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Der Jugendbund · 1926-08-12 · 14 (12.8.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
14 (12.8.1926)
Date
1926-08-12
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Alse »renn es gerade aufuns ankommt, was sollen wir für das Judentum tun, was können wir nützen? Wir sollen Juden werden. In dieser Antwort ist alles enthalten. Juden werder? körinte mancher fragen. Sind wir denn keine Juden? '«•'ein! Wenn man richtig darüber nachdenkt, so sind die meist :n unter uns keine Juden. Sie sind Juden, weil es eben ihre Eltern waren und weil sie so erzogen worden sind, aus Trägheit. Sie nehmen diese Bürde mit Opfermiene auf sich und denken wunder was für gute Menschen sie seien, dnß s;e einer Religion treu blieben, die so viele sogenannte „N.'.chteili " hätte. So ist ihr Judentum! Nicht aus jnnerer tiefer Ue 3erzcu;4ung, weil sie eine hohe Wahrheit erkannt Haben:, si id sie Juden, sondern weil es einmal eben so ist. Und kam oder vielmehr darf sich überhaupt ein solcher Mensch tin Jude nennen? Ist eigentlich Jude zu sein eine Last -ode ein Geschenk Gottes? Also: Wir können dem Judentum dienen, wenn wir JuJen werden, echte, wahrhafte Juden, w>nn wir den Geist der Thora erkennen, ausführen und weitertragen. L'nd darn dienen wir nicht nur dem Judentum, wir dienen der Menschheit und dem Ziele aller Menschen überhaupt. Denn das Ziel der Menschen ist Vervollkommnung, em »erwachsen zu dem Göttlichen, und diesem hohen Ziele korcrr.en wir, wenn wir echte Juden sind, immer näher. Es ist wunderbar, wie wir Jjdcn uns seit zwei Jahrtausenden trotz unserer Zerstreuung erhalten haben. Wir sind nicht untergega 'gen, weil wir an unserer Lehre festgehalten haben. Unsere Li*brc ist von Gott und ist deshalb die Wahrheit, und diese kann" nicht untergehen. Und weil wir uns an ihr festgehalten haben, sind wir auch nicht ■ untergegangen. Gott hat uns ern I eiliijt>.im mit der Lehre gegeben und wir haben zugleich rri: ihr eine Mission übernommen. Eine Verpflichtung, die Waht leit weiterzutragen und sie auch anderen Menschen zu er^fun. Jeder Jude hat diese Verpflichtung, denn Gott hat sie ielcm einzelnen durch seine Vorfahren gegeben. Aber es ist natürlich, »daß wenn wir selber untere Lehre nicht ken -cn u d befolgen, wir sie auch nicht weitertragen können oder se verkehrt weitertragen, und das ist noch schlimmer. Deshalb ist es unsere erste und heiligste Pflicht, zuerst selbst einmal ur sere Religion richtig kennen zu lernen und hiermit unsere L< hre. Mit dem „Kennenlernen" meine ich natü'lkh das Leser und Verstehen an und für sich und dann das Ausüben. N:ir das eine cJfer andere ist etwas Unvollkommenes und d:>H>? picht die eire Wahrheit. So werden wir als richtige Jude s dem Juderlum der Welt und das allermeiste aber uns selbst geben. Wir werden das. was wir erleben, erst richtig verstehen lernen und die tiefen Gesetze, die hinter allem siel en, erkennen. Wir werden den Namen Mensch erst dann verdienen und die Welt wird durch uns heller und strahlend« r geworden sein. * Es ist wahr, wir müssen durch unser Judentum manchmal sehr viel dulden, es steht uns manches verschlossen, was anderen geöffnet ist, wir werden gehöhnt und verspottet. Aber für das Herrliche, was uns Gott gegeben, werden wir doch wohl auch ein wenig dulden können, und dann: Was können uns, sie 3lle, die uns verhöhnen, denn anhaben? Was könren sie uns tun, solange wir die Thbra besitzen? Besitzen, das heißt nie! t nur in unseren Händen,- sondern in unserem Hirzen, solare,3'inser Geist von ihr durchdrungen ist. Die vielen Völker, die uns schon verfolgt haben, mißhandelt, wo sind sie nun? Sie sind schuh lange verschwunden, wir aber bestehen noch. Ich möchte hiejr eine Stelle aus Stephan Zweig vorlesen: Wir wandern durch Völker, wir wandern durch Zeiten, unendliche Straßen des Leides entläng, ewig sind wir die ewig Besiegten, hörig dem Herde, an dem wir ausrasten, Niedrige, Knechte