Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 19 (21.10.1926)
- Date
- 1926-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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■oll der Körper trainiert werde«. In steter Harmonie soll unsere Jagend ihren Körper und ihren Geist heranbilden. So möge denn unsere schulentlassene männliche and weib- L liehe Jugend den Weg zum neutrale« Jüt yitn Jngendverein „Gabriel Riesser" finden and ihm die alte Blüte verleih««. Möge er ein Jungbrunnen für neues jüdisches Leben werden! Der Jüdische Jugendbund Hamborn hat sich.mit folgendem Schreiben an die örtlichen jöJi-ichen Organisationen gewandt: Wir beehren uns, Ihnen folgende Bitte unserer Mitgliederversammlung vom 21. September dieses Jahres zu unterbreiten und wären Ihnen verbunden, wenn Ihr geschätzter Verein unsere Prinzipien in dieser Angelegenheit zu den seinen machen würde. Insbesondere bitten wir Sie, Ihre Delegierten für die in den nächsten TaiJen stattfindende Vorbesprechung der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Vereine Hamborns mit den nötigen Vollmachten zu unserem Vorschlag zu versehen und uns schon jetzt Ihre Zustimmung oder begründete Ablehnung mitzuteilen. Resolution der Mitgliederversammlung des Jüdischen Jugendbundes: „Vorstand! und Mitglieder des Jüdischen Jugendbundes Hamborn bitten alle an der hiesigen' Arbeitsgemeinschaft jüdischer Vereine Hamborns interessierten jüdischen Organisationen ihre; Vorträge während des Winters durch die Arbeitsgemeinschaft halten zu lassen." Begründung: Die jüdische Arbeit in unserer Gemeinde während des letzten Winters hat gezeigt, daß in bezug auf die jüdischen Veranstaltungen in unserer kleinen jüdischen Ger- ■ de eine gewisse Ueberorganisation zutage trat. Nicht :. -r, daß verschiedentlich wichtige und interessante Vorträge •n einem Abend stattfanden, sondern auch daß in mancher Woche drei bis vier Vorträge gehalten wurden. Bei dieser Vortragsmer.ge und bei dem gleichzeitigen Bestehen der Mittwoch-Abende der Arbeitsgemeinschaft war es für einen Verein, der außerdem noch auf Innenarbeit Wert legt, fast unr lieh, systematisch und fruchtbar zu wirken. Bei dieser La„e der Dinge halten wir es für angebracht, daß eine Rationalisierung unseres Vortragsbetriebes stattfindet, eine Rationalisierung, die sich unseres Erachtens am besten durch die Arbeitsgemeinschaft bewerkstelligen läßt. Wir halten es für zweckmäßig, wenn jede der größeren Organisationen sich verpflichten würde, höchstens einen Vortrag im Monat halten zu lassen, und daß die kleinen Organisationen oder diejenigen, deren Mitglieder meistens Mitglieder anderer Organisationen sind, höchstens einen Vortrag in zwei Monaten zugebilligt bekommen. Eine solche Regelung würde nicht nur eine große Kostenersparnis für den einzelnen Verein bedeuten, sondern autS die Gemeindemitglieder vor der Uebersättigung durch Vorträge bewahren. Da der Mittwoch-Abend für die Arbeitsgemeinschaft bestimmt ist, wäre die erste Voraussetzung, daß der gemeinsame Geschichtskursus und der versöhnlich wirkende gemütliche Teil des Abends den Gemeindemitgliedern durch Vorträge hjeht genommen werden darf. Es muß deshalb ein anderer Abend in der Woche für Vorträge bestimmt werden, wobei wir bitten, in keiner Woche mehr als einen Vortrag halten zu lassen, am den Vereinen ihre wichtige Innenarbeit nicht zip erschweren. Wir brauchen an dieser Stelle Zur Nachahmung:! wohl nicht ausdrücklich zu betonen, daß jeder Verein sämtliche Kosten eines von ihm veranstalteten Vortrages aus eigenen Mitteln bestreiten muß, da die Arbeitsgemeinschaft lediglich eine Plattform für einen überparteilichen Meinungsaustausch darstellen soll und nicht als Finanzierungsinstitut gedacht ist. Der besondere Grund aber, aus dem wir diese Neuordnung des Vortragswesens anregen, ist innerjüdischer Art. Die Arbeitsgemeinschaft soll dazu dienen, die Ritterlichkeit und Toleranz unter den verschiedenen jüdischen Parteiungen zu fördern. Es ist beschämend, für