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Der Jugendbund · 1926-11-18 · 21 (18.11.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
21 (18.11.1926)
Date
1926-11-18
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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riehen mit dem Ruf: „Mir nach.'" Unser Volk wird er sammeln. Sie alle werden Gott wieder sehen, zurückkehren zu unserem Gotte, und siegen, siegen werden sie gegen die Unterdrücker. Nicht mit eisernen Waffen werden sie kämpfen, und kein Blut wird bei dem Kampfe fließen. . . Brüder, Schwestern! Wann, frage ich euch, wann wird das geschehen? Wer wjrd die Fahne,erfassen? Wem soll ich meine Fahne geben . . .?" Ein Schrei aus einer kindlichen Kehle durchbrach die tönenden Worte: „Mir, mir, o gib mir die Fahne, bitte, Matthatias. O, Ruth, Esther, helft, sagt, er soll sie mir geben. Ni« will ich sie verlassen; ich schwöre es. Und ich will ihm sagen, was ich heute gehört, unserem Volk. 0, es wird zurückkehren zu ihm, und nicht wahr, er wird uns verzeihen, weil wir so böse waren. Nun weiß ich, warum wir nicht mehr kämpfen. . , Nein, kein Blut werde ich vergießen. . . Ich werde Bücher schreiben, in denen ich ihnen alles sage, und sprechen werde ich zu ihnen, sprechen, bis sie alle kommen und vor ihm niederfallen und die Chanukkalichtlein verstehen. Mir die Fahne, Matthatias!" „Aber Kind, was schreist du denn so furchtbar, und was machst du denn in diesem Zimmer, und , , ." Ja, ja, wahrhaftig, das war ja die Mutter, und da das Wohnzimmer, und da . . . die Chanukkalichtlein, and wirklich, sie winkten alle acht: „Mir nachl" — Aber die Fahne, Matthatias, Ruth, Esther, wo waren sie nur alle . . . und der Wald . . - „Mutter, hast . . , hast du vielleicht den Matthatias gesehen vorhin, und . , ." Di« Mutter Legte besorgt die kühle Hand auf da* heißa Köpfchen: „Komm ins Bett, mein Kind, ich glaube, du hast wieder Fieber. Niemand war da die ganze Zeit Nor Nachbars schwarzer Pudel kam vorhin die Treppe herauf. Am Ofen liegt er." Der Pudel . . . wahrhaftig, da lag er, ganz naß und voll Schnee. . . „So war es doch wahr, Mütter," jubelte der Junge. „Matthatias nahm mich mit, o Mutter, und seine Fahne will ich haben, sicher gibt er sie mir, Mutter, hörst du, und dann werde ich das Volk sammeln und werde rufen: „Mir nach*" und . . ." Kopfschüttelnd trug die Mutter ihren Jungen ins Bett. Was das Kind für Zeug schwatzte, wenn es nur nicht wieder krank wurde. Diese Rubrik soll wegen ihrer Wichtigkeit für unsere Arbeit beibehalten werden. DieSchriftleitung. ti j t Die erste Reichsjugendtagung der christlichen Gewerkschaften fand am 5. und 6. September in Essen statt. Der Arbeitssitzung ging eine öffentliche Kundgebung im großen Saal des Städtischen Säalbaues voraus. Ergreifende Gesangsvorträge des Christlichen Metallarbeiterverbandes, dessen Dirigent selbst Kruppscher Arbeiter ist, umrahmten die Begrüßungswdrte und die Festansprachen. Aus allen Reden klang der Anspruch der christlichen Gewerkschaftsjugend, als wirkliche Jugendbewegung gewertet zu werden, hindurch. Sie lehne es ab, lediglich als Nachwuclissicherung für die christlichen Gewerkschaften angesehen zu werden. Sie betrachte sich aber auch nicht, wie manche Teile der Jugendbewegung, als „autonom" in dem Sinne, daß alle Verbindung mit dem „Alten" und „Gewordenen" verleugnet wird. Sie wisse vielmehr, daß nur durch Eingliederung in den Aufgabenkreis des Standes die Zukunft gebaut werden kann. Der junge Arbeiter werde daher den älteren Kollegen gern als Freund und Berater ansehen, fordere aber ein ähnliches Vertrauensverhältnis auch von der älteren Generation. Mit schulmeisterlicher Bevormundung sei dies nicht zu erreichen, -«ordern nur durch einordnende Hingabe an die Sache, der Alte wie Junge mit gleicher Liebe dienen rrüssen. Jugendbewegung und Jugendführung müßten deshalb zusammenwirken, um die vielen Gefahren, denen das^ werdende Geschlecht in unserer Zeit ausgesetzt ist, überwinden zu können. In der Delegiertensitzung, in der vor allem „die Not der erwerbslosen Jugend" und „die Aufgaben der Juijendführung" besprochen wurden, ließ den stark religiösen Zug, von dem die Bewegung getragen ist, klar hervortreten. Ohne weltanschauliche Fundierung gibt es kein Zurechtfinden