Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 19 (21.10.1926)
- Date
- 1926-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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S Köln Beginn der Winterarbeit im Jüdischen Jugendbnnd Gabriel Riesser, Köln. Montag, den 11. Oktober, eröffnete der Jüdische Jugendbund Gabriel Riesser, Köln, seine Winterarbeit mit einem Vortrage des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal über „Einführung in den Talmud". Der Vorsitzende verlas zunächst ein Telegramm der Herren Rechtsanwälte Isi und Bernhard Kahn, Berlin, in dem sie den Verein zur Aufnahme seiner neuen Vereinstätigkeit beglückwünschten. Der Vorsitzende des Bezirksverbandes Jüdischer Jugendvereine Westdeutschlands, Herr Studienassessor L. Wolff, überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Verbandes und entwickelte nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Jugendbundes die Ziele der Verbandsarbeit im allgemeinen, das Programm des Jugendbundes im besonderen. Die beiden Themengruppen, die im Laufe des Winters behandelt werden, stehen im Mittelpunkt der Vereinsarbeit. Die Durchführung erfolgt in Form von Arbeitsgemeinschaften. Die Mitglieder bzw. Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaften sollen sich selbst in den Stoff vertiefen und an Hand von geeigneten Büchern (Fuchs: Die Entstehung des Talmuds, Talmudproben) sich mit der Materie vertraut machen. Auf die Ausführungen des Bezirksverbandsvorsitzenden ergriff Herr Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort zu seinem Vortrag. Der Referent wies zunächst darauf hin, daß gerade die Behandlung dieses Themas außerordentlich schwer sei, daß aber trotzdem die Möglichkeit bestehe, bei hinreichendem Interesse der Hörer es trotzdem gelingen wird, den Stoff zu bewältigen und in die Materie einzudringen. Herr Dr. Rosenthal verstand es in ausgezeichneter und geschickter Weise, eine Grundlage für die nächsten Heimabende zu schaffen und die aufmerksamen Zuhörer bis zum Schluß seiner Ausführungen zu fesseln. Am Schluß seines mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags gab' Herr Dr. Rosenthal noch einige Proben aus dem Talmud, die den Anwesenden viel Neues und Interessantes brachten. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal, dessen Vorträge über den Talmud in der hiesigen Hochschule noch .in guter Erinnerung sind, wird durch seine demnächstigen Vorträge, die a|le drei bis vier Wochen stattfinden, dem Jugendbund sicher noch manch neue Freunde zuführen. Hedy Strauß. Kreuznach Die Neuwahlen im hiesigen Jugendverein hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Richard Rauner; 2. Vorsitzender: Philipp Haas; 1. Schriftführer: Ellen Wolff; 2. Schriftführer: Dr. Ernst Weihl. Kassierer: Rudi Vogel; , Bibliothekarin: Beate Haas; Beisitzer: Albert Heymann, Hugo Tawrogi, Hans Roos. In Gemeinschaft mit unserem Freunde Kurt Bachrach, Oberstein, hat unser Vorsitzender die Bearbeitung der Landgemeinden energisch in die Hand genommen. In Castellaun fand am 3. Oktober eine Versammlung der jüdischen Jugend statt, die folgende Resolution faßte: „Alle heute in der hiesigen Synagoge Versammelten sind bereit, einen Jüdischen Jugendverein im heute gehörten Sinne in den nächsten Tagen zu begründen. Die Endunterzeichneten j haben die Pflicht übernommen, alles weitere in die Wege su leiten und erhoffen die unbedingte Unterstützung in allerweitgehendstem Maße von Seiten des Verbandes." Es wurden 30 Exemplare des „Jugendbund" bestellt und baldige Entsendung eines Verbandsredners erwünscht. Mayen Am Donnerstag, den 30. September, fand unsere diesjährige Simchas-Thora-Feier statt. Sie war gut besucht und verlief tadellos bei bester Stimmung. L 1 Münstermaifeld b. Koblenz Durch die Bemühungen des ersten Vorsitzenden des Kreuznacher Jugendvereins, Richard Rauner, wurde hier die Gründung eines Jugendvereins angeregt. Ein Komitee ist mit der endgültigen Gründung beauftragt und hat sich mit der Verbandsleitung wegen Unterstützung in Verbindung gesetzt, — 5 Recklinghausen In dem am Dienstag, den 