Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 14 (12.8.1926)
- Date
- 1926-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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n gehalten, und Prüfung s loses wird zt Entschuld nur künstlerisch Eigenes und Junges wird der tancjhalten. Nachempfundenes, Angelesenes, Wesen- Rücksendung oder Papierkorb ohne tröstliche verdammt. , » igur.g Noch eins Jüdische Themen sind nicht Bedingung. Was den Anforderungen des vorigen Absatzes entspricht, zeigt notwendig, auch wenn das Thema mit jüdischen Dingen gar nichts zu tun hat, c as jüdische Antlitz der Autoren. Nicht darauf kommt es an, daO das, was das jüdische Herz bewegt, jüdischbedingt ist, sondern darauf, daß das Herz, aus dem man schreibt, bewegt ist. Denn diese Bewegung ist, wenn sie wahr und wirklich vorhanden ist, jüdisch. Der große Raum einer ins Weite wirkenden Zeitung wartet darauf, zu zeigen, wie junge Juden, nicht mehr bestimmt durch die Schranken eines gewissen Themenl^reises, von ihrem Herzen sprechen und von ihrem Leben. Gestatten Irrwege men abwegig ist < Gegen das Zensurgesetz vVon Kurt Bachrach, Bad Sie mir eine Frage: Glauben Sie, daß wir im Jahre 1926 Ioben? — Selbstverständlich glauben Sie es, Sie finden es dur:h den Kalender bestätigt. Vortrefflich. Ich be- VI ir leben in der Zeit der 'Inquisition oder in der frischfröl liehen Aera Metternichs. Jawohl. Meine Frage hat Sie schon in Staunen versetzt, meine Behauptung aber läßt Sie woh; in tiefsinnige Betrachtungen verfallen über die ertlicher — in diesem Fall meiner Phantasie. So iese Phantasie aber gar nicht! Wir wissen, daß die Inquisition und die/Metternich-Zeit, uja nur die markantesten Epochen aufzuzeigen, das Bücher-Verbrenncn, das auf den „Index-Setzen" und ähnliche Maßnahmen zum „Schutz der Gesellschaft und des Staates" gekannt haben. Und unsere Veit soll dies t Erscheinungen wieder in vollem Umfang kennen lernen. Musiolinien und die spanische Militärdiktatur bedienen sich dieser Mittel wieder, gut. man denkt.sich sein Teil. Aber auch Deutsciland, hört, Deutschland soll, vielleicht in viel schärferer Weise wie die eben genannten, Länder, um es kurz zu sagen, ein Zensurgesetz erhalten, ein sogenanntes „Gesetz'zur Sewahrung der Jugend vor Schund und Schmutz". Per Rcichstagsausschuß hat die zweite Lesung des Gesetzentwurfes vorgenommen. Gewiß, wir Jungen erkennen, daß Jugendschul2 nottut, daß Jugend bewahrt werden muß vor Schmutz. Hier gehen aber die Meinungen schon auseinander. Jedes, auch das größte Kunstwerk irch die rechte Brille betrachtet, der Jugend gedeshalb verboten werden. Wir haben ja juristische die die Herausgabe und Verbreitung von Kunstwerken unsil tlichcr Art betreffen; wir haben es erlebt, daß oft genug Künsllern der Prozeß gemacht wurde, ob mit Recht oder Unrecht, wollen wir gar nicht erörtern. Jedenfalls besteht staatlicherseits schon genügender Schutz gegen Schund unJ Schmutz. Nein, wir wollen uns klar darüber sein: Unter dem Deckmantel scheinheiliger Jugendschutzbestrebungen soll der greulichste Rückschritt Geltung bekommen, soll der freie Künstler in jedem deutschen Ländchen der ..maßgeblichen" Kritik einiger Kunstbanausen ausgeliefert werden. Im Jahre Kinder, schlagt eure Radioapparate zusammen, kauft euch Ritten üstungen und werft 95 Prozent eurer Bibliothek ins Feuer. Die Prüfstellen werden es sicher tun. wenn ihr nicht vorzieht, es schon vorher zu besorgen. Wer sind die Prutstellcn? Sie bestehen „aus Vertretern der Kunst und Literatur (und wenn schon'), des Buch- und Kunsthandels, der Jugendwohll ahrt und Jugendorganisationen, der Lehrerschaft und Volkslildungsurganisa'tionen. unter besonderer Berücksichtigung <ler kirchlichen Behörden in allen Gruppen". Das sind alles s:höne. nützliche Organisationen, Menschen besten Willens unc Handelns, mancher wird auch eine gute Portion Kunstverstä idnis besitzen, aber — —. Die Ehrlichen unter diesen werden es ablehnen, sich von Staats wegen zum