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Der Jugendbund · 1926-07-29 · 13 (29.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
13 (29.7.1926)
Date
1926-07-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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fassen wollen, die Grenze Willy Salingers bis zur Verheiratung erscheint. uns zu unbestimmt, aus ihr möchten sich au leicht Kollisionen mit dem Wohlfahrtsamt ergeben. Ein gutes jüdisches Jugendamt muß also möglichst schon vor der Geburt eines Kindes sich um die werdende Mutter kümmern, ihr Rat und Hilfe vermitteln, wenn sie dessen bedarf. Dum folgt die Säuglingslürsorge, Kleinkinder- und Schulkinderfursorgc gliedern sich an. Die Ueberwachung des Adoptions- und Pilegestellenwesens ist Sache des Jugendamtes. Das weitverzweigte Gebiet der F.rholungsfürsorge und der nachgehenden Fürsorge für Kinder, die aus der Erholung zurückkehren, gehört in dieses Gebiet. Es darf kein jüdisches Kind in eine Anstalt oder in einen Kindergarten kommen, von dem das Jugendamt nichts weiß, denn jedes Kind, das nicht bei seinen Angehörigen sein kann, soll eine mütterliche Freundin erhalten, die sich neben dem Anstaltsleiter um das Wohl und Wehe des Schützlings kümmert. Hier wird sehr oft überlokaler Aurtatisch stattfinden müssen, und doch können wir Willy Salingers Ansicht nicht zustimmen, der Provinzial-Jugendämter gründen will. Denn diese überlokale Arbeit kann durch den Jüdischen Frauenbund und seine Frovinzialverbände geleistet werden. Schaffen wir erst in allen Großstädten Jugendämter! Uebertragen wir in den Mittel- und Klcipgcmeir.den dem jüdischen Wohlfahrtsamt Jugci-dwoMfahrtsnufgaben! Organisieren wir nicht gleich allzuviel, denn diese ganz und gar individuelle Arbeit läßt sich nur an Ort und Stelle durchführen. Weiter läge dem Jugendamt Berufsberatung und Schaffung von geeigneten Ausbildungsstätten ob, und das weite Gebiet der Jugendpflege gehört in seinen Kreis. Zu unserem dritten Punkt wäre zu erwähnen, daß: alle Wirtschaftsfürsorge Angelegenheit des Wohlfahrtsamtes bleiben muß. Das Jugendamt hat hygienische und pädagogische Aufgaben an der Jugend zu erfüllen. Unterstützungen hat es nicht zu zahlen. Ausgenommen sind natürlich Stipendien, die der Berufsausbildung dienen; über diese muß das Jugendamt verfügen.' Alle die bisher von uns erörterten-Fragen sind organisatorischer Natur gewesen, aber sie sind bei Neugründungen" von außerordentlicher Wichtigkeit. Ziel und Zweck des Jugendamtes ist, einen Mittelpunkt für die gesunde und für die fürsorgebedürftige jüdische Jugend zu schaffen. Daß dieser Mittelpunkt von echt jüdischem Geist erfüllt sein muß, ist selbstverständlich. Die Leitung des Jugendamtes muß daher einer erfahrenen jüdischen Frau übertragen werden, die die die Jugend sich da* Jugend und ihre Nöte zu verstehen sucht und der voll urd ganz Vertrauen entgegenbringt. Wenn Jugendamt organisch .aus den bestehenden Ve-einen ent wickeln wird, werden diese auch gewiß gerne ubernehmen. die Kosten Erwiderung von Willy Salinger» Düsseldorf Es freut mich, daß Rosi Karfiol, Köln, mit mir derselben Auffassung ist, daß die Errichtung von jüdischen Jugendämtern eine Notwendigkeit ist. Nun will ich mich mit ihren aufgeworfenen Fragen beschäftigen: Als Träger der Lasten für die Jugendämter sehe ich wie bei den anderen Konfessionen den Staat und die Gemeinden an. Uebcr die Arbeitsgebiete der Jugendämter habe ich mich doch in meinem Artikel ganz klar ausgesprochen. Ich will die betreffende Stelle nochmals wiederholen: „Die jüdischen Jugendämter haben die hohe Aufgabt, die jüdische Jugend von der Geburt bis z.u m Eintritt in die Ehe zu betreuen. Sie sind ideal geführt, wenn sie die jüdische Jugend körperlich, seelisch und geistig ro befähigen, daß jedes Glied auf den richtigen Platz gestellt wir d." Ihre Ausführungen über die Arbeitsgebiete der Jugendämter sind 'lediglich eine Umschreibung dieser meiner Forderung. Wohlgemeikt, die jüdischen Jugendämter haben es lediglich mit dem ins Leben getretenen Menschen zu tun, ihm zur vollen Entfaltung seiner Gesamtkräfte zu verhelfen. Alle Maßnahmen vor der Geburt fallen der Familicnfürsorge der Wohlfahrtsämter und den