Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 14 (12.8.1926)
- Date
- 1926-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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alle im Rahmen des jüdischen Bekenntnisses Platz. Wer mit der „kirchlichen" Organisation seiner Gemeinde unzufrieden ist, kann sich getrost einer anderen Gemeinde anschließen, eine eigene Gemeinde gründen; er kann gegen die bestehende Gemeindeorganisation ankämpfen, es ist kein Hochverrat und nicht staatsgefährlich, gegen unsere Gemeindeorganisationen sich aufzulehnen. Das kostet niemandem den Kopf. Es ist auch schwer zu behaupten, daß die jüdische „Kirche" und ihre Diener im Dienste der reaktionären Politik oder der kapitalistischen Gesellschaftsordnung stehe. Sie hat im Staate so wenig zu sagen, daß die politischen und sozialen Mächte ihrer Stütze ganz gut ehtraten können. Der Gedanke jedoch, daß etwa ein -Fortschrittlichgesinnter es im Judentum nicht aushalten könne, weil die Lehren der jüdischen Religion in sozialer und politischer Hinsicht reaktionär und arbeiterfeindlich seien, dagegen die Besitzenden und die Machthaber bevorzugen, das Kapital auf Kosten der Arbeit begünstigen — dieser Gedanke ist so skurril, daß bisher noch kein Abtrünniger gewagt hat, seinen Schritt mit diesem Vorwand zu bemänteln. Daß aber jemand den Abfall vollzieht, weil seine philosophische Ueberzcugung das Judentum innerlich überwunden habe, wird niemandem einleuchten.' Gerade die Männer unter uns, die in Philosophie und Wissenschaft eir.en sehr hohen Ratig eingenommen haben, sind dem Judentum mit allen Fasern ihres Herzens treu geblieben, viele unter ihnen haben mit der ganzen Kraft ihres Geistes für die Befestigung, Erhöhung urd Verteidigung der jüdischen Lehre gekämpft. Die Abtrünnigen rekrutieren sich zu 99 Prozent aus den Kreisen derer, die von Philosophie und Wissenschait himmelweit entfernt sind. Die Motive des Abfalles vom Judentum liegen überhaupt jenseits von allem Geistigen. Sie sind in der Sphäre des persönlichen Egoismus, der Nützlichkeitsrechnung zu suchen. In den weitaus meisten Fallen brachte der Austritt aus dem Judentum große, persönliche Vorteile mit sich: Zutritt zu gutbezahlten Acmterh, Eintritt in sogenannte höhere Gesellschaftskreise, wo man Einfluß und äußere Ehren ernten kann. Aber auch in Fällen, wo solche positiven Vorteile nicht in Betracht kommen, war schon allein die Tatsache, daß man den Ballast des Judentums abschüttele, für niedrige, nur auf ihren persönlichen Nutzen und ihre Bequemlichkeit bedachte Naturen verlockend genug, um sie zum Abfall zu bewegen. Bringt es auch nicht immer Nutzen, Nichtjudc zu sein, so ist es doch immer nützlich und angenehm, kein Jude zu sein. Dann ist man die ewige Hetze los, die stets und überall hinter dem Juden her ist. Man braucht nicht das Damoklesschwert zu fürchten, welches dauernd über den Köpfen der.Juden bald höher, bald tiefer hängt und niederzusausen droht. Man brauchte sich z. B. die Pogrome, die in den ersten Jahren nach dem Kriege in halb Europa wüteten und zchntausende blutiger Opfer forderten, qicht sonderlich zu Herzen zu nehmen, man kann solchen Erscheinungen als unbeteiligter Zuschauer kühl gegenüberstehen, mit jener kopfschültelnden, verschwommenen Teilnahme, mit der man von der Verfolgung der Neijer in den Vereinigten Staaten < oder der hindostanischen Völkerschaften vcrnjninit. Ueber die Beschimpfungen und Verleumdungen des Judentums braucht man sich nicht aufzuregen, ebensowenig über dic'Bedrohung der Gleichberechtigung, denn das alles betrifft ia eine Mcnschcnsortc, die einen nichts angeht, mit der mao in keiner Weise zusammenhängt. Wenn Paris eine Messe wert war, so ist das alles sogar zwei Messen wert. Wissen um das überkommene Gut bedeutet noch lange nicht Willen, dieses Gut auszumünzen. Daher t die Enttäuschung v cier überlieferungstrcuen jüdischen Ellern. d«c meinen, Erziehung ihrer Kinder zur Religion sei Gewähr, daß diese in Cm Bahnen der UeberlleferuHg i"«cb weiter schreiten würden. Wie ist es möglich, diese rcli-,' Nut zu lösen? Löfflcr ist cer Ansicht, daß sie vom Rationalen nur genährt und nicht gemildert wird. Reine Vernunft, kann höchstens eine Schutz- Wi :,.r \<>r Wahn und uferlosem Phantasieren sein. Dir rclifi ijen Not des einzelnen gleicht die Drangsal der Gemeinde, die heu.c nicht mehr und noch nicht wieder wahre Gemeinsrl.aft sein kann. Aus dieser Not leuchtet uns ein We«'., der b'-iher den Wesljuden noch fremd wrtr, der Weg zum'Chassidismus. als dessen Müller und Deuter Martin- Buber Ruhm und 1,'ank gebührt. In jener nrysli ch umglänzlen Well glaubt Li filer die große den wc-Iiichen Menschen verlorene Einhell n upüren, und er hofft, daß wir diesen ungewohnten Weg fir Icyi. Selbstverständlich denkt er nicht an einlache Ucbcrnahme des Chasstdbmus, sondern!