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Der Jugendbund · 1926-10-07 · 18 (7.10.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
18 (7.10.1926)
Date
1926-10-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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7. „Das Wesen der Assimilation und ihn Folgen, besonder* in der Geschichte der Juden". Für die beiden folgenden Themen habe ich den Arbeitsplan aufgestellt, um ungefähr ein Beispiel zu geben für das Programm einer Arbeitsgemeinschaft. I. Thema einer Arbeitsgemeinschaft für vier Heimabende: „Die Religionsschule, ihre Bedeutung für die jüdische Schuljugend". Erster Abend: Selbstcrlebtes^ in der Religionsschule, jetzige personliche Stellungnahme zum eigenen damaligen Unterricht und Anforderungen an den gegenwärtigen Unterricht in der Religionsschule. (Erzählt von mehreren Mitgliedern.) Aussprache. Zweiter Abend: (In der Zwischenzeit haben mehrere Mitglieder in der Religionsschule der Gemeinde hospitiert und geben nun ihre Eindrücke wieder, persönlich empfundene Vorzüge und Mängel werden festgestellt und Eindrücke und Meinungen in der gemeinsamen Aussprache ausgetauscht.) ■ - Dritter Abend: Vortrag eines Mitgliedes: „Psychologie des jüdischen Schulkindes". Aussprache. Vierter Abend: Aussprache über „Religiöse Erziehung ■ und erziehende Religion". II. Thema' einer Arbeitsgemeinschaft im Heimabend: „Soziale Arbeit". (Diese Arbeitsgemeinschaft soll neben der gedanklichen Arbeit vor allem der praktischen Betätigung in sozialer Arbeit dienen.) Erster Abend: Kurze Darstellung der sozialen Notlage im allgemeinenn, der betreffenden Gemeinde im besonderen, statistische Angaben und Fälle aus der Praxis. (Vorgetragen von einem in der sozialen Arbeit der Gemeinde stehenden Menschen, der die Leitung dieser Heimabende übernimmt.) Aussprache. Zweiter Abend: In der Zwischenzeit haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft die sozialen Anstalten der Gemeinde (eventuell der Stadt), wie z. B. Kindergarten, Hort, Krankenhaus, Altersheim, besucht. Es können auch einige Mitglieder unter verständiger Leitung einzelne Personen und Familien besuchen. Dies muH aber mit größtem Takt und viel Vorsicht geschehen. Niemals dürfen die Notleidenden einer Gemeinde zum Gegenstand der sozialen Hilfsbereitschaft der Jugendbundmitglieder herabgewürdigt werden. Das ethische Verständnis und Pflichtgefühl für soziale Arbeit muß in Heiraabenden und bei praktischer Betätigung gepflegt werden. Vortrag: „Wie können wir helfen?" Es werden praktische Vorschläge gemacht und auch gleich ausgeführt, indem verschiedene freiwillige Helfergruppen gebildet werden. Dieser .Heimabend ist so zu einer wirklich praktisch tätigen sozialen Arbeitsgemeinschaft geworden. Es können nun nach Bedarf technische Arbeitsabendc und theoretische Ausspracheabende veranstaltet werden. Das Wohl und Wehe eines Jugendvercins ist davon abhängig, ob seine Veranstaltungen junge Menschen als Vereinsniitglioder zusammenführt, die sieb innerlich fremd sind und bleiben, oder ob der Verein Heimabende schafft, die junge Menschen durch gemeinsame, erlebte und schöpferische Arbeit zusammenschließt zu einer wahren, innerlich erfühlten und erlebten Jugendgemeinschaft. Darum nochmals die Forderung an alle Führer: Schafft ideale Heimabende! Mein erstes Heimabend-Referat Von Siegfried Ba 1921. Die Kasseler "Führertagung unseres Verbandes, eines meiner stärksten Erlebnisse, halte mir viele, bis dahin nur dem Namen nach bekannte Verbandsfreunde und -führer nahegebracht. Ich war vollgepfropft und -gestopft mit Begeisterung, Ideen und — Menschen. Diesen Zustand der L'ebersätligung suchte ich dadurch auszugleichen, daß ich mich wochenlang von jeder intensiven Arbeit im Freundeskreis fernhielt. Dies freiwillige Schweigegebot wurde lediglich durch eine Tagung unserer Bezirksgruppe in Borken unterbrochen. Dann kam der traurige Bundestag des I1WB. in Breitenbach am Herzberg. Er hinterließ aufgewühlte Herzen und zerrissene Freundschaftsbande. Das alles