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Der Jugendbund · 1926-10-21 · 19 (21.10.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
19 (21.10.1926)
Date
1926-10-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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sen graben wurdet, Wtxet hin auf Abraham, euren Vater, und auf Sara, eure Mutter." - Unsere Jugend hat, verbittert durch die Ereignisse der letzten zwölf Jahre, den Zusammenhang mit der Vergangen- -heit' verloren oder absichtlich abgebrochen. Wir kennen das Feldgeschrei der Jungen, die insbesondere nach dem Kriege den Ruf erhoben: „Fort mit dem Alten, wir wollen nichts mehr zu tun haben mit der Vergangenheit, die uns nichts mehr zu sagen hat, die uns nicht mehr Beispiel sein kann! Wir wollen unserer Eigenart leben, unsere Welt ist eine andere als die frühere." Wir haben volles Verständnis für diese Anschauungsweise und wissen, daß sie aus edelsten Motiven heraus entstanden ist. Und doch müssen wir sagen, daß diese Denkungsart n>cht zu dem führen kann, was der Eigenart unseres Judentums entspricht. Langsam besinnt sich die Jugend, die nichtjüdische wie die jüdische, darauf, daß der Faden sich nicht ohne weiteres abreißen läßt, ohne daß das ganze Gewebe sich löst. Die Eigenart des Judentums, die sich bewährt hat zu allen Zeiten, liegt darin, da die Kontinuität, der Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart, in glücklichster Weise stets gewahrt worden ist, nicht in dem Sinne, daß wir auf die m Vergangenheit schauen als auf etwas Gewesenes, Historisches, sondern als auf ein zu Erwerbendes, immer wieder zu Erneuerndes. Unsere Alten sagen: „Jede Zeit hat ihre eigene Thora", und sie wollen damit betonen, daß das alte Judentum für die Jungen nicht nur etwas Ueberliefertes bedeutet, sondern eine immer sich erneuernde Aufgabe, die jedem Geschlecht gestellt ist. Jedes Geschlecht muß sich das Alte immer wieder zu eigen machen und nach seiner Art formen oder, wie es Lazarus in seiner Ethik ausdrückt: „Die jüngere Generation muß die Fähigkeit haben, die Kultur, die wir erworben, zu empfangen, zu bewahren und zu entwickeln." Darin liegt die Lösung des Rätsels, das so viele Denker verwirrte, nämlich wie das kleine Volk der Juden große und mächtige Nationen überleben konnte. Seien wir dessen eingedenk, daß jeder von uns immer wieder am Sinai steht, daß die Verpflichtung, die unsere Väter einst in großer Zelt übernommen, auch unserem Geschlecht obliegt. Stellen wir uns in den großen Zusammenhang, den auch der große deutsche Dichter als den Sinn unseres Seins erjtannt hat, wenn er sagt: „Was du ererbt von deinen Vätern hakt, erwirb es, um es zu besitzen." Aus den Gemeinden Düsseldorf In der Sitzung der Repräsentanten vom 4. Oktober wurde der Beschluß gefaßt, den Frauen der Synagogengemeinde Düsseldorf das aktive und passive Wahlrecht zu verleihen. Die nächste neue Wahl der Repräsentanten findet im Frühjahr 1927 statt. Düsseldorf Die öffentlichen Vorträge der Synagogengemeinde, die nun schon, zu einem wertvollen Bestandteil des geistigen Lebens in Düsesldorf geworden sind,-haben auch in diesem Jahre ein:n vielversprechenden Anfang genommen. Als Thema der sechs Vorträge, die Sonntagmorgens 11 Uhr in der Synagoge stattfinden, ist gewählt: „Gestalten und Probleme aus der Geschichte der mittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophie". Am 3. Oktober führte Herr Dr. Leo Löwenthal aus Frankfurt a. M. in die Probleme der jüdischen Religionsphilosophie ein und verstand es, in überaus klarer und lebendiger Art die Grundzüge religiösen Denkens der jüdischen führenden Geister des Mittelalters darzulegen. Am 10. Oktober behandelte Herr Dr. Eduard Strauß, Frankfurt, den Philosophen des jüdischen Hellenismus, Philo von Alexandrien. In tiefschürfenden Ausführungen wurde das Wesen des Hellenismus in seiner Einwirkung auf den jüdischen Denker dargestellt, der den Versuch machte, die