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Der Jugendbund · 1926-11-18 · 21 (18.11.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
21 (18.11.1926)
Date
1926-11-18
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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kurz abgetan. w"£re acm wlrKiicn so, dam stände auch unser Jugendverband nicht vor einer Frage, sondern bestenfalls vor einem interessanten Geschehnis im Bereiche jüdischer Jugendbewegung. Ich habe bereits an anderer Stelle — und zwar in der Ausgabe des ..Jüdischen Wochenblatts" vom 27. August 1926 — eingehend darzulegen versucht, daG die Verhandlungen der U. U. J. J. nur den Anschein einer zionistischen Konferenz erweckten, daß sie es aber weder sein wollten, noch in ihrem Endergebnis waren. Cm mich nicht zu wiederholen und dadurch andere und mich selbst zu langweilen, hebe ich an dem dort Gesagten lediglich nochmals hervor, daß allein die unzulängliche Beteiligung der nichtzionistischen Jugendverbände jenes irrige Bild von der zionistischen Tendenz der U. U. J. J. erwecken konnte. Freilich durfte und darf auch von den zionistischen Gruppen, zumal der palästinensischen, in 'der U. U. J. J. mehr bewußte Unterordnung ihrer Gruppen-Ideologie unter die der Union universelle gefordert werden, wenn > anders überhaupt eine jüdische Welt-Jugend-Liga möglich sein soll. Die Kongreßleitung war nicht gut beraten, da sie außer —Ussischkin. dessen Ansprache durch die Verhandlungen über den Anteil d|er Jugend am "Palästina-Werk und zumal am Keren Kajcmeth wohl begründet war, noch drei andere namhafte Mitgliedler des zionistischen großen Aktions-Komitees (das zur selben Zeit in Paris tagte) zu Worte kommen ließ. Es machte zwar dem lebendig-jüdischen Fühlen der jetzigen Führer im U. U. J. J. alle Ehre, war aber wiederum unter dem Aspekt der wesentlichen Autgabe, die unterschiedlich gerichteten Verbände jüdischer Jugend zu erfassen, psychologisch verfehlt, daß man gleich bei der Eröffnungs-Sitzung ein Huldigungstelegramm an Acbad Haam abschickte und die anwesende Witwe und Tochter Max Nordans durch Erheben von den Sitzen feierte. Aber man darf bei alledem nicht übersehen, daß es junje, innerlich bewegte Menschen und keine vorsichtig wägenden Politiker waren, die den Kongreß einberiefen und leiteten, daß sie sich einer bedeutenden Mehrheit zionistisch eingestellter Teilnehmer gegenübersahen, und nicht zuletzt, daß bei der seitherigen Dürftigkeit des jüdischen Lebens gerade im Frankreich der letzten zwei Generationen das Ausmaß der Spannungen zwischen den verschiedenen jüdischen Gruppen seitens der jungen französischen Juden in der U. U. J. J. verkannt wird. Wenn freilich auch der sonst recht kluge und in feinsten Formen vermittelnde Vertreter der Straßburger Sektion glaubte, über die Gegensätze bei der deutschen Judcnhcit mit einer mitleidigen Geste hinweggleiten zu dürfen, so verdient dies ernste Kritik und geschah gewiß nicht zu Nutz .der zentralen U. U. J. J.-Idec. Um so beachtsamer aber ist's, daß offenbar die führenden Persönlichkeiten der» bislang entscheidenden Pariser Sektion die durch das Uebergewicht der zionistischen Delegierten geschaffene zweideutige Situation selbst deutlich erkannten und für die Zukunft zu vermeiden entschlossen sind. Denn nur so ist's fraglos zu verstehen, wenn man mir im Anschluß an meine Veröffentlichung im „Jüdischen Wochenblatt" aus dem Pariser Zentralbureau der U. U. J. J. unterm 15. September schreibt: „. . . Je vous pric de bien vouloir noter que ... je fais vous mes efforts, ainsi que la majori:« de mes camarades du Comitc Central, pous pour que notre Union ne devienne pas une association sioniste, mais reste une association universelle de toute la jeuncsse juive dans 1' espritde ses foodateurs . . ." Unter diesen Umständen folgere ich: Trotz mancher taktischer Mißgriffe während der ersten Delegierten-Tagung hat die U. U. J. J. ihr Gesicht gewahrt, hat den festen Willen zu überparteilicher Haltung vor allem bei der Wahl zum Zentralrat erwiesen, ihn in dem oben zitierten Schreiben erneut bekundet und damit den nichtzionistischen Gruppen jüdischer Jugend m. E. nicht nur die Möglichkeit geboten, nein, vielmehr die Notwendigkeit nahegelegt, sich korporativ der Union anzuschließen. Damit ist zugleich für unsern J. J. V. als die weitaus stärkste jüdische Jugendorganisation Deutschlands das Verhalten vorgezeichnet. Wir sollten nicht zögern, uns der U. U. J. J. anzuschließen, und zwar von Verbands wegen, nicht mit den einzelnen Bünden. Dabei wird freilich der Vorbehalt zu machen sein, daß wir der vom Pariser Kongreß ge-" faßten Entschließung zur P a I ä s t i n<a - Frage, soweit sie den .Jüdischen Nationalfonds" (Keren Kajemeth) betrifft, nicht beitreten können. In organisatorischer