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Der Jugendbund · 1926-12-16 · 23 (16.12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
23 (16.12.1926)
Date
1926-12-16
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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er allerdings nur das gleiche aus, wie das ganz« Alte Testament. Nicht nur die anderen Propheten, schon die Genesie predigt Menschheitsreligion. Abraham wird erwählt, damit sich mit ihm alle Völker der Erde segnen. (Gen. Kap. 12 Vers 3.) Der Prophet hat aber hier für diesen Gedanken eine Formulierung gefunden, die einen Höhepunkt aller biblischen Religion darstellt: „Zu gering ist es, dafür, daß du mir Knecht bist, herzustellen, die Stimme Jakobs und die Bewahrten Israels zurückzubringen, ich will dich machen zum Lichte der Völker, damit meine Rettung sei bis ans Ende der Erde. (Kap. 49 Vers 6.)" Israels Geschichte steht im Dienste der Menschheit. Es muß sich deshalb von allem Volksegoismus fernhalten. Nur ein Israel, das nicht zuerst an seine Zukunft, sein« Heim- _Jcehr in das Land der Väter denkt, kann vor dem Urteil dieser Propheten bestehen. 3. Israels Aufgaben. Seine weltgeschichtliche Mission wird hier in drei klassischen Prägungen ausgesprochen, a) „Fr soll das Recht den Völkern verkünden." „Er ermüdet nicht, bis er das Recht festgestellt hat auf Erden." Israel ist der getreue Anwalt des Rechts und der ewige Kämpfer gegen alles Unrecht. Können wir nichtmit Stolz darauf verweisen, wie die Propheten selbst, ja wie sogar noch solche Männer jüdischer Abstammung, die unserem Glauben verloren gegangen sind, ein Karl Marx oder in der Gegenwart ein Nansen, ein Sven Hedin, von dieser Aufgabe Israels durch ihr Lehen und ihre Werke Zeugnis abgelegt haben? bj „Ich habe dich eingesetzt zum Völkerbund" (dies bedeutet der Ausdruck Bris om). Israel soll die Völker miteinander verbinden und versöhnen. Es soll für den Frieden unter den Nationen eintreten. ■ Ist nicht auch deshalb die Zertreuung über die ganze Welt ein notwendiges Schicksal (siehe Manasse bei Israel „Rettung Israels", Denkschrift an Cromwell). Nur wenn Israel zerstreut bleibt, kann es wie bisher schoa oft, sich als ein friedliebende« Element bewähren, c) „Das Licht der Nationen, das da öffnet blind« Augen." „Das Licht der Völker." Israel soll für die Wahrheit eintreten und den wahren Gottesglauben und die wahre Sittlichkeit, die es als erster verkündet hat, verbreiten. Israel bat sieb auch immer als ein Feind aller Verdummung, als ein Freund aller Wissenschaft und Aufklärung bewährt; denn seine Religion kann vor der Prüfung durch die Vernunft bestehen. Und deshalb glauben wir, daß es einst die Religion der ganzen Menschheit sein wird 4. Israels Zukunft. Der Prophet spricht es aus, daß Israel« Leiden nicht vergebens sein werden. Wie die ganze Bibel ist er von dem Glauben erfüllt, daß die Wahrheit schließlich doch siegen wird.*) „Nah« ist, der mir Recht verschafft." Schließlich werden auch die Völker anerkennen, was Israel gelitten hat, daß es für sie gelitten hat, daß es ihnen die Wahrheit bringt.**) Wenn seiner Lehre die Eilande harren, dann wird das Heil am Ende der Erde sein. „Mein Knecht bist Du, Israel, an dem ich mich verherrliche", d. h. die Herrlichkeit Gottes besteht darin, dafj Israel seine Aufgabe erfüllt, ein heiliges Volk wird und da» durch die Welt zum Reiche des ewigen Friedens und der Gerechtigkeit führt. So haben wir in den Reden vom „Knechte Gottes" die einzig befriedigende Antwort auf die Fragen: Weshalb leidet Israel? Weshalb ist es auserwählt? Was hat es der Menchheit zu geben? *) Wenn wir auch manchmal denken mögen: „Vergeblich habe ich mich bemüht, umsonst und für nichts habe ich meine Kraft verschwendet." (Kap. 49 Vers 4.) **) „Wir alle irrten wie Schafe, wir gingen Jeder seines Weges." Die Flucht in das Nichts Untheologische Betrachtung eines Laien zur Abfallbewegung. Von Benjamin Segel, Wien. Fortsetzung aus Nr. 11 vom 9. September. Wir wissen heute: das religiöse Gefühl ist ein Grundgefühl der Menschennatur, inhärent und unausrottbar. Die Machthaber, einzelne wie Gruppen, mißbrauchen es zu egoistischen, seinem Wesen fernliegenden Zwecken und rufen dadurch Widerstand und Kampf hervor. In