Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 16 (9.9.1926)
- Date
- 1926-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492456-6352473-6352493--0209-4928409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
/ den Einbruch von Mächten in "das Gehege der Jugend gesprochen, wovon die wesentlichste die politische Partei sei, die sich hier ihren Nachwuchs erziehe. Der eigentliche Nachfolger des Blau-Weiß sei die Kadiman, die jede offizielle und programmatische Bindung an zionistische Parteien und zionistisches Programm ablehne. Er behauptet darauf: „Auch wir lehnen es ab, Jugendliche zu Parteizionisfen zu CMiehen." Wir würden diese sicher ungewollte Annäherung an fmser Programm begrüßen, wenn wir nicht der Ueberzeugung wären, daß der Referent als Prediger in der Wüste gesprochen hat. Die Psychologie der Jugend ist den Parteibonzen aller Schattierungen immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Die Zentralstelle für jüdische Adoptionsvermittlung: und Pflegestellenwesen des Jüd. Frauenbundes e. V. Geschäftsstelle Elberfeld, Genügsamkeitstraße 7, sendet an die jüdischen Gemeinden Deutschlands folgenden Aulruf: „In den letzten Jahren habensich die Fälle gehäuft, in denen jüdische Kinder in christlicher Umgebung erzogen wuu. den und somit dem Judentum verloren gingen. Der Jüdische Frauenbund hat deshalb die Arbeit der Adoptions¬ und Pflegestellenvermittlung aufgenommen. Die Aufgabe der Aduption-.zentrale ist einerseits armen, elternlosen Kindern ein Heim zu geben und andererseits kinderlose Eltcrn'durch ein Kind zu beglücken. Die Adoptionsvermittlung hat schon eine erhebliche Anzahl Kinder in Familien untergebracht und dadurch, wie aus so vielen Zuschriften an uns ersichtlich ist, in manche Familien Glück getragen. Die jüdicche Gemeinschaft aber ist der Sorge für diese Kinder enthoben. Da nicht alle Kinder für Adoption in Frage kommen, auch nicht alle für Anstalten geeignet sind und im Grunde jede Familienerziehurg einer Anstaltserziehung vorzuziehen ist, hat sich aus der Adoptionsarbeit heraus die Pflegestellcnvermittlung entwickelt.. Bisher hat es kaum jüdische Pflegestellcn gegeben, so daß in vergangener Zeil und leider auch heute noch jüdische Kinder in christlichen Häusern untergebracht sind. Die Zentrale ist nun bemüht, Pflegestcllcjn zu finden. Eine größere Anzahl steht schon heute zur Verfügung der jüdischen Gemeinden. Diese, sowie die Adoptionsarbeit, kann nur durchgeführt werden, wenn der Zentrale für Adoptionsvermittlung und" Pflegeester wenn diese lügen überstellcnwesen die ideelle und finanzielle Mithilfe wei Kreise gesichert ist. Wir wären Ihnen sehr verhunden, auch Ihre GemeinJc mit Hille ihrer W-ohlfahrl?organe Arbeit aufnehmen, sowie einen jährlichen Beitrag bewi würde (Mindestbeitrag 20 Mark), den Sie uns gütigst weisen wollen. Zu näherer Auskunft über die Art der Arbeit ste Zentralstelle stets gerne mit ihrem Material zur Verfügung." Es wäre wünschenswert, wenn diesen wichtigen Arbeitsgc bieten größtes Interesse entgegengebracht würde. die Die Arbeit im Verband ,lm Berichtsruonat fanden verschiedene wichtige Besprechungen statt, an denen Fritz Schwarzschild als Geschäftsführer des Verbandes teilnahm.' Zunächst wurde in Berlin in eingehender Weise das Verhältnis zwischen Verband und ReicbsausschuO der jüdischen Jugendverbände geklärt. Danach wird der. Verband die Bestrebungen des -Reichsausschusses züf Zusammenfassung jüdischer Jugend in sozialer Arbeit zukünftig mit allen Kräften unterstützen. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände wird dem Verband die Vertretung der jüdischen Jugend im allgemeinen Keichsaujschuß der deutschen Jugendverbände überlassen und unser Verbandsorgan zu seinen Publikationen benutzen. Näheres ist aus dem unten wiedergegebenen Sitzungsbericht des Reichsausschusses zu ersehen. Auch mit dem Rcichsbund jüdischer Frontsoldaten, dessen Sportgruppsn in Mitteldeutschland einen ansehnlichen Umfang besitzen, fanden Besprechungen über das Verhältnis zwischen Verbandsgruppen und Jungfront statt, die aber bisher noch nicht zum Abschluß gekommen sind. "Endlich trafen sich die Führer des mitteldeutschen Landesverbandes in Berlin. Die organisatorische Leitung des Landesverbandes liegt von jetzt ab in den Händen von Waldemar Strauß, Berlin, Alice Hirsch, Magdeburg, und' Eugen Roth, Cöthcn, gemeinsam; während der' bisherige Leiter Rabbiner Dr. Nobel nach wie vor geistiger Berater ist. Eine eingehende Bearbeitung der einzelnen Bezir'ksgruppen des Landesverbandes, von denen Anhalt, Magdeburg, Stettin, Grenzmark und Berlin arbeitsfähig sind, wurde vorbereitet, insbesondere soll Ostdeutschland in nächster Zeit .von einigen Verbandsfreunden intensiv bereist werden. Thüringen wurde vom Landesverband ' abgetrennt und dem Landesverband Sachsen Überträgen. Der Sächsische Landesverband' veranstaltete am 29. August ein Sachsentreffen der Jugendvereine, an welchem sich Chemnitz, Dresden, Leipzig und Plauen beteiligten. In «Waldheim trafen sich insgesamt etwa 80 Teilnehmer; die Wanderung führte über. Kriepstein durch das herrliche Zschopautal zur Lauenhainer Mühle und endete abends in Mittweida. Die ausgedehnte Mitlagsrast diente neben sportlichen Spielen und Gesang vor allem einer Aussprache über Wege und Ziele unserer Arbeit. Es ergab sich, daß der vereinzelt erhobene Ruf nach den Wesensformen der Jugendbewegung, also z. B. Bach dem Wanclercrlcbnis, als Grundlage unseres Schaffens ond Wirkens bei den allermeisten keinen Widerhall findet. Andererseits wurde gefordert, durch klare Geistes- und Verstandesarbeit das Wissen vom Judentum zu erringen, uri aus der Kenntnis von Wesen und Geschichte .der jüdischen Gegenwart zu begreifen und vor allem durch wissen und Ueberzeugung unser Judesein uns zur Herzenssache zu machen. In erster Linie aber kam zum Ausdruck, wie sehr gerade die Gestaltung unserer jüdischen Jugendbünde der Pflege des bewußten Gemeinschaftsgefühles zu dienen imstande ist, das schon! ohne jede Problematik und Theorie jüdisches Erleben und Willen zum Judentum in uns wachruft und aufrechterhält. Das Maß von Gefühl und Tatwillen in jedem einzelnen wird a sdann jedem seinen Weg der Entscheidung aufzuzeigen habei. In diesem Zusammenhang' seien besonders die Ausführungen eines jüdischen Lehrers aus Haifa erwähnt. — An dem von den Wandergruppen geleiteten Trcfien nahmen auch Vorstandsmitglieder der einzelnen Vereine teil, der Landesverband war durch seinen, Vorsitzenden Heinrich Guttinann vertreten. — Solche Zusammenkünfte fördern das Gemeinschaftsbewußtsetn und das Interesse an der Rundesarbeit und dienen damit jedem einzelnen wie uns allen. Dies möge auch dem einen dler uns angeschlossenen Bünde mit 130 Mitgliedern, der die Teilaahme „wegen Interesselosigkeit" ablehnte, zu denken geben- ' Der Nordwestdeutsche Landesverband veröffentlicht das Programm seiner Delegicrtcntagur.g. Im Nordwcstdeu (sehen Landesverband landen weiterhin zahlreiche Treff-Fahrten statt, von denen erfeulichttrweise der Verband durch Kartengrüße ständig unterrichtet wurde. Im Gebiet des Westdeutschen Landesverbandes trafen sich am 15. August särrjtlichc Weslerwälder Bünde in Altcnkirchen zu einem Vortrag des Verbandsvorsitzenden über „Wege und Ziele der jüdischen Jugendbewegung". Die Zusammenkunft verlief äußerst anregend. —. Im Anschluß hieran besuchte der Verbandsvorsilzende die Orte Westerburg und Gießen. Es gelang ihm, durch eingehende Fühlungnahme mit der jüdischen Jugend in diesen Orten Arbeitsgemeinschaften zu errichten, aus denen sich wohl in Zukunft neue Jugendbünde entwickeln werden, — Die Vereine der Bezirksgruppe Trier trafqn sich am 22. August in Cochem. Am Sonnlag, den 22. August, trafen sich in Limburg Mitglieder verschiedener hessischer Vereine. Bei dieser Gelegenheit fanden wiederum eingehende Besprechungen zwischen dein Verbandsvorsitzenden und den hessischen Führern sffct(. Dem hessischen Landesverband hat sich der Verein Ingelheim "angeschlossen, i ) 11 —