••» eine dem Wes -n des \X estiudcn gemäße jüdische Mystik. Hemmnis für uns sind ('<e rationelle Wcltbctrachlung und die religiösen Formen in cc.ien wir aufgewachsen sind. Lebendig-religiöse« Fühlen treibt immer wieder viele zur Gemeinde. Doch weil der Lielcr, der wahrhaft von der Kraft de; Gebetes cri.illt ist. Anlehnung mir im wahren Bruderkreise liodet, i't es e-klärlich, daf! vi« le unserer Besten am Gottesdienste," wie er Linkst geworden isl, nicht mehr Genüge finden. Die neue Zehnschaft zum Gebete wird sich künftig aus Menschen bilden müssen,/die gleichen Lebensrhythmus in sich wissen. Für das diesem Rhvl'imus •n'<cmesesnc Gebet ist vor allen Dingen Aktivität in fordern, Einheit vom Gebot der Seele und vom Uebcn der Gebote. Für eine solche von starker Religiosität g.tragene Gemeinschaft Wird die Ordnung des Gebetes sich nach dem Ruf ihrer Seele richten, für keinen Norm und nicht gedacht für Dauer. I.öfflcrs Gedanken sind kühn und werden wahrscheinlich nach beiden Extremen hin Anstoß erregen. Sie sind geboren aus tiefster Religiosität und aus stärkstem Ringen um das Höchste in der Religion. Deshalb sollten sie ernst bedacht und mit Liebe erwogen werden. Ueber den dritten und bedeutsam erscheinenden Aulsatz des Heftes „Was kann uns die Bibel heute noch bedeuten?" von Margarete Sußmann bei späterer Gelegenheit einige Worte. „Jugendwohlfahrt und Lehrerschaft". Ein Handbuch für die Jugendwohlfahrtspflege. Herausgegeben vom Deutschen Archiv für Jugendwohlfahrt unter Mitwirkung des Deutschen Lehrervereins. F. A. Herbig, G. m. b. Ii., Berlin W- 35. Das gut ausgestattete Buch von 320 Seiten kostet in Halbleinen gebunden 7,50 Mark. Als Vorarbeit für die nächste Verbandsaufgabe „Jugendwohlfahrt und Lehrerschaft" haben die obigen Vereine sich entschlossen, dieses Handbuch herauszugeben, das die Lehrerschaft über das Gebiet der Jugendwohlfahrt unterrichten und ihr für die Mitarbeit, vor allem bei der Vertretung in den Jugendämtern, die notwendigen Unterlagen geben soll. Das Buch bringt darül er hinaus auch iür alle sozial interessierten Kreise Tier öffentlichen und der freien .lugcndwohliahrtspflege einon ulm'a'scnden Uebcfblick über die großen Fragen der Jugendwohllahrt in Theorie und Praxis. Es enthält sowohl die wichtigen einschlägigen Gesetze wie eine Darstellung der Organisator der öffentlichen und'-freien Wohlfahrtsp'lle'ie. Im Anschluß daran finden die verschiedenen Arbeitsgebiete, nämlich die Kinder- und Jugendpflege, Jugcndlürsor;;e und Jugendbewegung, eingehende Erörterung. Die Wanderkarte. Wer wandern will, braucht Karten! Die berten Wanderkarten sind die amttichen Karten des Resichsamts für l.andes- | aufnähme, im Volke unter dem Namen „Generalstabskarten" I bekannt. F'iner der grollen Vorteile der amtlichen Kartenj werke ist der, daß sie das ginzc Reichsgebiet lückenlos üoer- | spannen. Die ..Wardefkartcn" der Privatindustrie, die simt- I lieh aus d« r« r• .ll;r!n«n Karten ihr Material schöpfen, stellen I Crö:jtertciii i «r solche Gebiete dar, deren Karticrung dem I Verkäufer "fo Ii n e n d erscheint. Dcrhalb ist der, welcher nicht die * r.bgelrcts-.en Pinde wandern, sondern neue, unbekannte Gebiet c; thließen will, immer ari die zusammenhangenden Kartenwerke des Rcichsan-.ts für Landesaufnahme angewiesen. I Die BbefBehlüchsle Wanderkarte ist unstreitig das Meßtischblatt, das in seinem großen Malistabe selbst die kleinsten Einzelheiten einer Landschaft genau erkennen Hißt. Daneben ist die Rcicrskarlc 1:100 000 sehr beliebt. Sie stellt ein größeres Gebiet dar, als das Meßtischblatt und isjr hüll 'er. Besonders hinzuweisen ist auf die sogenannten Einheitsblätter, die aus vier zus.immen«;cdrucktcn Einzelbliittcrn der Reichskartc 1 : 100 000 bestehen und zu einem großen Teil in Fünffarbtnüruck vorliegen, Fi«r Wanderungen in der Umgebung größerer Städte sind die Umgebungskarten besonders geeignet, von denen über 100 vorhanden sind. < Ebenso hat das Reichsamt für Landesaufnahme für besondere Gebiete, in d"ne'n viel gewandert wird, wie Harz, Taunus, Thüringer Wald, Glatzer Bergland, Lüneburger Heide u. a. ra., größtenteils farbige Karten herausgegeben. Jede größere Buchhandlung führt die Karten der I Andesaufnahme. Man Ias^e sich aber nicht zur Anschaffung billiger. Nachahmungen verleiten. Sollte eine Karte einmal vergriffen sein, so kann sie unmittelbar von der Verlagsbuchhandlung R. Eisenschmidt, Berlin NW 7, Dorothcenstraße. 60, bezogen werden. Die Rcichska-rtenslellc macht besonders'darauf aufmerksam, daß alle ihre Karten an die Jugendvereinigungen, die dem Ausschuß der Deutschen Jugendverbände angeschlossen sind, zu ermäßigten Preisen abgegeben werden. * © - 9 —