Richter setzen zu lasen über Dichter, Maler, Bildhauer und alle diejeni- Schund und beträchtlich kann, nur d fährlich und Vorschriften, Kreuznach, z. Zt. Oberstein. gen, die ihr Lehen vertausendfachen, um den Menschen Freude und Schönheit zu spenden — oder ihnen einmal ordentlich die Wahrheit zu sagen! Kommt mir nicht mit dem Einwurf, diese Künstler blieben ungeschoren, man werde nur einzelne Zeitschriften und Publikationen,, deren Gcfährlichkjeit offenbar sei, mit diesem Gesetz treffen wollen. Man wind sich alle die heranzuholen und gründlichst zu erledigen wissen, die manchen Herrschaften unhecyjem geworden sind oder in das beschränkte Weltbild einiger Bildungsbonzen nicht hineinpassen. Junge Kunst wird binnen kürzester Frist weggefegt sein trotz der Versicherung, „daß eine Schrift wegen ihrer politischen, sozialen, religiösen, ethischen oder weltanschaulichen Tendcrz als solche.nicht auf die Liste gesetzt werden dürfe" Man wird das „als solche" schon mit Leichtigkeit auszumerzen wissen, und schon ist das Verbot j Tatsache. Wir brauchen uns also gar nichts vorzumachen: Et geht gar nicht um den Schutz der Jugend (wenn es darum ginge, dann sollte man doch einmal die Schiillcsebüclier nach noch immer in reichlichem Maße vorhandenen untertänigen Herrscherlegenden 11. ä. hübschen Dingen untersuchen, dann sollte man diversen MagMern auf die Finger oder besser auf den Mund sehen, wenn sie ihre ahnungslose Schülcrscha :l in der schamlosesten Weise eigenen Volksgenossen entfremden und Volksverhelzung im übelsten Sinn betreihen), MW dieses Zensurgesetz ist nicht eine Maßnahme zum Schutz jder Jugend vor iff auf die Frci- , ist die l'nler- . Und uns J'inj;e Schmutz und Schund, sondern ein Generalang heit und Wahrhaftigkeit der Kunst überhaup wühlung der Fundamente künstlerischer Kultui will man noch zu Bundesgenossen in diesem ebenso ci:elhaften wie schließlich lächerlichen Kampf dtirch den Köder eines Ausschuß^ilzes engagieren. Wir dank wir, die wir urter neuer Jugend Menschen verstehen, diein innerlich anständiges und vor sich selbst und keinem anderen als Gott zu verantwortendes eindeutiges Leben gestalten wollen und die es ablehnen, ihre Person den sehr durchsichtigen Machenschaften einer reaktionären Clique, zur Verfügking zu stellen. Heute kämpfen schon freie Menschen und ernjste Künstler gegen dieses Gesetz. Lest Walter von Molos Bemerkungen in der „Literarischen Welt" (Nr. 24 25), und Ihr werdet wissen, um was es geht. Ks handelt sich nicht um eine rein literarische, sondern um eine allgemeine kulturelle, ganz lebendige Angelegenheit. Wir müssen das erkennen und demgemäß handeln: Unsere Stimme erheben gegen die Einführung des Gesetzes, Parlamentarier beeinflussen un<L. wenn dennoch das Gesetz durchgeht, unsere Mitarbeit in jedem Fall versagen. Man wird uns deshalb mit übler Nachrede reichlich bedenken. Doch nicht taktische Erwägungen dürfen uns leiten, sondern einzig und allein die Liebe zur Freiheit des Denkens und des Schaffens und damit der kulturellen Unabhängigkeit überhaupt. Aus jüdischen Kinderschicksalen Wir lebin in einer Zeit, die"Tasch vergißt. Ist'ja das Vergessen der Schutz, den die menschliche Seele sich errichtet. Wurde sie hn nicht haben, so könnte sie das Furchtbare, was sie hören muß, auf die Dauer nicht ertragen. Es liegt i erst wenige Jahre zurück, daß über die Ukraine ents-tzliche1 Judenverfolgungen hinwcgbrauslen. Bei dieser Von Dr. Willy Cohn, Breslau. europäische Mensch kaum etwas träumen läßt. Der bewährte Cele 'enhei Wurden und haben Dinge erlebt, von denen sich der westsind unzählige Kinder ihrer Eltern beraubt jüdische Brudersinn hat nachher das möglichste getan, um die schlimmste Not zu lindern, und die Kinder in Heimen untergebracht. Wie aber hat die jüdische Seele das furchtbare Erleben jener Tage überwunden? Das ist die Frage, die der bekannte Jugendpsychologe Professor Dr. F. Schncerson in seinem Buche: „Die katastrophale Zeit und die heranwachsende - 4