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Der Jugendbund · 1926-11-18 · 21 (18.11.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
21 (18.11.1926)
Date
1926-11-18
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Chanukka-Erlebnis | . Von Hanna Frank, Konstanz. Heut« war Chanukka, endlich wieder einmal Chanukkal Wie da« schön war. Der kleine Junge lag in seinem Bett. Gerade heute mußte er krank sein, Fieber haben an Chanukka. Zu dumm. Zwar Eltern und Geschwister waren In seinem Zimmer gewesen und hatten mit ihm gespielt. Und die Lichtlein hat er sehen dürfen einen Augenblick im Wohnzimmer drüben. In wollen« Decken war er gewickelt worden, und der Vater hatte ihn hinübergetragen. Und moos zur hatten sie alle gesungen- Das war noch das Schönste von allem, dieses moos zur. Es klang so mächtig. Er mußte dann immer daran denken, daß die Mutter ihm erzählt hatte, die Juden wären früher einmal ein Volk gewesen. Ein richtiges Volk. Sonderbar. Mit einem König, einem Heer und vielen Helden. . . Ganz sonderbar. Und gerade heute vor vielen, vielen Jahren hatten die Juden gekämpft unter Matthatias und seinen fünf Söhnen. O, die Mutter hat ihm alles erzählt--— Ob die Lichtlein noch brannten? Wenn er sie schnell noch einmal ansehen würde? Eltern und Geschwister waren ja jetzt im Speisezimmer, das wußte er. Die^würden ihn nicht hören, wenn er ganz leise ging. Also scanelt. — — Er tappte durch das Zimmer. Da war die Türe. Sojjetzt war er im Wohnzimmer. Er kauert« in einem Sessel, Wie die Lichtlein flackerten! Nur einen Augenblick wollte er bleiben. Heute war ja der letzte Chanukkatag. Sieben Lichtlein!--An Matthatias mußte er wieder denken. Wie er wohl ausgesehen hatte? Und warum kämpften die Juden eigentlich heute nimmer? O, wenn er daran dachte, was der kleine Nachbar zu ihm gestern nachgerufen hatte — wenn er nur ein Schwert gehabt hätte, er hätte es ihm gezeigt. Wie Matthatias würde er fechten. Ob Matthatias ihn wohl kannte, und — — Er führ entsetzt auf. Was war das? Die Chanukka-Lichtlein waren plötzlich ganz groß geworden, und immer höher wuchsen sie — alles wurde ganz hell — ein Flammenmeer. Er sah gar nichts mehr im Zimmer . . . keinen Schrank . . . keinen Stuhl . . . mir Feuer. Und jetzt . . . Wahrhaftig ... Es bewegte sich ... da war jemand . ". . jetzt trat er zu ihm hin. „Matthatias!" Er schrie es und fuhr in die Höhe, Diese Rüstung und der silberwallende Bart, und das schöne, alte Gesicht, diese Stirne, diese feurigen Augen . . . sicher war es Matthatias. Und jetzt, jetzt nahm er ihn bei der Hand und lächelte und winkte, ihm zu folgen . . . was sollte er nur machen . . . ob er die Mutter fragen sollte? . . . Doch Matthatias winkte immer gebieterischer. Nein, er mußte gehen! . . . Wie gut Matthatias sich in der Wohnung auskannte! Durch den langen Gang gingen sie, zur Tür hinaus, die Treppe hinunter. . . Jetzt waren sie im Freien. Da lag ja Schnee .'. . O, und wie hoch! Jetzt fiel es ihm plötzlich ein, daß er ja im Nachthemd dastand und barfuß war. Sonderbar, und er fror doch gar nicht! Wie schnell sie vorwärts kamen . . . sie gingen gar nicht auf der Erde, sie schwebten. Nein, er hatte gar nicht gewußt, daß er das könne. Nun waren sie schon aus dem Städtchen, keinen Menschen hatten sie getroffen ... es müßte schon sehr spät •ein. . . Wie aufrecht Matthatias war, ob er ihn vielleicht fragen durfte, warum die Juden beute nicht mehr kämpfen? Aber er wagte es doch nicht. . . Nun kamen sie in den Wald. Er war doch schon so oft hier gewesen, mit seinem V_ter, aber da war es ein ganz anderer Wald. Wie schön er war, der Wald. Alles war dick voll Schnee. Die Tannen bogen sich ganz unter der Last. Und wie groß der Mond war, und wie hell. Der Schnee schimmerte silbern. Wie Diamanten funkelte es! . . . Still war «s hier, so still! . . L Die Tannen standen so ruhig, aber es sah aus, wie wenn sie etwas sagen wollten. Sie schauten ihn alle an, ja wahrhaftig, das taten sie . . . o, da war ja Nachbars schwarzer Pudel. Der mußte die ganze Zeit hinter ihm hergelaufen sein. . . Ob es Matthatias wohl gewußt hatte? Wie drollig das schwarze, zottige Fell auf der glitzernden, silbernen Fläche aussah. . . Jetzt kamen sie aus dem Wald. O, wie war das schön hier. Wie weit man da sah) Die Berge Sn der Ferne, und ein par Dörfchen und alles so ruhig und silbern, und gar das Flüßchen sah wie ein silbernes Band aus, das all dies« Herrlichlieiten umschlang. . . Ob es dem Pudel wohl auch gefiel? Sicher! Er stand da und ließ seine schwarzen Ohrlappen tief herunter hängen. , . Nun kamen sie ja .wieder in den Wald. Aber nein, das war ja eine Halle. Die Bäume oben waren ganz zusammengewachsen, der Boden dick mit Moos gepolstert und ohne Schnee. Und so feierlich •ah es plötzlich aus, wie . i , ja und wahrhaftig da waren Menschen