Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 13 (29.7.1926)
- Date
- 1926-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufbruch Mein Eruder! — nocli ist nicht die Nacht vorbei , . Doch ahne ich flammendes Morgenrot. Wir warten nicht auf den Hahnenschrei, Uns rief ein andres, höh'rcs Gebot, Es geht sich viel 'schöner, viel lust'ger zu zwei'n. Steh auf! — Wir wollen die ersten sein! Die Müden laß träumen auf weichem Pfübl. . > Der brennende Mittag weckt sie —r vielleicht,.' Wir streben gemeinsam zum herrlichen Ziel, Noch herrlicher, wenn man zu zweit es erreicht. Steh auf — Wir wollen die ersten sein! Die Hand gib, Bruder! — Mein Bruder, schlag ein! Großes will werden. Wir sind dabei. Die Hand, mein Bruder! — Auf dich kommt es an Wir bauen die Wegcvon Dornen frei. Wir brechen der goldnen Freiheit die Bahn. Die Zagen lafi klagen, die Aengstlichen schrein! Steh auf! Wir müssen die ersten sein! Das Ziel willst du wissen? Ich nenne es nicht . , Horch! wie es ruft! — Ein ewiges Lied j— Verklärt dich nicht sein göttliches Licht Sein Feuer, das unsere Brust durchglüht? Und wär'n wir jaar.cV schwere Stund' allein, Steh auf! — Wir müssen die ersten seinli Ans Werk! Schon ahn' ich: im tiefen Tal Erwachen, Wie *s kein Mensch noch sah, .Die Brüder, befreiet von Erdenqual. Sie kommen--die Brüder —— sie sind uns so nahl Wie köstlich! Wir durften die «rsten sein. Die Hand gib, Bruderl — Mein Bruder, . schlag ein! Siegfried Bacharach. Zum Wochenabschnitt Ekew .Von jiiiciiaEJsuiimi Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. Die sieben Sabbate zwischen Tischo be Aw und Rausch ha schono erhalten ihr besonderes Gepräge durch die Vorlesung ausgewählter Abschnitte aus dem zweiten Teil des Buches des Propheten Jesaja, Abschnitte, die alle auf einen Ton abgestimmt sind und durch die unwiderstehliche Macht, mit welcher sie das Herz ergreifen, die G«oiüter aufrichten, trösten und beruhigen, auf jeden aufmerksamen Zuhörer einen unvergeßlichen Eindruck machen. Trost und Aufrichtung, Jubel und Jauchzen, das ist der Nachhall de?.ernsten Tages der Erinnerung an die Zerstörung des Tempels, an die ungeheuren Leiden, die Israel im Verlaufe seiner Geschichte erlebt, und zugleich die Vorbereitung auf die hohen tiefernsten Tage, denen wir entgegengehen. Wenn eines die Bewunderung des Beobachters zu erregen vermag, so ist es die ungeheure Kraft, die sich in diesen Trostreden offenbart, die Kraft, die tief aus der Seele Israels stammt. Es ist die" Kraft, das Leid zu meistern, Herr zu werden über das Leben, statt sich beherrschen zu lassen von der Schwere des Schicksals. Wenn wir Menschen die Welt da draußen in ihrer ganzen Pracht und Schönheit erstrahlen sehen, dann hält es uns nicht mehr daheim in der gewohnten L^mgebung, wir streben hinaus, um Erholung und Erfrischung Zu suchen, uns .zu erbauen an der schönen GotSesnatur und neue Kraft zu schöpfen für die Arbeit des Jahres. Ist es nicht seltsam, daß gar viele, und nicht die schlechtesten, diese Erholung finden in der Betrachtung der Trümmer und Ruinen vergangener Zeiten; sollte man nicht meinen, daß im Angesichte der Zerstörung Trauer über sie käme, das Leid vergangener Geschlechter sie niederbeugte, statt sie zu erheben und mit frischer Kraft zu erfüllen? Und doch steckt gerade in dieser Sehnsucht, die so viele Menschen hinzieht zu den Wahrzeichen zerstörter und längst entschwundener Vergangenheit, die Kraft, die den Menschen dauernde und wahrhafte Erholung zu bringen vermag, dieselbe Kraft, die wir in dem Propheten der sieben Wochen bewundern, die das Judentum bewegt, in dieser selben Zeit in jedem Jahre sich'den traurigen Erinnerungen an seine Leiden hinzugeben. Aus demselben Gefühle heraus mahnt unser großer Lehrer Mose in seiner Abschiedsrede, die er vor seinem Tode an sein Volk hielt, von der ein wichtiger Teil in unserem Wochenabschnitt enthalten ist: ,J)enke an den Weg, den dich der Ewige jetzt 40 Jahre lang in der Wüste geführt hat . . ." und dann fährt er fort: „Er ließ dich in Widerwärtigkeit geraten, ließ dich Hunger leiden und speiste dich mit Manna, e-ine Speise, die dir und deinen Eltern unbekannt war, darrit dii erfahre:-!, di3 der Mensch nicht allein vom Brote lebe, tondern durch a!:>s, was aus dem Munde des Ewigen geht." — Hier haben wir aus dem Munde eines großen Mannes, der im Angesichte dos Todes steht und im Geiste das ganze Leben umfaßt, den Schlüssel für die Sehnsucht so vieler nach den Trümmerstätlen der Vergangenheit, hier ist uns der Weg für. die Ueberwindung des Leides aufgezeigt. Die Erfassung der Ewigkeit, die Ueherwi.idbng des Augenblicks ist es, die allein uns Menschen den vollen Wert des Lebens nahe zu bringen vermag. Und dies die Menschheit gelehrt und ihr vorgelegt zu haben, ist das unsterbliche Verdienst des Judentums, das zu allen Zeiten diese Lebensauffassung zur Grundlage seiner Lehre und seines Lebens gemacht hat. Von da aus verstehen wir es, warum wir immer wieder auf unsere Geschichte verweisen, warum immer wiejder unser Blick nach rückwärts gelenkt wird; nicht etwa, u^n uns von der Gegenwart abzulenken oder unseren Blick vor der Zukunft zu verschließen, nicht um den Menschen von den Freuden des gegenwärtigen Lebens wegzuziehen, sein Gemüt zu verdüstern und ihn dadurch bereit zu machen für ein anderes Leben, das die Ueberwindung des irdischen Jammertals bedeutet, sondern um seinen Blick zu weiten, ihm den Begriff zu eigen zu machen von der Ewigkeit der Geschehnisse und der Unendlichkeit der Aufgaben. Wer sicii diesen Gedanken in ihrer ganzen Tiefe hingibt, wird von einer Freudigkeit ergriffen, die nichts zu tun hat mit den schnell vergehenden Freuden des Alltags, er wird mit einer unendlichen Liebe den Sinn des Geschehens erfassen, wird die bleibende und durch nichts zu erschütternde Freude am Ewigen als eine reine stetige Flamme in sich spüren. Die großen Zusammenhänge des Gesdbehens wird er fruchtbar machen für sein Leben und gestaltend bauen auf dem Grunde der V ergangenheit. Warum sollen wir immer wieder Geschichte treiben, warum nicht lieber als Kinder der Gegenwart, als frische Jugend uns befassen mit den Fragen unseres Lebens, unseies Tages? Wer will jetzt noch solche oft gehörten Fragen stellen?. „Denke an den Weg, den dich der Ewige in I der Wüste geführt hat", dann wirst du in der Vergangenheil wahrhaft dich selbst erkennen, die Gegenwart freudig erfassen, der Zukunft ruhig ins Auge sehen. 4 —