platonische Philosophie aus der Bibel heraus zu entwickeln. Am 17. Oktober sprach Herr Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf, über die Verbindung arabisch-griechischer Philosophie mit dem Judentum durch den Gaon Sadja. Es kam ihm vor allen Dingen darauf an, nachzuweisen, daß Sadja im Gegensatz zu Philo die arabische Philosophie nicht in die Bibel hineinliest, sondern ihre Methode dazu benutzt, um die Lehren des Judentums zu erhärten. Das Interesse an den Vorträgen ist besonders in nichtjüdischen Kreisen außerordentlich rege und zeigt sich vor allen Dingen auch in nachträglichen Anfragen bei den Rednern und- Bitten um Angabe von Literatur. Aus den Bünden Bonn Einem Aufrufe in der Tageszeitung folgend, hatten sich am Montag, den It. Oktober 1926, in der Wohnung des Herrn Rabbiner Dr. Levy ungefähr 30 Jugendliche zu einer Vorbesprechung für die Gründung eines Jugendvereins eingefunden. Die Jugendvereinsarbeit hat in Bonn seit Jahren geruht, und alle Anwesenden stimmten der Ansicht des Einberufers bei, daß es dringend notwendig sei, wieder mit der Arbeit zu beginnen. Rabbiner Dr. Levy betonte, daß die Jugend aus ihren Reihen die für den Verein Verantwortlichen stellen soll, wenn er auch selbstverständlich, ebenso wie der ebenfalls erschienene Herr Lehrer Baum, den Führenden stets beratend und helfend zur Seite bleiben will. Es haben sich bereits mehrere Jugendliche als Leiter von Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung gestellt. Diese Arbeitsgemeinschaften sollen nur die für das betreffende Gebiet Interessierten umfassen, Heimabende und Feiern für alle gemeinsam sein. Die Gründung des Vereins soll in einer öffentlichen Versammlung erfolgen, zu der ein Vertreter des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine erwartet wird. Cläre Levy. Dierdorf i. Westerwald Am Samstag, den 25. September, kamen wir seit langer Zeit wieder zusammen, um Simchas-Thora zu feiern. Zahlreich waren unsere Mitglieder, selbst die älteren, inaktiven, er» schienen. Herr Lehrer Ginsberg sprach zuerst über die Bedeutung der Feiertage und führte aus, daß nach den ernsten Tagen der Buße nun die heiteren des Dankes für den Ertrag des Jahres folgen. Darauf eröffnete Fräulein Seligmann mit einem Musikstück den unterhaltenden Teil des Abends. Zwei junge Mädel trugen ein gemeinsam verfaßtes lokales Duett vor und zogen bei dieser Gelegenheit Führer und Geführte —• zwischen denen in letzter Zeit kleine Mißverständnisse herrschten — tüchtig durch den Kakao. Wieder versöhnt, steigerte sich der Frohsinn. Man ging zum Tanz und zu Gesellschaftsspielen über, woran sich insbesondere unsere Alten recht eifrig beteiligten. Als die MittÄrnachtsstunde schlug, wollte sich noch niemand trennen. Acer die leidige Polizeistunde mahnte. Unter allseitigem Bedauern mußte man dann doch Abschied nehmen, und jeder versicherte, selten solche gemütlichen Stunden im Jugendbund verlebt zu haben. H. S a 1 o m o n. Essen Der hiesige Jüdische Jugendverefn hat seine Tätigkeit mit einem sehr anregend verlaufenen Abend, bei dem der Verbandsvorsitzende, Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf, über „Da» alte Judentum — die neue Jugend" sprach, begonnen. Es werden in diesem Winter eine Reihe Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, und zwar über „Religiöse Gegenwartsfragen" (Leitung: Herr Rabbiner Dr. Hahn) und Hebräisch (Leitungl Rabbiner Dr. Samuel). , Infolge des regen -Interesses versprechen diese Arbeitsgemeinschaften recht ersprießlich zu werden. Grevenbroich Am 16. Oktober wurde unser Verein offiziell wieder aulgerichtet. Der erste Heimabend wurde von 20 Personen besucht und verlief durchaus befriedigend. Auch die Jugend der umliegenden Gemeinden wird nunmehr zu unsere« Arbeiten herangezogen. Besondere Anregung versprechen wir uns von der Mitarbeit des Herrn Lehrer Rotter aus Jüchen. 4 —

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