Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 23 (16.12.1926)
- Date
- 1926-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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die Konfessionslosen sich zu einer organisierten Gemeinschaft zusammengeschlossen hätten, die sich ebenbürtig neben die positiven Religionen stellte und vom Staat und von der Gesellschaft Anerkennung heischte. Die kümmerlichen freireligiösen Gemeinden in Deutschland beweisen die Unmöglichkeit eines solchen Vorganges am schlagendsten. Die Konfessionslosigkeit wird eben nar geduldet Jeder Versuch einer umfangreichen Gemeinschaftsbildung würde sogar bei den Indifferente* sten auf energische Opposition stoßen. Darum werden die ans dem Judentum Ausgetretenen schließlich zwischen zwei Sesseln zu sitzen kommen. Sie werden zwischen zwei Lagern stehen, von einem dem anderen zugeschoben, aber keinem zugehörig. Der „Makel" des Judeseins, den sie durch die Flucht in das Nichts abstreifen wollten, wird ihnen weiter anhaften, nur noch in einer gehässigeren, verächtlicheren Bedeutung. Kurz nach Erlaß der österreichischen Verfassung von 1867, die Gewissensfreiheit gewährte und das Bekenntnis zur Kon» fessionslosigkeit erlaubte, wurde es in Wien Mode, von dieser Erlaubnis häufig Gebrauch zu machen. Gewisse indische Kreis« machten dies« Mode häufig mit, wohl um den christlichen Mitbürgern zu beweisen, daß sie die alten Vorurteile gründlich abgestreift hatten and man der neuerrungenen Gleichberechtigung würdig wäre. Es passierte nnn oftmals, daS einer, dar zum Beispiel vor Gericht sich als konfessionslos bezeichnete, vom Richter apostrophiert wurde: „Warum sagen Sie nicht lieber offen heraus: Jude?" Konfessionslos wurde ins» Synonym für Jude. Man versichert, daß diese häufigen Verwechslungen viel dazn beitrugen, daß die Konfessionsloserklärungen in der christlichen Bevölkerung bald gänzlich aufhörten. Es müßte mit unnatürlichen Dingen zugehen, wenn die Sache nicht auch jetzt denselben Verlauf nähme. Diese Ausgetretenen werden auf einem verlorenen Posten stehen. . . (Fortsetzung folgt.) Unser Judentum Von Bez.-Rabbiner D r. Fortsetzung aus Nr. F8r den Geist, der hn Hause waltet, ist das schöne, friedvolle Verhältnis zwischen den Gatten wesentlich. Ihnen muß ihr Bund .ein Gottesbund sein: „Du sollst nicht ehebrechen!" Nur dann werden die Kinder mit Verehrung zu den Eltern emporblicken. In den Eltern sollen die Kinder die Stellvertreter Gottes •uf Erden sehen: „Jeder habe Ehrfurcht vor seiner Mutter nnd vor seinem Vater." (Lev. 19, 3.) Und in den späteren Spruch werken lesen wir: „Ein Auge, das den Vater verachtet und die Matter verspottet, das sollen die Raben am Bache aushacken nnd die jungen Adler fressen." (Mi. 30, 17.) Selbst sündhafte Eltern müssen von den Kindern geehrt werden. Nur Gottes Wort geht vor Elterngctot. Ueber den Tod der Eltern hinaus gilt die Pflicht der Kindestreue, die den Willen der Verstorbenen heilig hält und ihren Todestag alljährlich nach Trauersitte begeht. Die Hauptpflicht der Eltern gegen die Kinder besteht darin, sie für Gottes Willen durch rechte Erziehung, die mit Liebe und Strenge weise gepaart ist, zu gewinnen. Darum mahnt die Tora: „Du sollst die Worte Gottes deinen Kindern einschärfen." (6, 6.) Di« gemeinsamen Hausandachten und Besuche des Gottesdienstes, die frommen Uebungen nnd Bräuche im Hause werden ein unzerreißbares Band am all« Glieder schlingen, das allen Stürmen des Lebens trotzt und nicht nur die Mesusa an der Tür, sondern der ganze Geist des Hauses wird sagen: Hier ist Schaddai, der Allmächtige, der die Seelen in Eintracht zusammenführt. 