Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 13 (29.7.1926)
- Date
- 1926-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Wünsche. In knapper Form Richtlinien für <9U geineinsame Winterarbcit festzulegen. Lr forderte, daß im kommenden Vi inter von sämtlichen Vereinen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zwei .Themengruppen gestellt werden. Diese, beiden fThemengruppen müßten von" Seiten des Bezirksvorstandes genau durchgearbeitet und das Frgebnis dieser[Ar'otfit in Form Ivon Rundbriefen zur Verwendung seitens defc* Vereinr.führer niedergelegt werden. Die allgemeinen Vortrag^ des Winters müßten zur Vorbereitung oder Zusammenfassung des in den Heimabenden behandelten Stoffes demselben Themenkreis entnommen werden, der Bezirksverband habe den Vereinen entsprechende Redner zu stellen. — Neben dieser Hauptarbeit seien in regelmäßigen Abständen Heimabende über Tagesfragen abzuhalten. Auch hierf'.ir müsse der Bezirksverl-and in monatlichen Abständen Rundbriefe herausgeben, die zur Unterstützung der Vereinsführer alle in Frage kommenden Ereignisse dispositionsmäßig darlegen könnten. Endlich sei die Abhaltung vor. Freilagabendkiern und insbcsondere-*on religiösen, dem jüdischen Festeskreisc entsprechenden Ileiir.teicrn, notwendiger Bestandteil des Winterprogramms der Jugendhünde. \ on seiter. des Bezirksverbandes seien Richtlinien für die Ausgestaltung solcher Feiern herauszugeben. Die Ausführungen von Herbert Fclsenthal wurden von Kurt Bacharach, Kreuznach, dahin ergänzt, daß die Stellung der.zu behandelnden Probleme und die Durchführung der Rundbriefe auf Grund von Erhebungen bei den einzelnen Vereinen über die Erfahrungenbei der bisherigen Arbeit vorzunehmen sei. Für die Aufgabe der Erhaltung des deutschen Judentums sei in erster Linie die Gewinnung des flachen Landes bedeutsam, daher sei die Bearbeitung der Landgemeinden in das Programm der größeren Vereine und des Bezirksverbandes aufzunehmen. Fritz Schwarzschild berichtete über die nächsten Aufgaben des Rcichsverbandes. Der Verband sei aus dem Stadium der ewigen Improvisationen herausgetreten, er habe konkrete Erziehungsarbeit zu leisten. Die Verbandsleitung habe folgende naheliegende Aufgaben: 1. Sammlung des ungeheuren Materials, das im letzten Jahrzehnt über die Köpfe der einzelnen Führer hinweggebraust sei, Sichtung desselben nach großen Gesichtspunkten und Niederlegung in gedruckten Leitfäden. Hierfür seien die von Herbert Felsenthal geforderten Rundbriefe eine geeignete! Vorarbeit. 2. Ausbau der Zeitung, wofür konkrete Vorschläge bereits in der Bearbeitung seien, baldige Herausgabe von Führerblättern, die die schweren, für die Masse nicht geeigneten Probleme zu behandeln hätten. 3. Stellung von Rednern seitens des Verbandes. Jeder Verein erhält zu Beginn der Winterarbeit einen Redner, der einen Vortrag über Tendenz und Ziele des Verbandes in werbender Form zu halten hat. Die Aussprache über diese Anregungen war äußerst rege und in jeder Beziehung fruchtbringend. Es sei zu erwähnen, daß die regelmäßige Besprechung der im Verbandsorgan er. schienenen Artikel in Heimabenden gefordert wurde, daß die Frage, was unter Tagesfragen zu verstehen sei, in längerer Aussprache hinreichend geklärt wurde. Es wurde eine Anzahl von Problemkreisen für die Hauptarbeit des Winters vorgeschlagen und zur Bearbeitung verteilt. Nach Zusammenlegung der Anregungen durch Herberl Fclsenthal wurden folger.de Richtlinien für die Winterarbeit festgelegt: L Jeder Verein hat im kommenden Winter zwei Themengruppen in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen, die er aus vier von Seiten des Bezirksverbandes vorgeschlagenen Problemkreisen zu wählen hat. Der Bezirksverband gibt für die Durchführung genaue Anweisungen in Form eines Rundbriefes und stellt geeignete {Redner für Vorträge, die die Heimabende einleiten odef ergänzen. 2. In regelmäßigen Abständen findet ein Heimabend über aktive Fragen statt, der auf Grund von Rundbriefen der Bezirksverbandsleitung durchgeführt wiid. Am gleichen Abend wird ein Referat über die letite Ausgabe der Verbandszeitung gehalten und zur Erörterung gestellt. 