Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 22 (2.12.1926)
- Date
- 1926-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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das Gebot der Nächstenliebe hin. Nicht nur der jüdische Stammesbruder ist der Nächste, sondern jeder Mensch, denn Gott ist aller Menschen Vater. Und wir Juden wollen, so hieß der Schluß des einstündi- Jen Referats, im Sinne der zehn Gebote alle Menschen lieben, wenn auch die Zahl unserer Verächter himmelhoch anwächst. Wir halten zu unserem Gott, der uns bis auf den heutigen Tag trotz aller Leiden und Verfolgungen bis auf den heutigen Tag behütet und beschirmt hat. Schreiber dieses bemerkte unter den Zuhörern viele Mit. glieder der Jugendbünde MüUieim, Duisburg und Oberhausen, denen es ein Genuß und eine Freude war, solch lehrreichen und interessanten Ausführungen beigewohnt haben zu können. Aha. Aus den Bünden q Bochum. Jahresbericht des Laubheim-Vereins Bochum 1925 26. Durch die Generalversammlung am 15. Oktober 1925 wurde das Vereinsjahr 1925-26 eingeleitet. Der Vorstand hatte in der Generalversammlung die Neubelebung der Heimabende als besonderes Arbeitsgebiet hervorgehoben. Es wurden sechs Heimabende veranstaltet, die alle gut besucht waren. Der Besuch der Heimabende schwankte zwischen 35 bis 60 Personen. Anläßlich des Chanukkafestes veranstalteten wir am 16. Dezember 1925 einen Heimabend mit Tanz. Als Vorbereitung der Sederfeier beschlossen wir die Reihe der Heimabende am 24. März mit einer Einführung in die Hagadah, welche Herr Rabbiner Dr. David gab. Es ist die wichtigste Aufgabe des neuen «r- •insjahres, diese Abende weiter auszubauen. Neben den Heimabenden veranstalteten wir 2 gut besuchte Freitagabendfeiern. Die Vortragsreihe begann mit einem Vortrage des Herrn Dr. Simon, Frankfurt, über: „Die Einheit der jüdischen Gemeinschaft". Herr Willi Buschhoff, Charlottenburg, rizitierte am 19. Dezember jüdische und moderne Dichter. Die Vorsitzende des Düsseldorfer Jugendvereins, FrL Mine Meyer, sprach am 16. Januar über „Soziale Arbeit". In einer Morgenfeier im Parkhaus hielt Martin Buber am 24. Januar eine Vorlesung über „Gott und Mensch in der Urzeit" und las Stücke aus einer neuen Bibelübersetzung. Das frühere Mitglied unseres Vereins, Herr cand. theol. Alfred Philipp, beschloß die Vortragsreihe mit dem Thema: „Reubeni und Jud Süß", zwei Gestalten aus der modernen jüdischen Literatur. Auch in diesem Jahre veranstalteten wir sämtliche Vorträge in Gemeinschaft mit dem Literaturverein. Es wurden drei Vorstandssitzungen abgehalten. Mehrere Bezirkstagungen in Essen wurden besucht. Auf der letzten Tagung hielt Frl. Sachs einen Vortrag über „Das Bibellesen im Jugendverein". An der Verbandstagung in Düsseldorf nahmen Frl. Erna Philipp und der Vorsitzende teil. Zusammenfassend darf man wohl über das verflossene Vereinsjahr sagen, daß es ein starkes Interesse bei den Mitgliedern erweckt hat. Dieses Interesse kam insbesondere darin zum Ausdruck, daß sämtliche Veranstaltungen gut besucht waren. In der am 21. Oktober 1926 stattgehabten Generalversammlung wurde der Vorstand neu gewählt: 1. Vorsitzender: Herr Dr. Alfred Cohn. 2. Vorsitzender: Herr Erich Mendel. 1. Schriftführerin: Frl. Edith Hirschberg. 2. Schriftführerin: Frl. Edith Löwenstern. IL Kassierer: Herr Rudolf Marx. Wir beschlossen, dem neugegründeten Vortragsverband beizutreten. Die nächste Veranstaltung" ist ein Buchabend unseres Verbandsfreundes Siegfried Bacharach, Hannover In der Vorstandssitzung vom 4. November 1926 wurde die weitere Winterarbeit festgelegt. Jugendbund Duisburg. Am 16. November fand der erste Heimabend im Gemeindezimn er an der Junkerslraße statt. Nach einer Begrüßung durch unseren ersten Vorsitzenden, Herrn Kaiser, hielt Freund Alfred Hammerschlag ein Referat über den vorangegangenen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Neumark: „Einführung in den Talmud". Er führte in seinem Referat ungefähr folgendes aus: Ausgehend von der Offenbarung am Berge Sinai wurde die mündliche Lehre immer fortlaufend den ältesten Männern des Judentums übertragen. Wir hörten von Esra Hassofer, ferner von den Männern der großen Synode, von Simon, dem Gerechten, von Hiskia, Hille!, Rabbi Jochanan ben Sakkai bis zu Rabbi Jehuda Hanasi. Wir hörten