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Der Jugendbund · 1926-09-09 · 16 (9.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
16 (9.9.1926)
Date
1926-09-09
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Noomi so überaus zart uns entgegentönt (Ruth 1, 16—17): „Dringe nicht in mich, dich zu verlassen und von dir zu gelten, sondern wohin du gehst, dahin gebe ich, und wo du weilest, da weile ich, dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott, wo du stirbst, da will ich sterben, und bei dir will ich begraben werden." Ihre ergreifendsten Gleichnisse entnehmen die Propheten den häuslichen Beziehungen. Gott ist der liebe Vater und Israel der undankbare Sohn: „Kinder habe ich großgezogen — sie haben sich gegen mich empört" (Jes. 1, 2); oder: „Ist mir nicht Efraim ein lieber Sohn, ein herziges Kind . . . ich muß mich sein erbarmen, spricht der Herr." (Jer. 31, 20); und Hosea sieht in Gott den Ehegemahl und Israel die treulose Gattin, der Gott sich immer wieder in Gnaden annimmt. (Hos. 2.) Mann und Weib sind zur Ehegemeinschaft geschaffen. „Gott sprach, es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, darum mach ich ihm eine Gehilfin, die um ihn sei. Darum verläßt der Mann seinen Vater und seine Mutter und schließt sich seinem Weibe an, und die beiden werden ein Wesen." (2, 18 bis 24.) Der Psalmist preist den Segen , der rechten Ehegemeinschaft: „Wenn du deiner Hände Arbeit genießest, Heil dir, du hast es gut, dein Weib ist wie die blühende Rebe im Innersten deines Hauses, deine Kinder sind wie Sprößlinge rings um deinen Tisch." (Ps. 128, 2—3.) Das ist die rechte Ehe, Wo zweie sind gemeint, Durch alles Glück und Wehe Zu wandern treuvereint. Der eine Stab des andern , Und Liebe Last zugleich, Gemeinsam Rast und Wandern . Und Ziel — das Himmelreich. Hat der eben angeführte Psalm 128 von des Mannes Arbeit gesprochen, so preist der Hochgesang vom Biederweib (Mi. 31, 10) den Fleiß der Frau, die aufsteht, wenn es noch Nacht ist, um ihren Haushalt zu versehn. Sie tut ihrem Gatten Liebes und nie Leides alle Tage ihres Lebens. Sie breitet ihre Hand dem Armen aus und reicht ihre Gabe dem Dürftigen. Auch die Armen gehören ja zu den Hausgenossen, und früh sollen die Kinder daran gewöhnt werden, gegen die Armen gütig und freundlich zu sein. . (Fortsetzung folgt.) Sulamithl Ich glaube dich, einzige Frau, Schwester, Mutter und Braut, Ewiger Bau, Stolzer, von Gott gebaut, O, du Volk, du Geschlecht, Feurigen Blutes Gebet, Frucht, vor Unendlichkeiten gesät, Ernte, müde und reich, Geist und Gestalt, Wald, Tausend Aeste als Arme zum Himmel zu stree' % Sulamithl Endlich wirst du die Stirn aufrecken . Wie einen Schild, Daß die Völker dich glauben, glühendes Bild, Bild des Gottes, demutvoll und geweiht, Nie wird die Zeit Deine gewaltige Pracht verschütten. Die du alle die Jahre und Lasten gelitten, Sulamith, Schwingende Brücke vom Anbruch zur Ewigkeit! Der alte Herr Von Peter Panter. (Peter Panter ist eins der vielen Pseudonyme Kurt Tucholskys, der hier voriges mal als hervorragender jüdischer Feuilletonist genannt wurde. Der folgende Artikel, der voreinem halben Jahr in der „Weltbühne" stand, mag eine kleine Kostprobe seiner trotz aller Vielfältigkeit durchaus eigenen und einheitlichen Wesensart sein. H. K.) i ^* Werden wir eigentlich auch mal so? Der alte Herr schlurft seelisch, mit den Beinen geht es noch ganz gut, er denkt nur in Filzpantoffeln. Seine Lebensarbeit hat er geleistet, sein Bestes gesagt, sein Schönstes gewirkt — er könnte nun abtreten. Er könnte nach Hause gehen, um seinen Kohl zu bauen — weise lächelnd den Weltenlauf betrachten und uns andre mit seiner