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Der Jugendbund · 1926-09-09 · 16 (9.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
16 (9.9.1926)
Date
1926-09-09
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Aharon. Ein biblischer Charakterkopf Von Rabbiner Dr. S. Im Schatten eines Großen zu stehen, ist stets ein tragisches Schicksal. Daß Aharon, neben seinem Bruder Mose, dem Manne, von dem die Bibel selbst sagt, daß nie wieder ein Prophet aufstand wie er, der Gott schaute von. Angesicht zu Angesicht, dennoch in Ehren genannt wird, zeugt für seine wahrhafte Bedeutung. Der Midrasch stellt ihm das ehrenvollste- Zeugnis ai«, das er zu vergeben hat. indem er sagt, „an manchen Stelion wird Aharon vor. Mose, an manchen Mose vor Aharon erwähnt, um auszudrücken, daß beide von gleichem Werte sind." Das, was die Thora uns so wertvoll und anziehend macht in ihrer Schilderung der Persönlichkeiten, ist ver allen Dingen die Wahrhaftigkeit, mit der sie uns die Menschen vor Augen führt. Nicht Ideajgestaltcn, deren Tadellosigkeit sie uns fernrückt und sie heraushebt aus der menschlichen Sphäre, nicht Halbgötter oder Engel treten uns in den Führcrgcstaltcn Israels entgegen, sondern Menschen. ■ zwar große Menschen —, aber behaftet mit allen menschlichen Schwächen und Fehlern. Von Mose sagen unsere Alten, da!) er in dem Moment am größten, weil am menschlichsten, erscheine, da er zeige-, daß auch er fehlen könne. So zeigt auch das Bild des Hohenpriesters Aharon, der erwählt ist, Gott ganz besonders zu dienen, helle Lichter und dunkle Schatten. Aber gerade dadurch gewinnt dieses Bild eine ganz besondere Lebendigkeit, tritt sozusagen aus seinem Rahmen heraus auf unf zu und steht vor uns, plastisch als das Bild eines Menschen, dorn gro'ße, heilige Aufgabln anvertraut sind, der aber doch immer Mensch bleibt. In Aharon sehen wir die Verkörperung des Priosterturos, wie es in Israel lebte, solange das Heiligtum bestand. In einem großen Augenblicke tritt er uns zum ersten Male entgegen. Mose hat die Stimme Gottes am Dornbusch vernommen. "Mit aller Kraft seiner oft gerühmten Bescheidenheit hat er sich gewehrt, den gewaltigen Auftrag zur Befreiung l.-racls zu übernehmen. Gründe auf Gründe führt er für seine Weigerung an und erklärt schließlich, t'aß er nicht imstande sei. dem Pharao gegenüberzutreten, weil er kein Mann der Rede sei. Da kommt die Antwort: „Da ist doch Aharon, dein Bruder; ich weiß, daß er reden kann. Er wird dir entgegenkommen und wird sich freuen in seinem Herzen, wenn er dich sieht. Du sollst zu ihm reden und ihm die Worte in den Mund legen . . . und er wird reden für dich zum Volke, j und so»*oll er dir sein zu einem Munde . . ." .Wir sehen bei diesen wenigen Worten die beiden Brüder vor unseren Augen stehen: Mose, den gewaltigen Führer, dem bei der Fülle seiner Gedanken und Ideen die Worte fehlen — und Aharon. den Vornehmen, redegewandten Menschen, der, obwohl der ältere, in seiner Liebe zu seinem Bruder sich gern dem Größeren unterordnet und zu seinem Sprachrohr wird. Raschi sagt zu dieser Stelle: „Aharon freute sich in seinem Herzen, nicht etwa, daß er zürnte, daß sein Bruder so hoher Ehre teilhaftig wurde — er freute sich aufrichtig, und daher erwarb sich Aharon das Verdienst," den Schmuck des ßrustschildes auf sich zu tragen, der auf dem Herzen angelegt' wurde." l'nd dieses Bild des sich will:g dem Hohen beugenden Mannes wird nicht etwa getrüb.t, sondern unserem Herzen noch näher gebracht durch die Tatsache, daß er später einmal, im Verein mit seiner -Schwester Mirjam, gegen seinen Bruder Mose auftrat mit den Worten: „Redet der Ewige nur zu Mose, redet er nicht auch zu uns?" Vi ie verständlich erscheint uns Menschen diese menschliche Schwäche. Und wie schnell erkennt Aharon seinen Irrtum und bittet seinen Bruder: ..Rechne «ins die Sünde nicht an, daß wir uns betören lassen, und daß wir uns vergangen." Klein, Düsseldorf. So suchen auch unsere «Alten Aharon Zu entschuldigen bei seinem Verhalten dem Volke gegenüber, in einem Augenblick, wo wir von ihm eine ganz andere Handlungsweise erwartet hätten. Mose ist auf den Berg Sinai gestiegen, um von Gott die Gesetze zu empfangen und hat Aharon und Hur zurückgelassen als scijne Vertreter. ' Da wird das Volk ungeduldig, meint, Mose "wei-dc nicht mehr zurückkehren und verlangt von Aharon, daß er Götter mache, die ihm vorangehen. Wäre an Mose dieses Ansinnen gerichtet worden, so hätte er in gewaltigem Zorn Idas Volk zurechtgewiesen] Aharon aber besaß nicht diese) Kraft". Wohl war er innerlich empört .