Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 18 (7.10.1926)
- Date
- 1926-10-07
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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findertum, das wir schlagwortartig definieren können mit Erziehung zum Bürger und Menschen. Wir erkennen also, daß es solange keine Berührungspunkte (und keine Reibungsflächen) zwischen Jugendverein und Kadimah geben kann, als der Bund nicht an die Gründung von Aelterenschaften geht. (Sollte es hierzu kommen, werden wir uns von neuem mit einem Neuen auseinandersetzen müssen; vorerst entfällt dies unserer Betrachtung.) Was aber unsere an einer ganzen Reihe von Orten bestehenden Jugend- und Wandergruppen anbelangt, so erscheint uns eine Zusammenarbeit zwischen diesen und der Kadimah in der Theorie möglich, in der Praxis vorerst wohl noch nicht. Bis jetzt — und das ist unsere zweite Beanstandung — ist es nämlich nur die Theorie des neuen Bundes, die neutral ist. /.ionisier» sind die Führer, und die Führer machen eine Bewegung. Dr. Werner Bloch, also einer, der Name und Stimme hat in diesen Dingen, erklärt: „Der Bund Kadimah ist keine neutrale Sache. Eis wird dort versucht, auf neuem Wege die westjüdische Jugend (für den Zionismus! D. Verf.) zu gewinnen. Führer müssen in die Kadimah hineingehen, um dort zionistische Jugendarbeit zu leisten." Mag auch hier mehr der Wunsch als das Tatsächliche der Vater des Gedankens sein, so zitieren wir trotzdem diesen Ausspruch deshalb, um zu zeigen, daß die Neutralität der Kadimah in der Praxis doch noch reichlich problematisch ist. Die Kadimah wird vielmehr die Oeffentlichkeit erst davon! überzeugen müssen, daß ihre Arbeit nicht getragen ist von Parteiinterresse und nicht von Personenkult, sondern von dem starken, überparteilichen Willen zur all'üdischen Gemeinschaft. Und deshalb müssen in der Führung der Kadimah auch Nichtzionisten Platz haben, keine Paradehengste, sondern tätige, führerische, junge Menschen, Persönjlichkeiten. V. Wenn die Kadimah diese Forderungen erfüllt haben wird, dann wird sie hinauswachsen aus der Diskussion der zionistischen Tagungen und Sitzungen, und sie wird eine Sache der jüdischen Allgemeinheit sein. Dann wird sie in den Kreisen jüngster jüdischer Menschen ihre Arbeit leisten können, segensreich für das Ganze. Dann werden auch wir den Bund begrüßen können als eine Organisation, die zwar ihrer ganzen Struktur nach andere Menschengruppen umfassen muß als wir, die aber auf gleichen Wegen mit uns gleichen Zielen zustrebt. Ob es soweit jemals kommen wird, wissen wir nicht, wissen wohl die Kadimah und ihre Führer selbst nicht.' Bis es aber soweit ist, wollen wir die Kadimah werden und wachsen schon. Wir aber wollen warten, und — Freund und Gegner sei's gesagt — wir wollen wachen) Zu den Randbemerkungen Ludwig Löwenstein sendet uns die nachfolgenden Ausführungen zu der Randbemerkung über das Jugendreferat auf der Erfurter Tagung der Z.V. f.D. Wir veröffentlichen diese Kritik der Randbemerkung, ohne uns mit derselben zu identifizieren und empfehlen allen Verbandsfreunden die eigne Lektüre des angezogenen Referates von Kanowitz. Die" Schriftleitung. Wenn man Neutralitätsideen verfechten und Parteigetriebe bekämpfen will, so ist vor allem zu verlangen, daß man sich selbst von einseitiger und ungenauer Berichterstattung frei macht Der Verfasser der „Randbemerkung" über das Erfurter Referat von Dr. Kanowitz: „Zionistische Jugendbewegung in Deutschland" scheint sich dieser Konsequenz seiner Ideen nicht bewußt gewesen zu sein. \ Der Anonymus berichtet, Kanowitz habe den Niedergang des Blau-Weiß darin gesehen, daß dieser aus mangelndem Verständnis für den Entwicklungsgang jugendlicher Menschen Zweckgetrieben unterworfen war. Die politische Partei sei in sein Gehege eingedrungen. Die neugegründete „Kadimah" lehne deshalb die Bindung an zionistische Parteien ab. Ich nehme an, daß der Verfasser, wie auch ich, den amtlichen Bericht der „Jüdischen Rundschau" als Unterlage benutzt hat. Allerdings wird die „von revolutionärem Geist erfüllte, sich selbst lebende und von sich selbst bestimmte, den Zweckgetrieben nicht unterworfene Jugend" als die „klassische Jugendbewegung" hingestellt. Aber gerade entgegengesetzt