Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 16 (9.9.1926)
- Date
- 1926-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Hohenpriester begangen würde und nicht auf eine Verhöhnung der heiligen Gebote hinauslief. Wie suchte man ihn mit eindringlichen Worten daran zu mahnen, die Gefühle des Volkes zu schonen und gewissenhaft den mit dem hohenpriesterlichen Amt verknüpften Dienst zu tun. Wie war man bemüht, seine Unwissenheit zu schonen'und ihn auf diesen Tag würdig vorzubereiten. Eindringlich sprachen die Aeltesten des Belh-Din zu ihm: Mein Herr, o Hoherpriester, vielleicht hast du nur vergessen, vielleicht aber hast.du nicht gelernt! Jüdische Jugend. Auch du bist zu priesterlichem Dienst an der Gemeinschaft bestimmt. " Du sollst das heilige Feuer, das ständig auf dem Altare brennen soll, hüten. Besinne dich auf die höchsten Güter des Judentums, die Reinheit des Herzens, die Reinheit der Familiel Willst du jenen entfremdetet! Hoheapriestern gleichen, bei deren Dienst des Volkes Herz voll Sorge schlug, sollen zu dir ^uch die Aeltesten Israels sprechen: Vielleicht hast du nur vergessen, vielleicht aber hast du nie gelerntl Sukkoth ~i Wenn die Seele des Juden sich zur Selbstbesinnung geläutert hat, wenn sie in dämmernder Selbsterkenntnis vor Gottfliehend sich zu Gott geflüchtet hat, wenn sie, die Unstete, Flüchtige, ihre ewige Heimat wiedererkämpft hat, dann gilt es, das Hüttenfest zu feiern. Vor allem gilt es, der Seele, die ihre Jugendkraft zurückgewonnen hat, Betätigung zu geben. Was rastet, rostetl Und andererseits liegt im Charakter der guten Tat, daß sie fortwährend Gutes muß erzeugen. Es naht das Fest, das, mehr und sichtbarer als andere, Geist und Natur zu edler Harmonie verwoben hat. Geschichtliche Erinnerung an Gottes wunderbare Führung in der Wüstenwanderung unserer. Ahnen vereint sich mit dem unmittelbar aus -der Gegenwart aufwallenden Gefühl des Dankes für den Segen der Ernte. Wir sehen, noch trunken von überirdischen Akkorden, die uns zu Gott hinaufgeführt, den Widerhall seiner,Allmacht, seiner Schöpfergröße-im Reiche der Natur, wir folgen seinen Spuren aus dem Reiche des Erhabenen in das der Milde, des Vorsorglichen. Er, der-dic Berge aus den Tiefen des Abgrundes emporgehoben hat, ließ Nahrung wachsen für alle Kreatur. Aus dem Gebiet des Grandiosen, Tragischen wenden wir uns dem Idyllischen zu, vom Tage der Seele zu den Tagen des Lebens, vielleicht auch zum Alltäglichen des Lebens. Nun.hat feinsinnige Religionswcishcit für zarte Uebergänge, für seelische Affinität der Festgedanken genügend gesorgt. Der Neujahrstag, ' der Tag der Versöhnungen, soll uns nicht nur dem himmlischen Richter nähern, nicht nur mit' ihm und mit uns, auch mit den Mitmenschen haben wir uns auszusöhnen. In unsern Gebeten zittert die Sor;!e .für das Wohl und Wehe der Unsrigen, für Gesundheit und N'ahrun \, für die Ungetrübtheit des Alltags. Und das frohe Erntefest findet noch einmal Israels Beter als Gottesschar ihren Herrn grüßend, mit der Palme, als Zeichen des Friedens nach dem Siege. Es wogen die Gedanken sich grüßend hinüber, herüber. Es wogt die Fülle der Gedanken aber auch aus dem Problem des Festes selbst, es liegt wie Schmelz über der Frucht, wie Morgen- und