Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 13 (29.7.1926)
- Date
- 1926-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHES LEBEN IN RHEINLAND UND WESTFALEN Aus den Bünden Dierdorf i. Westerwald Offener Brie! an Kurt Hirsch, Hamm. .... es war' so schön gewesen, es hat nicht sollen sein. Um an der verabredeten, gemeinsamen Wanderung der Jugendvereine nach Arenberg teilzunehmen, landen sich heute morgen fünf junge Mädels als Vertretung des Dierdorfer Jugendbundesjf gewappnet mit Rucksäcken und Regenschirmen, am Bahnhof ,ein. Obschon es zu regnen drohte, hatten sie den Mut nicht verloren und spähten, gestützt auf ihre Schirmchen, in der Richtung, von wo der Zug die Freunde von Hamm und Altenkirchen bringen sollte. Der Zug lief ein und waren die fünf nicht wenig erstaunt, kein bekanntes Gesicht zu sehen. Der Mut sank, doch die Fahrkarten waren gelöst und, schnell entschlossen, stiegen sie ein, i.n der Hoffnung, wenigstens in Selters Anschluß zu finden. Doch auch hier dieselbe Enttäuschung, denn niemand der Freunde war am Bahnhof. Da verließ der Mut die kleinen Mädels vollends, und sie beendeten hier ihre Tour, denn ganz ohne männlichen "Schutz wollten sie die Wanderung nicht antreten. Gastfreundliche Leute nahmen sich ihrer an, und bewirteten sie freundlichst. Mißgestimmt, und dennoch vergnügt, brachte sie der Mittaßszug wieder in die naheliegende Heimat zurück, nachdem sie beschlossen hatten, „dem Verführer" für die Fahrtkosten einen Zahlungsbefehl von 5 Mark Zugehen zu lassen. Wer vertritt die jMädels vor Gericht??? H. L. Hamm a. d. Sieg Auf dem Westerwald erleben wir immer wieder neue Variationen von Treffahrten. Die Dierdorfer meinen, ihre ünfer"-Trcffahrt sei schon „die Höhe". Sie haben sich damit mal wieder geirrt. Die für den vergangenen Sonntag angesetzte Wanderung stellte jene weit in den Schatten. Fünf Dierdorlcr Mädels sind noch eine Masse Menschen. Die neueste Variation einer Treffahrt von fünf Vereinen ist eine Solowanderung, wohlverstanden: eine Wanderung einer ganzen Person. Das ist aber nicht der einzige Irrtum der Dierdorfer. Sie halten sich besser als — sagen wir mal — ihr Bczirksgruppenleiter. Der Unparteiische möge über den stärkeren Grad von Schlechtigkeit urteilen, der dem zukommt, der sich mal um die sechste Morgenstunde verschläft — übrigens lorce majeur — oder einer größeren Zahl von Personen, die teilweise wiederholt, bei vollem Verstand unentschuldigt schwenzen, Versprechen brechen, mutlos werden und sich von ein paar Regentropien — die bekanntlich auch nur des Morgens lallen — einschüchtern zu lassen. Jedenfalls, Arenberg ist schön, Ems ist noch schöner, und eine dreistündige Dampferfahrt auf dem Vater Rhein am allerschönsten---. Selbst wenn man auch allein ist. Treffahrt bleibt „Treff-Fahrt. Weil wir jetzt nun 'einen sicheren Führer haben und dreimal göttlich ist, ergeht an die Jugendbünde des Westerwaldes zum dritten Male die Aufforderung zu einer Treffahrt nach Arenberg im August] . K. H. Düren Der allgemein unter dem Pseudonym Emil Bernhard bekannte Berliner Rabbiner Dr. Emil Cohn sprach am 8. Juli hier im JJV. und RJF. über Judentum und Politik. In seinen ersten Sätzen bezeichnete er die Politik der Jetztzeit als die schlechte, lügenhafte, die gewalttätige Kampfesweise. Ihr gegenüber stellte er die Politik des größten lebenden Menschen, des Inders Mahatma Ghandi. Dieser geniale Volksführer verlangt von seinen Anhängern, daß sie der Gewalt, die England ausübt, nur die Ungewalt entgegensetzten. Der Referent führte die Worte Mahatma Ghandis — non violence, non Corporation — an. Uns Juden aber soll nicht dieser Gedanke, sondern der des „kiddusch ha schem" leiten. Unsere Kampfesweise