12. Oktober, stattgefundenen Heimabend beschäftigten wir uns mit unserer Winterarbeit. Wir werden, dem Wunsche der Verbandsleitung entsprechend, Bibel und Talmud in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Wir beginnen mit der Einführung in die Propheten Der Vorstand erwartet von den Mitgliedern regstes Interesse durch tatkräftige Mitarbeit. Unsere Vereinsnachrichten werden in Zukunft wieder regelmäßig im „Jugendbund" veröffentlicht. Gleichzeitig weisen wir auf unsere neue Anschrift hin, die lautet: Prediger Horwitz, Recklinghausen, Löhrhofstraße 10. Carl Heumahn. Recklinghausen Schwere Monate liegen hinter uns. Interesselosigkeit der Mitglieder und interne Krisen drohten den Jugendverein aufzulösen. Besonders die Trennung der Sportgruppe vom JJV. und die im Anschluß daran erfolgte Gründung des Turn- und Sportvereins „Hakoah" brachten schwere Erschütterungen in das Vereinsleben. Der bisherige Vorsitzende unseres JJV., Dr. Willy Stern, unter dessen tatkräftiger Mitarbeit die Sportgruppe seinerzeit entstanden ist, hat sich zwar bis zum letzten Augenblick gegen diese völlig unnütze Trennung gewehrt — war er doch immer Gegner irgendwelcher Zersplitterungen insbesondere in so kleinen Gemeinden wie Recklinghausen —, aber leider war es ihm nicht möglich, die Trennung zu verhindern. Es ist hier nicht der Platz, jene unliebsamen Erscheinungen hier nochmal wieder aufzutischen, die Trennung ist einmal vollzogen, und mit dieser Tatsache haben wir uns abzufinden; aber das sei hier noch einmal mit aller Deutlichkeit gesagt: sie war u n n ö l i g! I Dazu kam, wie schon erwähnt, die sich dauernd steigernde Interesselosigkeit der Mitglieder, die schließlich dahin führte, daß die Heimabende während der Sommermonate zum größten Teil ausfielen. — Die Folge all dieser Erscheinungen war schließlich die, daß der langjährige und verdienstvolle erste Vorsitzende unseres Jugendvereins, Dr. Willy Stern, sciren Posten niederlegte. Der übrige Vorstand trat darauf gleichfalls zurück. Am Dienstag, den 5. Oktober, fand jn unserem Heimlokal Straßen die diesjährige Generalversammlung statt. Willy Stern eröffnete die Versammlung und gab zunächst einen kurzen Ueberblick über unsere Arbeit im vergangenen Jahre. Die Heimabende fanden mit Ausnahme der Sommermonate regelmäßig statt. Der Besuch betrug durchschnittlich ungefähr 20 Mitglieder. Die Arbeit erstreckte sich auf d'e verschiedensten Gebiete. An Vorträgen hörten wir 12, teils innerhalb des Vereins, gehalten von Prediger Horwitz, teils unter Hinzuziehung der Gemeinde. Besondere Erwähnung verdienen die Vorträge von Rabbiner Dr. Emil Cohn (Emil Bernhard) über das Thema: „Vom Wahren, Guten und Schönen im Judentum", und von dem Führer der Kameradengruppe Wan-ie, Kurt Meyrowitz, über: „Stephan Zweig, unter besonderer Berücksichtigung des „Jeremias"." Der jüdische literarische und besonders der hebräische Kursus unter Leitung vom Prediger Horwitz hatten bedauerlicherweise nicht den gewünschten Erfolg. Die Junggruppen haben unter der umsichtigen und verständnisvollen Leitung von Luise Cosmann galt gearbeitet und sind zu einem starken Nachwuchs des Vereins herangebildet worden. Willy Stern teilte der Versammlung mit, daß Luise Cosmann inzwischen nach Hamburg übergesiedelt ist. Er dankt ihr im Namen des JJV. herzlichst für ihre stets aufopferungsvolle Arbeit. Die Wandergruppe veranstaltete unter Führung von Richard Katz Sonntags regelmäßig Wanderungen. Die Beteiligung konnte besser sein. Die Bibliothek ist in Anbetracht der ungünstigen Heimverhältnisse leider nur wenig benutzt worden. Willy Stern legte dann zunächst noch einmal die Gründe dar, die ihn dazu bewogen, leinen Posten niederzulegen, wie sie oben schon dargelegt sind. Nicht zuletzt zwinge ihn auch starke berufliche Ueberlastung zum Rücktritt. Die Ergebnisse der Neuwahlen waren folgende: Zum ersten Vorsitzenden wurde einstimmig Prediger Horwitz gewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Arthur Katz aus Recklinghausen- Süd. Fritz Cosmann ließ sich auch noch einmal trotz Abitur usw. überreden, das Finanzministerium zu übernehmen.