.2.1927)
- Date
- 1927-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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entsprechenden Widerhall im Gebiet der praktischen Wirklichkeit. Wo euch ein Unwert vorzuliegen scheint, bleibt euch die Möglichkeit des Ausweichens. Ihr könnt euch' distanzieren zum Gegenstand eurer Verachtung, da nach eurem Dazutun nicht gefragt wird. Man erwartet euch nicht, nicht insofern ihr bewegte Jugend seid, die Jugend des neuen Geistes, sondern insofern ihr überhaupt Jugend seid und darum im Formenkreis weltlich-öffentlicher Gestaltungen als durchaus einflußloses Element betrachtet werdet. Bei euch ist es ein Aussetzen, wo beim Judentum ein Auseinandersetzen zwingend und unausweichlich aussteht.. Das ist gewiß nach der Richtung ein Vorteil, als die vom Handgemenge mit den realen Mächten verschonten Kräfte zur Verkündigung, nach außen hin frei sind. So leicht ist es dem Juden, den, wohlverstanden, eine . allgemeine, weltliche Aktivität immer wieder zur Begegnung führt, nicht gemacht. Man erwartet ihn, nicht eben sofern er Jude ist, sondern insofern er einem beruflichen wirtschaflsgestaltcnden, gesellschaftlichen Kreise zugehört. Auf dieser Seite wird in heftigem Nahkampf über die Vorherrschaft der einen oder anderen Bindung entschieden werden müssen.; Ihr nennt euch jüdische Jugend, tragt also vom Segen und Unsegcn beider Reiche in euch. Als ergriffene , Jugend dürft ihr Grenzen ziehen, ohne sie zu betreten, als ergriffene Juden werdet ihr in das Kampfgebiet ringender Gestaltungsmächte hineingedrängt. Habt ihr auch den Mut und die Kraft, dort nein zu sagen, wo ihr. mitgezählt seid, wo man euch erwartet? Eine Bildungsgemeinschaft, an ihrer Spitze eine Autoritätsperson, der ihr verpflichtet seid, macht meinetwegen am Sabbat irgendeine Veranstaltung, die gegen den jüdischen Sinn dieses Tages verstößt, mit der religiösen Ucbur.g in Widerspruch steht. Man erwartet euch. Werdet ihr sagen: lieber diesem Tag steht ein heiliger Gedanke, dem ich unterworfen bin. An jedem anderen Tage teile ich mich in die Welt, teilt sie sich in mir, aber heute steht mein ungeteiltes i Ich der ungeteilten Welt gegenüber. Es soll der Frage nicht nachgegangen werden, ob ihr die Kraft der Absage auch hier aufbringen werdet, wo ihr euch gegen das Wie und Warum zu wehren habt, ob ihr den spöttelnden und verwunderten Blicken standhalten werdet in diesem Falle, da nicht die beruhigende Gewißheit, daß die vielen hinter euch stehen, Erleichterung und Entsatz im Kampfe schafft. Hier liegt der Prüfstein vor euch. Soll das Nein der Jugend überzeugen, so mag es sich bewähren am Nein des Juden. Die Begeisterung, die in unproportionierter Massigkeit ihren ideellen Kern übertönt, ist in Gefahr, zur Phrase zu werden. Wo sie den Widerstand leiblich fühlt, wo sie es auf den Kampf ankommen läßt, ist auch die Gefahr vorüber. Ihre Versteifung ■ rur Wehr ist schon der Triumph, der triumphale Erweis ihrer Echtheit und Ehrlichkeit. Der Augenblick, da Widerstände nicht bloß in Fernsicht sich zeigen, sondern da ihr sie anrührt und eindrückt, kann eine Wende, das Geburtswunder neuer Geistesinhalte bedeuten. Die Kraft des Neinsagens wird umgebogen in die Kraft des Jasagens. Der Nahkampf zwingt euch mit der Panzerung der Geistcsgewärtigkeit euch zu versehen, eure Idee mit Worten zu umstellen. Auge in Auge mit dem Gegner werdet ihr Schwächen an euch entdecken. Die Verschiedenheit der Kampfformen macht es nötig, neue Waffen hervorzuholen, euer Wissen vom Judentum z'i vermehren und zu vertiefen, um dadurch die Kampfstellung zu verbessern. Und schließlich ist nicht mehr das das Wesentliche, daß eure Idee, euch anführend, unversehrt blieb und sich durch das Gewühle der Begegnungen rettete. Die wertvolle Beute aus dem Streit der Rechtfertigung des Eigenen ist der positive Wissensbesitz, der zunächst nur als das Kampfmittel vorgesehen war. Damit ist auch der Gedankenkern, den die Schwärmerei, der Ueberschwang gleichsam aus Not geboren hatte, damit er ihm Seinsträger sei, erstarkt. Er ist Regent geworden im Kreise seiner Wallungen. Er fühlt nicht mehr nur sich selber als Spannung und Vermögen, sondern er weiß neben sich ein gewisses, raumerfül'.tes Maß von Wissensinhalten. Die Linie ist von der Minus-Seite