fn der Waldhalle. Schöne, starke Männer In Rüstung und liebliche Frauen in herrlichen Gewändern. Gans viele waren es und sie saßen alle im Kreis herum. Und nun gingen sie alle auseinander und Matthatias und er gingen in den Kreis. . . Ja, wirklich. . . Und nun kamen zwei Frauen, die sich umschlungen hielten, auf ihn zu. 0, waren die schön! Die eine mußte eine Königin sein, sie hatte ein Diadem auf der Stirne, und die andere trug einen Kranz von roten Mohnblumen Ja, war das denn . . . „Esther", rief er, ja, er schrie es, „Ruth". Er war ganz außer sich. Mutter hatte ihm schon viel von ihnen erzählt . . . das mußten sie sein ... so hatte er sie sich vorgestellt. Ob sie böse waren, weil er laut gerufen hatte? Aber nein, gar nicht! Sie lächelten ihn an —■ o, wie sie lächelten, so lieb. Und nun nahmen sie ihn bei der Hand und führten ihn zu»ihrem Moosplatz, und da setzten sie sich hin. Er in der Mitte und Ruth und Königin Esther zur Rechten und zur Linken. Und wahrhaftig, da trottete der schwarze Pudel durch die Mitte und legte sich schwanzwedelnd der Ruth zu Füßen. Nun saßen sie alle.--Dort drüben, das mußte Abraham sein, wie ehrwürdig er aussah; und da, an seiner Seite, das war sicher-Sarrah . . . und da Isaak und Jakob, Rebekka und Rahael, Josef, Benjamin, König David ... so viele, so viele durcheinander. Auch viele, die er nicht kannte. . . Und im Kreise standen immer noch Matthatias und neben ihm seine fünf Söhne . . . und Matthatias gab mit der Hand ein Zeichen, da war alles ganz still . . . und jetzt sprach er; wie tief und schön seine Stimme war: „Brüder, Schwestern! Schon manches Jahr ist auf Erden vergangen, seit ich und meine Söhne durch Jerusalem zogen, mit einer Fahne, auf der die Worte glänzten: „Wer ist unter den Mächten, Herr, wie du?" Und mit dem Ruf: „Mir nach, wer treu an Gott und seinem Bunde hält." Viele folgten uns damals, mir und meiner Fahne. Viele, aber doch gar wenige im Vergleich zu Antiochius mächtigem Heere. Aber doch siegten wir, wir, ein Häuflein kampfungeübter Menschen, gegen ein Heer von Tausenden von ausgebildeten Soldaten. Sie kämpften um Geld und Ehre, wir um unseren Gott. Viele hatten schon vor uns um ihn gekämpft, vieleVnach uns, manche kämpfen noch heute um ihn. Kämpfen, um sich ihren Gott trotz Verachtung der anderen zu bewahren. Manche! , . . Meine Freunde! Jedes Jahr kommen wir hier zusammen, um über das zu sprechen, was das Jahr über geschah, und über vergangene Zeiten zu reden. Ihr wißt, wie wir alle mit Erstaunen zuerst, dann mit Schrecken sahen, wie viele unserem Gotte untreu wurden. Unserem herrlichen Gotle, dem wir so nahe standen, der Meere für uns spaltete, uns in der Wüste sättigte, uns die Thora gab, Mose, die Propheten, ach, die ganze Nacht hindurch könnten wir nur davon sprechen, was er uns gab, und könnten erst nicht fertig werden. — Untreu unserem Gotte! Freunde, könnt ihr das verstehen? Für was haben wir gelitten, gekämpft, geblutet? So könnten wir fragen, wir, die wir unser Leben für die Lehre gelassen. Wir ließen es wohl auch doch darum, um unseren Kindern, unserem Volke, die Lehre von Gott zu bewahren. Auch wir liebten ja das Leben und gaben es doch freudig für Gott und das Volk, und doch könnten wir jetzt fragen: für was? Unserer Fahne sind sie abtrünnig geworden, unseren Gott haben sie verlassen, Götzen dienen sie jetzt. Götzen, denen sie Opfer, oft Menschenopfer, bringen. Geld, Ruhm, Genuß, Vorteil, Macht und vieles andere noch. Und Gott sprach doch: „Höre, Israel! Der Ewige ist dein Gott, der Ewige ist einzig." — Manche halten wohl auch noch aus, tapfer und treu wie ihre Ahnen. Doch wie lange werden sie bestehen können, wird sie die Uebermacht nicht erdrücken? Wann, o wann wird ein Held sich erheben mit meiner Fahne: „Wer ist unter den Mächten, Herr, wie du?", und'durch die Lande ziehen mit dem Ruf: „Mir nach, wer treu an Gott und seinem Bunde halt?" Mitten aus dem Volke müßte er kommen, jung und stark sein. Die Jugend ist die Kraft. — An vielen Orlen der Erde sind heute die Chanukkalichter entzündet. Sieben Lichtlein stehen da nebeneinander, einfach, weiß und traut. Und sie winken alle: Seid stark, seid einig, seid treu! Jedes Jahr winken die Lichtlein. Hört niemand denn ihren Ruf? Sie sprechen ja, sie erzählen von uns, von euch, meine Freunde, von Gott, von Kampf und Sieg. In den Lichtlein strahlen ja die Worte wider, die ich einst auf meine Fahne schrieb. „Wer ist unter den Mächten, Herr, wie du?" Die Lichtlein winken ja: „Mir nach, wer treu an Gott und seinem Bunde hält!" Ihnen nach, ihnen nach. . , Einst wird einmal vielleicht ein junger Mensch, der vor den Lichtlein steht, die Worte verstehen und wird in heiliger Be- | geisterung meine Fahne ergreifen. Durch die Lande wird er 9 — J

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