eine jüdische Gemeinde, wenn sich ihre Mitglieder so bekämpfen, als ob Judenfeinde and nicht nur Juden am Werke wären. Für den Jüdischen Jugendburd, als den Hauptverfechter des Neutralitäts- und Toleranzgedankens, handelt es sich darum, durch gemeinsame Vorträge und AussprachertJ.die Achtung vor der anderen jüdischen Ansicht zu fördern und zu stärken, und darum sehen wir in der Arbeitsgemeinschaft, wie sie vorbildlich in unserer Gemeinde verwirklicht ist, das letzte Mittel ~zu einer Verständigung von Juden untereinander, und die wahre Stätte für die Ritterlichkeit, Austragung u:.d Aufklärung von Meinungsstreitigkeiten. Wir haben es in der Hand, ob aus den jetzt in vielen Gemeinden gegründeten Arbeitsgemeinschaften Volksbildungsinstitute entstehen werden, wie sie früher die Lehrhäuser^ wenn auch unvergleichlich anders, bildeten, Volksbildungsinstitute, in denen wissensbegierige Gemeindemilglieder ohne Zank und Hader beieinander sitzen können, um ihr Wissen vom Judentum zu bereichern und um sich über brennende Tagesfragen -auszusprechen. Wir können diese Möglichkeit begünstigen, wenn wir jeder Ansicht, und sei sie noch so sehr auf Propaganda berechnet, in unseren Arbeitsgemeinschaften Gehör schenken. Die Furcht vor unerquicklichen Auseinandersetzungen, die so off geäußert wird, zeigt, soweit sie kein Vorwand für Feigheit ist, am besten, wie notwendig es ist, der jüdischen Grüppchenbildung und der dadurch hervorgerufenen Verwilderung der Aussprachesitten entgegenzutreten. Ein Frieden in der Gemeinde, der nur darauf beruht, daß einem kein« Gelegenheit gegeben wird, vorhandene Gehässigkeiten an den Gegner zu bringen, ist nicht wert, als Zustand unter Juden geduldet oder gar gefördert zu werden. W i r verstehen unter Gemeindefrieden den Zustand, der jedem Juden die Gewähr bietet, vom andersdenkenden Juden nicht als Feind, sondern trotz allem als Bruder angesehen zu werden. Wenn die hiesigen verschieden gerichteten Vereine den Mut haben, ihre nicht ausschließlich Interna 'behandelnden Vorträge auch vor einem anders gesinnten Auditorium halten zu lassen, dürfte der erste Schritt zu einem wahrhaften Frieden unter Juden getan sein. In diesem Sinne bitten wir am Ihre Antwort. Mit jüdischem Gruß! Der Vorstand des Jüdischen Jugendbundes Hamborn. I. A. (Unterschrift). Zum Wochenabschnitt Wajero Von Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. Die drei Thora-Abschnitte Lech lecho, Wajero und Chaje •oro bilden eigentlich ein untrennbares Ganzes, weil sie uns die Geschichte unseres Patriarchen Abraham in einem angemein plastischen Gemälde vor Augen führen. An dieser Darstellung können wir so recht die fein« pädagogische Art der Thora kennen lernen. Ethische Belehrung wird ans nicht etwa dadurch zuteil, daß uns gesagt wird, so und so mußt du sein, das und das wird von dir verlangt, sondern an den Bildern von Persönlichkeiten werden wir unmerklich und doch sicher hingeführt zu wahrer Sittlichkeit. Es wird ans nicht gesagt: „Habe Gottvertrauen, liebe die Menschen, sei gastfreundlich, nimm dich auch der Sünder an, opfere alles, auch dein Liebstes, für Gott und die höchste Idee," sondern in schlichter, selbstverständlicher Weis« wird ans erzählt, wi« Abraham ohne Widerrede und ohne zu fragen auf Geheiß Gottes seine Heimat, i seine Vaterstadt, sein Vaterhaus verläßt, wie Abraham, um des Friedens willen, seinem Neffen Lot die Weideplätze überläßt, wie er ohne Zögern ihm zu Hilf«, eilt und keine Belohnung annimmt für die Befreiung fremder Menschen, wie er einsame Wanderer bewirtet, für die Sünder Sodoms und Gomorras bittet, wie er still und mit rührender Selbstverständlichkeit die Forderung zu erfüllen bereit ist, seinen Sohn, seinen einzigen, die Freude seines Herzens,-zum Opfer zu bringen. Wenn wir diese Abschnitte lesen, so verstehen wir die Mahnung des Propheten: „Höret auf mich, die ihr Liebe erstrebt und nach dem Ewigen verlangt! Schauet hin auf den Felsen, aus dem ihr genasen, auf den Brunnen, daraus ihr ge- — 3