Abendtau über den Bergen. Was man in gemeinsamem Gotteskampf er- Von Rabbiner Dr. J. Nobel, Berlin. rungen, das soll im engsten Familienkreise aufs neue wurzeln, die Jahrzehnte des Lebens in den Festtagen symbolisch erfaßt werden, der Flüchtigkeit und Hinfälligkeit dieses Lebens soll der Hütte nachempfunden werden. Flüchtig unser Erdenwohnen Und doch durchso in nt wie der Aufenthalt in einem Vorraum von der Sonne der Ewigkeitl Erntedankfest, und doch keine Frucht im Feststrauß, die wirklich der Ernährung diente. Wir danken mit dem Symbol von Pflanzen, die über sich selbst hinausweisen. Alltag und Ewigkeit grüßen sich. Aus dem Tale des Alltags schauen wir zu den Gipfeln der Ewigkeit. Wie man die Ideale des Versöhnungstages in das Jahr hinausrettet und in die Arbeit des Alltags einbettet, das scheint mir die tiefste Bedeutung des Laubhüttenfestes zu sein. Wie der Mensch, der Jude, sich zwischen den Ufern des Alltags und der Ewigkeit, der Endlichkeit und der Unendlichkeit, der Eitelkeit und des Wertes hindurchfindet, das ist das Problem des Sukkohfestcs. Sehr tiefsinnig wird daher die schlichte Bestimmung, daß die Hütt«' 10 Handspannen hoch sein muß, daß sie nicht unansehnlich sein darf, an die-Ccstimmung angelehnt, daß [die Cherubim mit ihren Fittigcn ebenfalls 10 Handspannen hoch den gleich hohen Raum der Bundesläde beschatteten. Sehr tiefsinnig, daß auch Moses und Eliah diese Distanz des Göttlichen und Menschlichen nicht überwunden haben. r Gewiß sollen wir das, was wir im Höhenflug des Jom Kippur intuitiv erschaut haben, in unsere Lebensstättc hinaustragen, und unsere Gedanken sollen diese Hütte nicht bloß entwerfen, sondern selbst die Bausteine.dieser Hütte werden. Gewiß sind unsere Gedanken beschwingte Cherubim, die auf der Himmelsleiter unseres Lebens hinauf und hinunter steigen, oder werden gute Gedanken Cherubim, die die Bundeslade unseres Herzens schirmen. Aber es gibt Grenzen, o Menschensohn, für diesen Höhenflug, die selbst Moses und Eliah nicht überwunden haben. Das Schutzdach schützt dich vor mittelmäßigem Sturm, es schützt dich aber auch vor dem Sturm deines Herzens, es schütze den Menschen vor der unnahbaren Majestät des Göttlichen, dem kein Sterblicher ungestraft ins Angesicht geschaut. MMMUMUUk Zum Wettbewerb rufen wir unsere Mitglieder und Freunde auf. Wir wollen für das Chanukkafest in unserem Feuilleton diejenige Erzählung und das Gedicht veröffentlichen, welche in der sekönsten und künstlerisch) len Weise jene geistige Haltung ausdrücken, aus der heraus das Chanukkafest vom Judentum geschaffen wurde und von uns gefeiert wird. — Als Preise kommen Bücher zur Verteilung. Die Zahl ■der Preise richtet sich nach der Anzahl der den Anforderungen der Preisrichter entsprechenden Einsendungen. Die prämiierten Arbeiten werden nach Möglichkeit alle veröffentlicht. Dem Preisgericht gehören an: Heinz Kahn, Elberfeld Elsa Hirschel, Dresden Ariberl de Jonge, Hamborn Kurt Bachrach, Kreuznach iqgf Rosi Lechner, Braunschweig * Die Einsendungen erwarten wir bis zum 25. Oktober an die Adresse von Dr. Heinz Kahn, Elberfeld, Mozartstraßi 23. Erwünscht, aber nicht notwendig, ist die Einsendung des Manuskriptes, in fünf Durchschlagen. Die Schriftleitun j. — 5 —