Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 20 (4.11.1926)
- Date
- 1926-11-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492456-6352473-6352498--0249-4928445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
nischen Geist. Plattfüße und Flachköpfe wird es immer geben. Et ist nicht nötig, daß wir Juden uns so auszeichnen müssen, daß ein jüdischer Plattfuß oder ein jüdischer Flachkopf als „non plus ultra" gelten. Wir müssen die Umwandlung d«.s einseitig verbildeten Geistesmenschen in den gesunden naturverbundenen Sportsmenschen vornehmen. Die Warner sind auf der falschen Beerdigung, wenn sie von der geistigen Verflachung des jüdischen Sportlers sprechen. Vielleicht wenden sie sich einmal an die Adresse der konzessionierten Cafe- und Dielenbesucher beiderlei Geschlechts, bei denen man in den meisten Fällen, außer geistigen Getränken, keine Spur von Geist finden wird. Aber auch der idiotischste Sport hat sein Gutes, wenn er den jungen, jüdischen Menschen veranlaßt, kein Dielenpflänzchen zur Frau zu nehmen. Dort ist ein überreichlich großes Feld zum Warnen und Mahnen. Piaton, Rousseau und Pestalozzi waren die ersten und berufensten Befürworter des gesunden, kräftigen Geistesmenschen. Wir Juden brauchen heute mehr denn je Führer. Was nützt uns ein Geistesheros, der uns inmitten der angefangenen Arbeit sitzen läßt, ohne uns Richtlinien zu deren Vollendung zu hinterlassen? Hier kann die körperliche Erziehung durch den Sport ihr Gutes zeigen. Unsere maschinenversklavte Zeit bedingt überall erhöhten Kraft- und Energieaufwand des einzelnen Individuums, wenn es sich behaupten und durchsetzen will. Was dem einen an Muskelkraft abgeht, muß er durch Willenssteigerung zu ersetzen suchen. Der Sport verlangt Enthaltsamkeit von allen körperlichen Reizen und Genüssen. Selbstzucht in allen Dingen. Und das Wichtigste, was den Führer erst zum Führer stempelt: Einfühlung in die Absichten der Partner und Zurücksetzung seines eigenen Ichs im Dienste der Sache. Wir müssen den jungen, jüdischen Menschen zum Sport heranziehen, Du) kräftigen und stärken. Denn nur wenn die kleinsten Teile .gesund sind, kann die Gesamtheit stark und kräftig sein. Die Gesundung von Leib und Seele wird die Geschlechter zu einer neuen -Zuchtwahl, zur Rassenveredelung führen. Das alles aber wird erst durch eine hinreichende sportliche Betätigung gewährleistet werden. Allerdings stehen auch wir nicht auf dem Standpunkt, daß die Züchtung des nur sportlich bedeutenden Menschen höchstes Ideal sei. Körper und Gejst sollen sich ausgleichen, soweit es irgend möglich ist. Aber das läßt sich nicht durch Mensendieckcn nach Radiokommando erreichen und auch nicht durch spitzfindige Sophistereien jüdischer Cafeliteraten. Wir wissen um den Ausgleich von Körper und Geist. Und das Wissen ermöglicht es uns auch, daß wir uns geistig fortbilden können. Wir wollen uns nicht zum sogenannten , jüdischen Kommis stempeln lassen, der satt- und kraftlos schnoddrige Bemerkungen in die Welt streut. Wir wehren uns mit aller Entschiedenheit dagegen, dem Itzig oder dem kleinen Cohn der Witzblätter Modell zu stehen. — Wird, denn gar nicht anerkannt, daß jüdischer Sport einen Teil unserer Jugend der Lebcweltatmnsphäre entreißt? Wenn ja, dann müßte schon diese eine Tatsache den wohlmeinenden Warnern genügen, um den Sport zu unterstützen, auch auf die Gefahr hin, daß man ihn bis zur Verblödung übertreibt! Das wäre die richtige Taktik der Warner dem Volke gegenüber, das sie so sehr zu lieben vorgeben. Wir aber, wir, die kommende jüdische Generation, rufen ali.'n. Freunden und Feinden, unseren Not- und Kampfruf entgegen: — Bizeps und Geist. Zum Wochenabschnitt „Tauldaus" 1» Von Willy Salinger, Düsseldorf. Eine der Hauptstärken unserer Bibel ist, daß sie uns Menschen mit allen ihren Stärken und Schwächen vorführt, und sie tut es mit einer wohltuenden Offenheit. Dies sehen wir auch in unserem heutigen Wochenabschnitt „Tauldaus". •Wir erfahren zunächst in