Frauenvereinen zu. Weshalb Rosi Karfiol die Jugend bis zum 18. Lebensjahre nur _ erfassen will, ist mir nicht ganz klar. Der von ihr angegebene Grund ist mir nicht einleuchtend. Wenn ich die Jugend bis zum Eintritt in die Ehe betreut wissen will, so stütze ich mich dabei auf Erfahrungen aus dem praktischen Leben. Ist denn nicht bekannt, wie das Gift „Mischehe" sich in unsere Gemeinschaft eingeschlichen hat und verheerend und zerstörend wirkt? Die Jugendämter sollen dieses Gift ausätzen. Wir wollen, daß die jüdische Jugend beiderlei Geschlechter in geistigen und gemütlichen Konnex tritt, sich achten, schätzen — und auch lieben lernt. Ich stütze mich dabei auf die erhabenen Vorbilder in unserer Geschichte. Was war denn der 15. Ab, der Tag des Holzsammelns für das Heiligtum, wo sich unterschiedslos die jüdische Jugend bei Spiel, Tanz und Gesang zusammenfand, anderes als »in Heiratsmarkt. Aehnlich war es bei dem Freudenfest des Wassergießens am Schmini azareth. Wir wollen den altjüdischen Gedanken durch die Jugendämter in unserer heiratsfähigen Jugend vertiefen, daß eine gute Familie und gute Erziehung mehr Bürgschaft für ein Eheglück ist, als die Höhe der Mitgift. Selbstverständlich werden da auch Maßnahmen ins Auge zu fassen sein, dem ärmsten Mädchen Mittel an die Hand zu geben, das Allernotwendigste für die Ehe zu beschaffen. Ich weise nur darauf hin, daß in Oesterreich eine Ehestandskajse bestand, zu der alle Mädchen beitrugen und durch die sie bei ihrer Verheiratung -»1 oder Selbsländigmachung Mittel an die Hand erhielten. Daß die Jugendämter auf die Mitarbeit der Jugendvereine, Frauenvereine und Wohlfahrtsämter nicht verzichten lönnen, ist eine Selbstverständlichkeit. Das Gebiet der Frauen- und Schwestern vereine ist die „Familienfürsorge", das der Jugendämter „die Jugendfürsorge". Ich habe ferner betont, daß es ein Ideal wäre, wenn jede Gemeinde ein Jugendamt hätte, aber da sich dieses gar nicht realisieren läßt, so können diese Arbeiten in kleinen Gemeinden von den betreffenden Frauen- und Jugendorganisationen gemeinsam übernommen werden. Aber für jede größere Gemeinde ist die Einrichtung eines Jugendamtes—ein« Selbstverständlichkeit. Das Provinzialjugendamt ist für mich ebenso wichtig wie jedes-andere Gemeindeamt. Die Aufgaben des Provinzialjugendamtes habe ich ja auch in meinem Artikel dargetan. Das Provinzialjugendamt soll die ganze Jugendpflege regulieren, im Interesse unserer Jugend auf dem Lande und den kleinen Orten muß es geschaffen werden. Provinzialjugendamt, Gemeindejugendamt und der junge Menich sind ein unzertrennbares Ganze, da gibt es keine Ueberorganisation, da gibt es nur ein Ineinandergreifen der Belange der gesamten jüdischen Jugend. Daß ein jüdisches Jugendamt im jüdischen Geiste geleitet und von ihm erfüllt sein wird, darüber brauche ich nicht ein Wort zu verlieren. Zum Schlüsse ihrer Ausführungen macht Rosi Karfiol einen logischen Schnitzer. Sie schreibt: Daß dieser Mittelpunkt (Jugendamt) von echt jüdischem Geiste erfüllt sein muß, ist selbstverständlich. D i e Leitung des Jugendamtes muß daher einer erfahrenen jüdischen Frau übertragen u er Jen, die die Jugend zu verstehen sucht. . . Sind nur die Damen von echt jüdischem Geiste erfüllt? Wo bleiben die Herren? Gestatten Sic, ich bin tiel religiös, für mich ist die Religiosität meine zweite Natur. Erhalte ich von Ihnen Dispens' zur Leitung eines Jugendamtes? Nun hat aber die von Ihnen vorgeschlagene jüdische Frau für das Jugendamt einen Fehler, diese soll versuchen, die Jugend zu verstehen. Die jüdischen Jugendämter sind l.eine Versuchsstationen, sie sind auch keine Zufluchtsstätten für modebci-ufstätige Herrschaften. Wir brauchen für die jüdischen Jugendämter Persönlichkeiten, die die Nöte der jüdischen Jugend kennen, die mit der jüdischen Jugend leiden uud leben. Das können nur pädagogisch und ökonomisch geschulte Kräfte sein, die die Belange der jüdischen Eltern und Jugend kennen. Dieses setzt eine jahrelange Arbeit im Dienste des Jugendvereins voraus; denn die Arbeit an der jüdischen Jugend ist. Arbeit im Dienste der Zukunft des Judentums. Denkt an die Fördererlisie des Verbandes!

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