über das Verlangen des Volkes, tloch er hatte nicht den Mut, es abzuweisen. Er sah, wie der Midrasch erzählt, daß sein Neffe Hur, der sie ruf Rede stellte, erschlagen [wurde —. da entfiel ihm der Mut, lind er versuchte auf seine Weise, das Volk zu hindern oder wenigstens der Sünde die |Spitzc abzubrechen. Ja, der Midrasch geht so*ar so weit in der Verteidigung Aharons, daß tt sagt: Aharon überlegte, daß es besser sei, daß die Schuld [des Vergehens auf ihm laste als auf dem Volke. So verlangt er denn vom Volke alle Kostbarkeiten, in der Meinung, daß das!Volk sich dann besinne, öder daß wenigstens die Sache verzögert werden könnte, bis! Mose homrre. Und als dann das Kplb vor ihm stand, da baute er einen Altar und rief aus: „Ein [Fest des Ewigen ist morgjen." So versucht er alles, um das l'olk am Götzendienst zu verhindern und Zeit zu gewinnen. Wir wissen sehr wohl, daß Aharon [sich bei dieser Gelegenheit nichtj als eine große Persönlichkeit erwies, aber es muß uns we hl zu denken geben, daß Mose zu Aharon spricht: „Was tat dir dieses Volk, daß du so. grcjßc Sünde auf es gebracht hat!" F.r selbst ist erstaunt darüber, daß Aharon in dieser Weise handelte und kann sich sejne Handlung nur erklären dadurch, daß ein außergewöhnlicher Druck auf ihn ausgeübt worden ist. So wird auch nicht; Aharon, sondern das Volk bestraft. Und daß Aharon dennoch eine Persönlichkeit ist, dje hohe Achtung verdient, das sieht man aus der Erzählung im 4. Buch Mose, wie Aharon,;als die Seuche unter dem Vollme wütet, furchtlos mitten unter die Versammlung, tritt und steht zwischen den Toten und den Lebenden und ■dem Sterben Einhalt gebietet. Hier ernennen wir. wie derselbe Mann, der uns beim goldenen Kalbe so kle;n erscheint, innere GröCe in sich trägt, wahrhaft wirdig, das Priestertum zu tragen, im Heiligtum am hohen Tage) der Versöhnung hinzutreten vor Golt und zu bekennen die Sünde des Volkes, die Sünde seines Stammes und sein eigcnc|s Vergehen. Und so nennt Raschi ihn, als er zu seinen Vätern versammelt Wörden soll, einen grhßen und frommen Mann, der Israel gcnpmfl^en wurde, weil es sich in lasterhafter Weise mit den Fdomitern einließ, l'nd tlcr Talmud erzählt: „Als dts Volk den Mosefjmcl Aharons SohA Eleasar vom Berge Hör ohne Aharon herunterkommen sah,; da fragte es. wo Aharon Bei? Er ist gestorben, antwortete Mose. Ist das möglich, 4n,wor'c'e das Volk? | Er hatte die Kraft, die Pest unter uns| zurückzudrängen, und nun soll de» Todescngel sich seiner i bemächtigen können? Da betete M^rc zum Ewigen. Der sandSc seine Engel, und da» Volk schaute den verklärten Aharon und mußte daran glauben, daß er wirklich entschlummert sei. Da beweinte ihn das Haus Israel dreißig Tage, weil Aharons ganzes Bemühen stets darauf gerichtet war, gestörten Trioden wiederherzustellen und Streitende auszusöhnen." So ist Aharon das Bild des milden und klugen Versöhners. Kein 'Gcwall iger, _ wie sein Bruder Mose, aber ein Mann, der in seiner Art würdig neben ihm bestehen, un|d der uns, auch in seiner Schwäche, verständlich und liebenswert erscheint. Die Flucht in das Nichts Untheologische Betrachtung eines Laien zur Abfallbewegung. Von Benjamin Segel . So wenig Ehre es der Menschennatur macht, so kann es doch nicht geleugnet werden, daß die auffallende Zunahme der Austritte in den meisten Fällen auf den Wunsch zurückzuführen ist, leichten Kaufs der Gemeindesteuer zu entgehen. Personen mit Miüioneneir.kommen haben sich davon bestimmen lassen. . . Ueber die bodenlose Roheit und Niedrigkeit dieses Motivs ist kein Wort zu verlieren. W :r auf irgendeine Weise die staatlichen Steuern hinterzieht, pflegt das vor seinem Gewissen, wenki er ein solches hat, damit zu rechtfertigen, daß dies einel Zwangssteuer ist, denn man kann ja aus dem Staat nicht austreten, und überall fordert jeder Staat seine Steuern. Die jüdische Gemeindesteeur ist stets eine freiwillige, eben Wien. — 6 —

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