ihm von der Geburt der Zwillingsbriider Esau und Jacob, 'ihrer Verschiedenartigkeit nach Beruf und Gesinnung, den Verkauf der Erstgeburt durch Esau an Jacob. Weiter v^ird uns geschildert, wie ein alter, blinder, hilfloser, auf dem Sterbebett liegender Vater den Schlichen und Ränken seines Weibes und Sohnes ausgesetzt ist, wie sein Vertrauen schändlich mißbraucht wird, wie Vater und Bruder betrogen werden. Ein Gottessegen wird durch Betrug gewonnen, aber der Betrüger bleibt im Besitze des erlisteten und erschlichenen Segens. Diese Erzählungen sind besonders von christlichen Pädagogen und christlichen Bibelerklärern stets heiß umkämpft, weil sie behaupten, daß durch die verwerflichen Handlungen Rebekkas und Jacobs der Heilsplan Gottes irgendwie gefördert wird. Die Herren übersehen aber zwei Stellen unseres Wochenabschnittes, nämlich Kap. XXV, V. 23: „Und der Ewige sprach zu ihr '(Rebekka): „Zwei Völker sind in deinem Leibe und zwei Nationen werden sich in deinem Innern trennen, die eine Nation wird stärker als die andere Nation sein, der Jüngere wird dem Aeltercn dienen." Die zweite Stelle Kap. XXVII, V. 33: „Aber er bleibe gesegnet." Nur einmal wird uns in der Bibel von der Geburt von Kindern so ausführlich berichtet, wie in dem heutigen Wochenabschnitt. Schon vor ihrer Geburt werden sie in ihren Charakteren uns durch unsere Weisen geschildert, der eine als fromm und der andere ein Bösewicht. Bei der Geburt will Jacob (der Fersenhalter) den Esau zurückhalten, damit er zuerst das. Licht der Welt erblicke. Wir haben deshalb nichts zu beschönigen, wenn wir behaupten, daß Jacob schon vor der Geburt zum Werkzeug der göttlichen Vorsehung bestimmt worden ist, deren Mission durch Abraham begonnen und durch Jacob fortgesetzt werden soll; denn Jacob war doch der Vater des Volkes Israel. AInun Esau zu seinem Vater kam und ihn um seinen Segen bat, da erschrak er und rief in großer Erregung: „Wer war es denn, der für mich Wildbret jagte und es mir brachte, und davon aß, bevor du kamst und ihn segnete?" -(Aber er fügt gleich hinzu): „Ja, er bleibe gesegnet." Mit diesem Zusatz gibt er ihm, nach Raschi, zu verstehen, daß Esau nicht behaupten darf, wenn Jacob seinen Vater nicht getäuscht hätte, so hätte er die Segnungen nicht erhalten,1"darum stimmte er zu und segnete ihn mit Wissen. . Darum liegt für uns kein Grund vor, die Ansichten der christlichen Pädagogen und" Erklärer uns zu eigen zu machen, sondern vielmehr liegt für uns ein Ansporn durch den Wochenabschnilt darin, daß wir beim Versenken in die Gedankentiefe unserer Bibel zu unseren jüdischen Bibelerklärern stets greifen sollen und müssen, um den Inhalt der Bibel recht zu verstehen und zu würdigen. JÜDISCHES LEBEN IN RHEINLAND UND WESTFALEN Aus den Gemeinden Bochum Unter dem Vorsitz von Herrn Rabbiner Dr. David haben lieh alle Organisationen unserer Gemeinde (mit Ausnahme des R. J. F.) zum Jüdischen Vortragsverbande zusammengeschlossen. Der Vortragsverband veranstaltet etwa alle drei Wochen Vortragsabende, zu denen prominente Redner verpflichtet werden. Diese Veranstaltungen erfreuen sich bei allen Gemcindemitgliedern der größten Beliebtheit. Den Vereinsfreunden der kleineren Gemeinden ist dringend zu empfehlen, an ihre geistigen Führer wegen Schaffung eines Vortragsverbandes innerhalb der Gemeinde heranzutreten. Wir in Bochum können wiederum mit Stolz feststellen,, daß unser hochverehrter Herr Dr. David auch hier wieder alyetster den richtigen Weg gewiesen hat zu einem regen und harmonischen Gcmeindclebcn. Ich dari hierbei noch auf die allezeit bahnbrechende und weitblickende Arbeit unseres verehrten Ehrenvorsitzenden hinweisen. Bereits während des Krieges und von da ab alljährlich hat Herr Dr. Uavid Arboitsgemcinschäften in. Hebräisch, Einführung in das Gebetbuch, Einführung in den Talmud usw. im Jugendverein gehalten. Also schon eine Reihe von Jahren vor der allgemeinen Schaffung der als so überaus wertvoll erkannten Arbeitsgemeinschaften. — 3 -