soll sich wie unsere/Art durch diesen Gedanken von der eklen, verabscheuungsw^irdigen europäischen Politik unterscheiden. Herr Dr. Cohn sagte ferner am Schlüsse seiner Ausführungen, daß der Gedanke des kiddusch ha schem und seine Verwirklichung ein Erziehungsproblem seien. Die Eltern und jüdischen Lehrer müßten den Begriff des kiddusch ha schem über alle anderen stellen und den Kindern durch diesen heiligen Begriff die Freude am Judesein, an der jüdischen Religion frühzeitig beibringen. Reger Beifall bezeugte dem Herrn Redner, daß seine intcressanten Darstellungen auf guten Boden gefallen waren. Was denken wir uns nun Lei den Worten kiddusch ha schem? Wir wissen, daß Israel, das erwählte Volk Gottes, sich dieser Gnade würdig erzeigen muß und will. Wir sollen in unseren Taten, bei unseren Worten immer unseres Gottes gedenken und seinen Namen in unse.-en Werken heiligen. Kiddusch ha schem! Elsbeth Capcll, Düren. Jüdische Jugendgcrneinschaft, Elberfeld-Bannen Die „Jugendkrise" im Wuppertal, über die ich vor kurzem hier berichtete, ist gelöst. Tatsächlich ist sie gelöst, denn zwei Gruppen jüdischer Jugend arbeiten nun regelmäßig, zwei mal 20 bis 25 junge Menschen setzen sich an zwei Abenden der Woclte zusammen und' beschäftigen sich ' mit jüdischen Fragen. Die erste ist die Arbeitsgemeinschaft, deren Führer Ernst Marx ist. Sie umfaßt im großen und ganzen Jugend im Alter von 15 bis 20 Jahren und behandelt Probleme jüdischer Geschichte und Weltanschauung. Von ihr war hier schon nV*hrlach die Rede. i Die zweite ist eine Arbeitsgemeinschaft, die altersrhäßi-g nicht begrenzt ist und deren Thema sich an das eines von Aribcrt de Jonge im Frühling gehaltenen Vortrages anschließt: „Ahasver oder die Seele der dichtenden Juden in Deutschland". Heinz Kahn ist ihr Leiter. Die Krise ist auch formal gelöst. Am 14. Juli 1926 fand eine außerordentliche Generalversammlung des „Jüdisclcn Jugendvereins" in Elberfeld statt, die beschlaß, daß .an die Stelle des Jugendvereins die „Jüdische Jugendgemeinschaft Elberfeld-Barmen" treten soll. Ihre passiven Mitglieder sind die des alten Jugendvereins, während die aktiven die Mitarbeiter der beiden Arbeitsgemeinschaften sind. Der Gemeinschaft wurden drei Führer gewählt, die ihre Geschäfte führen und sie zu vertreten berufen sind: Dr. Heinz Kahn, Ernst Marx und Grete Lipper. Bis September ist Ferienpause. Uebcr die weitere Entwicklung und Tätigkeit wird berichtet. Die Adresse ist einstweilen: Dr. Kahn, Elberfeld, Mozartstraße 23. Kreuznach Die Bezirksgruppe für den alle Gemeinden ihres Bezirk standen, folgenden Rundbrief aufmerksam zu machen, erübri kennt die Lage! Heute schon Hunsrück, Silz Kreuznach,'hat an. i, in denen .Jugendvereine beversandt: .Euch auf die große Not de:; deutschen Judentums besonders 't sich voll und ganz. Ihr gerade kann man von einer nahenden Katastrophe sprechen. Hilfe ti t not. Hilfe muß .unserer heranwachsenden Jugend, die morgän Wegbereiter und Führer sein soll, durch geeignete Jugendvereinsarbeit werden. Nicht fremd ist Euch die Art der gemeinten Erziehung; einen blühenden Verein habt Ihr früher gehabt,!vielleicht besteht er heute'noch. Vermutlich ist aber die Fühlufig mit dem großen Ganzen verloren gegangen. So sind Eurerj ganzen Gemeinde wertvolle Anregungen entzogen. Wir zweifeln keinen Morojent, daß Ihr es sehr begrüßen werdet, diesen Kontakt wieder aufnehmen zu können-und gestatten uns daher {olgende Fjragen: 1. Besteht dort ein Jüdischer Jugendverein oder ist sonst ein Verein da, welcher sich der""jüdischen Sache, insbesondere auch der Jugcni annimmt? 2. Wenn erstere Frage zu verneinen Wunsch und den Willen, einen Verein neu aufzubauen? — a — ist, habt Ihr den