Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 23 (16.12.1926)
- Date
- 1926-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Heimatliebe besteht nicht nur darin, daö man die Berge und Täler der Heimat gern hat, sondern daß man die Menschen der Heimal besonders liebt. „Ans Vaterland, ans teure schließ dich an" (ordert das Dichter-Wort zunächst hier, daß Gott und das Gute die Seele deines Volkes werde. Die Pilger im alten Israel hatten einen Segensgruß. Scholom al Jisroel, d h nicht nur Glück, sondern Heil und Friede für Israel. Auch wir sollen das Heil der Seelen im Auge haben und Verhältnisse im Vatertande schaffen helfen, wo der Geme-nschaftssinn siegreich geworden und jeder Deutsche die Möglichkeit hat, die ihm von Gott gegebenen Kräfte segensreich zu entfalten Alle Bestrebungen, die da auf Schaffung besserer Wohnungen auch für die Aermeren gerichtet sind, müssen wir fördern. Dunkle, dumpfe Wohnungen sind Brutstätten der* Krankheiten, treiben in die Kneipen und vernichten das Familienleben und sind mit schuldig, daß Verbrechen geschehen, da der Schutz vor Verführung dem Gassenmenscheu fehlt. Wer sein Vaterland lieb hat, wird, soviel er kann, zur Versöhnung der Klassen und Stände beitragen und sorgen, daß das Deutsche Reich bewahrt Werde, „vor Rassenhaß und Klassenhaß und Massenhaß und derlei Teufelswerken". IL Die messianische Zeit Im Knechtschaftsdunkel Aegyptens wird Israel zum Volke. Sein Jugendlied entstammt dem Knechtschaftsleid. Das große Erbe der Erzväter, die herrliche 'Verheißung: „Werde zum Segen, in dir sollen gesegnet werden alle Völker der Erde", lebte auch in Aegypten, wenigstens im Hause Lewis, weiter und gürtete die Gemüter mit Erlösungssehnsucht. Schon hier ist die Erwartung des Befreiungsheils keine selbstsüchtig begrenzte und bloß auf das eigene Volkstum beschränkte. Mit der Stunde der Befreiung will Israel seinen Beruf antreten, den Erdenvölkern ein „Segen" zu werden. Darum singt es am Ufer des Schilfmeeres, als es die Freiheit gewonnen: „Ein Heiligtum. Ewiger, haben deine Hände gegründet." (Ex. 15, 18.} Mit d;m sinaitischen Flammenruf: „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heilig Volk" (Ex. 19, 6) war ihm am Offenbarurgsbcrge seine weltgeschichtliche Aufgabe verkündet worden. Es zog ins verheißene Land; aber gerade dort, wo es in treuer Gesetzescrfüllung seiner Sendschar leben sollte, wurde allmählich das jüdisch-reine Glaubensleben, wie es durch die Thora Mosis geschaffen ward, durch Nachahmung kanaanitischcr Unsitten immer mehr getrübt und verdunkelt. Da Israel sich immer mehr dem Einfluß der Thora entzog, unterlag es der Heidenkultur Kanaans. Jetzt trat jenes viel» fach beobachtete Gesetz der Geschichte in Kraft: Der weltlich höher kultivierte Besiegte zwingt dem in weltlicher Kultur niedriger stehenden Sieger seine Sitten und Lebensgewohnheiten auf. Je mehr sich Israel vom Gottesgesetz entfernte, um so mehr unterlag es diesem Naturgesetz im Völkerleben. Und es wäre ihm gänzlich verfallen. Da trat der Umschwung ein. Durch Samuels leuchtendes Auftreten, durch die Begründung von Prophetenschulea und durch die sieb daran anschließende weltgeschichtliche Wirksamkeit der großen Gottesmänner wurden mit dem Thoragesetz auch die Hoffnungsgedanken und Zukunftsideale gerettet. Und wie Cornill recht hat, wenn er von den Propheten, diesen „Gewissenswächtern des Volkes und den Sturmvögeln der Weltgeschichte" "sagtl „Das Edelste und Köstlichste, was die Menschheit besitzt, sie verdankt es dem israelitischen Prophetismus", so ist auch die Behauptung wahr, daß die Messiasidee erst durch die Propheten ihre endgültige Ausprägung erhalten hat. Wie allgemein menschlich die prophetischen Messiashoffnungen sind, dafür zeugt jene alte Weissagung, die wir bei zwei Propheten (Jesaias, Kap. 2, V. 2—4 und Micha, Kap. 4, V. 1—3) in fast buchstäblicher Uebereinstimmung finden, und die wir hier in wortgetreuer