3. In jedem Verein finden religiöse Fo*te:;feiern und Freitagabendfeiern statt, zu denen die Bczir <sverbandsleilung in regelmäßigen Rundbriefen Anlaß gib . 4. Die Wintcrarbeit wird eingeleitet durcl einen Tendcnzvorlrag eines vom Reichsverband gestellten Redners, Zusammenfassend kann man sagen, daß selten auf einer Führertagung so praktische Arbeit geleistet worden ist, vor allen Dingen die Anregungen so greifbare Gestalt in Forin von festen Richtlinien gefunden haben. Die Befriedigung über die geleistete Arhe t löste sich dann aueb in einem geselligen Zusammensein von seltener Harmonie aus, in dessen Mittelpunkt eine gemeinsame Bootsfahrt auf dem Rhein stand. 4 - i Am Vormittag hatte eine Besprechung zwischen der Bezirlcsverbandsleitung und den Führern einiger! Bonner jüdischer Organisationen über die Möglichkeit der Errichtung eines jüdischen Jugendvereins in-Bonn stattgefunden. Die Erörterungen ergaben, daß zwar die Notwendigkeit nicht daß aber Schwierigkeiten bezüglich der Erfassung der Jugend bestünden, da die lungere Jugend in einer Kameradengruppe verkannt wurde. vereinigt sei, die ältere Jugend, mit Aufnahme der Ver bindungsstudenten, schwer zu erfassen sei. Es wurde beschlossen, durch eine kleine Kommission eine Liste der Bonner jüdischen Jugend aufzustellen und zu Beginn des Herbstes in zwanglosen Besprechungen, an denen Vertreter des Verbandes zugegen sind, zum Ziel zu kommen. Die Bonner Synagogengemeinde nahm an den Beratungen des Vor- und Nachmittags regen Anteil, indem sie durch mehrere Herren vertreten war. An dieser Stelle sei ihr hierfür, sowie für eine hervorragende Bewirtung mit Kaffee und Kuchen herzlichst gedankt. H. F. Schafft jüdische Jugendämter! Einige Bemerkungen zu den Ausführungen Von Rosi Karf Der Ruf nach Schaffung von Jugendämtern in Nr. II, 2. Jahrgang des „Jugendbundes", wird nicht ungehört vorübergehen dürfen. Die in jüdisch-sozialer Arbeil stehenden Sozialbeamten und die ehrenamtlichen Mitarbeiter, soweit sie Jugendwohlfahrtsarbeit treiben, stellen alle die gleiche Forderung. Eins muß jedoch klar und deutlich vorausgeschickt werden, in kleinen und mittleren Gemeinden kann und muß das jüdische Wohlfahrtsamt die Aufgaben des Jugendamtes mit ubernehmen: jede weitere Gründung würde dort Zersplitterung bedeuten. Unsere geplante Gründung kommt also nur für die Großgemeinde in Frage. Drei Fragen sind bei allen Gründungen von jüdischen Jugendämtern zunächst zu erörtern: 1. Wer soll Träger des Jugendamtes sein7 2. Welche Arbeitsgebiete gehören in das Jugendamt? 3. Wie grenzen wir die Arbeit gegenüber der des judischen Wohlfahrtsamtes ab? Zu der Frage nach den Trägern müssen wir bemerken, daß der wichtigste Faktor die Gemeinde sein muß, weil sie ja die von Willy Salinger, Düsseldorf, i o 1, Köln. Verantwortung für die Glieder ihrer Gemeinschaft trägt. Sie hat das größte Interesse daran, daß die Jugend ihrer Stadt zu brauchbaren Gliedern der jüdischen Gemeinschaft erzogen werde. Sie wird sicher gerne Mittel für prophylaktische Fürsorge zur Verfügung stellen, entlastet sie doch hiermit ganz gejwaltig ihren Wohlfahrtsetat. Neben der Gemeinde gehören zu den Trägern die Jugendorganisationen, die Frauenorganisationen, überhaupt jeder Verein des Ortes, der praktische Jugendfürsorge oder Jugendpflege leistet. Diese Organisationen bilden gemeinsam durch ihre Vertreter den Ausschuß des Jugendamtes. Nicht, daß noch keine praktische Fürsorge an der Jugend geleistet würde, aber die einzelnen gut arbeitenden Vereine wissen zu wenig von der Arbeit der Schwestern« Organisation. In die Arbeit der einzelnen Vereine soll nicht eingegriffen werden. Das Jugendamt soll den Ausgleich schaffen, um einerseits Doppelarbeit zu verhüten, anderseits unbearbeitete Gebiete in Angriff zu nehmen. Wir kommen nun zu unserer zweiten Frage. Wir sind der Ansicht, daß wir die Jugend bis zum 18. Lebensjahre «r- — 2 —