von Männern, dit die Ueberlieferungen gesammelt mit nach Jerusalem brachten. Das Ergebnis dieser Sammlung wurde die Mischna genannt. Der Talmud ist ein Protokoll über die Meinungen der Mischna. Der Heimabend war verhältnismäßig gut besucht, die Zu« hnrer folgten mit großem Interesse den Ausführungen des Referenten. Nach dem Referat kam eine ziemlich lebhafte Dis- Jkussion zustande. Es wäre wünschenswert, wenn die übrigen Mitglieder dem Beispiel unseres Freundes Hammerschlag, an Heimabenden Referate zu halten, folgen würden. Marion. Düren. Die bei uns leider nicht ungewohnte Amtsmüdigkeit des Vorstandes am Ende des Geschäftsjahres wirkte sich heuer so stark aus, daß die 1. Vorsitzende in der Generalversammlung den Gedanken der Auflösung des Vereins zur Diskussion stellte. Sie bekannte sich offen als zu egoistisch, um ihre Kraft und Zeit in den Dienst einer Sache zu stellen, die für Düren zum Mißerfolg verurteilt sei. Die Heimabende, so klagte die Vorsitzende, seien zum ewigen Tummelplatz der Kämpfe zwischen Zionisten und Nichtzionsten geworden; nichts anderes vermöge den Geist der Dürener Jugend zu fesseln. Bei einer Probeabstimmung erhob sich trotz gutem Besuch der Versammlung nur eine Stimme außer der der Vorsitzenden für Auflösung des Vereins, während im übrigen eindringlichst auf die Notwendigkeit seines Fortbestehens hingewiesen wurde, weil der Verein die einzige Organisation sei, die jüdisches Leben in die Gemeinde bringe und Kenntnis rm jüdische Dinge der Gesamtheit der Gemeindemitglieder vermittle. Der neugewählte Vorsitzende nahm sein Amt nur unter der Bedingung an, daß sich ihm willig Mitarbeiter zur Seite stellten — und siehe da, es meldeten sich ihrer nc:m auf einen Schlag. Man beschloß, für die Heimabende dc-n Rundbrief über die Propheten zugrunde zu legen. Wo noch Begeisterung für dieses Thema fehlte, wurde sie durch c'ea Einleitungsvortrag von Herrn Rabbiner Dr. Schönberger, Aachen, wachgerufen. Der Redner vermittelte aus der Fülle seiner reichen, jungen Seele-ein vollendetes Dild von gottdurchglühtcm Menschentum der Propheten. Wenn sich unsre Arbeit in der Sphäre dieses Vortrages hält, d?nn wird sie Störung durch verknöcherte Parteiung nicht bedrohen. Essen. Wie im vorigen Jahre, so finden auch in diesem Winter unsere Freitagabendfeiern in R.Humen, die uns freundlicherweise die Loge zur Verfügung stellt. 14t"glirh statt. Schoc der äußere Rahmen dieser intim gehaltenen Feiern läßt eine erhebende Stimmung aufkommen. Tritt man in die Räume ein, so wird man von dem traulichen Schein brennender SahKat- Iichter empfangen, Bilder, die jüdisches Leben darstellen, nicken uns vertraut zu, und der festlich gedeckte Tisch ladet uns freundlich ein. Bald erklingen jüdische Weisen, -'er Wochenabschnitt wird verlesen und es. wird in die ,.D'skussion" eingetreten: Fragen werden gestellt, Fragen, die t-eantwortet .werden können, und Fragen, über die man d-n Faden verliert und deren Möglichkeit der Beantwortung abgegeben werden muß. Es verlaufen nun aber nicht a'le Abende nach einem Schema. Manchmal schließt sich der Unterhaltung über den Bibelabschnitt ein gemütlicher Teil *n, Gesellschaftsspiele werden arrangiert und übermütiges Lac'^n durchdringt den ernsten Raum. Ob Spiele oder ernste Tetrachtungen vorangehen, immer wird der Abend durch gemeinsames Singen jüdischer Melodien beschlossen. Am Dienstag, den 9. November, weilte Siegfried Bacharach aus Hannover bei uns, um aus heiteren und beschaulichen "jüdischen Werken zu lesen. Altvertraute Dichter sprachen zu uns, wir hörten Proben aus Werken, die wohl ein jeder -von uns schon einmal gelesen hat, und doch, wer könnte sich nicht immer wieder ergötzen an dem Bilde der naiven „Gliickel von Hameln", wer könnte nicht lachen über den köstlichen W-'tz eines Karl Ettlinger? Und dann die Kostprobe aus Bacharachs eigenem Repertoire, seine Satire auf den „schrecklichen Ju« gendverein", die aber trotz aller Anklagen einen versöhnlichen Schluß für die aufgeregte Frau Mutter bringt, heiratet das „Kind" zum Schluß doch noch einen Assessor aus diesem schlimmen Jugendverein. Lotte Cahn. Gelsenkirchen. Bericht des Jüdischen Jugendvereins Gelsenkirchen. Während man in früheren Jahren auch in Gelsenkirchea von einem „Sommerschlaf" des Jugendvereins sprechen konnte,