Hinsicht werden wir weiterhin gleich beim Eintritt anzuregen haben, daß die Union als Welt-Jugend-Liga in Zukunft nicht die gleichartigen Bünde der einzelnen Städte, sondern, wie es allein richtig ist, der verschiedenen Länder als ihre „Sektionen" bezeichnet und — bei Abstimmungen behandelt. Sollte dies nach der seitherigen Entwicklung der U. U. J. J. nicht leicht zu ermöglichen sein, so hätten wir uns eine der Zahl unserer Bünde entsprechende Stimmenzahl für wichtige Entscheidungen zu sichern, oder aber Gewähr für eine entsprechende, billige Regelung in dieser Richtung zu verlangen. Ist unter diesen Kautelen unser Eintritt erfolgt, so werden wir alsbald mit Macht dahin zu wirken haben, daß auch die deutsch-jüdischen Jugend-Organisationen der Kameraden der Agudar-Jisroel- Jugendgruppen, der Esra und Iii sich der U. U. J. J. angliedern, auf daß die jüdische Jugend Deutschlands eine der historischen Bedeutung der deutschen Judcnhcit entsprechende tätige, wertvolle Rolle spiele, und jede Einseitigkeit in parteireligiöser oder nationaler Hinsicht bei der Union vermieden werde. Aus wesentlichen Gründen, vor allem auch zur Zerstreuung von Bedenken bei jungen deutsch-jüdischen Menschen, die bewußt Träger deutscher Kultur sind, ist hier in letzter Klarheit zu sagen, daß die U. U. J. J. lediglich dem Jüdischen in jedem jüdischen Menschen Nahrung und neue Beschwingung bieten will, daß sie aber nicht daran denkt, an die besondere Haltung ihrer Gruppen zur Kultur ihres Heimatlandes zu rühren. Der Stolz, mit dem verschiedene führende U. U. J. J.isten von ihrem französischen Vaterlande und seinen kulturpolitischen Zielen sprachen, umschloß für mein Gefühl zugleich die Gewilltheit, anderen die gleichen Regungen und Bekenntnisse gegenüber ihrem Vaterlande zuzuerkennen. Furcht vor Mißdeutungen durch antisemitische Teufelei aber darf jüdische junge Menschen nicht hemmen, die jüdische Jugend anderer Länder zu suchen, um mit ihr gemeinsam an neuer Verlebendigung an Judentum und Judesein zu wirken. Ist doch die U. U. J. J. beredter Ausdruck für eine klar erkannte seelisch-geistige Not junger Juden aller Lander — als Juden und für den Willen zu gegenseitiger Hilfe beim Bestreben zu ihrer Ucberwindung. Aber gerade weil es dem Jüdischen in uns und nichts sonst gilt, müssen wir alle zwei Lehren klar erkennen und uns zu eigen machen, die der Kongreß der U. U. J. J, mit einer ergreifenden und fast erschütternden Eindringlichkeit wieder und wieder verkündete: Suchende jüdische Menschen aller Länder erwarten neue starke Antriebe für ihr Judesein vom neuen Palästina und wollen darum nehmend und gebend an diesem neuen Werden an der uns allen heiligen Stätte teil-• haben. Das neue Palästina s o in Wunsch und Wille aufgenommen, frei von .politischem Kampf und Zank und Krampf, nur als „clan vitar, als Schwungkraft jüdischen Lebens überall in der Welt gemeint, vermag auch bei den nichtzionistischen jüdischen Menschen in Deutschland starke Erwartungen und Bereicherung ihres Lebensinhalts auszulösen. So können auch gerade wir J. J. V.cr auf's neue die Palästina-Frage aufnehmen und in unsern Lebensplan einreihen. Dies jedenfalls ist gewiß, daß wir an der Arbeit, der U. U. J. J. mit Frohmut nicht teilnehmen könnten, wenn wir nicht von Anfang an positiv zu Palästina Stellung wählten, und daß wir verncinendenfalls als schwache Außenseiter mitleidig von den unterschiedlich gerichteten jungen Juden überall in der Welt betrachtet würden. Und wiederum nur um mit den andern jungen Juden das gleiche auftauende Element an unsrer jüdischen Seele zu versuchen, nicht aus etwaiger Konzession an den Zionismus, werden wir alle uns künftighin ganz anders als bisher um das Hebräische als lebendige Sprache zu mühen haben. Selbst wenn man als Nichtzionist mit rasch bereiter Kritik sich sagen dürfte, daß es wohl nur „Nationaljuden" seien, die sich beim Kongreß der U. U. J. J. des Hebräischen in der Ansprache bedienten, so ging doch wiederum etwas Brennendes von der einfachen Vorstellung aus, daß in Zukunft bei Zusammenkünften jüdischer Menschen aus allen Enden der Welt die „heilige Sprache" der Bibel von der Mehrzahl der Kongreßteilnehmer als Kongreß-Sprache gebraucht werden dürfte. Unsere junge Schar wird sich schon gehörig ins Zeug legen müssen, um sich bei solchen Anlässen nicht wie Fremde unter jüdischen Brüdern zu fühlen. Es ist gewiß, daß auf der Pariser Konferenz der QueU, au« dem' neues und starkes jüdisches Leben sprudeln sollte, zu eingeengt geschaut wurde, daß man die Bindungen an Judenheit und Judentum zu einseitig sah. Es ist auch bestimmt zu erwarten, daß wir als tätige Glieder der Union auf ganr andersartige, unbedingtere Sphären werden weisen können, die

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