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Der Jugendbund · 1926-12-30 · 24 (30.12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
24 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHES LEBEN IN RHEINLAND UND WESTFALEN Aus den Gemeinden Düsseldorf Außer den Chanukkafeiern de« Jugendvereins landen zahlreiche Kinderfeste und Tanzvergnügungen in den verschiedenen jüdischen Organisationen der Gemeinde statt, die alle sehr anregend verliefen, aber doch den Wunsch nach einer gemeinsamen Feier, wenigstens für die Kinder, wachriefen. Hervorzuheben ist das große Fest des Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Juden, das alle Kreise der Gemeinde vereinigte, und die interne, von viel Liebe zeugende Feier im jüdischen Handwerkfrrlehrlingsheim. In der neugegründeten Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes sprach vor 450 Zuhörern Rabbiner Dr. Eschelbacher über Werfeis „Paulus unter den Juden". Den anregenden Vortrag, über den in interessierten Kreisen lebhaft gesprochen wird, umrahmten Gesänge des Kantors Altschul aus Elberfeld, der auch in den Aufführungen des hiesigen Schauspielhauses die kantoralen Gesänge vorträgt. In einer öffentlichen.Versammlung der Jüdischen Volkspartei sprach am 19. Dezember Rechtsanwalt Dr. Eppstein, Duisburg, über: „Aufbau und Aufgaben der jüdischen Gemeinde." Die Wirkung des bemerkenswert objektiven Vortrages litt darunter, daß der Referent die Frage des passiven Wahlrechts der Ausländer zum Schaden anderer wichtiger Fragen der gegenwärtigen jüdischen Gemeinde allzu stark in den Vordergrund rückte. Die Diskussion, in die auch unser Verbandsfreund Herbert Felsenthal eingriff, beschäftigte sich in erster Linie mit der praktischen Anwendung der Eppsteinschen Forderung auf die hiesige Gemeinde. Die Haltung der Zuhörerschaft zeigte leider die unbeabsichtigte Aufputschung der Gemüter vieler Gemeindemitglieder durch das bekannte Flugblatt der zionistischen und ostjüdischen Organisationen gegen die statistischen Fragen des Vorstandes der Gemeinde. Es steht jedoch zu hoffen, daß diese über Gebühr beachtete Angelegenheit bald zugunsten wichtigerer Fragen vergessen wird. Gelsenkirdien In einem von der Synagogen-Gemeinde einberufenen und von Herrn Rabbiner Dr. Galliner geleiteten Vortragsabend sprach am 6. Dezember 1926 im Berliner Hof Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf, über: „Die Bedeutung der jüdischen Religion für die europäische Kultur." Der Redner gestaltete den Vortrag besonders interessant durch seine Ausführungen, die er in bezug auf das Thema über Werfeis dramatische Legende „Paulus unter den Juden" machte. Reicher Beifall lohnte Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher für seine gehaltvollen Ausführungen. Herr Rabbiner Dr. Galliner erklärte, daß fortan weiter derartige Vortragsabende veranstaltet werden sollen und zu diesem Zweck der seit Jahren ruhende Verein für jüdische Geschichte und Literatur wieder ins Leben gerufen wird. Am gleichen Abend wurden eine Reihe Aufnahmen getätigt] O. G. Kreuznach Unser allverehrter Rabbiner, Herr Dr. Tawrogi, der vor kurzem krankheitshalber sich vom Amte zurückziehen m e, feierte in voller geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Die herzliche Anteilnahme der ganzen Gemeinde, aller jüdischen und nichtjüdischen Organisationen und Behörden zeugte von dem Danke, der dem Jubilar für sein bald vierzigjähriges* Wirken gezollt wird. Auch wir wünschen dem warmherzigen Freund der Jugend, der um den Kreuznacher Jugendverein sich große Verdienste erworben hat, einen recht angenehmen Lebensabend. , Aus den Bünden Chanukkafeiern in unseren Bunden lieber die Chanukkafeiern sind uns derartig viele Berichte angegangen, daß es unmöglich ist, sie im Wortlaut zu bringen. Wir beben deshalb nur das Wichtigste aus den Berichten hervor und bitten die Einsender, über das summarisch« Verfahren nicht böse zu sein. Die Feier des Laubheim-Vereins in Bochum vereinigte am 3. Dezember 50 bis 60 Mitglieder. Die. Ansprache des Ehrenvorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. David, löste lebhaften Widerhall im Zuhörerkreis aus. Im Jüdischen Jugendverein Castellaun, der vor kurzem neu gegründet worden ist, wurde durch die wohlgelungene Veranstaltung nicht nur die Notwendigkeit der Gründung des Vereins erwiesen, sondern auch gezeigt, daß die Ziele und Ideale eines Jüdischen Jugendvereins an diesem Orte verwirklicht werden können. Die Begrüßung der Erschienenen geschah durch den rührigen Vorsitzenden, Herrn Hammerschlag, in deren Namen Alberl Katzenstein herzliche Dankeswort« fand. In Castrop fand eine Veranstaltung der Schülerabteilung des Jüdischen Literaturvereins statt, trtrer die uns eine begeisterte Schilderung des 16jährigen Sekundaners Heinz Grünewald aus Sodingen bei Herne zuging. Die Feier wurde durch einen Freitagabendgottesdienst eingeleitet und in der traulich geschmückten Schulstube fortgesetz' Herr Lehrer Ullmann hielt die Ansprache, worauf von einem Schüler aus der onfessio Judaica von Heinrich Heine vorgelesen wurde. Einige Chanukkastimmungsbilder rundeten die Vortragsreihe ab, worauf bei Spiel und leiblichen Genüssen die Feier ein Ende fand. Einen großen Zuspruch fand die Feier des Jugendverein« Dierdorf im Westerwald. Das Programm wurde fast ausschließlich von der Schuljugend und den Kleinsten der Kleinen bestritten. Besonderen Beifall fand das Festspiel „Die Chanukka-Puppe". Mit großem Jubel wurde das Erscheinen des Chanukkamännchens bei der j'';-"sten Jugend begrüßt. An die Feier schloß sich eine Mitgliederversammlung an, bei d.r der Vorsitzende Bericht über die Vereinstätigkeit der vj'" -"-senen vier Wochen und den Erfolg der in dieser Zeit abgehaltenen drei Heimabende (mit den Themen „Jeremias" und „Gabriel Riesser") in Gestalt eines durch Prämien gekrönten schriftlichen Wettbewerbs gab. Es wurden weiter der Bezirkstag in Altenkirchen und das Programm für die kommenden Monate besprochen. Die Heimabende sollen insbesondere hervorragende jüdische Gestalten des IS. und 19. Jahrhunderts behandeln Es ist ein Treffen mit dem JJV Selters und für Anfang März ein öffentliches Konzert zur Stärkung des o,nagogenbaufonds beabsichtigt. Der JJV. Düsseldorf beging Chanukka in Gestalt eines sehr gemütlichen Heimabends, während der Bund jüdischer Schüler und Schülerinnen einen großen Teil der Gemeinde bei wohlgelungenen Aufführungen versammelte. Ein großer Teil der Westerwälder Vereine sollte sich am 4. Dezember in Hachenburg vereinen. Leider waren viele der Einladung nicht gefolgt. Der harmonische und gemütliche Verlauf der Feier wird sicherlich dazu beitragen, daß beim nächsten Male mehr Freunde zur Stelle sind. Der Vorsitzend« des JJV. Hachenburg, Adolf Stern, begrüßte die erschienenen Vertreter von Hamm, Altenkirchen und Selters und gab der Hoffnung Ausdruck, daß di« gemeinsame Feier eine Förderung der gemeinsamen Arbeit sein möchte. Das reichhaltige - ->- gramm hielt die Erschienenen lange gefesselt. Der „Gabriel-Riesser-Verein" in Köln veranstaltete am 6 Dezember im Riesser-Saal eine interne Chanukkafeier. Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir die Aufführung des dreiaktigen Lustspiels „Der Lampenschirm" von Kurt Götz durch die Theatergruppe des Vereins, die einen vollen. Erfolg bedeutete. Der junge Bonner Verein war bei der Aufführung fast vollzählig vertreten. Die Aufführung soll zu wohltätigen Zwecken wiederholt werden. Zum Cbanukkafest des Vereins Kreuznach am 18. Dezember waren mehr als 300 Personen gekommen. Das reichhaltige Programm fand allgemeinen Beifall. Der erste, ernste, Teil fand genan wie der zweite, der lustige, humorvolle, viel Anklang. Dem dritten Teil unseres Festes, dem Tanz, huldigten alle, und trotz des etwas engen Raumes ließ die Freud« am Fest nicht nach. In Mayen fand am 4. Dezember unter zahlreicher Beteiligung unsere diesjährige Chanukkafeier statt. Sie war verbunden mit einem Kinderfest. Nach vollendeter Bewirtung erfolgte der Besuch des Chanukkamännchens. — 9-

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