schrie nach Sammlung, und auch ich suchte alles daran zu setzen, um dem drohenden Verfall in mir zu steuern. Kein Wunder also, daß die Einladung des Bayerischen Landesverbandes zu einer Delegiertentagung, die in Form eines großen Heimabends abgehalten werden sollte, bei mir ein starkes Echo fand. Indes kümmerte sich mein von all diesen Fahrten schlappgewordener Geldbeutel gar nicht um meine Gefühle. Keiner konnte helfen. Nicht die Verbandsleitung, nicht der Landesverband, nicht der Eschweger Verein. Da half ich mir selbst. Mit Fritz Rindsberg, dem tapferen Assistenten des vortrefflichen Hermann Hirsch in Koburg (damals Vorsitzender des Bayerischen Landesverbandes), hatte ich. sehen vorher Rücksprache genommen, und so wurde denn nach mancherlei Brief- und Telegrammwechsel vereinbart, daß ich auf Kosten des Bayerischen Landesverbandes an der Tagung in Bayreuth teilnehmen dürfe unter der Bedingung, daß ich mit dem gesamten Personal meines Kasperletheaters auftreten würde. Wir waren uns einig in der Ueberzeugung, daß auf einem solch großen Heimabend auch ein Kasperletheater gezeigt werden müsse. Acht Tage vor meiner Abreise schickte ich die Kasperle, im Paket wohlverpackt, ab. Donnerstag abend traf ich in Bayreuth ein. Ich wurde an der Bahn abgeholt und ließ mich mit „Herr Direktor" anreden, obgleich meine Truppe noch nicht zur Stelle war. Sie kam auch am Freitag und Samstag noch nicht. Endlich am Sonntagabend gelang es Fritz Rindsberg, bei der Post festzustellen, daß das Paket angekommen sei. Gegen Zahlung der Eilbotengebühr wurde es uns sogar ausgehändigt. Am Montagmorgen konnte endlich unter allgemeinem Jubel der Großen und Kleinen das zweistündige charach, Hannover. Spiel vor sich gehen. Meine Truppe wurde (leider ohne ihren Direktor) sofort, nach Koburg und nach München (man bedenke die Kunststadt!) verpflichtet. Die Moral von der Geschichte erstem Teil: Spielt in euren Jugendgruppen Handpuppentheater! Quält eure Jüngsten nicht mit »theorien, lehrt sie fröhljeh seinl Während euch lachende Kinderaugen zujubeln, wächst still im Herzen das seltene Pflänzchen Dankbarkeit.") . Das Kasperletheater' war für mich nur Mittel zum Zweck gewesen. Ich wollte ja aus den Heimabendreferaten der Tagung lernen. Am Samstagvormittag traf eine Depesche von Kurt Zacharias ein, er könne wegen Personalerkrankung nicht abkommen, am Samstagnachmittag sagte Grete Kovacs telegraphisch ab. So nahm der bayerische Staatsrat mir das Versprechen ab, in die Bresche zu springen, und, der ein Schüler sein wollte, mußte plötzlich den Lehrer spielen. Es ging besser, als ich dachte. Dieser Kreis, zusammengesetzt aus jüdischen jungen Menschen aller Schattierungen, Einstellungen und Altersklassen, vom Schillerkragen bis zum Lackschub, vom abgeklärten Sanitätsrat bis zum Fritz Ruschkewitz aus Würzburg, der wohl an die zwanzigmal am Tage auf seiner Gitarre den „Tantenmörder" von Frank Wedekind spielen mußte, hatte nur eine Sehnsucht: das Erlebnis. Sie kamen alle auf ihre Kosten. (Ich auch. Nämlich; als sich beim Friseur der leibhaftige Siegfried Wagner auf denselben Stuhl setzte, von dem eben der Siegfried Bacharach aufgestanden war.) Die Aufnahme in den einzelnen Familien war die denkbar beste. Am Samstagnachmittag gemeinsame Besichtigung der Wagnerbühne, am Abend eine kleine musikalische Veranstaltung von erlesener Güte. So kam es, daß ich, selbst ein Empfangender wie die anderen Tagungsteilnehmer, mich schnell und sicher auf das Niveau und die Erwartungen der Zuhörer einstellen konnte, und da ich Dutzende von Heimabenden mitgemacht und selbst geleitet hatte, so ging mir der Stoff nicht aus. Als ich das erstemal auf die Uhr sah, war eine Stunde verflossen. Ermüdung war nicht aufgekommen. Das Problem war von den verschiedensten Seiten beleuchtet worden und nach dem Wie ") Der Verfasser: Hannover, Dachenhausenstraße 1B, ist gerne bereit, Anfragenden Zweckmäßiges fiber die Einrichtung eines Kasperletheaters mitzuteilen. — 2 —

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