der Verneinung hinüber auf die Plus-Seite gewandert. In dem Punkte seines Wachsens, wo der Ideenkern im Gleichgewicht lag mit den ihn umflutenden Gefühlsmassen und sich stark fühlte, den Widerständen des realen Lebens kämpfend gegenüberzutreten, ist das Nein stehengeblieben und als Ja furtgewachsen. / . Es könnte der Verdacht entstehen, als würde von euch gefordert, daß ihr das, was euch als Jugend vorwiegend eigentümlich ist, preisgeben und euch als Vorspann für jüdischgeistige Zwecke hergeben sollt. Ihr könntet befürchten, daß man eure mit der Anerkennung des Eigenwertes gesetzte Selbständigkeit antasten und euch in die sekundäre Stellung eines Anhängsels oder Vortrabs herabsetzen wollte. Davon kann keinen Augenblick die Rede sein. Im Geistigen kann man sehr wohl der gleichberechtigte Bürger zweier Reiche sein. Zudem sind das Grundgefühl jugendlicher Gegnerschaft mit seiner Zuspitzung im Nein und das Ja des Judescins mit seiner Schwerpunktlage im Intellektualistischen von durchaus ungleicher Qualität. Ihre Polarität liegt nicht auf derselben Horizontalen. Deshalb könnte eine Verbindung beider niemals ein Aufgeben und Aufgehen eines von ihnen zur Folge haben. Beide sollen sich aneinander erproben, um voneinander Gewinn zu haben. Erkennt ihr die von euch genährte Idee des Reinen und Wahren wieder im Judentum, erblickt ihr unter seiner transparenten Formenschicht das fließende Abbild der eigenen Bewegtheit, so wird ein Doppclstrom klarer Geistesmacht, zu verjüngter Lebendigkeit sich vermählend, vor euch aufschießen. Im Judentum liegt der stärkere Trieb zur Formung, zum gestaltlichen Ausdruck. Durch die Sprengminen der entgegengesetzten Wirklichkeit durchbrechend, schließt er Tiefen auf, bereichert um objektive Wissenswerte und bildet anderseits eine wirksame Belastungsprobe für die Tragkraft der Idee, der ihr als neue Jugend entgegengrüßt. Niemand verlangt von euch, daß ihr das stolze Recht des Gründers verratet an die strenge Pflicht des Erben, aber jeder wünscht, daß ihr euch als das erweiset, was sich aus dem Zusammenklang beider ergibt: Erneuerer. Die Bibel im Heimabend Der zwei Von Rabbiner Dr. E r a 3. Jesaja Kapitel 43, Auerbach Nr. 37. Eine Rede, in welcher der Prophet wieder seine beiden innerlich miteinander zusammenhängenden Lieblingsgedanken au-.führt: von der Erlösung Israels und der Einzigkeit und Allmacht Gottes. (Siehe zu Kapitel 40.) Welche Mutlosigkeit muß zu dieser Zeit Israel befallen haben, wenn der Prophet ihm immer wieder zuruft, sich nicht zu fürchten. Kein Volk hatte mehr Grund zu verzweifeln als Israel damals und heute. Eine ohnmächtige Minorität und unter die Völker zersprengt zu sein — das war damals und ist heute unser Schicksal. Nach rein irdischen Berechnungen 1 mußte es stets darauf gefaßt sein, spurlos unter den anderen zu verschwinden. Der Prophet setzt dieser Mutlosigkeit das Bewußtsein entgegen, daß Israels Schöpfer auch, sein Erlöser ist. Der himmlische Meister wird wie ein irdischer nicht sein Werk der Vernichtung preisgeben, denn er liebt es (Vers 1), und diese Liebe ist so groß, daß sie bereit ist, alles andere für du geliebte Wesen hinzugeben. Gatt liebt Israel, wie te Jesaja. st Jacob-, Saarbrücken. Israel Gott lieben müßte und wie Abraham ihn wirklich geliebt hat, der seinen einzigen Sohn opfern wolfte. Der Prophet muß diese Liebe Gottes seinem Volke auf das eindringlichste dartun, deshalb greift er zu dem überschwenglichen Ausdruck, daß Gott für Israels Leben Menschen und Völker hingebe. Es ist das wohl als eine rethorische Uebertreibung eines Redners aufzufassen, der seine Zuhörer überzeugen muß. Daß damit nicht die anderen Völker als Gott gleichgültig hingestellt werden sollen, ist bei einem Dcutero-Jcsaja nicht zu bezweifeln; ihm liegt ja das Heil für alle Völker bis an die Enden der Erde wie keinem anderen Propheten am Herzen. Propheten Sind keine Professoren, die stets kalt und objektiv bleiben dürfen, sondern .leidenschaftliche Volksrcdner, die manchmal um der Wirkung willen subjektiv sprechen müssen. Und doch ist es eine wahre Schilderung der echten Liebe, für die alles auf der Welt vor dem Geliebten verschwindet. Für Israels Schicksal findet der Prophet hier wieder ein einzigartiges Bild; Mit Wasser und Feuer bat man es zu allen