dem, was der Verfasser glaubt, hat Kanowitz als einen der Gründe des Niedergangs des Blau-Weiß angeführt, daß dieser jene 'jugendbeweglerische Tendenz zu sehr verallgemeinert hat, indem er versuchte, „die Kluft zwischen Jüngling und Mann durch Aufrechterhaltung des ungeteilten Bundes zu überbrücken". Hier wird das Wort „von mangelndem Verständnis für den Entwicklungsgang jugendlicher Menschen" gebraucht. Es wäre auch eine völlige Verkennung der Situation gewesen, zu glauben, der Fehler des Blau-Weiß liege in einer zu starken parteipolitischen Beeinflussung. Der Blau-Weiß ist immer seine eigenen Wege gegangen und hat bei jeder Gelegenheit seinen Sondertypus unterstrichen. Das wird ihm gerade innerhalb des Zionismus zum Vorwurf gemacht. Es ist weiter richtig, daß Kanowitz bezüglich der „Kadimah" darauf hingewiesen hat, daß „wir (d. h. die Zionisten) es ablehnen. Jugendliche zu Parteizionisten zu erziehen". Aber wenn man daraus eine Nutzanwendung für'uns ziehen will, so erscheint es mir doch notwendig, mitzuteilen, daß die Kadimah nur ein Bund der Jüngeren sein soll. In ihr soll eine Jugend erzogen werden, die frei von jeder bürgerlichen Beengtheit die ihr vorgelegte Frage entscheiden solL Uns Zionisten erscheint dies deshalb so wichtig, weil wir Wissen, daß die jugendlichen Menschen uns verloren sind, die in die Hände der „Bourgeoisie" geraten; anderseits sind wir auf Grund jahrelanger Erfahrung davon überzeugt, daß die Atmosphäre einer Jugendbewegung — und gerade einer „klassischen" — zur Entstehung eines zionistischen Nachwuchses genügt. „Aber", so führt Kanowitz weiter aus — und hier setzt der Unterschied gegenüber der bisherigen Blau-Weiß-Erziehung ein — „die aus der Kadimah herauswachsenden Menschen müssen einen Bund der Aelteren vorfinden, der den entscheidenden Abschnitt der zionistischen Erziehung leistet. . . . Die Entscheidung muß jedejn einzelnen noch einmal neu gestellt werden in einer für sein Auseinandersetzung mit st;ntm Kompliziertheit . . ." An einer Alter spezifischen Form: die ^Judenproblem in all seiner Iunseren Stelle: „Ganz andere Funktionen hat die Erziehung der Aelteren zu erfüllen. Hier kommt es auf politische Bildung und politischen Charakter an. Aus dem Bund der Aelteren mlissen Menschen hervorgehen, die Träger geistiger Auseinandersetzungen sein, können, die auf Grund ihrer Bildung und politische Entscheiduni ihrer Kenntnisse fähig sind, gen zu treffen . . . Umsetzung von Erkenntnis in Willen . . .1" Aus einer früheren Stelle geht hervor, daß Kanowit reils in dem T8. Lebensjahr erblickt, in dem „der räfte des Gemüts kritische Verstand beginnt, sich die Krälte des Gemüts unterzuordnen . . Also gerade das, was sich auf die den Verband hauptsächlich umfassende Altersklasse bezieht, hat uns der Verfasser nicht mitgeteilt Diese eindeutigen Bekenntnisse einesin der zionistischen Jugendbewegung tätigen Menschen sind nicht Anschauungen .eines Predigers in der Wüste" liehen Tendenz Allgemeingut de klar daraus hervorgeht, daß die das entscheidende Alter besie sind ih ihrer grundsälzdentschen Zionismus, was ja „Kadimah" nach diesen Prinzipien geleitet wird. Man sieht |ilso, daß selbst bei der Partei, die immer als die Partei kaf exoehen verschrien wird, die eigene Entscheidung der Jugendlichen garantiert ist, und daß ganz mit Unrecht unsere Führer darauf hinweisen, daß dies nur in unserem Verband möglich sei. Es ist auch unrichtig, in d|n von Kanowitz vertretenen i , Anschauungen eine „sicherlich! ungewollte Annäherung an unser Programm" zu finden. Der Kadimah ist die Neutralität die äußere Form der Erziehung; Jugendlicher, deren Entscheidung nicht durch eine politische Festlegung des Bundes vorweggenommen werden soll. In unserem Verband ist die Neutralität dagegen Inhalt der Erziehung, sie wird bei uns zum Mittelpunkt unseres jüdischen Seins und Denkens gestempelt. Zudem soll zum Schluß auch darauf hingewieen werden, daß die neutrale Erziehung durchaus nicht die allein mögliche und moralisch gerechtfertigte ist, wie bei uns so oft betont wird. Müßte man sonst nicht mit der gleichen Konsequenz in der Schule den Kindern alle Religionen vorführen und ihnen die Entscheidung überlassen? . . . Ludw. Lötiv enstein, Grevenbroich. — ir —