Uebersetzung folgen lassen: „Und es wird sein am Ende der Tage, — gefestet wird sein der Berg des Gotteshauses auf der Höhe der Berge und ragen über die Hügel, und es strömen zu ihm alle Völker. Und es wallen viele Völker und sprechen: Aufl Laßt uns hinaufziehen zum Berge des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre von seinen Wegen und wir wandeln in seinen Pfaden; denn von Zion geht aus die Lehre und das Wort des Herrn von Jerusalem. Und er richtet zwischen Völkern und entscheidet zwischen vielen Nationen, und sie schmieden um ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Lanzen zu Winzermessern, nicht erhebt Volk wider Volk das Schwert und nicht lernen sie fortan den Krieg." Und jene erhabene Schilderung des ewiges Friedensreiches, das der sprachgewaltige Jesaias mit so hinreißender Bercdtsamkcit darstellt und wo zum ersten Male der Messiaskönig als Davididee gedacht ist, mag hier ih.» Stelle finden. _ (Fortsetzung folgt.) MITTEILUNGEN DER VE R B AN D S L E IT U N 6 1. Nebenstehend veröffentlichen wir den seitens der Kommission erdgültig fewählten Entwurf des neuen Verbandsabzeic h,g n s, den unser Verhandsfreund Iuchard Levy, früher Vereins', orsitzender in Krefeld, jclzt Ccrlin, ausgeführt hat. Vir glauben, daß die stilisierte Mencrah, blau auf goldenem Grund, ein sinnreiches Wahrzeichen unserer jüdischen Arbeit darstellt. 2. Auf Veranlassung einiger Landvereine haben wir uns mit jüdischen Verlegern in Verbindung gesetzt und für den Fall größerer Bestellungenn durch uns folgende Vergünstigungen bisher erlangt: 1. J Kaufmann, Frankfurt a. M., 10 Prozent auf Bücher und Zeitschriften; 2. Hebräischer Verlag „Menorah", Berlin, 30 bis 35 Prozent auf alle Bücher; 3 Pliilo-Verlag, Berlin, Jahresabonnement für die Zeitschrift „Der Morgen" 8 Mark statt 12 Mark bei Sammelbestellung. 3. In der Januarnummer veröffentlichen wir das endgültige Vereinsverzeichnis. Diejenigen Vereine, die ihre Fragebogen noch nicht eingesandt haben, werden zum letzten Mal daran erinnert. 4. Die Leiter der Schülergruppen werden um sofortige Angabe ihrer Anschrift und um Einsendung von Arbeitsberichten gebeten. 5. Betrifft: Fahrpreisermäßigung. Die Anträge zur Erlangung der behördlichen Anerkennung sind in Preußen — 12 — an den zuständigen Regierungspräsidenten, in Berlin an den Reichsausschuß der Deutschen Jugendverbände, Moltkestraße 7, einzureichen. (Das übrige siehe Anlage.) In den Anträgen ist anzugeben: a) Name der Vereinigung, b) Sitz der Vereinigung, c) Zweck der Vereinigurg, d) Name und Wohnung des Vorsitzenden, gegebenenfa'ls Anschrift der Geschäftsstelle der Vereinigung, e) Zahl der Mitglieder, die das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, f) Ausweis über die Zugehörigkeit der Ortsgruppe und des Reichsverbandes zum Reichsausschuß der Deutschen Jugendverbände. Den uns angeschlossenen Ortsgruppen muß — sofern im Einzelfalle sich nicht Tatsachen ergeben, die den jugendpfiegerischen Charakter der Vereinigung in Frage stellen — die behördliche Anerkennung ohne weiteres erteilt werden, auch wenn die antragstellenden Ortsgruppen einem Bezirks-, Kreis- oder Ortsausschuß für Jugendpflege nicht angeschlossen sind. Vordrucke für die Ausweiskarten sind von den einzelnen Eisenbahndirektioneo oder Fahrkartenausgaben (in Berlin auch von der Eisenbahnauskunftsstelle Bahnhof Alexanderplatz) oder von den Ortsausschüssen zu beziehen. Gleichzeitig mit dem Antrage wegen der behördlichen Anerkennung als Jugendpflegeverein sind die Anträge zur Erlangung des Führerausweises einzureichen. Die Vordrucke für diese Führerausweise sind ebenfalls bei den im vorigen Abschnitt benannten Stellen zu erhalten. Infolge der zu erwartenden großen Zahl der Anträge au! ^übrerausweise werden die preußischen Anerkennungsbehörden wahrscheinlich zunächst für jede Gruppe bis zum 1. Januar nur ein oder zwei Führerausweise ausstellen und die 'weiteren Anträge später erledigen.