niedrigen Frons. Doch die Städte, sie sinken, es gleiten Völker ins Dunkel, wie stürzende Sterne. Und die hart unsern Rücken zerschlugen, werden zu schänden, Geschlecht um Geschlecht. Wir aber schreiten und schreiten und schreiten tiefer hinein in die eigene Kraft, die sich aus Erden die Ewigkeiten und aus ihrem Leiden den Gott entrafft. Ja, es ist wahr, tausende der Unsrigen sind ihres Glaubens willen schon getötet worden, unser ganzes Volk ist besiegt worden, wir alle sind auseinandergerisseri, sind zerstreut in alle Erdteile, wir bedeuten der Zahl nach, im Vergleich zu den anderen, überhaupt nichts. Seit die Juden unter Moses den Weg durch das Rote Meer antraten; dem Auszug aus Aegypten, seit dort sind sie schon hundertmal aus anderen Ländern gelrieben worden. Sie sind ausgezogen, sich eine neue Heimat zu suchen, und haben dann auch diese wieder verlassen müssen. Und das geschah bis in unsere Zeit hinein und wird auch wahrscheinlich noch fernerhin geschehen. Wir Juden als Volk haben keine Heimat, wir wandern immer, sind ewig zerstreut. Das haben uns die anderen antun können, sie haben die Menschen töten, da3 Volk zerstreuen können, aber vernichten konnten sie uns nicht, weil sie nur den Mcn?chen von Fleisch und Blut besiegen konnten, nicht aber das Unsichtbare, nicht aber das Ewige in uns. Unseren Geist, unseren Gott, diese Dinge konnten sie nie besiegen und werden sie auch nie besiegen, weil wir, die jüdische Jugend, dafür eirstehen werden. Wir werden den Geist unserer Lehre in uns aufnehmen und ihn weitertragtn; wir werden Juden werden. Und to will ich schließen mit den Worten Slehpan Zweigs: Wir wandern den heiligen Weg unserer Leiden, von Prüfung und Prüfung zu Läuterung. Wir ewig Bekriegte und ewig Besiegte, wir ewig Verstrickte und ewig Befreite, wir ewig Zrrstückte und ewig Erneute, wir, aller Völker Spielball und Spott,- wir einzig Heimatlosen der Erde, wir wandern in alle Ewigkeiten, der Lctztgebliebenen unendliche Schar, heimwärts zu Gott, der aller Anfang und Ausgang war. Bis daß er uns selber die Heimstatt werde, der, ruhlos wir wir, mit Sternen und Jahren, die Welt umwar.dcrt und leuchtend unikreist, und wir ganz aufgehen im Unsichtbaren: Verlorenes Volk und sterblicher Gcisll ^WMWW§^WI^V¥^'WW'W&W&W^W9W&9 Unser Judentum Von Bez.-Rabbiner Dr. Beermann, Heilbronn. Auch kler Feind, mit dem wir persönlich in Feindschaft leben, ist unser Nächster, und ihm gegenüber gilt das Gebot der Liebe: „Alle Vergehungen deckt die Liebe." (Mi. 10, 12.) ..Hungert dein Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet, so tränke ihn mit Wasser." (Mi. 16, 17.) Die Schadenfreude ist natürlich verboten.! „Uebcr den Fall deiner Feinde freue dich nicht, und wen« er strauchelt frohlocke nicht dein Herz." (Mi. 24, 17.) Im Gegenteil ist es Pflicht, auch den Feind vor. Schaden zu bewahren: „Wenn du einen deinem Feinde gehörenden Ochsen oder Esel findest, der sich verirrt hat, bringe ihn ihm zurück. Wenn du siehst, daß der Esel deines Feindes unter seiner Last zusammengebrochen ist, so darfst du ihn nicht im Stiche lassen. Abnehmen sollst du die Last mit ihm zusammen." (Ex. 23, 45.) So sind Haß und Rache aus der Seele zu tilgen: „Hasse deinen Bruder nicht in deinem Herzen." (Dt. 19, 17.) „Du sollst nicht rächen und nicht Groll nachtragen." (Lev. 19, 16.) Vielmehr sollen wir unseren Nebenmenschen dadurch vor Sünde hüten, daß wir ihn zur Rede stellen und liebreich verwarnen: „Zurechtweisen sollet du deinen Nächsten." (Lev. 19, 17.) Die Liebe zur Seele muß auch die Seele unserer Liebe sein. Daher müssen wir uns der Sünder und Gesunkenen liebreich annehmen, und ihnen in Seelengefahr beistehen wie in Lebensgefahr: „Stehe nicht still beim Blute deines Nächsten." (Lev. 19, 16.) 7. Im Dienste der Gerechtigkeit. Der Lieb* muß Gerechtigkeit vorausgehen. Niemanden verletzen, dai ist die Vorstufe, die erreicht werden muß, bis wir zu dem — 12 —

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