überlegenen Güte beschämen. Er könnte auch noch in hohem Alter wirken, noch einmal blühen — das mag vorkommen. Er könnte ab und zu ein Wort sagen über den Lauf der Welt, ein Wort, in dem so vieles rauschte, wenn man es ans Ohr hielte, wie m einer Muschel ... Es ist ein alter Herr. Aber welche Agilitätl Der Motor läuft falsch, seine tote Last ist viel zu hoch — drei Viertel der Tagesarbeit des alten Herrn gehen damit hin, die jüngeren Leute daran zu hindern, auch nun ihrerseits nachzurücken. Ah — Bichls davon. Das. macht er alles noch allein! Ich habe es solange gut gekonnt — -ich werde es auch weiterhin machen! Die kleinen flinken Augen gehen rings im Kreise, ist da jemand —? Hier hat niemand zu seinl Wie eine dicke Henne auf Kücken und Eiern, so sitzt der alte Herr auf seinem Werk, das er eifersüchtig gegen frische Luft bewahrt und bewacht. Immer die Hosen voll Furcht, er könnte eines Tage« abgesetzt werden, immer die finstere Vision des Endes vor Augen, gestachelt vielleicht von der ehrgeizigen Frau, paßt er mächtig auf. Beileibe nioht auf das, was •r zu tun hat — sondern auf die andern, die Seins nicht tun sollen. Seinen Kram erledigt er wie vor dreißig Jahren —| >n alter Frische. Die Jüngern beißt er weg — „Ist der und Oer etwa gefährlich?" — in alter Frische. Welche Kraft! Welkhe irregeleitete und verkehrt angewendete Arbeit! Und keiner sagt: Du bist zu alt, alter Junge — geh ab! Du ähnelst dem Professor, dessen Frau sagte: „Ich weiß nicht — mein Mann liest jetzt ein Kolleg,, in das geht kein Mensch hinein. Und früher war es so voll! Und es ist doch noch genau dasselbe wie vor dreißig Jahren." Keiner sagt's. „Wissen Sie — man kann doch nicht — es ist ein alter Mann . . ." Eben deswegen. Wie zäh das klebt! Wie eigensinnig das ist, wie unangenehm ehrsüchtig, wie eitel, wie verbohrt, wie hartnäckig! Es muß doch schwer sein, zur richtigen Zeit abzutreten. Ob wir auch einmal so werden —? „Sagen Sie mal . . . Schönes Wetter heute! ■ . . Sagen Sie mal . . . hm . . . Was/Sie da in der „Weltbühne" über den „alten Herrn" geschrieben haben: haben-Sie da an einen Bestimmten, gedacht?" An einen Bestimmten? Nein. An zwei. Ich kenne zwei, die so sind — einen in der Politik, einen in der Literatur. Ich habe sie ein bißchen übereinander photographiert, und nun ist der Typus herausgekommen. „Und , . . entschuldigen Sie . . . können Sie mir die Namen verraten?" Beide Herren werden den kleinen Aufsatz lesen und werden sagen: Wahrhaftig — solche alten Knacker gibt's noch. Da hat er ganz recht. Wir Jungen . . . „Na. ja — aber die Nansen! Ich meine: wer ist das?" Die Namen? Wirklich.prachtvcrHes Wetter hcutel Gebet Der du gebaut den Himmel um die Erde, Dein ew'ges Sonnenilammenwunder dran entzündet, Im -Baum und Blume sprachst dein „Sei", dein „Werde", Dein Wille sprach: Anbricht dein Tag, die Nacht entschwind) Dein Sonnengruß dringt in die finstersten Mansarden Den müden Kranken wecket seine heil'ge Macht. Er sprengt der Puppe winterdüsfres Warten, Es stürmt der kante Falter in die Frühlingspracht. Der Cyrille Zirpen und der Amsel Flöten, Des Waldes Rauschen und des Wassers Sang sind dein. Der Tag ist Freude, und die Nacht ist Beten, Ein jeder Atemzug ist lustgetränkter Wein. Schenkst du auch mir, du Großer, deine Huld? Darf, Armer ich, dir betend, dankend nah'n? Das Leben selbst, von dir verlieh'n, ist Pfand, ist Schul.' Ich habe nichts, was ich dir bieten kann . . .. So nimm mich hin,. o, nimm mich ganzl Ich will dir^lles, alles geben, Will selig trinken deiner Allmacht Glanz. So bin ich dein, du bist mein Leben.. Siegfried Bacharach, — § -

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