der Hitze des Kampfes verwechseln die Kämpfer die äußere Verfassung der Religion und die Mißbräuche dieser Verfassung mit dem Kern der Religion und richten die Angriffe gegen diese letztere. Nun liegt es in der Natur aller menschlichen Grundgefühle, daß sie sich um so stärker aufbäumen, befestigen und konzentrieren, je mehr sie gereizt werden. Sie werden dem Menschen um so teurer, je mehr sie bedroht erscheinen. Die Verteidiger der Religion gegenüber ihren Angreifern übertragen wiederum diese Verteidigung auch auf ihre äußeren Institutionen, in denen sich das religiös« Gefühl verkörpert, und sogar auf die Mißbrauch«, denen sie unterworfen waren. Daher tritt nach jeder Epoche heftigerer' Religionsbestreitung unfehlbar eine Reaktion ein, die zunächst als äußere Frömmelei und unduldsamer Fanatismus in die Erscheinung tritt. Diese Zustände rufen ihrerseits wieder das entgegengesetzte Extrem hervor. So verläuft die Geschichte zwischen schroffen Gegensätzen, und nur selten sind die Epochen der Ausgeglichenheit und des ruhigen Gleichgewichtes. Das sollten sich die Streiter auf beiden Seiten merken und sich vor jedem übertriebenen Radikalismus in der einen wie der anderen Richtung hüten, da jedes Extrem unweigerlich seinen schroffsten Gegensatz auf den Posten ruft. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch diesmal die Reaktion unausbleiblich ist. Die retrograde Welle wird kommen, so sicher, wie sie vor 100 Jahren gekommen ist. Sie wird vielleicht andere Formen tragen, andere Begleiterscheinungen mit sich führen, aber erfreulich werden sie nicht sein. Eins aber wird dieser Reaktion eignen: sie wird die jetzige negative Phase, den „Kampf gegen die Religion", den Streit für die Trennung von Staat und Kirche auf Rechnung der Juden stellen und den „zersetzenden Einfluß des Judentums" für die Verheerungen verantwortlich machen, die der jetzige Kulturkampf mit seinen Schlagworten im Gemütsleben des Volkes angerichtet haben wird Vergebens wird — 10 — man darauf hinweisen, daß dies« Kämpfe dem Judentum und seinen Institutionen noch ärgeren Sehaden zugefügt haben, wofür die in so enormer Zahl Ausgetretenen die beredtsten Zeugen sind. Eben diese Ausgetretenen, die im freien Felde der Konfessionslosigkeit kampieren, werden den Beweis liefern, daß im Judentum zersetzende Kr?ft« wirksam sind, die den „religiöser) Nihilismus", die „sterile Negation" fördern, jegliche Autorität untergraben, die Glaubenskraft, den Idealismus der Völker vernichten, den groben Materialismus, das kalte schneidende Vernünfteln, das an der gemeinen, platten Alltäglichkeit haftende, keines höheren Schwunges, keiner Hingabe fähige, jeder schöpferischen Macht beraubte Kriteln repräsentieren und somit eine Gefahr für die europäsiche Kultur bilden. Die Ausgetretenen werden nicht aufhören, in den Augen der nichtjüdischen Welt Juden zu sein, nur werden sie dann konfessionslose Juden sein. Eine viel schlimmere, eine viel gefährlichere Sorte von Juden. Mit den wirklichen Juden weiß man wenigstens, woran man ist. Man mag der jüdischen Religion andichten, was man will, im allgemeinen weiß man doch, was sie lehrt, was sie fordert und gebietet Man weiß, welche Gesinnungen und Stimmungen sie einflößt, durch welche Handlungen man ihre Gebote verletzt, durch welche Anschauungen man sich in einen Gegensatt zu ihr stellt. Man kann in ihrem Namen positive und negative Forderungen an die Juden richten. Aber die „konfessionslosen Juden"? Woran sind sie gebunden? Wo liegen die psychischen Hemmungen und Triebfedern ihres Gewissens? Ist nicht das Strafgesetzbuch das einzige Heiligtum* das ihnen Ehrfurcht einflößt, und die Polizei die einzige Macht, vor der sie sich beugen? In den modernen Gesellschaften werden die verschiedenstem religiösen Meinungen geduldet, sogar geachtet. In den tolerantesten, der englischen und amerikanischen, obgleich sie sehr religiös sind, bildet sogar der offen bekannte Atheismus keinen Makel und führt keine gesellschaftliche Degradation nach sich, da er sehr vereinzelt auftritt und die geistigen und sittliche« Qualitäten seiner Träger sie gewöhnlich vor Verdächtigungen schützen. Aber es ist bisher noch nicht vorgekommen, dal

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