im Wirtschaftsleben, ohne sittliche und religiöse Vertiefung keine wahre Behebung der Jugendnot. Konfessionelle Unterschiede sind unwichtig gegenüber dieser Grundeinstcllung. In der Tat scheint die Zusammenarbeit mit den katholischen und evangelischen Jugendverbanden in der christlichen Gewerkschaftsjugend keine Schwierigkeiten zu bereiten. Interessant war für uns u. a. die Feststellung, daß auf eine Rundfrage nach' ihrem späteren Beruf fast alle Schüler einen „höheren Posten" sich wünschten, zwei oder drei nur Schuhmacher und Bäcker werden wollten. Und die Warnung, die Bedeutung des Sports für die Gesundung der Jugend nicht zu überschätzen. Ohne seelische Vertiefung könne Jugendbewegung nicht gedeihen. Zu Ehren der Tagung hatte die Verbandszeitschrift „G e - wer^kschaftsjugend" eine Sondernummer „Vom Gemeinschaftsleben zur Gemeinschaftsgeslaltung" erscheinen lassen, in der eine historische und kritische Darstellung der verschiedenen Zweige der Jugendbewegung in Deutschland geboten wird. Ein kleiner Abschnitt handelt auch von den „Jüdischen Jugendgruppen". Dabei sind die „deutsch-jüdischen" stark hervorgehoben und sichtlich belobigt, während Aus andern Lagern die zionistischen sehr schlecht wegkommen und unser Verband samt seiner Zeitschrift ganz unter den Tisch gefallen ist. Liegt hier verzeihliche Unkenntnis oder falsche „Inspiration" vor? Es dürfte sich lohnen, diesen Sachverhalt etwas aufzuhellen, da der Geist, der in der Gewerkschaftsjugend herrscht, uns nicht ungünstig zu sein scheint. Rabbiner Dr. Hahn, Essen.; •/ '•: n. Die Jugend und der Frieden Am Sonnlag, den 31. Oktober, veranstaltete die katholische Jugendbewegung Essens eine Friedenskundgebung, zu der auch Angehörige anderer Jugendverbande eingeladen waren. Die Aussprache stand unter der Leitung von Dr. Nikolaus Ehlen, einer der markantesten Persönlichkeiten der katholischen Jugendbewegung. Nach einem kurzen Referat von V i n t u s Heller aus Würzburg, der die Fricdlosigkeit in der Welt an erschütternden Beispielen aufzeigte, setzte eine lebhafte Diskussion ein, in der man die Mittel und Wege ausfindig zu machen suchte, mit deren Hilfe die Jugendlichen zur Herbeiführung des Friedens auf Erden beitragen könnten. Im Gegensatz zu den jugendlichen Rednern aus dem kommunistisehen Lager, die den Weg der Politik und, wenn nötig, der gewaltsamen, als den einzig erfolgreichen bezeichneten, forderten fast alle Sprecher einen seelischen Neubruch im Innern der heranwachsenden Generation. Nur Menschen, die in sich, über allen Mißklängen der Welt hinweg, den Frieden gefunden haben, können auch Frieden um sich verbreiten. Deshalb handle es sich nicht nur darüm, gegen gewisse politische Strömungen zu opponieren, sondern es müsse angestrebt werden, daß die Jugend zu positiven Taten der Liebe und Hilfe am Nächsten komme. In dieser Richtung seien die Versuche Hellers, durch Landsiedlungsheime der entsetzlichen Wohnungsnot zu steuern, durch Beschaffung von Arbeit das Erwerbslosenelend zu verringern, als Wege zum inneren Frieden zu begrüßen. In feiner Weise zeigte Ehlen, wie fruchtbare Arbeit nur geleistet werden kann, wenn die Jugend den Anderseingestellten nicht nur kritisiert und ablehnt, sondern vor allem versucht, ihn zu verstehen und aus seinen Fehlern zu lernen. Dr. Hahn unterstrich diese Ausführungen und zeigt« am Problem des Antisemitismus, wie vergiftend da» Nachsprechen abfällig gebrauchter Schlagwörter auf ganze Volkskreise einwirken kann. Es sei deshalb eine ReinigungsakUon unserer politischen Sprachweise zur besseren Verständigung unter den verschiedenen Richtungen und Anschauungsweisen anzustreben. Studienrat Freund überbrachte die Grüße der Essener Friedensgesellschaft und sprach den Wunsch aus, daß doch alle Gruppen, die demselben Ziel zustreben, engere Fühlung untereinander nehmen möchten. Ehlen sagte in seinem Schlußwort, daß diese Besprechung zwar noch keine positiven Ergebnisse gezeitigt habe, daß es aber schon etwas bedeute, in jugendlichen Herzen die Sehnsucht nach dem Frieden wachzurufen. Man schied mit einem, anfeuernden Wort Friedrich Wilhelm Försters und dem Wunsche nach Fortsetzung solcher Aussprachen, durch die der Frieden nur gefördert werden kann. — 10 —

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