11. Im Berufe. Urch waasse. „Schaue und schaffe", •o könnte man mit dem alten Bibelworte zu jedem jungen Menschen sagen, der hinanstritt ins Leben: Sieh auf die Gassen, blick empor zu den Sternen, schau auf die Dinge um dich herum und sei ein treuer Arbeiter, vergiß aber nicht darüber den Augenaufschlag zur Höhe, den Himmelsflug deiner Seele zu Gott Wohl gilt auch von der Berufsarbeit, daß wir in ihr Gott dienenl „Denn mir sind die Kinder Israel Diener, meine Diener sind sie, die ich herausgeführt habe aus dem Land Aegypten, ich bin der Ewige, euer Gott." (Lev. 25, 55.) Und im vierten Worte der sogenannten Zehn Gebote heißt es: „Sechs Tag« sollst du Arbeit tun und all dein Werk verrichten," nnd der Paalmist singt: „Wenn du von der Mühe deiner Hände genießest, Heil dir und wohl dir" |Ps. 128, 2); und der Weise predigt: „Liebe die Arbeit" (Ab. 1, 10); und preist den Fleißigen: „Siehst du einen Mann, der tüchtig ist in seiner Arbeit, vor Königen mag er stehen." (Ml. 22, 29.) Und ganz in diesem Sinn« mahnt ein neuerer Denker: „Arbeiten and nicht verzweifeln", ja man hat sogar den Arbeiter den Heiligen des 20. Jahrhunderts genannt. Allein über all dem darf man nicht vergessen, daß es auch eine seelenmörderische Arbeit gibt, wie etwa der Dichter Hebbel einmal von «einem Vater schreibt, di« Arbeit hätte ihm daa Gemüt ausgedörrt Und wer einmal vom Jammer sizilianischer Bergwerksknaben, di« in den Schwefelgruben bei ihrer ungesunden lebengeiährdenden Arbeit schnell der Schwindsucht verfallen, gelesen bat, der weiß, daß in dem Bibelwort«: „Im Schweiß« Bcermano, Heilbronn. 11 vom 9. September. deines Angesichts sollst du dein Brot essen" (Gen. 3, 19) für gar manchen nicht eitel Segen beschlossen liegt. Wie wird die Arbeit zum Segen und zum Wege des Glücks, daß man die Freude des Psalmisten teilen kann, der singt: „Es geht der Mensch zu seinem Werke und an seine Arbeit zum Abend." (Ps. TD4, 23.) ' L Sorge für rechten Wechsel zwischen Arbeit nnd Ruhe, Nachtruhe, Sabbatruhe, Festesruhel Je schwerer die Arbeit, |e gründlicher die Ruhe und Erholung. 11. Hilf mit, daß der schweren, unangenehmen Arbeit entsprechend hoher Lohn werde. III. Fördere die Staatsbestrebungen, die darauf gerichtet sind, daß jedem sein Recht auf Arbeit durch Arbeitsnachweis gesichert und Pflege und Versorgung ,ia Krankheitszeiten und im Alter gewährleistet ist. IV. Durchleuchte deine Arbeit mit Liebe zu Gott mit dem Bewußtsein, er hat dich an deinen Platz gestellt. Sei ein Arbeiter Gottes: „Zuverlässig ist dein Arbeitsherr, daß.er dir deinen Lohn gibt, doch wisse, der rechte Lohn für die Gerechtigkeit liegt in Ewigkeitsgütern." (Ab. 2, 21.) V. Verkläre deine Arbeit mit Liebe zu den Mitmenschen. Suche ihnen an deiner Stell« nnd durch deine Leistung irgendwie nützlich und förderlich zu werden; entweder als Bauer, Arbeiter, Handwerker oder Gelehrter, wo du neue Güter hervorbringst; oder als Kaufmann and Händler, wo du denen, die danach verlangen, von andern hervorgebrachte Güter zu ihrem Gebrauche herbeischaffst. In unserem heiligen Schrifttum wird besonders die Beschäftigung mit dem Handwerk und Ackerbau gepriesen, dagegen wird vor den Gefahren des Handels vielfach gewarnt VI. Lasse dich durch deine Arbeit zu allem Guten erziehen. Si« bilde deine Willenskraft, mache dich geduldig, bescheiden durch die Mißerfolge, die nicht ausbleiben, erziehe dich zur Redlichkeit, denn Pfuscharbeit straft sieb selbst, zur Verträglichkeit mit den Arbeitsgenossen. VIL VergißüberdeineArbeitdasGebetnicht: „Zwei Lebensstützen wanken nie, Gebet nnd Arbeit heißen sie"; durch sie beide wirst du mit deinen Sorgen nnd Lastern leichter fertig. 12. Im Vaterlande. Redliche und treue Arbeft zum besten unserer Heimat ist religiöse Pflicht: „Vertraue auf Gott und tue Gutes, wohne im Lande nnd wirke in Treue." (Ps. 37, 3.) Selbst den mit Gewalt in eine neue Heimat weggefahrten Juden predigt Jeremia: „Fördert das Wohl des Staates, zu dem ich euch geführt habe und betet für ihn, denn sein Wohl ist euer Wohl." (Jer 29. 7.) Vaterlandsliebe ist opferwillige Liebe. Es genfigt nicht, daß man Hurra schreit an vaterländischen Festen and di« Fahnen heraushängt, sondern mit Gut und Blut muß man dem Vaterlande dienen. Jeder Staatsbürger ist verpflichtet, die Gesetze de* Staates treu zu halten: „Die Befolgung des Staatsgesetzes ist heilige Pflicht." (Gittin 10 b.) „Stets bezeuge Ehrfurcht der Obrigkeit." (Sanh. 19 a.) „Bete für das Wohl der Regierung, denn wäre die Furcht nicht vor ihr, so würde einer den andern lebendig verzehren." (Ab. 3, 2.) II —